Autor Thema: Mitspieler gestorben - wie habt ihr die erste Sitzung danach gestaltet?  (Gelesen 988 mal)

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Offline Hellcat

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Aus aktuellem Anlass würde ich gerne einen Austausch starten, weil mich das Thema doch sehr beschäftigt.  Vor zwei Wochen ist überraschend ein Mitspieler meiner Runde verstorben und demnächst steht unser nächster Termin an.

Seit Tagen beschäftigt mich jetzt, wie ich die Session als Meister gestalten soll: Einfach zur Tagesordnung überzugehen und dort weiterzuspielen wo wir aufgehört haben fühlt sich irgendwie falsch an. Zum einen, weil ja irgendwie jemand mit am Tisch sitzt, der gar nicht da ist, zum anderen weil wir mitten in einem Kampf unterbrochen haben und ich nicht genau weiß wie ich den Charakter aus der Geschichte ausbaue. Ihn einfach verschwinden zu lassen ist aus naheliegenden Gründen genauso doof wie ihn in dem Kampf sterben zu lassen. Wahrscheinlich dürfte das sinnvollste sein, ihn erstmal als NSC zu spielen und ihn dann die Gruppe verlassen zu lassen.

Aber ein "wie gehe ich damit Ingame um" soll ja gar nicht das Thema sein, sondern mir geht es mehr darum, was man mit der Session selber macht. Spielt man einfach weiter? Gibt man vorher noch mal den Raum, dass jeder der möchte noch mal ein paar Sätze dazu sagen kann, wie es ihm mit der Situation geht? Spielt man einfach erstmal einen One-Shot mit einem anderen System, vielleicht auch eines, was in dem ein "Wesen können sterben" nicht so ein zentrales Element ist wie bei D&D oder ähnlichen Systemen?

Die naheliegenste Antwort ist sicherlich "Frag deine Spieler", und das werde ich defintiv auch noch machen. Aber trotzdem interessiert es mich, wie andere mit einer solchen Situation umgegangen sind - vielleicht gibt's da ja noch die eine oder andere Anregung.

Online Edgar Allan Poe

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Ich würde es vor dem Termin bereits mit der Gruppe gemeinsam besprechen und dann könnte man gemeinsam besprechen, was dem Verstorbenen wohl am besten gefallen haben könnte. Vielleicht hätte er es ja cool gefunden, wenn er sich heldenhaft für die Gruppe opfert. Dann könnte man den laufenden Kampf sogar schon in diese Richtung drehen. Oder ein ruhiger Moment, in dem der Charakter erklärt, dass er jetzt in den Ruhestand gehen kann. Oder einfach gar nichts und die Gruppe spielt weiter, als wäre nichts und lässt den Charakter vielleicht sogar bis zum Ende der aktuellen Abenteuerreihe als NPC mitlaufen.
Den Akkusativ zu nutzen ist sexy.

Online Namo

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Eine furchtbare Vorstellung und erstmal mein Beileid zu dem Verlust. Da wir auch im "gefährlichen" Männeralter in meiner Runde sind, denke ich auch manchmal über so etwas nach. Ich mag mir diese Situation nicht vorstellen. Daher lasse ich mal ein Abo für den Beitrag da. Leider dürfte das ja kein allzu seltener Fall sein.

Ich würde das in jedem Fall im Vorfeld mit der Gruppe besprechen. Jeder reagiert ja auch unterschiedlich auf so eine Situation. Als Spielleiter würde ich vermutlich dem Verstorbenen in irgendeiner Form ein Ingame Denkmal in der Kampagne bauen, so dass er durch die Kampagne bzw. in ihr ewig lebt und nie vergessen wird.

Offline Luxferre

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Vorab: mein Beileid. Ich mag mir das Szenario gar nicht vorstellen. Bei uns ist dieser Fall nicht eingetreten, daher kann ich nur sagen, was ich vielleicht tun würde.

