Bei aktuell verfügbaren generativen Modellen, deren Kapazitäten nach wie vor harte Limits haben, gilt weiterhin das Motto: "Shit in, shit out". Befehle im Stil einer schnellen Google-Recherche erzeugen idR weniger brauchbaren Inhalt als solche, die tiefer gehen, die einen konkreten Rahmen aufziehen. Auch wenn der vor drei Jahren kurz gehypte Zukunftsberuf des AI Prompt Engineers schneller tot war als Donald Trump Einfuhrzölle ändert, ist die Methodik der Bedienung immer noch relevant. Als ich zuletzt mit der neuen Claude-Version rumexperimentiert habe, kamen – für mich – erstaunlich nützliche Plotideen (mit Übersicht, Ablauf und Struktur, Cast, McGuffin usw.) heraus. Nicht nur, aber eben auch. Und wenn so etwas irgendwann ohne eigenes Gefrickel auf Knopfdruck funktioniert, dann denke ich, werden wir KI-Inhalte noch mehr als heute in Rollenspielprodukten sehen, vor allem in selbstgemachten Sachen auf DriveThru.
Allerdings glaube ich nicht, dass etablierte Verlage – auch die kleinen – künftig voll auf KI setzen. Zumindest nicht die, die man als Rollenspiel-Überzeugungstäter bezeichnen würde. Weil, so sehr KI auf den ersten Blick auch Zeit sparen mag, wenn es um "Content" geht (dieses Wort …), ist dieser selten gut spielbar. Also, im Sinne des Moduls, das nicht nur inhaltsreich aussehen, sondern auch am Spieltisch funktionieren soll. Hier gibt es, so mein Eindruck, noch eine merkliche Diskrepanz zwischen allgemein als gut erachteten Kaufabenteuern und dem, was man Claude, Gemini und Co. so aus den Rippen leiern kann.
Vieles davon kann gut aussehen, Struktur haben, auch subtilere Qualitäten wie Andeutungen, Zweideutigkeiten, Verdachtsmomente usw. sind alle möglich – aber am Ende ist es oft mehr ein Storyboard für eine zu schreibende Abenteuergeschichte als ein zu spielendes Abenteuer. Das finde ich ziemlich spannend, möglicherweise auch beruhigend. Der Zyniker in mir sagt zwar, die Leute kaufen schon seit Jahren jeden Scheiß, der mit bunten Bildern bei Kickstarter punkten kann, da ist die Güte der Spielbarkeit total egal. Aber dass mithilfe von KI neue Abenteuer-Ikonen entstehen, von denen die Szene als "Muss man gespielt haben"-Standard spricht, bezweifle ich momentan stark. Zumindest nicht, wenn die Ergebnisse nicht deutlich händisch nachgebessert werden - und wenn das Ergebnis dann zündet, könnte ich damit leben.