Autor Thema: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI  (Gelesen 8293 mal)

Eismann, Loduanor und 3 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Antariuk

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #25 am: 10.04.2026 | 11:04 »
Bei aktuell verfügbaren generativen Modellen, deren Kapazitäten nach wie vor harte Limits haben, gilt weiterhin das Motto: "Shit in, shit out". Befehle im Stil einer schnellen Google-Recherche erzeugen idR weniger brauchbaren Inhalt als solche, die tiefer gehen, die einen konkreten Rahmen aufziehen. Auch wenn der vor drei Jahren kurz gehypte Zukunftsberuf des AI Prompt Engineers schneller tot war als Donald Trump Einfuhrzölle ändert, ist die Methodik der Bedienung immer noch relevant. Als ich zuletzt mit der neuen Claude-Version rumexperimentiert habe, kamen – für mich – erstaunlich nützliche Plotideen (mit Übersicht, Ablauf und Struktur, Cast, McGuffin usw.) heraus. Nicht nur, aber eben auch. Und wenn so etwas irgendwann ohne eigenes Gefrickel auf Knopfdruck funktioniert, dann denke ich, werden wir KI-Inhalte noch mehr als heute in Rollenspielprodukten sehen, vor allem in selbstgemachten Sachen auf DriveThru.

Allerdings glaube ich nicht, dass etablierte Verlage – auch die kleinen – künftig voll auf KI setzen. Zumindest nicht die, die man als Rollenspiel-Überzeugungstäter bezeichnen würde. Weil, so sehr KI auf den ersten Blick auch Zeit sparen mag, wenn es um "Content" geht (dieses Wort …), ist dieser selten gut spielbar. Also, im Sinne des Moduls, das nicht nur inhaltsreich aussehen, sondern auch am Spieltisch funktionieren soll. Hier gibt es, so mein Eindruck, noch eine merkliche Diskrepanz zwischen allgemein als gut erachteten Kaufabenteuern und dem, was man Claude, Gemini und Co. so aus den Rippen leiern kann.

Vieles davon kann gut aussehen, Struktur haben, auch subtilere Qualitäten wie Andeutungen, Zweideutigkeiten, Verdachtsmomente usw. sind alle möglich – aber am Ende ist es oft mehr ein Storyboard für eine zu schreibende Abenteuergeschichte als ein zu spielendes Abenteuer. Das finde ich ziemlich spannend, möglicherweise auch beruhigend. Der Zyniker in mir sagt zwar, die Leute kaufen schon seit Jahren jeden Scheiß, der mit bunten Bildern bei Kickstarter punkten kann, da ist die Güte der Spielbarkeit total egal. Aber dass mithilfe von KI neue Abenteuer-Ikonen entstehen, von denen die Szene als "Muss man gespielt haben"-Standard spricht, bezweifle ich momentan stark. Zumindest nicht, wenn die Ergebnisse nicht deutlich händisch nachgebessert werden - und wenn das Ergebnis dann zündet, könnte ich damit leben.
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Offline Ein Dämon auf Abwegen

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #26 am: 10.04.2026 | 11:40 »
Ich denk es wird langfristig davon abhängen wie es mit KI überhaupt weiter geht.

Momentan hat ja noch keiner der KI Anbieter mWn ein Geschäftsmodel das überhaupt profitabel ist, daher kann es gut sein das viele der heutigen Angebote in ein paar Jahren entweder vom Markt verschwinden oder so teuer werden, dass sie nicht mehr viel billiger als ein echter Mensch sind.
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Online Maarzan

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #27 am: 10.04.2026 | 12:04 »
Ich denk es wird langfristig davon abhängen wie es mit KI überhaupt weiter geht.

Momentan hat ja noch keiner der KI Anbieter mWn ein Geschäftsmodel das überhaupt profitabel ist, daher kann es gut sein das viele der heutigen Angebote in ein paar Jahren entweder vom Markt verschwinden oder so teuer werden, dass sie nicht mehr viel billiger als ein echter Mensch sind.

Und gerade im Rollenspielbereich sind wir ja in der guten Position auch jederzeit wieder zur Graswurzelszene zurückgehen zu können.
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Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #28 am: 10.04.2026 | 12:49 »
Momentan hat ja noch keiner der KI Anbieter mWn ein Geschäftsmodel das überhaupt profitabel ist
Nein. Der Trick ist, Modelle nicht selbst zu trainieren, sondern sie zu betreiben. Das ist profitabel.

