Ich finde, die Frage lässt sich nicht grundsätzlich beantworten, das hängt viel zu sehr davon ab, welche Relevanz die Geschichte für die Core Story oder auch für die Atmosphäre hat. Ich schaue mir mal an, was ich aktuell lese/jüngst gelesen habe:
Ich lese gerade Blue Planet Recontact, das fängt mit 20 Seiten Future History an, bin noch nicht durch, finde sie aber gut, lese sie gerne und finde, das gehört zu dieser Art hard-ish SF setting dazu, weil es gut vermittelt, dass es viel um gewachsene politische/gesellschaftliche Konfilkte geht. Der Spielwert ist vielleicht nicht so gewaltig, aber der reizvollste Aspekt an BP ist für mich tatsächlich ein Stück weit "Gesellschaftssimulation" und da kann so eine Future History durchaus beispielhaft für einstehen.
Broken Lands/Tierras Quebradas legt auf ca. 15 Seiten Geschichte die Grundlagen für die bestimmenden Konflikte des Settings und erzählt die Entstehungsgeschichte der aktuellen Major Players und macht das auch unterhaltsam; vielleicht wäre das auch ein bisschen knapper gegangen, aber auch hier finde ich das Geschichtskapitel absolut sinnvoll als Heranführung an das Setting.
Dolmenwood: So gut wie gar keine Geschichtsschreibung, und das passt hier auch ganz wunderbar. Man erfährt ein paar Dinge, die in weiterer Vergangenheit liegen (irgendwann hat die pluritinische Kirche die anderen Kulte verdrängt, die Breggles waren mal die Herren des Landes, der Cold Prince hat mal über Dolmenwood geherrscht), mehr braucht es auch nicht.
Insgesamt mag ich das Gefühl, dass ein Setting eine Geschichte hat, und die kann durchaus auch halbwegs detailliert auserzählt sein - nur langweilig soll das eben nicht sein. Von irgendwelchen längst vergessenen Vorgänger-Drachenelfenreichen will ich meistens auch nicht wissen, bzw. kann das gern ein Satz über irgendwas Mythisches bleiben. Herrschernamen und Jahreszahlen brauche ich auch nicht, "wie viele hundert Jahre etwa ist das her" genügt mir völlig. Aber ehrlich gesagt ist mir eine zu detaillierte Geschichtsschreibung immer noch lieber als ein "Hier wohnen die Orks, hier wohnen die Elfen" und das Gefühl, dass die da irgendwann einfach hingefallen sind und sich nie irgendwas geändert hat.
EDIT: Ich bin allerdings auch nicht der Meinung, dass alles an einem Rollenspiel direkt das Spiel am Tisch unterstützen muss. Das ist durchaus auch Lesestoff für mich, und da ist dann eher entscheidend, ob so eine Historie durchdacht ist und einen Spannungsbogen hat oder ob es nur eine Folge von Ereignissen ist. Gut finde ich, wenn unmittelbar aufs Spiel gerichtetes Material wie Szenarien, Monster, Schauplätze möglichst knapp, präzise und übersichtlich aufbereitet sind. Aber das ist für mich nicht der Qualitätsmaßstab für jeden Text im Rahmen eines Rollenspiels.