Wahrscheinlich würde ich das Abenteuer oder die Kampagne genau an diesem Punkt einfrieren und nicht weiterspielen/-leiten.

Dann eine neue Session 0.
Gedenken an den verlorenen Freund, alte Geschichten erzählen und die vielen tollen gemeinsamen Momente einfangen, beweinen und bewahren.

Dann etwas Neues, etwas Anderes starten.

Ich könnte nicht "einfach weiterspielen" oder dort fortfahren, wo man einen Gefährten verloren hat.
ina killatēšu bašma kabis šumšu Tišpak
-

"Consider the seed of your generation. You were not born to live like animals, but to pursue virtue and possess knowledge"

Offline Outsider

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Ich denke, aber das ist nur meine Meinung, der Fokus sollte auf den Lebenden und nicht auf den Toten liegen. Besprich das mit deiner Gruppe was ihnen wichtig ist. Eine Gedenkrunde um Abschied zu nehmen oder vielleicht ein wenig Eskapismus der Raum zum Trauern lässt aber eigentlich nur ein "wir machen erst mal einfach weiter so" ist.

Ich denke du musst damit rechnen, egal was ihr besprecht, dass es Thema werden könnte und von dem Tag nicht viel erwarten was Story Fortschritt oder konzentriertes Spielen angeht.

Egal was ihr macht, macht das womit sich alle gut fühlen. Wenn es spontan anders läuft, gebt einander Kraft und drückt die Trauer nicht weg.

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Online gilborn

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Mein aufrichtiges Beileid.

Ich würde auf jeden Fall offen mit der Gruppe sprechen.

Aber auch gleichzeitig eine Lösung anstreben / vorschlagen, bei der der Charakter des Verstorbenen nicht einfach weg ist, sondern auf pietätvolle Weise in der Spielwelt verbleibt, damit verarbeitet und nicht verdrängt wird.

Damit meine ich nicht notwendigerweise, dass er als NPC weiter auftreten soll. Aber zumindest sollte es ein Vermächtnis von ihm innerhalb der Spielwelt geben, sein Leben sollte spürbar Wellen geschlagen haben. Und wenn es nur sparsam gestreute Szenen sind, bei denen die Erinnerung an ihm zelebriert wird.

Warum ich das Anstreben würde (ohne es zu forcieren):
Trauer und Wut sollte erlaubt sein, damit nicht verdrängt wird, weil es unangenehm ist.

Im Idealfall, so vermute ich stark, kann das beim realen Abschied nehmen helfen (also in der Funktionsweise ähnlich wie ein Leichenschmaus).


(EDIT: Keine reale Erfahrung damit gemacht)
« Letzte Änderung: 27.01.2026 | 12:02 von gilborn »

Offline unicum

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Mein Beileid.

Ich weis nicht so recht wie ich damit umgehen würde. Sicher ich würde, wenn es mich erwischt, auch nicht haben wollen das nach mir die Leute alles abbrechen. Aber ja den Gedanken - mit abbrechen - hätte ich auch.

Es wäre auch nicht das erste mal das ich Referenzen aus Rollenspiel auf einem Grab liegen sehe. (etwa ein Gesteck mit "Deine Rollenspielgruppe")

Ich denke da auch ggf an einen Neuanfang mit neuen Figuren und gegebenenfalls auch neuer Konfiguration.
Oder eben weitermachen im Gedenken. Dann aber ggf nach einigen Monaten nochmal hinterfragen.

Schwierig.

Ich würde an dem ersten Spielabend danach vieleicht auch erstmal garnicht spielen sondern nur quatschen. Vieleicht mit gemeisamen Essen, falls man das nicht macht.

Ist auch die Sache wie ihr als Gruppe damit umgehen könnt. Menschen sind verschieden, was für mich eine gute Lösung wäre kann für andere echt mistig sein.