Das Wallstreetjournal berichtete gestern, dass AWS in 2025 insgesamt ~$129 Mrd Umsatz (20% Wachstum gegenüber 2024) gemacht hat. $15 Mrd (100% Wachstum) entfallen dabei auf Bedrock, deren KI-Angebot. Zusätzlich hat Amazon noch $20 Mrd Umsatz gemacht, indem sie sich selbst die Chips dafür verkauft haben (Wie Google produziert Amazon seine Chips selbst, um nicht zu stark von Nvidia abhängig zu sein). Der Umsatz sei dabei nicht durch die Nachfrage sondern durch Produktionsengpässe begrenzt.

AWS hat ~$45 Mrd Gewinn gemacht. Da KI Umsatz bei ca. 12% liegt, ist da der Gewinn wahrscheinlich $5 Mrd.

Mit anderen Worten, die haben eine Rendite von 33% (!).

Ich vermute, dass es bei Microsoft und Google (die haben zusammen ungefähr den gleichen Marktanteil wie Amazon) ähnlich aussieht. Weltweit haben alle Cloud-Anbieter laut Statista über $400 Mrd umgesetzt, Tendenz stark steigend. Da entstehen also Gewinne jenseits der $100 Mrd, die entsprechend entweder in neue Rechenzentren oder in KI-Firmen als Treiber investiert werden wollen.

Und auch hier gilt: Opus 4.6 ist für die Software-Entwicklung ausreichend. Streng genommen bräuchte man in den nächsten Jahren keine neuen Modelle. Das ganze ist einerseits mehr ein Schwanzlängenvergleich der Egos der Gründer von OpenAI und Anthrophic und ein Wettstreit der Nationen (USA vs. China). Na okay, da ist noch ein bisschen mehr: Man fürchtet die Singularität und will, falls sie erreichbar ist, natürlich derjenige sein, der das erste Modell entwickelt, dass sich selbst verbessern kann, weil das Risiko, der zweite und damit Verlierer zu sein, das Ende bedeuten würde.

Amazon kann währenddessen ganz entspannt einfach Geld damit verdienen, dass sie Kunden Rechenleistung verkaufen.

Aber um das noch mal deutlich zu sagen: Ich sehe da keine Gefahr für's Rollenspiel.

Online Chaos

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #29 am: 11.04.2026 | 16:46 »
AWS hat ~$45 Mrd Gewinn gemacht. Da KI Umsatz bei ca. 12% liegt, ist da der Gewinn wahrscheinlich $5 Mrd.

Mit anderen Worten, die haben eine Rendite von 33% (!).

Wie kommst du darauf, dass die KI-Sparte genauso profitabel ist das Unternehmen insgesamt?

Nach allem, was wir bisher wissen, kann es doch genauso gut sein, dass der Nicht-KI-Bereich 50 Milliarden Gewinn gemacht hat und die KI-Sparte 5 Milliarden Miese, oder?
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Offline Wandorra

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #30 am: 11.04.2026 | 17:13 »
Ich arbeite gerade an Wandorra, einem Post-Apokalypse-P&P-Rollenspiel, und nutze KI seit etwa einem Jahr intensiv im Entwicklungsprozess – daher lese ich diesen Thread mit einigem Wiedererkennungswert.

Antariuks Unterscheidung zwischen "Storyboard" und "spielbarem Modul" trifft es ziemlich gut. Was Claude oder GPT auf Anhieb liefern, ist strukturell oft solide – Plotgerüst, NSC-Motivationen, Ortsbeschreibung – aber am Spieltisch würde es so nicht funktionieren. Die Übergänge fehlen, die Konsequenzen fehlen, und vor allem fehlt das Gespür dafür, wo Spieler tatsächlich haken oder abbiegen.

Was bei mir funktioniert: KI als Iterationspartner für Lore und Prosa, nicht als Erstautor. Ich bringe das Kanon-Wissen, die Weltenlogik, die Tonalität – und nutze KI, um Rohfassungen zu durchleuchten, Formulierungen zu schärfen oder Konsistenzlücken zu finden. Skaeg hat recht, dass ein guter Prompt ohne gutes Hintergrundmaterial trotzdem generisches Zeug produziert. Shit in, shit out gilt auch mit 8.000 Wörtern Output.

Das Ergebnis ist trotzdem ein Gewinn – nicht weil KI besser schreibt als ein Mensch, sondern weil ein Einzelautor damit eine Produktionstiefe erreichen kann, die sonst ein ganzes Redaktionsteam bräuchte.
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Bei intresse bitte PN an mich oder nutzt das Kontakt Formular
auf der Webseite (Profil).

Vielen Dank

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #31 am: 11.04.2026 | 17:23 »
Wie kommst du darauf, dass die KI-Sparte genauso profitabel ist das Unternehmen insgesamt?
Das basiert auf meiner Annahme, dass es letztlich egal ist, ob sie die Rechenleistung für Fortnite oder für Minimax verkaufen.

Das braucht verschiedene Konfigurationen und es könnte sein, dass sie überdurchschnittlich viel in KI-fähige Hardware investiert haben, daher kann ich's nicht wissen, da hast du recht. Es gibt weder für meine noch deine Theorie eine Aussage. Aber wenn deine Vermutung stimmen sollte, dass sie in der KI-Sparte dieses Jahr keinen Gewinn gemacht haben, weil sie Hardware gekauft haben, wird der Gewinn nächstes Jahr kommen. Daher halte ich die Aussage, dass Amazon ein Gewinner sein wird, aufrecht.

Zudem ist diese Hardware nicht _so_ teuer. Ein NLV72 kostet ca. $3 Mio in der Anschaffung. Lass uns die Kosten verdoppeln, weil Gebäude, Installation, Betrieb da noch zukommen. Wenn sie das Gerät durchgängig zum günstigsten Tarif von 72x$10,5 pro Stunde vermieten, machen sie im ersten Jahr bereits $0,6 Mio Gewinn.

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #32 am: 11.04.2026 | 18:39 »
Das basiert auf meiner Annahme, dass es letztlich egal ist, ob sie die Rechenleistung für Fortnite oder für Minimax verkaufen.

Das braucht verschiedene Konfigurationen und es könnte sein, dass sie überdurchschnittlich viel in KI-fähige Hardware investiert haben, daher kann ich's nicht wissen, da hast du recht. Es gibt weder für meine noch deine Theorie eine Aussage. Aber wenn deine Vermutung stimmen sollte, dass sie in der KI-Sparte dieses Jahr keinen Gewinn gemacht haben, weil sie Hardware gekauft haben, wird der Gewinn nächstes Jahr kommen.

Und wenn der Verlust nicht, oder nicht nur, von Hardwarekäufen herrührt?

Deine Argumentation läuft darauf hinaus, dass du annimmst, KI sei hochrentabel, deshalb Riesengewinne für KI annimmst, und diese Gewinne dann als Beweis dafür ansiehst, dass KI hochrentabel ist.
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Offline Haukrinn

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #33 am: 11.04.2026 | 23:17 »
Das basiert auf meiner Annahme, dass es letztlich egal ist, ob sie die Rechenleistung für Fortnite oder für Minimax verkaufen.

Das braucht verschiedene Konfigurationen und es könnte sein, dass sie überdurchschnittlich viel in KI-fähige Hardware investiert haben, daher kann ich's nicht wissen, da hast du recht. Es gibt weder für meine noch deine Theorie eine Aussage. Aber wenn deine Vermutung stimmen sollte, dass sie in der KI-Sparte dieses Jahr keinen Gewinn gemacht haben, weil sie Hardware gekauft haben, wird der Gewinn nächstes Jahr kommen. Daher halte ich die Aussage, dass Amazon ein Gewinner sein wird, aufrecht.

Zudem ist diese Hardware nicht _so_ teuer. Ein NLV72 kostet ca. $3 Mio in der Anschaffung. Lass uns die Kosten verdoppeln, weil Gebäude, Installation, Betrieb da noch zukommen. Wenn sie das Gerät durchgängig zum günstigsten Tarif von 72x$10,5 pro Stunde vermieten, machen sie im ersten Jahr bereits $0,6 Mio Gewinn.

Zunächst einmal hat Amazon einen signifikanten zweistelligen Milliardenbetrag in die Entwicklung eigener Hardware investiert, auch und gerade für den KI-Bereich. Dann kommt noch dazu, dass das Betreiben ebenfalls massiv subventioniert wird durch andere AWS-Bereiche. Natürlich zahlen die Kunden hier fett - kostendeckend ist das aber bei weitem nicht. Und steigen die Preise der Modellentwickler, dann steigt auch der Preis der Betreiber - denn an jedem Token wollen OpenAI und co natürlich trotzdem mitverdienen.
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Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #34 am: 12.04.2026 | 15:03 »
Es ist müßig, gegen difuse Zweifel Argumente zu stellen. Bitte sagt entweder, wo meine Abschätzung (selbst wenn sie Anfang 2025 alles neu gekauft hätten, hätten sie mit der Hardware Ende 2025 bereits Gewinn gemacht, obwohl ich sehr großzügig den Anschaffungspreis verdoppelt habe) nicht passt oder macht eine Gegenrechnung auf.

