Autor Thema: Motivationsverteilung bei KI-Unterstütztem Rollenspieldesign  (Gelesen 269 mal)

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Online Maarzan

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Mir geht es hier um die Motivation der Autoren bei der Erstellung dann auch veröffentlichten Materials und in wie weit sich das bei KI-Einsatz ändert.
Ich frage hier nicht, ob das gut oder schlecht ist, sondern nur nach euren Eindrücken und ggf begründeten Vermutungen bezüglich der Motivationen der Contentveröffentlicher und daraus abgeleitet die folgen für Art und Umfang des KI-Einsatzes.

Was glaubt ihr:
A) sind die üblichen Motivationen solchen Content zu erstellen und deren Anteile an den Erstellern aus?
B) Wie wirken sich die verschiedenen Motivationen dann auf das Werk in der Praxis bzw. was und in welchem Umfang dann Ki und was Handarbeit ist aus?

Meine Thesen:
Zum Geldverdienen per Masse, muss man wirklich viel Masse erzeugen und entsprechend schmerzfrei sein bei dem, was man da an Qualität raushaut sowie entsprechende Möglichkeiten in Bezug auf Werbung und Vermarktung haben, dass man die Reichweite hat, damit man diese masse zumindest halbwegs regelmäßig auch los bekommt.  Denn auch der KI-Slop muss sich ja erst einmal in der Masse an Angeboten behaupten.


Die andere Gruppe, die ich sehe, sind all die Leuten mit primär "Heartbreaker"-Material, wo es eine besondere Idee/Bedürfnis des Autors gibt was zu ändern und der nun mit Internet und insbesondere drivethrough die Möglichkeit hat diese Werke tatsächlich auch in größerem Maßstab zu veröffentlichen.
Hier ist der Kern immer noch handgemacht, aber KI-Nutzung für Füllmaterial und Bebilderung erlauben es im Vergleich z.B. zur vor-KI 3ed Schwemme in kürzerer Zeit und höherer optischen Qualität ein Werk zumindest vom Erscheinungsbild her veröffentlichkeitsfähig zu machen.



Storytellertraumatisiert und auf der Suche nach einer kuscheligen Selbsthilferunde ...

Offline unicum

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KI-Slop wird sich wohl lohnen, ansonsten würde ich auch heute nicht immer wieder mal Scam emails und anrufe bekommen. Scheinbar reicht es wenn ein paar wenige darauf reinfallen. Nicht vergessen: Selbst das erstellen so eines KI-Slop "dings" kostet erstmal Geld. Wenn nicht bei der KI ein Bezahlmodel genommen wird dann steckt da zumindest Arbeitszeit drin mit der man anderweitig und sei es bei MCdonalds hätte echtes Geld verdienen können.

Auf der anderen Seite kenne ich einige Leute die RPG Abenteuer schreiben aber nur eine Person die einigermassen gut Zeichnen kann und die erwartungshaltung an Illustration in RPG Artikeln ist seit den 1980 exorbitant gewachsen. Ich meine mich daran zu erinnern das die Illus tatsächlich ab und an besser bezahlt werden als der ganze Rest an der Publikation (Ausser Druckkosten). Als Illustrator konnte man wohl besser leben denn als Abenteuerschreiber. Vergleicht einfach mal die Illustrationen von vor 40 Jahren mit dem was heute üblich ist.

Vor KI war es für einen Autor alleine kaum möglich "ansehnlich" etwas zu präsentieren.


Offline sma

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Mir geht es hier um die Motivation der Autoren...
0. Das folgende ist alles reine Spekulation.
1. Für Bilder und Text gibt es IMHO komplett unterschiedliche Motivationen.
2. Für Text gilt alles, was du sagst, man könnte jetzt spekulieren, zu welchem Anteil. Es wird Leute gibt, die auf "easy money" hoffen, es wird Leute geben, die das für gut (genug) halten und Freunde am Teilen haben, es wird Leute geben, die einfach mal mit neuer Technik herumspielen wollen.
3. Für Bilder gilt IMHO hauptsächlich, dass diese als unabdingbar angesehen werden, um auf DTRPG bestehen zu können und die Kosten für einen Illustrator in keinem Verhältnis zu dem, was man sich selbst zugesteht, ständen, und daher zu KI gegriffen wird.
4. Vielleicht gibt es eine Nische von Illustratoren, die sagen, ich würde gerne Text zu meinen Bildern haben, bin aber kein Autor und lasse daher die KI formulieren.

Offline Hotzenplot

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Es wurden ja schon ein paar schlaue Dinge genannt.

Aus meiner eigenen Erfahrung, v. a. im letzten Jahr, kann ich sagen: Das "Herumspielen" mit der KI im Rollenspielbereich hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht. Das ist ein Schritt weit von der Veröffentlichung entfernt - wenn überhaupt eine Veröffentlichung stattfindet.

Offline sma

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KI-Slop wird sich wohl lohnen
Für Rollenspielpublikationen? Alles andere ist in diesem Thema ja out-of-scope.

Ob es sich für die Leute, die DTRPG mit PDFs mit KI-generierten Texten "fluten" lohnt, ist IMHO bestenfalls unklar. Klar ist, dass sie sich nicht beliebt damit machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich lohnt, aber ich bin da vielleicht naiv.

Wenn jedoch bereits ein Produkt mit 51 Verkäufen eine Copper-Marke bekommt (Silber ab 101, Gold ab 501, Platinum ab 1001, Adamantine ab 5001), dann kann man's zumindest abschätzen.

