Ich habe keine Ahnung von der Genealogie der Begriffe zu "Combat as War" und "Combat as Sport" und ich bin auch weder Konfliktforscher, noch Sportwissenschaftler, Trotzdem finde ich, dass die beiden Bezeichnungen nicht so aussagekräftig sind, wie hier manche meinen.
Anscheinend geht es ja um eine Dichothomie (die hier im Thread ja auch schon kritisiert wurde), bei der die Begriffe "War" und "Sport" für unterschiedliche Herangehensweisen an Kämpfe stehen. Aber da beginnt für mich schon das Problem. Wie bitte kann denn ein Kampf gleichzeitig "Krieg" sein? Wenn schon, dann sind Kämpfe doch Bestandteile eines Kriegs, genauso wie es eben sportliche Wettkämpfe gibt.
Meine Kritik geht aber noch tiefer. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird hier suggeriert, dass es sportliche Konflikte gibt, die in irgendeiner Form regelgeleitet und daher berechenbar sind und dass es kriegerische Konflikte gibt, die theoretisch unberechenbar sind und daher am besten umgangen werden. Dahinter steckt, so glaube ich, die Vorstellung von Krieg als etwas Schrecklichem und Sport als etwas, das erstmal positiv konnotiert ist. In echt gibt es aber doch sehr wohl auch im Krieg Regeln - klar, diese Regeln werden oft gebrochen, aber im Sport ist es doch auch so (Doping etc.). Und das Doping und Buffen vor einem Kampf ist ja wiederum auch nicht auf den Sport beschränkt. Die Wehrmacht war 1940 auch komplett auf Droge, als sie in Frankreich eingefallen sind. Und auch der Krieg an sich folgt ja bestimmten Regeln. Manche haben sich hier ja kritisch gegenüber Wargaming geäußert. Ich hoffe, allen hier im Thread ist schon bewusst, dass Wargaming nicht von Nerds erfunden wurde, sondern dass es echtes Wargaming gibt, dass echte Konflikte simuliert und dass das kein ausgedachter Quatsch ist, sondern dass man eben sehr wohl militärische Konflikte berechnen kann. Wenn diese nicht bestimmten Regeln folgen würden, könnte man das ja nicht machen. Das Rollenspiel hat ja nicht das Wargaming übernommen, sondern vom Wargaming die Methode der Abwicklung von Konflikten durch auf Statistik beruhenden Simulationen.
Gleichzeitig störe ich mich auch an dieser Gegenüberstellung von Krieg als etwas, das man immer umgehen sollte und Sport als etwas, was wünschenswert ist. Krieg ist nicht für jeden schlimm - hier empfehle ich die Lektüre von Klaus Theweleits "Männerphantasien", wo sich die Weltkriegsveteranen in den Freikorps zurücksehnen nach der Front, wo sie andere abschlachten können und die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers erotisiert wird. Klar, solche Leute sind in unseren Augen total kaputt und wir wollen im Rollenspiel sicher keine solchen Arschgeigen spielen, aber wir spielen doch gerne Abenteurer, die vielleicht in-Time richtig Bock drauf haben, einen Drachen zu töten. Weil dann ist man der Drachentöter! Und vielleicht tötet man nachher noch ein paar Drachen.
Und hier kommt nun mein größtes Problem: der Combat im RPG hat ja immer eine Konsequenz, und zwar ist meistens am Ende jemand tot. Das ist eben nicht wie beim Sport, wo wir uns mehr oder weniger freundschaftlich treffen und dann messen wir unsere Kräfte. Man geht ja nicht in den Dungeon und sparred mit den Dungeon-Bewohnern. Wir machen kein Augenweitschießen mit den Beholdern. Und wir verabschieden uns nachher nicht, weil nämlich mind. ein Kombattant schwer verletzt oder sterbend am Boden liegt. Was ist daran bitte Sport? Ein Wettkampf kann also ergo nur entweder unter den Spielern (bzw. Spieler vs. NSCs, die auch Dungeon Crawlen) stattfinden (wer tötet / besiegt mehr Monster) oder zwischen den Spielern und dem SL, so in der Art, wer besiegt mehr Figuren, der SL oder die Spieler. Aber das würde ja darauf hinauslaufen, dass wir ein metagamiges Brettspiel spielen, in der die Spielwelt egal ist. Dann kann ich ja auch einfach die Magic-Karten rausholen.
Ich mache hier mal ein Gedankenspiel. Ein Abenteurer kommt in die Taverne und sagt: "Ich bin im Krieg und töte Orks". Dann kommt ein anderer und sagt: "Ich töte Orks als Sport." Also ich wüsste genau, welcher von beiden der Assi ist, mit dem ich nicht am Tisch hocken will.