Da es mir selbst schon mal passiert ist das mich jemand von den Hinterbliebenden gefragt hat: Was macht man mit dem Rollenspiel Nachlass? Bei mir in der Familie würde ein ganzer Schrank mit Material rumstehen und niemand ausser mir hat zugang zum RPG. Vieleicht würde vieles nach einiger Zeit im Müll landen, darunter auch "Schätze" welche ich lieber in den Händen anderer Spieler gesehen hätte - oder meinetwegen auch auf Ebay (geht dann ja auch an andere Spieler) würde ich aber in meiner Familie niemandem zutrauen. Aber da - nicht aufdrängen, für die Familie ist es sicherlich keine Zeit über so etwas nachzudenken. Beileid ausdrücken, Karte mit Adresse dazu und den Rollenspielvermerk.

Auch schwierig.

Online Saffron

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Auch von mir herzliches Beileid.

Wir hatten diese Situation vor Jahren auch, und wir waren alle eng befreundet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr unterschiedlich ist, was die Spieler sich wünschen.

Wir haben eine rotierende Spielleitung, und ein SL hat den SC des Verstorbenen zu einer Schlüsselfigur seiner Kampagne gemacht (als NSC), so dass der Charakter noch jahrelang dabei war.

Der SL wollte das Gedenken an unseren Freund bewahren, für mich fühlte sich das sehr seltsam an, auch weil der SL den Charakter eben anders verkörpert als unser verstorbener Freund. Ich hätte lieber sowas wie einen Kneipenabend abseits des Rollenspiels gehabt, um dem Freund zu gedenken.

Leider wurde das aber nicht vorher abgesprochen, und ich mochte mich dann auch nicht dagegen aussprechen, nachdem der SL das alles schon vorbereitet hatte.

Daher mein Rat: sag allen, dass der nächste Termin dafür vorgesehen ist, den Umgang mit der Situation zu besprechen und wenn sie mögen vielleicht auch in Erinnerungen zu schwelgen. "Weißt du noch, als sein Barbar mal den Neujahrsempfang des Herzogs aufgemischt hat?"

Wir haben übrigens bei drr Beerdigung je einen unserer Würfel als Grabbeigabe in die Grube geworfen und haben später jeder einen Würfel des Freunds als Andenken behalten.
Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn.

Online Alter Weißer Pottwal

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Puuh, das ist hart. Ich würde wahrscheinlich was anderes machen und das beim ersten Treffen mit der Gruppe besprechen.
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Offline sma

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Bei uns war die Situation so, dass wir gerade auf besagte Person warten, als der Anruf kam, dass sie verstorben sei. An dem Abend waren wir alle zu geschockt um zu spielen. Danach haben wir einige Wochen Pause gemacht und dann beschlossen, keine der aktuellen Kampagnen fortzusetzen, sondern mit neuen Charakteren (und auch neuen Spielsystemen) neue Dinge zu beginnen.

Es fühlte sich einfach falsch an, den Charakter aus den jeweiligen Geschichten "zu schreiben", weil das nicht füllbare Lücke hinterlassen hätte, oder gar ihn als NSC weiter zu führen, was ich noch schlimmer gefunden hätte. Also haben wir quasi symbolisch die Kampagnen mit ihm beerdigt.

Beim Online-Spiel hatte ich inzwischen auch zwei Todesfälle. In diesem Fall waren es keine engen Freunde seit über 30 Jahren. Natürlich war es auch da tragisch, aber nicht vergleichbar. Und auch da haben wir nichts einfach weiter gespielt, sondern abgebrochen und andere Dinge begonnen.

Offline Gondalf

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Mein Beileid, Dir, Euch, den Hinterbliebenen!   :-\

Vermutlich wäre echt das Beste, wenn Ihr euch wirklich zusammensetzt und über alles sprecht.
Wenn Du der Gruppe sagst, wie es Dir geht, wird es denen vermutlich ähnlich gehen und dann findet Ihr gemeinsam einen Weg, wie Ihr damit umgehen wollt.