"Adventurer's Journey: The Mystery of Darkholme" wird gerade als Angebot gefeatured und erfüllt IMHO das Kriterium KI-Slop. Es hat ein Silber-Batch, nehmen wir daher mal das Maximum von 250 Verkäufen an (danach wird's Electrum). Als Vollpreis wären dann knapp 600€ netto drin, wahrscheinlicher ist aber, dass der aktuelle Preis von 0,84€ dazu geführt hat und gerade mal 101 erreicht wurde, also 46€. Die waren Einnahmen liegen jetzt irgendwo dazwischen. Sagen wir einfach mal als obere Abschätzung 480€. Auf 2 Jahre! Reich wird man mit 20€ monatlich nicht. Jedenfalls nicht in der westlichen Welt.

Hätte man natürlich 200 solche Produkte…

Ich glaube aber, wenn ich mir so den Text anschaue, mit dem das beworben wird, dass hier jemand der Meinung ist, er hätte etwas erschaffen, das nützlich für die Rollenspielgemeinschaft ist. Zumal der Autor wohl ein Rollenspieler und Cosplayer in der Türkei ist. Fishy ist höchstens dass es bei dem 2. Produkt kein Preview gibt, wo man wie beim ersten PDF erkennen könnte, dass gerade 16 der 35+ Seiten das lineare Abenteuer sind.

Offline sma

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Aus meiner eigenen Erfahrung, v. a. im letzten Jahr, kann ich sagen: Das "Herumspielen" mit der KI im Rollenspielbereich hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht. Das ist ein Schritt weit von der Veröffentlichung entfernt - wenn überhaupt eine Veröffentlichung stattfindet.
Dem kann ich mich anschließen. Das triggert dabei nicht nur meine Faszination für die zugrunde liegende Technologie, sondern es macht mir Spaß, prompts auszuprobieren um zu schauen, was möglich ist und mich von den erzeugten Settings oder Abenteuer dann inspirieren zu lassen.

Meine Motivation bei einer Veröffentlichung wäre, andere daran teilhaben zu lassen. Gleichzeitig denke ich mir dann, würde es nicht auch reichen, die Prompts zu veröffentlichen? Aber das gibt ja nicht wieder, was ich mir beim Lesen denke – und das möchte ich ja eigentlich teilen. Nicht das, was gesendet wurde, sondern das, was ich empfange, wenn ihr versteht, wie ich das meine.

Offline Doc-Byte

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Als erstes muss man mal zwischen Bildern und Text unterscheiden. Bei Bildern dürfte die Motivation in den allermeisten Fällen ganz simpel sein, dass man sich einen menschlichen Illustrator schlichtweg nicht leisten kann, man aber trotzdem nicht (weitgehend) auf Bilder verzichten will. (Und nein, Stock Art ist mitlerweile keine echte Alternative mehr.) Bei Texten muss man wiederum darauf schauen, wie die KI genutzt wurde: Wird hier praktisch ungefiltertes "Rohmaterial" veröffentlich? Wurden die Text der KI als Ausgangspunkt genommen und von Hand weiter entwickelt / überarbeitet? Wie viel Vorbereitung ist in die KI Generation eingeflossen? Wurde da einfach nach einem "Abenteuer für D&D" gefragt oder wurde die KI zuerst mit Hintergrundinformationen zur Spielwelt gefüttert? - Vielleicht wurde die KI aber auch nur als "interaktives Brainstorming" genutzt, um die eigenen Ideen weiter zu entwickeln und sich inspirieren zu lassen... Den einen Einsatz für KI Technik im "RSP Design" gibt es schlichtweg nicht und die Gründe der Autoren können vielfälltig sein. Und ja, simple Neugier auf und Spaß am Herumspielen mit die/der neue(n) Technologie können durchaus auch ein Faktor sein.

Online Skaeg

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Ich glaube aber, wenn ich mir so den Text anschaue, mit dem das beworben wird, dass hier jemand der Meinung ist, er hätte etwas erschaffen, das nützlich für die Rollenspielgemeinschaft ist. Zumal der Autor wohl ein Rollenspieler und Cosplayer in der Türkei ist. Fishy ist höchstens dass es bei dem 2. Produkt kein Preview gibt, wo man wie beim ersten PDF erkennen könnte, dass gerade 16 der 35+ Seiten das lineare Abenteuer sind.
Die Reviews, mit denen das Ding gepusht wird, sehen auch etwas verdächtig aus.
« Letzte Änderung: Heute um 20:26 von Skaeg »
The Lord does not stand with those who are b*tch-like!

Online Morf2

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Im Job finde ich den KI-Einsatz oft sehr hilfreich, und es spart mir viel Zeit.

Beim Basteln an unserer Kampagnenwelt schliesse ich es aus Prinzip aus.

Wohlwissend das ein KI-Einsatz deutlich (!) Geld und Zeit spart - und durchaus sehr tolle Ergebnisse liefert. Es fühlt sich aber (für mich)  nicht echt an, es steckt (gefühlt) keine "echte" Arbeit drin.

Das stimmt so recht nicht. Prompten will auch gelernt sein. Es ist eine abstrakte, eine andere Form von Arbeit, ja.

Es ist aber keine Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Es ist kein Gemeinschaftswerk das entsteht.

Ob man das später spüren wird, das wünscht man sich. Denn das Einbriefen bei Zeichnern, die vielen Korrekturschleifen, Missverständnisse ist aufwendig, aber den Spaß, das Miteinander, die Inspiration uvm. würde ich nicht missen wollen.

 :headbang:
« Letzte Änderung: Heute um 21:56 von Morf2 »

Offline Doc-Byte

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Beim Basteln an unserer Kampagnenwelt schliesse ich es aus Prinzip aus.

Wichtiger Punkt, man muss auf jeden Fall zwischen KI Einsatz als SL und/oder Spielrunde und KI Einsatz als Autor unterscheiden, weil das doch eher verschiedene Anwendungsfälle sind, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen.