Ich möchte hier nicht die ethische Diskussion führen, aber kurz einwerfen, dass es zwar vielleicht böse Handlungen gibt (Definition etwa: solche die das Leid anderer bewusst oder billigend in Kauf nehmen, um eigene Ziele durchzusetzen), aber keine bösen Charaktere oder gar böse Menschen. Das ist einfach nur eine Konstruktion, die der Realität und Komplexität der menschlichen Psyche nicht gerecht wird.
Mein erster Versuch, Charaktere zu spielen, die zu bösen Handlungen bereit sind, war mithin (als Spieler) ebenfalls eine Gruppe Drow. Die Runde hat sich schnell erledigt, nachdem die Charaktere angefangen haben, sich gegenseitig umzubringen. Ich glaube nicht dass das unmöglich ist, aber es fehlt wie in diesem Fall oft an den nötigen Vorgaben, um das zum Funktionieren zu bringen. Insgesamt habe ich wenig Interesse daran, dass noch mal zu versuchen. Es könnte vielleicht unterhaltsam sein, aber es gibt schon genug Arschlöcher auf der Welt, da macht es mir einfach viel mehr Spaß, "die Guten" zu spielen. Auch da finde ich es eher wenig Interessant, alle Grauzonen zu beleuchten. Ich akzeptiere lieber, dass die Hügelriesen unwiderruflich böse sind, als über die moralischen Implikationen nachzudenken, weil die ja auch nur manipuliert und ausgenutzt wurden (Against the Giants).
Gelegentlich finde ich es dennoch ganz interessant, etwa in dem Spiel "Dog Eat Dog", in dem es um Kolonialismus geht.
In kürzeren Episoden macht es schon mal Spaß. Reverse Dungeon habe ich mal geleitet. Hier besteht aber der Reiz eher aus der Absurdität der verdrehten Prämisse. Es geht nicht wirklich darum, das Böse (TM) in seinen Details auszuspielen.
Kobolds Ate My Baby fand ich großartig. Auch hier wird das ethische Gehirn aber (ggbf. durch ausreichenden Bierkonsum) gründlich abgeschaltet, um das zu genießen.
Fiasko ist letztlich ähnlich. Hier geht es nicht so sehr um Böse sondern "ordinary people with powerful ambition and poor impulse control". Und dann diebisch-schadenfroh zu genießen, wie diese sich so richtig selbst ins Verderben reiten.