Ich würde nicht davon ausgehen, dass man an dem Abend einfach weiterspielt, vermutlich ist da viel Redebedarf.

Ich halte mich freiwillig an Tempo 100 – zumindest in geschlossenen Ortschaften.

Offline Blizzard

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*puh* das ist natürlich eine heftige Situation - mein Beileid an alle Betroffenen.

Ich schließe mich der Mehrheit an und denke, in diesem Falle sollte man alle anderen vorher kontaktieren und besprechen, wie man diese erste Sitzung nach dem Todesfall gestalten will. Sich zusammensetzen und darüber sprechen, wie es jedem Einzelnen geht, halte ich für wichtig. Ebenso wichtig ist, denke ich, aber auch, dass man sich zusammen an die vielen schönen, vielleicht auch komischen und teils einzigartigen Momente und Situationen erinnert, die man mit dem Verstorbenen erlebt hat. Es ist wichtig, die Erinnerung an die Person hochzuhalten - vielleicht könnt ihr euch da auch etwas ausdenken ? In so einem Fall ist der Faktor Zeit noch wichtiger als sonst.

Und ja, auch ich würde in dem Fall eine bereits bestehende Runde so nicht weiterführen wollen(weder als Spieler, noch als SL). Sondern irgendein Neustart mit anderen Charakteren einem anderen System und vielleicht auch einem ganz anderen Setting. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man dann ja die alte Runde wieder aufgreifen, wenn alle einverstanden sind und es genug Zeit zur Trauer gegeben hat.

Ich hatte bislang erst einmal so einen Fall (zum Glück). Damals ist ein Spieler auf dem Rückweg von einer Rollenspiel-Hütte auf der Rückfahrt tödlich verunglückt. Da es kein Spieler einer meiner damaligen aktiven Runden gewesen ist und ich ihn mehr oder minder eigentlich auch nur von der Hütte kannte, war ich zum Glück nicht unmittelbar betroffen. Und das ist dann damals auch zum Ende der Hütte hin passiert und ich war zu dem Zeitpunkt, als es passierte schon zu Hause, weil ich damals früher von der Hütte abreisen musste. Geschockt war ich natürlich trotzdem und irgendwie auch froh, dass ich nicht derjenige war, der damals den entsprechenden Anruf (mit der Todesnachricht) auf der Hütte entgegengenommen hat.
"Wir leben nach den Regeln, wir sterben nach den Regeln!"

"Wer nicht den Mut hat zu werfen, der wird beim Würfeln niemals eine Sechs erzielen."

Offline Torsten (Donnerhaus)

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Wenn einer meiner Mitspieler sterben würde, wäre die Kampagne für mich erledigt.
Das ist eine emotionale Last, die ich auf Dauer nicht mit mir umhertragen wollte.

Offline Zouan81

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Bei mir ist es schon inzwischen einige Jahre her, wo ein Spieler aus unserer damaligen Gruppe sich das Leben genommen hat und wir es quasi erst über die Zeitung erfahren haben, da wir jetzt auch nicht in so engem Kontakt zu der Familie standen.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir allerdings nicht mit einer Runde oder Kampagne beschäftigt.

Ein Schock war das natürlich dennoch.

Was ich im Falle einer RPG-Session gemacht hätte, weiß ich auch nicht so richtig. Eigentlich wäre ich dann auch dafür gewesen, die Kampagne einzufrieren. Denn es gäbe kaum eine Option, die nach dem realen Tod eines Mitspielers, der Sache wirklich gerecht werden würde. Also von daher lieber zu einem späteren Zeitpunkt was Neues beginnen.

Ich habe jedoch den Plan gefasst, unseren Mitspieler in meinem Projekt zu verewigen, bspw. als Teilnehmer der Testspielrunde im Buch, wo das Rollenspiel nochmal am praktischen Beispiel erklärt wird.
Mehr kann ich heute für ihn auch nicht mehr tun.

In diesem Sinne verkündige ich hier auch noch meine aufrichtige Anteilnahme.
Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn

Online Eleazar

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Mein herzliches Beileid. Das ist eine schwere Situation und ihr braucht viel Fingerspitzengefühl dafür.

Da ist eine Menge Wichtiges, was ich nicht weiß: Trefft ihr euch häufig für einen Abend und kommen die Spieler aus der Umgebung? Trefft ihr euch für ein ganzes Wochenende und die Leute reisen von weit her an? Ist die Beerdigung vor dem Spielabend oder danach? Wie eng standet ihr euch ansonsten? Das hat alles Auswirkungen.

Am einfachsten ist es sicherlich, wenn man einfach einmal zusammenkommen kann, ohne spielen zu müssen.

Ich würde vorschlagen, dass du deiner Gruppe einen Vorschlag machst, wie ihr diesen Abend gestalten wollt. Ein langwieriger Abstimmungsprozess oder eine große Ratlosigkeit wären auch quälend. Was vorschlagen und fragen, ob das okay ist, wäre meiner Meinung nach das beste Vorgehen.

1.) Sich treffen, ist gut. Ihr müsst mit dem Schock und dem Verlust umgehen und die Sache wird nicht einfacher, wenn man sie aufschiebt.

2.) Nutzt Rituale. Habt ihr feste Sitzplätze in eurer Gruppe? Dann stellt am leeren Platz eures Freundes zum Beispiel an diesem ersten Abend eine Kerze auf. Oder stellt die Kerze mitten auf den Tisch. Brachte er immer eine Flasche Cola und ne Packung Chips mit? Stellt eine Packung Chips und die Cola an seinen Platz. Und dann würde ich am Tisch zwei Runden machen: Erstens: Wie geht es mir gerade mit dem Tod meines Freundes? Und dann eine Runde: Was war mein bestes Erlebnis, meine beste Rollenspielerinnerung mit ihm? Danach steht die Chance gut, dass auch ein freies, normales Gespräch in Gang kommt.
Irgendwann die Chips essen und die Cola austrinken und an alle verteilen. Das nächste Mal die Sitzordnung ändern, vielleicht den SL auf die andere Seite setzen. Ich könnte bei mir sogar den Tisch um 90° drehen oder anders zusammenstellen. Irgendwas ändern, damit sich eine neue Normalität einstellen kann und kein "Geist" mit am Tisch sitzt.

3.) Wenn es geht, das Abenteuer, zumindest die Kampagne weiter spielen, sonst kommt zur Trauer um euren Freund auch noch die Trauer um die Figuren hinzu. Vielleicht den Kampf überspringen und narrativ, aber mit positivem Ausgang zuende bringen. Auf keinen Fall die Figur des Verstorbenen töten oder zu Tode kommen lassen! Es ist schon alles schlimm genug, da muss nicht noch jemand oder der Zufall die Repräsentanz eures Freundes in eurer Spielwelt "töten". Bei der Figur an diesem oder am nächsten Abend mit Ankündigung die Würfel drehen, wenn es sein muss.

4.) Danach würde ich die Figur nicht als NPC mit der Gruppe weiterlaufen lassen. Die Gründe sind weiter oben im Strang schon genannt: Kein anderer kann die Figur so spielen wie euer Kumpel. Das klappt nicht und fühlt sich falsch an. Außerdem darf die Figur nicht sterben. Wer will dafür die Verantwortung übernehmen? Außerdem: Jeder Auftritt kann schmerzliche Erinnerungen wecken.

Ich würde ihm einen schönen Ritt in den Sonnenuntergang gewähren: Die große Liebe, Häuptling eines Stammes, ein reiches Erbe in einem fernen Land... Wenn es sich richtig anfühlt, kann die Figur ja später immer noch einen kurzen Auftritt haben oder von sich hören lassen. Aber für das normale Spiel sollte sie raus sein und in eine schöne Zukunft verabschiedet werden.

