Autor Thema: Beobachtung in Blogs, Rezensionen usw.: Warum geht es nicht ohne Abwertung?  (Gelesen 3231 mal)

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Online Vash the stampede

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Heya Miteinander!

Hinweis: Ich habe jetzt lange überlegt, wo ich das Thema verorten soll. Sollte es hier falsch sein, bitte ich die Mods, es zu verschieben.

Zum Kern. Ich lese - und manchmal schaue ich gerne - Dinge zum Rollenspiel und anderen Medien, insbesondere Filme. Dabei kann es sich um Bücher, Video oder Blogs handeln, die Tipps, Methoden, Spielweisen und andere Dinge behandeln, z.B. Rezensionen. Was mir dabei immer wieder, und leider eher negativ, auffällt, ist, dass dies oftmals mit einer Be- oder gar Abwertung von anderen Spielen, Filmen oder Spielweisen einhergeht. Dies kann manchmal in Form von einer Art Überheblichkeit geschehen, aber oftmals in einer direkten Wertung.

Und hier frage ich mich, warum das so ist. Warum kann eine Sache nicht für sich selbst stehen, sondern muss regelrecht in Kontext mit etwas anderem gesetzt werden und zudem leider noch dadurch, dass das nicht Betroffene betont oder schlicht präsentiert, sondern indem ein Gegenüber abgewertet wird. Schlimmer noch, warum braucht es diesen Kontrast überhaupt?

Um vielleicht einmal konkreter zu werden. Ich habe eine gewisse Faszination für die OSR und altes D&D entwickelt und mag vieles von dem, was dort gemacht wird. Aber in so vielen Texten, wird dort zunächst einmal betont, wie toll man ist und wie, vermeintlich, schlecht die anderen oder etwas anderes sind. Ich lese also einen Blog-Eintrag, der voller schöner Gedanken ist. Der mir jedoch bitter aufstösst, weil er mit Verurteilung und Herabwürdigung vergiftet ist.

Oder ich schaue/lese eine Filmkritik und das was umfassend gemacht wird, ist, dass ein anderes Produkt im Vergleich als schlecht beurteilt wird. Warum bleibt man nicht beim Thema und beschreibt das gewählte Zielobjekt?

Ich verstehe, dass man Dinge in den Kontext setzen kann oder gar muss. Entwicklungen, Quellen, Inspirationen usw. Leuchtet mir alles ein, doch gerade wenn man etwas präsentieren oder vermitteln will, halte ich diesen Weg der parallelen Beurteilung für schädlich für die Sache. Mir vergällt es dann ein Thema regelrecht. Dies gilt vor allem fürs Rollenspiel, wo ich die OSR Community für beinahe toxisch halte, weil ihre Vertreter und Claqueure ihre Sicht bejubeln und andere herabwürdigen. Wie unter zwang. Und ja, der Witz ist nun, zu sagen, sie tun es, weil sie halt recht haben. Haha, geiler Gag. Nicht.

Was bei mir hängen bleibt, ist das Gefühl von Personen zu bekommen, die sich selbst einreden müssen, dass sie toll sind, das Richtige tun oder an das Richtige glauben, aber nicht, weil sie davon überzeugt sind, sondern weil sie es sich selbst immer wieder einreden müssen. Und das ist unglaublich schade, weil die Ideen und Ergebnisse, die sie präsentieren, gut sind. Und sie können, ganz ohne Kontrast, gut sein.

Wie ist das für euch? Macht ihr eine ähnliche Beobachtung und wie ergeht es euch damit?
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Offline Raven Nash

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Zum einen: Kontext matters.
Eine Review ohne Kontext ist völlig wertlos. Irgendwo muss man schließlich mal eine Baseline festlegen, aufgrund der man bewertet.
Das kann man allerdings auch neutral formulieren, indem man Kriterien festlegt anhand deren man wertet.

