Hallo Alle,
es geht erst einmal um ein konkretes Problem:
Ich stecke gerade im Start einer neuen Fantasy-Kampagne mit neuen Spielenden. Nur mit einer Person am Tisch habe ich überhaupt schon einmal (Oneshot) gespielt. Die Spielenden sind fast alle Anfänger:innen oder haben sehr wenig Erfahrung.
Wir haben uns darauf verständigt, dass es ein optimistisch und buntes Setting sein wird; das es eher märchenhaft und etwas kindlich naiv zugehen soll anstatt dark, grim und gritty - trotz all des Dramas, das die Kampagne natürlich prägen wird. Natürlich soll die Welt (oder ein Teil davon) gerettet werden.
Unsere Session 0 haben wir schon hinter uns. Im Chat und in Gesprächen wurde sich viel ausgetauscht. Alle haben mir eine gute Menge Futter zu ihren SC gegeben. Ein Spieler ist dabei etwas weniger hervorgetreten, aber das muss ja noch nichts bedeuten. Darüber hinaus handelt es sich um den Spieler in der Runde, der bereits Erfahrung hat und mehrere Kampagnen gespielt und geleitet hat.
Mittlerweile haben alle Spielis ihre SC final definiert und erstellt.
Hier das Problem: Ein Spieler (der angeblich(?) erfahrene) plant einen bösen SC zu spielen - "Der Zweck heiligt die Mittel", "Ich leide unter Geltungsdrang, Narzissmus, und Machtgeilheit", Motivation des Charakters ist " Ich suche nach wie vor ein Kloster welches ich übernehmen kann", der SC schreckt auch vor Mord überhaupt nicht zurück.
Ich bin jetzt in einem Dilemma gefangen:
Einerseits will ich meinen Spielis immer so viel Freiheit wie nur möglich bei der Ausgestaltung ihrer SC geben und unterstütze sie dabei so gut ich kann.
Ich bin immer sehr bemüht, meine Spielwelten plausibel zu gestalten und das bedeutet für mich vor allem, dass Handlung und insbesondere Entscheidungen der SC (auch der NSC natürlich) entsprechende Konsequenzen haben - schließlich wollen wir ja Drama. (Drama, Baby! Drama!)
Einer meiner Spieler hat nun offenbar die Aufgabenstellung nicht gelesen oder verstanden.
Ich habe schon mit ihm persönlich gesprochen; er scheint das Problem aber nicht zu verstehen (oder verstehen zu wollen).
Wir stehen ganz am Anfang und ich habe jetzt ein wenig die Sorge, dass die ganze Geschichte u.U. sehr schnell in eine Richtung abdriftet, die weder mir noch dem Großteil der Gruppe gefällt.
Ich will am Spieltisch nicht bevormunden, ich will nicht "Machtworte" sprechen müssen, ich will mich nicht autoritär durchsetzen müssen - kann ich Alles, will es aber nicht. Daher mein Dilemma.
Vielleicht habt ihr ja einige Tipps für mich, wie ich das Ganze noch vernünftig auffangen oder sogar in die richtige Richtung lenken kann, ohne mittelfristig eine Person aus der Gruppe ausschließen zu müssen.
Im Zweifel werde ich natürlich erneut das Gespräch mit der Person suchen und falls es keine andere Möglichkeit gibt, auch verbindliche Ansagen machen oder mich von diesem Spieler trennen.
Ich freue mich aber, wenn ihr vielleicht schon ähnliche Situationen am Spieltisch hattet und eventuell Tipps für mich habt, mit denen sich das vielleicht noch auffangen lässt, ohne dass ein konkreter Konflikt ausgehandelt werden muss.
Was ich bisher schon als mögliche Lösungen auf meiner Liste habe:
- Abwarten, wie sich das entwickelt (eine 2. und 3. Chance gibt es bei mir immer). Mögliches Problem: Ist es dann für den Rest der Gruppe vielleicht schon "versaut"? Ich kenne die Personen kaum und kann sie deshalb nicht gut einschätzen.
- Das Gespräch mit dem Rest der Gruppe suchen; ohne den (potenziellen Störenfried)? Problem: Ich schaffe zwei Fronten und die betroffene Person wird de facto von mir ausgeschlossen (sehr unschön und unfair)
- Mit einzelnen Personen aus der Gruppe sprechen, denen ich zutraue, mich in meiner Aufgabe als SL dahingehende zu unterstützen, die Gruppe (der Spielenden) zusammenzuhalten? Mögliches Problem: Zwei Fronten; Ausschluss Anderer.
Ich freue mich über Meinungen, Kommentare, Witze, Beleidigungen - was immer ihr für angemessen haltet.