5.) Kennt ihr die Familie? Habt ihr guten Kontakt? Unter Umständen wissen die Eltern, Frau und die Kinder nicht viel davon, was eurem Freund das Rollenspiel bedeutet hat oder was er euch bedeutet hat. Dazu kann man einen längeren Brief schreiben oder bei guter Gelegenheit das Gespräch suchen.

6.) Ein umfangreicher oder gar wertvoller Fantasy-Nachlass ist ein Thema. Meine Frau und meine Kinder hätten wahrscheinlich gar keine Ahnung, was sie damit anfangen sollten. Sie wüssten nicht mal, wie sie das verkaufen sollten. Wahrscheinlich würde viel auf den Müll wandern.

Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, das pietätvoll hinzubekommen, könnte man der Familie anbieten, den Fantasynachlass durchzusehen und ihnen zu erklären, was sie da haben und was man damit machen kann: Was wollen sie als Erinnerung behalten? Was könnte man auf Ebay verkaufen? Eventuell die Verkäufe übernehmen. Was könnte man an einen Rollenspielverein, Jugendzentrum oder die Gruppe verschenken?

Vielleicht kann man der Familie ein Fotobuch machen mit dem Zeug, das eurem Kumpel so am Herzen gelegen hat. Und ihr gebt den Verwandten seine Lieblingswürfel als Erinnerung an diesen Teil des Lebens eures Freundes.

7.) Weiterspielen und eurem Freund so die Ehre geben.

Ich bin sehr froh, dass ich das bislang noch nicht durchmachen musste. Ich wünsche dir und eurer Gruppe alles Gute in dieser schweren Zeit.

Offline unicum

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Ich habe es zumindest einmal schon erlebt das in unserem Rollen & Brettspielverein der Nachlass eines Mitgliedes aufgeschlagen ist die Hinterbliebenden hatten gesagt "besser bei euch als auf dem Müll, denn das mit dem Müll hätte er wohl nicht gewollt."

Ich wurde dann vom Vorstand gebeten durchzuschauen und auszusortieren was brauchbar ist oder was man verticken kann auf Ebay. Denn bei all den mondpreisen die hier im Forum auch genannt wurden habe ich auch auf Ebay schon schnäppchen gemacht. Beim letzten war es wohl auch aus einem Nachlass.

Gerade bei Dingen welche Out Off Print sind und es keine PDF gibt ist das etwas das man beachten sollte.

In dem Sinne: Regelt mal euren RPG Nachlass, ihr seid auch alle nicht unsterblich und ich natürlich auch nicht.

Offline D. M_Athair

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    • ... in der Mitte der ZauberFerne
Mein tiefes Mitgefühl. Das ist ne schreckliche Situation.


TIPP: Schaut erstmal wie ihr als verwaiste Runde mit dem Verlust klar kommt.
(Mehr dazu gleich. Zuerst meine Erfahrungen.)


Wir haben damals effektiv die Runde beendet, indem wir nie weitergespielt haben.
Die Runde bestand aus 4 Personen. 3 Freund*innen (inkl. mir als SL) und einem kleinen Bruder.
Der tödlich verunfallte Mitspieler, war der kleine Bruder, der gleichzeitig einer der besten Freunde meines kleinen Bruders war.
Die beiden verbliebenen Mitspieler waren darüber hinaus Nachbarn.
Entsprechend war für uns Hinterbliebene ... alles wichtiger, als die Runde. Das war glasklar!

Danach hatte offensichtlich nie jemand das Bedürfnis die Runde wiederaufzunehmen.
Das war irgendwie unausgesprochen klar.


Was mein Beispiel auch zeigen soll ist: Schaut erstmal was für euch jeweils dran ist.
Je nachdem wie eng der Kontakt war ... ergeben sich unterschiedliche Dinge.