Zum anderen: Jeder Händler lobt seine Waren.
Niemand sagt von seinem Zeug, es wäre schlechter als anderes Zeug. Es muss zwingend besser sein, sonst würde man sich ja selbst die Grundlage absprechen. Und meistens wissen die Leute in dem Bereich auch, dass ihr Ding eigentlich das X-te vom Selben ist.
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Online gilborn

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Ich habe eine ähnliche Beobachtung wenn es um DSA geht - von so manchen ist es gefühlt ein Zwang da unnötig draufhauen zu müssen und er kann sich sicher sein, dass es Applaus innerhalb der Community dafür gibt.

Das finde ich sehr schade - gerade die deutsche Rollenspielszene hat DSA sehr viel zu verdanken.

Offline Sashael

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@Raven Nash
Also zunächst mal kann man auch Dinge bewerten, ohne sie mit anderen zu vergleichen.
Der Kontext ist meine persönliche Meinung, die ich in der Rezension idealerweise nachvollziehbar beschreibe und aufgrund derer ich das "Produkt" bewerte. Dazu muss ich keine Vergleiche mit anderen "Produkten" bemühen und schon gar nicht zwingend.

Zum Anderen geht es Vash, so wie ich ihn verstehe, nicht darum, das "eigene" Produkt über den grünen Klee zu loben, sondern darum, warum gleichzeitig ein anderes Produkt (und zum Teil sogar dessen "Nutzer") abgewertet und schlecht gemacht werden muss.

Das ist ein komplett anderes Feld.

Und ich habe dafür auch keine Erklärung. Abwertung von Anderen passiert normalerweise aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl, um sich einzureden, dass man "besser" als die Anderen sei.

Wieso das bei Rollenspielprodukten, Filmen oder Spielen passiert, ist mir schleierhaft.
Es gibt ja keinen Zwang auf Rollenspieler, statt OSR nur harmonisches Erzählspiel mit "Gewinngarantie" zu betreiben, also könnte man ja sagen "Not my cup of tea" und es damit bewenden lassen.

Im sexuellen Bereich gibt es das als "Your kink is not my kink but your kink is ok" und ich finde, dass sich manche Rollenspieler davon eine Scheibe abschneiden könnten.
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Online Vash the stampede

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@Raven Nash. Danke für deine Gedanken. Es hat mir geholfen, eine Sache für mich zu verstehen und warum ich ein Problem damit haben könnte. Denn es fühlt sich für mich so an, als wenn wir uns nach unten orientieren würden. Eine Sache ist nicht gut oder nützlich, weil sie es ist, sondern weil sie besser als etwas anderes bewertet wird. Im Englischen würde man wohl race to bottom dazu sagen.

@gilborn. Ebenfalls eine wichtige Beobachtung. Gruppenzugehörigkeit. Danke für diesen Aspekt. 
Machen
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Offline korknadel

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Ich habe eine ähnliche Beobachtung wenn es um DSA geht - von so manchen ist es gefühlt ein Zwang da unnötig draufhauen zu müssen und er kann sich sicher sein, dass es Applaus innerhalb der Community dafür gibt.

Das finde ich sehr schade - gerade die deutsche Rollenspielszene hat DSA sehr viel zu verdanken.

Bin mit DSA groß geworden, habe mich hier vor 10-15 Jahren aber auch leidenschaftlich mit "DSA-Apologeten" gefetzt. Was ich jahrelang so unverstanden vor mich hin gespielt habe und irgendwann nicht mehr gut funktioniert hat, musste vermutlich einfach mal externalisiert und mit Fackeln und Mistgabeln exorziert werden, ehe ich meinen Frieden damit machen konnte. Von daher würde ich sagen: Bashing kann auch individuell was mit Phasen zu tun haben. Tut mir leid für alle, die sich damals ernsthaft gebasht gefühlt haben sollten.