Letztlich ist das aber für dieses Thema hier auch nicht weiter relevant, ob ihr überzeugt seit, dass Cloud-Computing vom KI-Boom profitiert.

Offline Haukrinn

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #35 am: 12.04.2026 | 16:24 »
Es ist müßig, gegen difuse Zweifel Argumente zu stellen. Bitte sagt entweder, wo meine Abschätzung (selbst wenn sie Anfang 2025 alles neu gekauft hätten, hätten sie mit der Hardware Ende 2025 bereits Gewinn gemacht, obwohl ich sehr großzügig den Anschaffungspreis verdoppelt habe) nicht passt oder macht eine Gegenrechnung auf.

Letztlich ist das aber für dieses Thema hier auch nicht weiter relevant, ob ihr überzeugt seit, dass Cloud-Computing vom KI-Boom profitiert.

Amazon macht etwa 15 Mrd. Umsatz mit KI-Diensten (nicht Gewinn, sondern Umsatz), das sind etwa 10% des AWS-Gesamtumsatzes und hat zeitgleich etwa 40 Mrd. zusätzlich in das Thema investiert. Der Invest soll auf 200 Mrd. steigen. Die Monetarisierung ist damit nichts, was jetzt schon stattfindet, sondern was sich langfristig auszahlen wird. An der Spekulation, dass das passiert, hängt aber das relativ große Risiko, dass erstens KI-Konzerne bei Hyperscalern bleiben, zweitens KI-Anwendungen in der Cloud bleiben und das Amazon hier als Technologieanbieter in die direkte Konkurrenz zu NVIDIA geht. Den Invest kann der Riese Amazon wenn's schief geht natürlich aussitzen, ohne daran zu zerbrechen, den Gewinn aus der Cloud boosten tut das aber (noch) nicht. Dass die Hyperscaler vom KI-Boom profitieren ist also eine Wette auf die Zukunft, keine derzeitige Realität.
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Offline Fizz

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #36 am: 15.05.2026 | 08:48 »
Antariuks Unterscheidung zwischen "Storyboard" und "spielbarem Modul" trifft es ziemlich gut. Was Claude oder GPT auf Anhieb liefern, ist strukturell oft solide – Plotgerüst, NSC-Motivationen, Ortsbeschreibung – aber am Spieltisch würde es so nicht funktionieren. Die Übergänge fehlen, die Konsequenzen fehlen, und vor allem fehlt das Gespür dafür, wo Spieler tatsächlich haken oder abbiegen.

Was bei mir funktioniert: KI als Iterationspartner für Lore und Prosa, nicht als Erstautor. Ich bringe das Kanon-Wissen, die Weltenlogik, die Tonalität – und nutze KI, um Rohfassungen zu durchleuchten, Formulierungen zu schärfen oder Konsistenzlücken zu finden. Skaeg hat recht, dass ein guter Prompt ohne gutes Hintergrundmaterial trotzdem generisches Zeug produziert. Shit in, shit out gilt auch mit 8.000 Wörtern Output.

Das Ergebnis ist trotzdem ein Gewinn – nicht weil KI besser schreibt als ein Mensch, sondern weil ein Einzelautor damit eine Produktionstiefe erreichen kann, die sonst ein ganzes Redaktionsteam bräuchte.
Das kann ich nur so unterstreichen, insbesondere den letzten Absatz. Auch ich nutze GPT stark um mich bei meiner Arbeit an SIEBEN zu unterstützen, wobei eben die grundsätzlichen Rahmenbedingungen bereits seit sehr langer Zeit sehr klar sind, genauer gesagt seit über 25 Jahren. Vor KI hatte sich eine ganze Gruppe von Autoren um die Kern-Weltbeschreibung versammelt und daraus etwas gemacht, was zwar gut war, aber vom Gefühl her nicht mehr meins war abgesehen von der Grundidee. Mit dem Rollback zum Kern der Geschichte bzw. Weltenentwurf und mir als alleinigem menschlichen Autor fühlt es sich wieder anders an. Ich empfinde es so, dass ich mit dieser Hilfestellung, einem Tool, jetzt in der Lage bin mein "Werk" zu vollenden - klingt etwas hochtrabend, trifft aber den Kern meiner Motivation ganz gut.

