Was spielst du denn so? Fast jedes Rollenspielregelwerk, das ich kenne und jedes, das ich mal in mehr als einem Oneshot bespielt habe, hat klare Regeln zur spielmechanischen Klärung der Frage, ob und wann Charaktere sterben.
Oft sind das in der Tat die am wenigsten ambivalenten Regeln im ganzen Spiel.
Spielt ihr andere Spiele oder wendet ihr diese Regeln einfach nicht an bzw. geht davon aus, dass sie nie angewendet werden?
Midgard, Opus anima, Starship Troopers (erst nach D20, dann nach OA), Star Wars D6, D&D, Sachen die ich gerne vergesse (z.B. 7te See), diverse "leichtere" Systeme (z.B. Ratten), etc. - also jetzt nichts super untypisches.
Und ja, diese Spiele haben durchaus Regeln, wann Charaktere sterben, aber das ist in der Regel nicht die Sache, die Spannung generiert.
Selbst in der Starship Troopers Runde kommt die Spannung durch die Geschichten (z.B. Aufdeckung einer geheimen alten Forschungsoperation, die auf diversen Planeten Experimente an Bugs und Menschen durchgeführt hat, und der darauf fußenden internen Verschwörung innerhalb SICONs oder Rückeroberung abtrünniger Kolonien mit Ursachenforschung, was da passiert ist), nicht dadurch, dass Charaktere potentiell bei einem Einsatz hätten sterben können (was durchaus mehrfach fast passiert wäre, aber trotzdem jetzt nie
das spannungserzeugende Thema war).
Wobei da halt auch immer die Frage besteht, wie gut ein Wiedereinstieg möglich ist - bei Starship Troopers ist das kein Problem (da haben wir auch immer wieder neue/wechselnde Spieler, zeitweise war die Runde schon 10 Leute plus SL), da steckt man einfach einen neuen Soldaten in den Trupp/rotiert jemanden raus/ernennt fehlende Spieler zu Basis-/Fahrzeug-/Landezonensittern, aber z.B. unsere Midgardkampagne wäre durch den Tod eines Charakters zeitweise schon echt in Probleme geraten, gerade wenn sich das gesamte aktuelle Abenteuer um einen bestimmten Charakter und dessen gesellschaftliche Verbindungen oder dessen Besitztümer dreht.
Und bei Opus anima, das Gruppenbildung über eine den Charakteren innewohnende bestehende Verbindung definiert (alle Gruppenmitglieder teilen sich Splitter derselben Seele), ist das zwar prinzipiell möglich, wirkt aber wenn es häufiger passiert schnell
sehr konstruiert - da suchen wir, falls es wirklich mal zum Problem wird, dann lieber andere Wege, z.B. Charaktere bleiben im "schwer verwundet/kampfunfähig/bewusstlos"-Zustand, überleben wie durch ein Wunder, werden später "offscreen" von einem Avatar/dessen weltlichen Dienern aus den Trümmern gezogen oder von Feinden entführt/gefangengenommen (was dann direkt das nächste Abenteuer/Sideplot anstößt). Lässt sich da ja dankbarerweise auch mit übernatürlichem Wirken ganz gut handwedeln (wobei natürlich der Wille des jeweiligen Spielers letztlich den Ausgang bestimmt).
Vielleicht mag ich da ja etwas eigen sein, aber wenn ich bei Charaktertod in der nächsten Runde mit einem neuen Charakter direkt wieder einsteigen kann, dann ist das für mich eine wesentlich unbedeutendere Konsequenz als ein Scheitern bei der Auflösung des Plots.