Und ja, ich teile den Eindruck, dass OSR-Anhänger manchmal drüber sind -- so wie ich seinerzeit in meiner DSA-Ablehnung. Das finde ich besonders schade, weil ich die OSR eigentlich auch sehr mag. Wobei sich meine OSR-Liebe ja vor allem in meinem DCC-Fanboytum ausdrückt, und wahre OSRler wissen ja, dass DCC minderwertiges OSR ist, gelt?  ~;D
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Offline Ma tetz

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Ich bin da ganz bei Gilborn und Vash insbesondere was die gewählten Beispiele OSR und DSA angeht.

Wobei man relativieren muss, dass es auch im deutschen OSR-Bereich sehr entspannte Verfechter des Spielstils gibt, die weitgehend ohne abwertende Vergleiche auskommen (z.B. der Gruftschreckenpodcast).

Ich habe auch Systeme oder Spielstile, die ich nicht besonders mag, aber deshalb muss ich nicht zusammenhangslos Seitenhiebe auf diese in meine Kommunikation einbauen.





Ihr mögt DCC, dann schaut doch mal auf Discord vorbei: Kerkerkrabbler

Online Philipp.Baas

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Du rennst bei mir offene Türen ein.

Als Mitarbeiter von Ulisses kann ich dir sagen, dass (nicht nur in Rezensionen) der Umgangston uns gegenüber z.T. ein Problem ist. Hier im Tanelorn sind meines Wissens nach nur noch zwei von uns aktiv, weil es immer wieder Abwertungen gibt. Ich habe Kollegen, die meiden unseren hauseigenen Discord, weil der Ton zu rau ist. Ich lese die Rezensionen meiner Produkte nicht (Ausnahme siehe unten), sondern hole mir nur noch direktes Feedback. Ich habe keinen Bock, dass mir Leute erklären, wie scheiße sie meine Arbeit finden und sich dabei hinter dämlichen Usernamen verstecken. Wenn jemand die Produkte scheiße findet, soll er den Kram nicht kaufen. Ansonsten sollte jeder nur schreiben, was er mir auch ins Gesicht sagen würde, ansonsten ist dessen Internet-Meinung für mich völlig irrelevant und ich halte die Person für einen Deppen und Feigling.

That said: Gerade im persönlichen Gespräch kriegt man als RPG-Autor unfassbar viel Liebe und auf 100 nette Mails kommt eine "böse", aber die bleibt halt hängen. Außerdem gibt es noch Kritik, die freundlich vorgetragen ist. Zwischen Engors (https://engorsdereblick.wordpress.com/) und meiner Meinung, wie Rollenspiel-Produkte sein sollten und was ein gutes Produkt ist, liegen WELTEN ... ach was sage ich, SONNENSYSTEME, aber Engor ist immer freundlich, wenn man seine Bewertungsgrundlagen kennt (denen ich nicht folge),erkennt man das Muster und er ist fair und auch im persönlichen Gespräch sehr freundlich. Deshalb gilt da "We agree to disagree", trotzdem ist sein Ton so, dass ich seine Stimme als Stimme aus der Community wahrnehme und drüber nachdenke.

Zum Thema OSR: Gibt es super nette Leute, aber eben auch die "Besserspieler" und "Besserspieler" nehme ich schon seit Jahren nicht mehr ernst. Gerade einzelne Randgruppen kritisieren in einer Tour alle anderen und sind gleichzeitig die Oberlehrer der Nation. Die Dieter Nuhrs der RPG-Szene. Der gerechte Zorn alter Männer über Andersdenkende, weil sie es eben doch besser wissen.   

Offline Infernal Teddy

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Als ich noch rezensiert habe, habe ich eigentlich immer versucht a.) meinen Bias klar zu kommunizieren, und b.) selbst an Produkten die nicht "for me" waren noch was positives zu finden.

Hat nicht immer so gut geklappt, gebe ich zu, aber...
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Teddy sucht Mage

Offline YY

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Und ja, ich teile den Eindruck, dass OSR-Anhänger manchmal drüber sind -- so wie ich seinerzeit in meiner DSA-Ablehnung.

Gerade bei der OSR muss man sich abgrenzen - einmal vom "normalen" D&D und dann von den unmittelbaren Konkurrenzprodukten, die teils extrem ähnlich sind. Da geht eine Abgrenzung schnell vom Inhaltlichen weg.

Unverständlich wird das für mich insbesondere da, wo gegen völlig andere Ecken geschossen wird, mit denen man sowieso nichts zu tun hat.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Offline unicum

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Ich finde das zu oft veralgemeinert wird.

Es ist ein signifikanter unterschied zwischen "Das ist Schlecht" und "Ich finde das Schlecht".

Früher war Journalismus so das man versucht hat neutral zu bleiben, das finde ich heute kaum mehr im Jorunalismus selbst. In den ganzen Blogs und sogenannten "Sozialen" Medien (die ja auch irgendwie den Anspruch haben "Jornalistisch zu sein *hüstel*) wo man eben nicht mal den anspruch hat Neutral zu sein und seine Meinung darstellen kann wird das dann eben auch so benutzt das man seine persöhnliche Meinung veralgemeinert zu "Das ist so!"

Dies fördert dann Blasenbildung, du liest die "Medien" welche die gleiche Meinung haben wie du selbst. Das "über den Tellerrand schauen" wird immer schwerer. Die Agression nimmt zu und naja schauen wir uns um Populismus ist ja allenhalben auf dem Vormarsch.

Und dann ist da noch die Sache das "je agressiver man ist, desto mehr Klicks bekommt man" oder um beim Jornalismus zu bleiben: "Bad news is good news"

Und natürlich muss die eigene Meinung die richtige sein, deswegen müssen doch alle anderen Meinungen schlechter sein und haben deswegen eine Abwertung verdient! Das ist zum Teil recht einfache Psycologie. Ich würde da jezt auch nicht unbedingt Minderwertigkeitsgefühle darin vermuten sondern eher Narzissmus.

Offline flaschengeist

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Und ich habe dafür auch keine Erklärung. Abwertung von Anderen passiert normalerweise häufig aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl, um sich einzureden, dass man "besser" als die Anderen sei.

Ist doch eine passable, tragfähige Erklärung - wir müssen es imho nicht komplizierter machen als nötig. Ein weiterer Grund neben Marketing wäre mangelndes Orientierungs- und Kontrollerleben kombiniert mit der Lernerfahrung, dass Abwertung einem Macht über manche Menschen verleiht.


Edit

Ich würde da jezt auch nicht unbedingt Minderwertigkeitsgefühle darin vermuten sondern eher Narzissmus.

Narzisstisches Verhalten ist eine typische Kompensationsstrategie für Selbstwertprobleme (mit denen oft Minderwertigkeitsgefühle einhergehen). Kurzum: Hier haben wir also keinen Fall von "A oder B" sondern es gilt "A führt zu B".
« Letzte Änderung: 27.03.2026 | 09:25 von flaschengeist »
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (frei nach Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).
Hier findet ihr mein mittel-crunchiges Rollenspiel-Baby, das nach dieser Philosophie entstanden ist, zum kostenfreien Download: https://duodecem.de/download

Online Philipp.Baas

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Online First Orko

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Mir vergällt es dann ein Thema regelrecht. Dies gilt vor allem fürs Rollenspiel, wo ich die OSR Community für beinahe toxisch halte, weil ihre Vertreter und Claqueure ihre Sicht bejubeln und andere herabwürdigen. Wie unter zwang. Und ja, der Witz ist nun, zu sagen, sie tun es, weil sie halt recht haben. Haha, geiler Gag. Nicht.

Was bei mir hängen bleibt, ist das Gefühl von Personen zu bekommen, die sich selbst einreden müssen, dass sie toll sind, das Richtige tun oder an das Richtige glauben, aber nicht, weil sie davon überzeugt sind, sondern weil sie es sich selbst immer wieder einreden müssen. Und das ist unglaublich schade, weil die Ideen und Ergebnisse, die sie präsentieren, gut sind. Und sie können, ganz ohne Kontrast, gut sein.

Wie ist das für euch? Macht ihr eine ähnliche Beobachtung und wie ergeht es euch damit?

Geht mir genauso bei genau den von dir angesprochenen Beispielen im Rollenspielbereich - aber auch anderswo. Ich vermute, du kennst die Filmanalyse? Da frage ich mich ja auch mittlerweile, warum Wolfgang, der ja sehr genau weiß, was seine Filmvorlieben sind und da auf sich bezogen sehr geschmackssicher ist, immer wieder bestimmte Filme rezensiert wo imho von vornherein klar ist, dass es auf einen Verriss hinauslaufen wird. Ich vermute da eine Mischung aus sozialer Relevanz und dem Fakt, dass wir uns negative Dinge eher merken also letztlich wie alles online: Aufmerksamkeitökonomie. Lustig wird es, wenn dann dieselben Leute, die diese Ökonomie betreiben antikapitalistische Haltungen demonstrieren wollen  ;D Manchen ist dieser Widerspruch selbst bewusst, Andere merken es selbst nicht. Es zieht sich imho aber durch alle Kanäle und ich bin dazu übergegangen, bei den eher informativeren zu bleiben und zBsp sowas wie "Laberpodcasts" wo vor dem Inhalt erstmal Community und damit quasi "Tribe"-Pflege vorgeschaltet ist, lehne ich sowieso ab.

Ich merke, dass dieser für mich dieser offensichtliche Mechanismus immer mehr dazu führt, dass ich die entsprechenden Quellen weniger bis gar nicht mehr konsumiere, je mehr diese Mechanik greift. Das geht mir im übrigen hier auch so, bestimmte Themen könnten für mich interessant sein, aber abwertend niedergeschriebene Haltungen verleiden es mir und ich bereue es jedes Mal, wenn ich mich doch zu Teilnahme hinreißen lasse  :P

Ein Beispiel im Rollenspielbereich, wo ich es anders wahrnehme sind Die Teilzeithelden (Disclaimer: wo ich selbst eine Zeitlang geschrieben habe). Dort wird Wert gelegt auf eine möglichst(!*) neutrale bzw. mehrere Sichtweisen vereinende Berichterstattung. Das schlägt sich aber in den Kommentaren nieder: Da findet nämlich kaum was statt. Die meisten Kommentare erhalten sehr streitbare Themen oder (begründete) Verrisse - obwohl die Seite verhältnismäßig hohe Zugriffszahlen hat. Als Autor hat man dann das Gefühl, man bläst mit viel (wirklich VIEL!) Aufwand und Mühe was in den Äther und keinen interessierts. Das muss man schon aushalten können und ich kann mir vorstellen, dass da Viele sind, die Feedback erhoffen und dann früher oder später auch provozieren, bewusst oder unbewusst.

*Ich will hier in keinster Weise andeuten, dass das immer perfekt gelingt. Gerade Rezensionen können imho keinen neutralen Anspruch haben, man kann sich bei der Präsentation aber entsprechend Mühe geben und zumindest das wird versucht
« Letzte Änderung: 27.03.2026 | 10:05 von First Orko »
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Offline ghoul

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Offline Grubentroll

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Ich vermute, du kennst die Filmanalyse? Da frage ich mich ja auch mittlerweile, warum Wolfgang, der ja sehr genau weiß, was seine Filmvorlieben sind und da auf sich bezogen sehr geschmackssicher ist, immer wieder bestimmte Filme rezensiert wo imho von vornherein klar ist, dass es auf einen Verriss hinauslaufen wird.

Bei dem ist mir das auch schon extremst unangenehm aufgefallen. Mit seinem doch eher abgehobenen Filmgeschmack macht es doch keinen Sinn wenn er sich den neuesten Blödl-Superhelden-kram reinzieht und dann ne halbe Stunde im blasierten Uniprofessorduktus runtermacht.
Aber die Leute brauchen wohl irgendwas, wo sie sich drüber erhaben fühlen können.

Und da schließe ich mich selber gar nicht mal aus.

Offline ghoul

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Ein Beispiel im Rollenspielbereich, wo ich es anders wahrnehme sind Die Teilzeithelden (Disclaimer: wo ich selbst eine Zeitlang geschrieben habe). Dort wird Wert gelegt auf eine möglichst(!*) neutrale bzw. mehrere Sichtweisen vereinende Berichterstattung. Das schlägt sich aber in den Kommentaren nieder: Da findet nämlich kaum was statt. Die meisten Kommentare erhalten sehr streitbare Themen oder (begründete) Verrisse - obwohl die Seite verhältnismäßig hohe Zugriffszahlen hat. Als Autor hat man dann das Gefühl, man bläst mit viel (wirklich VIEL!) Aufwand und Mühe was in den Äther und keinen interessierts. Das muss man schon aushalten können und ich kann mir vorstellen, dass da Viele sind, die Feedback erhoffen und dann früher oder später auch provozieren, bewusst oder unbewusst.

Wenn man aber bei den TZH kommentiert, bekommt man aber meist auch keine Antwort vom Autoren des Artikels. Diskussion unerwünscht.
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Ich finde hier sind all eure Kommentare total unterirdisch, nur mein eigener jetzt sticht absolut positiv hervor!  >;D

Aber ehrlich gesagt verstehe ich die Fragestellung sehr gut. Ich frage mich auch oft, warum man auf Sachen herumhackt, wo jedem unbeteiligten Beobachter sofort klar ist, dass es sich um eine reine Geschmacksfrage dreht, und nicht um eine handwerklich-mechanische Fragestellung - letzteres ist nämlich durchaus bewertbar (Würfelmechanismen, die einen zu 80% scheitern lassen, oder schlecht durchdachte Zufallstabellen etc. etc.).

Ich persönlich kann mit Warhammeresker Grimdarkigkeit relativ wenig anfangen, und verdrehe innerlich die Augen, wenn mir ein System begegnet, das diese Schiene bedient. Aber da steht es mir nicht zu, drüber zu meckern, meine eigenen Geschmacksvorlieben muss ja auch keiner teilen.

Schwer fällt es mir bei diversen Versuchen Tolkien zu verfilmen. Da frage ich mich oft, ob da nur meine persönlichen Bilder im Kopf mit den vorgebrachten Interpretationen kollidieren, ganz stark bei Rings of Power. Aber da muss ich sagen, RoP funktioniert auch als 08/15-No-Name-Fantasy nicht besonders, ich hab es nämlich versucht, auf diese Weise zu gucken. Wobei ich es aber zu akzeptieren habe, dass andere Leute ihre Freude daran haben, und sich dafür auch nicht zu rechtfertigen haben.
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Online Maarzan

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Gibt es die Liste irgendwo, auf die du dich hier beziehst?

Ansonsten:
Kritik darf denke ich auch durchaus hart sein.

Sie sollte allerdings die Zeilsetzung des Autors und nicht die Wünsche des Rezensenten als Fokus haben.
Die Ablehnung sollte aus dieser Zielsetzung heraus begründet sein.
Und sie sollte so konkret sein, daß der Autor, wenn er die Meinung des Rezensenten teilen sollte, eine Idee hat, wo er da mit Korrekturen ansetzen sollte: "Alles Scheiße" oder "Zu Kompliziert" reicht nicht, oder etwas an konkreter Aussage bieten, wo der Autor dann gegenargumentieren kann, um seine Position zu verdeutlichen.
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Hassklicks gehen gut, und Princess Bride ist ein grottenschlechter Film den nur sehr dumme und geschmacksverirrte Menschen mögen.
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Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Hassklicks gehen gut, und Princess Bride ist ein grottenschlechter Film den nur sehr dumme und geschmacksverirrte Menschen mögen.

