Mein herzliches Beileid. Das ist eine schwere Situation und ihr braucht viel Fingerspitzengefühl dafür.
Da ist eine Menge Wichtiges, was ich nicht weiß: Trefft ihr euch häufig für einen Abend und kommen die Spieler aus der Umgebung? Trefft ihr euch für ein ganzes Wochenende und die Leute reisen von weit her an? Ist die Beerdigung vor dem Spielabend oder danach? Wie eng standet ihr euch ansonsten? Das hat alles Auswirkungen.
Am einfachsten ist es sicherlich, wenn man einfach einmal zusammenkommen kann, ohne spielen zu müssen.
Ich würde vorschlagen, dass du deiner Gruppe einen Vorschlag machst, wie ihr diesen Abend gestalten wollt. Ein langwieriger Abstimmungsprozess oder eine große Ratlosigkeit wären auch quälend. Was vorschlagen und fragen, ob das okay ist, wäre meiner Meinung nach das beste Vorgehen.
1.) Sich treffen, ist gut. Ihr müsst mit dem Schock und dem Verlust umgehen und die Sache wird nicht einfacher, wenn man sie aufschiebt.
2.) Nutzt Rituale. Habt ihr feste Sitzplätze in eurer Gruppe? Dann stellt am leeren Platz eures Freundes zum Beispiel an diesem ersten Abend eine Kerze auf. Oder stellt die Kerze mitten auf den Tisch. Brachte er immer eine Flasche Cola und ne Packung Chips mit? Stellt eine Packung Chips und die Cola an seinen Platz. Und dann würde ich am Tisch zwei Runden machen: Erstens: Wie geht es mir gerade mit dem Tod meines Freundes? Und dann eine Runde: Was war mein bestes Erlebnis, meine beste Rollenspielerinnerung mit ihm? Danach steht die Chance gut, dass auch ein freies, normales Gespräch in Gang kommt.
Irgendwann die Chips essen und die Cola austrinken und an alle verteilen. Das nächste Mal die Sitzordnung ändern, vielleicht den SL auf die andere Seite setzen. Ich könnte bei mir sogar den Tisch um 90° drehen oder anders zusammenstellen. Irgendwas ändern, damit sich eine neue Normalität einstellen kann und kein "Geist" mit am Tisch sitzt.
3.) Wenn es geht, das Abenteuer, zumindest die Kampagne weiter spielen, sonst kommt zur Trauer um euren Freund auch noch die Trauer um die Figuren hinzu. Vielleicht den Kampf überspringen und narrativ, aber mit positivem Ausgang zuende bringen. Auf keinen Fall die Figur des Verstorbenen töten oder zu Tode kommen lassen! Es ist schon alles schlimm genug, da muss nicht noch jemand oder der Zufall die Repräsentanz eures Freundes in eurer Spielwelt "töten". Bei der Figur an diesem oder am nächsten Abend mit Ankündigung die Würfel drehen, wenn es sein muss.
4.) Danach würde ich die Figur nicht als NPC mit der Gruppe weiterlaufen lassen. Die Gründe sind weiter oben im Strang schon genannt: Kein anderer kann die Figur so spielen wie euer Kumpel. Das klappt nicht und fühlt sich falsch an. Außerdem darf die Figur nicht sterben. Wer will dafür die Verantwortung übernehmen? Außerdem: Jeder Auftritt kann schmerzliche Erinnerungen wecken.
Ich würde ihm einen schönen Ritt in den Sonnenuntergang gewähren: Die große Liebe, Häuptling eines Stammes, ein reiches Erbe in einem fernen Land... Wenn es sich richtig anfühlt, kann die Figur ja später immer noch einen kurzen Auftritt haben oder von sich hören lassen. Aber für das normale Spiel sollte sie raus sein und in eine schöne Zukunft verabschiedet werden.
5.) Kennt ihr die Familie? Habt ihr guten Kontakt? Unter Umständen wissen die Eltern, Frau und die Kinder nicht viel davon, was eurem Freund das Rollenspiel bedeutet hat oder was er euch bedeutet hat. Dazu kann man einen längeren Brief schreiben oder bei guter Gelegenheit das Gespräch suchen.
6.) Ein umfangreicher oder gar wertvoller Fantasy-Nachlass ist ein Thema. Meine Frau und meine Kinder hätten wahrscheinlich gar keine Ahnung, was sie damit anfangen sollten. Sie wüssten nicht mal, wie sie das verkaufen sollten. Wahrscheinlich würde viel auf den Müll wandern.
Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, das pietätvoll hinzubekommen, könnte man der Familie anbieten, den Fantasynachlass durchzusehen und ihnen zu erklären, was sie da haben und was man damit machen kann: Was wollen sie als Erinnerung behalten? Was könnte man auf Ebay verkaufen? Eventuell die Verkäufe übernehmen. Was könnte man an einen Rollenspielverein, Jugendzentrum oder die Gruppe verschenken?
Vielleicht kann man der Familie ein Fotobuch machen mit dem Zeug, das eurem Kumpel so am Herzen gelegen hat. Und ihr gebt den Verwandten seine Lieblingswürfel als Erinnerung an diesen Teil des Lebens eures Freundes.
7.) Weiterspielen und eurem Freund so die Ehre geben.
Ich bin sehr froh, dass ich das bislang noch nicht durchmachen musste. Ich wünsche dir und eurer Gruppe alles Gute in dieser schweren Zeit.