Wenn es eine RPG-Freundschaft/Bekanntschaft war ... dann wäre das Erste:
Den kommenden Termin für Labern, Socialising, ggf.Trauerarbeit und ggf. zur Planung zu nutzen.
In engen Freundschaften ... wird das informeller geklärt ...

Gleich in der aktuellen Handlung weiterzuspielen macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn.




Ich schieb mal den Spiel-Planungsteil vor, ...
... weil ja zuerst die Fragen zum gemeinsamen Spiel aufkommen. Die nehmen sich Vorrang und sind entsprechend zuerst
zu klären. Das ist aber nicht das, was ihr in der Gruppe zuerst machen solltet. Den Teil über "Wie-Mit-Der-Situation-Menschlich-Umgehen" schreibe ich später. Zunächst wollen die spielpraktischen Fragen aus aus dem Weg geräumt werden, damit die erstmal aus dem Kopf raus sind:

Schaut mal darauf, was der Verlust mit euch als Runde gemacht hat und welchen Einfluss das auf euer Rollenspielinteresse hat. Wollt ihr unter den neuen Voraussetzungen überhaupt gemeinsam weiter Rollenspiel zu betreiben. Gibt es eine oder mehrere Menschen, die ne Auszeit wollen ... (Selbst wenn alle weiterspielen wollen: Rechnet damit, dass sich die Gruppendynamik und individuelle Interessen verschieben. Auch noch nach einiger Zeit)

Wenn das klar ist, dass weitergespielt werden soll, wäre die nächstes die Frage, ob ihr beim gegenwärtigen Spielgeschehen bleiben wollt.
=> NEIN: Beim gegenwärtigen Regelwerk? In derselben Spielwelt? Wäre ne One-Shot-Phase gut?
Wollt ihr den Verlust - abseits des laufenden Spielgeschehens irgendwie spielerisch bearbeiten ... oder lieber euch davon ablenken?

=> JA: Was soll mit der verwaisten Spielfigur geschehen? Das solltet ihr als Runde entscheiden - ggf. unter Berücksichtigung, was sich der Verstorbene für die Figur gewünscht hätte.
Grundsätzlich gibt es ja drei Möglichkeiten:

1) Wenn die Figur auch zu Tode kommt (bitte nicht ausspielen, sondern narrativ festlegen wie und warum es so kam), holt ihr euch das Thema bewusst ins Spiel rein. Das kann hilfreich sein, das kann aber auch total blöd sein. Und alles dazwischen. (Tragisches Ende)

2) Die Figur kann verschwinden:
A) Einmal indem sie sich verabschiedet ... und ihr eigenes Glück sucht ... und nie wieder auftaucht. Sowas kann man schön gestalten und dadurch zum Ausdruck bringen, dass die Entscheidungshoheit einer spielenden Person über ihre Figur ein Wert ist, der für die Gruppe wichtig ist. Das würdigt, dass der einzige Mensch, der zentral über das Schicksal der Figur entscheiden soll/darf, nicht mehr da ist. (Offnes Ende)
B) Die Figur kann auch aus dem unmittelbaren Spielgeschehen verschwinden und in eine glückliche Position gelangen zu der die SC keinen Zugang mehr haben (werden).  (Happy End)

3) Und die Figur kann als NSC im Spiel bleiben. Wie nah oder fern sie der SC-Party stehen soll, müsst ihr dabei natürlich auch entscheiden. (No End)

Jede Variante hat ihre Stärken und Schwächen. Was für eine Person passt, kann für eine andere Person gar nicht passen. Hier ist gutes Aushandeln gefragt, um eine Lösung zu finden, die für alle passt.. Die Varianten können auch gemischt werden. Wenn die Figur irgendwie dabei bleiben soll (z.B. weil sie als wichtiges Erbstück des Verstorbenen gesehen wird), aber sie nicht "falsch" gespielt werden soll ... ist ein lebendiger toter NSC (aka Geist) ne Möglichkeit. Technisch gesehen ist das nicht mehr dieselbe Figur. Aber der SC ist auch nicht weg.