Nicht so offensichtlich! Man will doch unter dem Hausordnungs-Radar bleiben, da muss man sich schon etwas mehr Mühe geben:

Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, wie jemand mit gerade mal durchschnittliche entwickeltem Intellekt und einem einigermaßen gesunden Geschmack sich einen Film wie [setze Filmtitel ein] antun kann, ohne dabei komplett zu verblöden.

 >;D
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Offline korknadel

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Ich würde bei diesem Phänomen aber nicht nur von Haschen nach Aufmerksamkeit, Narzissmus und derlei ausgehen. Man darf auch nicht unterschätzen, dass es zu dem Prozess der Bewusstmachung des eigenen Geschmacks eben auch dazu gehört, sich von anderem abzugrenzen. Vor allem, wenn das sehr beliebte Dinge sind. ich habe mir vor inzwischen über zehn Jahren ja mal "Winter Soldier" angetan -- vielleicht heißt der Film auch anders, jedenfalls so ein Marvel (oder DC?) Teil, das für einen Hugo nominiert war und von dem manche behaupteten, es sei der beste Superheldenfilm schlechthin. Und gerade dann, wenn viele den so toll finden, muss ich mich doch fragen, warum ich den scheiße fand. Ich kann da doch nicht einfach drüber weggehen, weil ich mich mit meinen ästhetischen Bedürfnissen ja irgendwie in der Masse der Filmschauenden einordnen muss. So viel Narzissmus sollte man den Individuen ja noch zugestehen, dass sie ihren Geschmack behaupten. Von daher würde ich einen Teil der Verrisse -- um die es Vash im Eingangspost ja eigentlich auch nicht geht, sondern er moniert ja das Abwatschen von Dingen im Vorübergehen -- diesem Phänomen zuschreiben. Oder anders: Ich stelle fest, dass ich den Großteil der Superheldenfilme nicht mag, aber um die Gründe dafür zu benennen, muss ich zwangsläufig Negatives über diese Filme äußern. (Eigentlich ist dieser Vorgang ja genau das, was man unter "Kritik" versteht ...)
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Offline Zed

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Ich stimme Deiner Beobachtung und Analyse voll zu, Vash.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen „Rezension und Geschmack/Meinung“ und Kritik an Filmen und Kritik an Rollenspielen.

Bei Filmen haben wir alle den ungefähr gleichen Bezugsrahmen, nämlich das Genre. Wenn wir eine Filmkomödie sehen, dann wollen wir lachen. Wenn wir einen Actionfilm sehen, dann können wir Action erwarten. Schlecht ist ein Actionfilm, wenn er zu wenig Action hat, oder auch, wenn er alte Muster zu sehr kopiert und uns nicht mehr überrascht. Das können auch alle Rezensierenden erkennen, unabhängig davon ob sie Actionfilme lieben oder hassen.

Das Publikum kennt den Bezugsrahmen des Filmgenres, und Kritiken/Rezensionen können diesen Bezugsrahmen voraussetzen und sich daran orientieren.

Ein Rollenspielsystem muss aber erstmal seinen eigenen Bezugsrahmen definieren: klassische Fantasy oder ein anderes Genre oder ein Genre Mix oder ein Universalrollenspiel? Low Fantasy oder High Fantasy? Kampforientiert oder nicht? Schlank oder Komplex? Beginnen die Charaktere als Noobs oder als Expert:innen?

