Habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht, aber jetzt wo du fragst: Nein. In meinem Abenteuer sind die Menschen die Bösen, weil sie die Kräfte einsetzen, die durch Aberglaube und Unwissen entstanden sind. Die Wesen sind eigentlich Opfer. Aber dem John Sinclair-Stil folgend, gibt es das Böse, das bekämpft werden muss. Es nimmt aber den Menschen nicht aus der Verantwortung, weil es seine Entscheidung war, sich auf Magie, Lüge und Aberglaube einzulassen.
Finde ich stimmig. Bei mir ist es meistens so, dass menschliche Schuld und menschliches Handeln das existierende Übernatürliche verschärfen. Das große Übel entsteht, wenn Menschen böse agieren und dadurch Vaesen auf den Plan rufen oder sich ihrer bedienen - die Vaesen selbst fackeln dann allerdings auch nicht lange.
Die John-Sinclair-Idee finde ich auf jeden Fall sehr interessant. Vaesen wäre ein System gewesen, bei dem ich zunächst nicht darauf gekommen wäre, einen größeren Zeitsprung im Setting zu machen, aber warum eigentlich nicht?
Ich habe mich letztens auf einer Feier mit einer Schwedin unterhalten, und irgendwie sind wir dabei auf das Thema Aberglauben und nordische Wesen gekommen. Sie stellte die Theorie auf, dass in skandinavischen Ländern viele Menschen noch immer eine gewisse Affinität dazu haben. Das hat meine Fantasie direkt auf Reisen geschickt, und ich habe kurz darüber nachgedacht, wo und in welchem Kontext so etwas wie der Nöck wohl in unserer heutigen Zeit auftreten könnte.
Falls diese Erfahrung für dich auch von Interesse ist, ich habe ein paar Vaesen-Abenteuer für meine Abenteuer 1880-Runden benutzt (1x das Abenteuer aus dem GRW, 2x Ein gottloses Geheimnis). Insofern nutze ich die Regeln gar nicht und habe auch den Hintergrund wo nötig angepasst. Insgesamt mag ich die Abenteuer und werde vermutlich zukünftig noch mehr einsetzen.
Auch eine spannende Idee. Ich denke, wenn man sich hauptsächlich für das Setting interessiert, erlaubt es einem, es ohne viel Federlesen in ein anderes Regelwerk zu übertragen. Ich kenne jemanden, der die Kreaturen des Nordens jetzt im TinyD6 System jagt.
Gerade erst mit dem Einsteigerset angefangen. Ich habe vor, nur Kaufabenteuer zu spielen. Diejenigen, die ich gelesen habe, fand ich auch gut.
Regelseitig sind wir gerade auf Einsteigerset-Niveau, werden das aber auf GRW-Niveau anheben (was wahrscheinlich kein großer Sprung ist).
Mal schauen, wie sich das System über die Zeit anfühlt.
Dann wünsche ich euch viel Spaß damit! Und ja, der Wechsel zum GRW sollte kein Problem sein. Die Regeln sind zwar nicht im eigentlichen Sinne modular gelistet, aber es ist leicht möglich, stufenweise Dinge hinzuzunehmen oder wegzulassen. Und Quantenphysik ist die ganze Year Zero Engine ja ohnehin nicht.
Vaesen ist das einzige RPG, bei dem ich ausschließlich Kaufabenteuer leite. Warum? Weil mir einfach weder zu Zeit noch zu Thema selbst was einfällt.
Außerdem ist die Struktur der Abenteuer so weit von dem entfernt, was ich sonst leite, dass ich das einfach so nicht in meinen Schädel kriege.
So wie die Abenteuer aufbereitet sind, funktioniert es aber sehr gut. Demnach meine Gruppe auf Charakterspiel ohnehin keinen besonderen Wert legt, erspare ich ihnen auch irgendwelche Abende am Kamin im Schloss.
So haben wir bisher jedes Abenteuer in einer oder zwei Sessions durch gehabt.
Interessanterweise ist Vaesen das erste System gewesen, bei dem eine bestimmte Gruppe von mir plötzlich total auf die „Abende-am-Kamin“-Szenen abfährt. Vermutlich erleichtern ihnen das Setting, das stärker in unserem Realismus verankert ist als z. B. klassische Fantasy, und die Zeit, die näher an unserer eigenen liegt, den Zugang.
Unter anderem haben sie im Laufe der Abenteuer verschiedene NSCs "adoptiert" und sie in die Gyllenkreutzstraße einziehen lassen. Auf diese Weise haben sie das Hauptuartier sehr zu "ihrem" Ort gemacht, was schöne Szenen erlaubt.
Verstehe aber auch, wenn das nicht jedermanns Sache ist. Teilweise stellt es mich auch vor Herausforderungen, was Ablauf und Zeitmanagement angeht. Mein Anspruch ist normalerweise, ein Mysterium - ähnlich wie bei euch - in ein oder zwei Sessions abzuschließen (wir kommen einfach so selten zusammen und eine Zerhackstückelung ist mir gerade bei Ermittlungsabenteuern ein Graus). Wenn dann zu viel am Kamin gesessen wird, komme ich manchmal ins Schwitzen, allerdings nicht wegen des Feuers.

Was die Einfälle zu Mysterien angeht: da habe ich teilweise schon hemmungs- und gewissenlos bei Witcher 3 Sidequest geklaut...

Diese folkloristischen Viecher, die dort überall herumwuseln, schienen mir teilweise unglaublich passend.