Damit ihr das so machen könnt, wäre es für die meisten Varianten gut, den Kampf zu überspringen. Lasst euch gemeinsam was einfallen, warum alle (auch die Gegner) den Kampf abbrechen müssen. Wenn der Kampf in-game von Bedeutung ist, dann lasst es etwas sein, das dazu führt, dass der Kampf vertagt werden muss.


Das ist jetzt die spielbezogene, planerische Seite.
Ein bißchen klingen überall auch Momente der Trauerarbeit an.


Jetzt zur Organisation des nächsten Treffens:
  • Die SL fragt die übrigen, ob wir uns als RSP-Runde zum üblichen Termin treffen wollen. Wenn nein: Wie verbleiben wir?
  • Wenn der Termin steht, dann ist die Frage, was die Runde will: Reden (nur Labern oder/und Trauern oder/und Planen - da bitte nicht zu viel reinpacken) oder Spielen (einen One-Shot, bei Brett- oder Kartenspiel). Spielen ist auch voll OK, solange klar ist, dass wir jetzt zur "Ablenkung" spielen, weil uns die aktive Beschäftigung mit dem Verlust des Mitspielers zu viel ist. Wir erkennen den Verlust an und spüren wie sich die Gruppe mit der Leerstelle anfühlt.
  • Wer kann was ein bißchen vorbereiten? Hat jemand nen "Trauer-Plan" (z.B. Erzählen von gemeinsamen guten Erlebnissen mit dem Verstorbenen und Methoden zur seiner Verabschiedung aus der Runde. Will jemand "gemütliches Plaudern" vorbreiten - ein angenehemes Setting dafür schaffen? Wer könnte "Was-Spielen" vorbereiten, ....

Beim ersten Treffen
  • Erstmal abfragen, wie die Leute "da" sind. Wie geht es uns? Passt für alle, was wir uns vorgenommen haben (Labern, Socialising, Trauern, Spielen, Planen ... oder werfen wir's spontan um, weil was anderes besser scheint?
  • Vielleicht auch: Was muss an diesem Treffen passiert sein, dass ihr gut nach Hause gehen könnt?
  • Das tun, was passt.
  • Am Schlus nochmal prüfen, ob alle gut Heim gehen können oder ob noch Wichtiges offen ist.
  • Ein Plan für das nächste oder die nächsten Treffen.


PS.: Wenn ihr Trauermethoden oder -Rituale nutzen wollt: Einfach fragen. Das Forum weiß da sicher was!
« Letzte Änderung: Heute um 04:54 von D. M_Athair »
"Man kann Taten verurteilen, aber KEINE Menschen." - Vegard "Ihsahn" Sverre Tveitan

Offline Hellcat

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Danke euch allen erstmal für die vielen hilfreichen Anmerkungen, da ist einiges dabei was ich (und sicherlich auch andere, die in der gleichen Situation sind) mitnehmen kann.


Offline Outsider

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Danke euch allen erstmal für die vielen hilfreichen Anmerkungen, da ist einiges dabei was ich (und sicherlich auch andere, die in der gleichen Situation sind) mitnehmen kann.

Kopf hoch das schafft ihr!  :d
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Offline Boba Fett

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Mein Beileid.

Von außen kann man schwer beurteilen, wie nah sich eure Leute stehen.
Ich würde die gesamte Spielrunde fragen und vorschlagen einen Spieltermin mal "sein zu lassen" und zusammenzukommen, und sich einen schönen Abend zu machen, vielleicht was zusammen Essen (gemeinsam kochen, wenn das euer Ding ist), und über gemeinsame Erlebnisse - insbesondere Spielerlebnisse, natürlich insbesondere mit dem Verstorbenen zu quatschen.
Kopfgeldjäger? Diesen Abschaum brauchen wir hier nicht!