Faire Rezensionen, die den Anspruch haben mehr als eine persönliche Geschmackmeldung zu sein, müssen Rollenspielsysteme an den Maßstäben messen, die diese Systeme sich selbst setzen, und nicht daran, was die Rezensent:in gut finden:

Wer zum Beispiel nicht-tödliche Systeme grundsätzlich blöd findet, aber ein Spiel rezensiert, in dem nur selten SC-Tode stattfinden, darf das dem System nicht vorhalten finde ich.

Falsch wäre auch, den persönlichen Systemgeschmack rhetorisch zu einem Standard zu erheben und diesen erfundenen Standard dann als vorgeblich allgemein gültigen Bezugsrahmen für „Rezensionen“ zu nutzen.

Online KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Ich kann da doch nicht einfach drüber weggehen, weil ich mich mit meinen ästhetischen Bedürfnissen ja irgendwie in der Masse der Filmschauenden einordnen muss.

Wieso "musst du dich irgendwie in der Masse der Filmschauenden einordnen"?

Ich selber verspüre das eigentlich gar nicht, ich nehme nur zur Kenntnis, dass anderen Leuten Dinge gefallen, die mir nicht gefallen. Irgendwie den Geschmack der anderen abzuwerten, um den eigenen Geschmack zu rechtfertigen - da muss man sich aber seines eigenen Geschmacks sehr unsicher sein.
Und irgendwie steckt in dem Ganzen dann die Idee drin, dass der Wert einer Person irgendwie von ihren Geschmäckern abhängen würde, und das ist doch Blödsinn.
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Wieso "musst du dich irgendwie in der Masse der Filmschauenden einordnen"?

Ich gehe da mal von mir selbst aus und liefere zwei mögliche Ansätze:

1) Ich schaue Filme nach einer bestimmten Liste, die als Mittel der Bewertung von sehr vielen Leuten entstanden ist. Diese Liste hat sich bewährt, um mich absichtlich mit Filmen zu fordern, die ich sonst nie geguckt hätte - ich habe aber mittlerweile ein Grundvertrauen, wenn ich einen Film dieser Liste gucke. Wenn da nun einer ist, wo ich gar nicht verstehe, warum der in der Liste ist, dann frage ich mich natürlich, ob mir da was entgeht. Ich selbst recherchiere dann und stelle fest, dass ich zum Beispiel bestimme zeitgenössich-kulturelle Vorbedingungen nicht habe oder so - aber man kann auch in die Falle tappen und feststellen "Nein, mit mir ist alles in Orndung - der Rest der Welt liegt falsch!" und das so herausposaunen. Das geht gern einher mit...

2) Identifikation und Gruppending
Unterhaltungsprodukte aller Art laden dazu ein, darüber einen Identifkationsersatzu zu schaffen. "Ich bin ein Science-Fiction Fan!" könnte ich zum Beispiel sagen (und hätte damit insofern recht, dass ich bestimmte Arten von Science-Fiction mag) und dabei den Fehler machen, nicht ausreichend zu differenzieren. Und dann stelle ich irgendwann fest: "Oh da kommen jetzt lauter SciFi-Filme.. die find ich aber alle scheiße!" und dann nagt natürlich das Selbstbild: Ist man kein "richtiger" SciFi-Fan mehr..? Checkt man da was nicht? Muss man vielleicht seine Haltung öffnen, Toleranz üben, einen neue Sichtweise auf die neuen Filme erarbeiten..? Oder gibt es einen leichten Weg - AHA! Ich kann einfach behaupten, dass alle Anderen Idioten sind und ich den richtigen Geschmack habe!

Tja, wofür entscheiden sich wohl die meisten Menschen...?  8] Ein ganz altes Ding, psychologisch tief begründet und stetiger Quell vielen Missmutes, je mehr Leute mit mehr Meinungen aufeinander treffen  :-\
« Letzte Änderung: 27.03.2026 | 11:51 von First Orko »
It's repetitive.
And redundant.

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.