Hilfreich bei der Benutzung dieses Tools ist sicherlich mein Berufsweg: Ich war einmal Informatiker / Programmierer und habe nach einem Burnout umgeschult zu Erzieher. Und KI, in seiner aktuellen Iteration, ist genau das: Ein verdammt schlaues Kind auf Basis eines Computers. Es braucht enge Grenzen und viel Kontrolle um effektiv zu sein, kann dann aber, selbst (und gerade erst Recht) mit den berühmten Halluzinationen, sehr stimmiges Worldbuilding betreiben.

Eine tatsächlich spannende Kampagne oder ein Abenteuer damit zu entwerfen halte ich hingegen (noch) für unmöglich, da fehlt der KI einfach das Gespür für gutes Storytelling und Spannungsbögen für, oder anders, dafür ist der Output zu flach und vorhersehbar.

Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #37 am: 15.05.2026 | 10:24 »
Ich arbeite gerade an einem Sourcebook für meine Sandbox-Kampagne, sprich: Ich baue eine komplette Stadt und im Verlauf dann eine ganze Region. Was braucht man dafür? Na jede Menge Locations und vor allem NSCs.
Locations kann ich. Zumindest in groben Zügen.
NSCs? Na ja, die werden schnell zu Abziehbildern. Ich kann sie spielen, aber die Grundlage dafür zu bauen... Das fällt bei Wildnis- und Reiseabenteuern nicht so auf, weil die NSCs oft nur einmal vorkommen. In einer Stadtkampagne aber?

Tja, also das Hintergrundmaterial in ein GPT-Projekt hochgeladen und zuerst mal Ideen generieren lassen. Langsam mal die Bühne ausgeformt, und dann Stück für Stück, Fraktion für Fraktion, NSCs erstellen lassen. Das jeweils aktuellste PDF hochladen, damit er auch richtig referenzieren kann.
Inzwischen habe ich eine solide Basis, jede Menge wichtiger oder eventuell wichtiger NSCs, inklusive einer Menge an Hooks und die SCs haben bereits Verbindungen zu mehreren davon. Und alles ist in sich stimmig.
Und das Ganze in deutlich weniger Zeit und deutlich besser, als ich es allein hinbekommen hätte.
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Online Namo

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #38 am: 15.05.2026 | 10:40 »
Die Zeitersparnis ist glaube ich tatsächlich der springende Punkt. Die üblichen Fülleraufgaben kann man einigermaßen gut auslagern und sich so viel mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Wenn ich früher zig Rollenspielbücher gewälzt habe um daraus Inspiration oder NSC zu ziehen, so ist das jetzt einfach gespart. Das stelle ich auf vielen Ebenen immer wieder fest. Inzwischen stört mich das auch nicht mehr. Ich finde es schön mich auf meinen Hauptplot und meine Haupttätigkeiten konzentrieren zu können.

Aber zum Thema Abenteuergestaltung durch KI komme ich auch regelmäßig zu dem Ergebnis, dass das nichts wäre. Da kommen zwar immer irgendwelche Dinge raus, aber die fühlen sich dennoch seelenlos bzw. irgendwie "sphärisch" an. Letzteres soll bedeuten, dass sich manche Ideen und Ausführungen eben überhaupt nicht menschlich anfühlen. Oftmals auch über dramatisch etc. Gleichzeitig aber mit einer seltsamen Bestimmtheit die so gar nicht für den Menschen passt "Und das ist dann der Wendepunkt im Leben des Charakters XYZ".

Offline tartex

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #39 am: 15.05.2026 | 12:13 »
Ich arbeite gerade an einem Sourcebook für meine Sandbox-Kampagne, sprich: Ich baue eine komplette Stadt und im Verlauf dann eine ganze Region. Was braucht man dafür? Na jede Menge Locations und vor allem NSCs.

Mein Ansicht ist ja, dass man gar keine Sourcebooks mehr brauchen wird, sondern genau dann genau das produziert, was in dem Moment verlangt wird (was auch ein Moment in der Session-Vorbereitung sein kann). Man spart sich das Nachschlagen.

Andererseits gibt es natürlich genug Leute, für das Spielen selbst im Rollenspiel-Hobby ja eher sekundär ist, und die einfach Schmöckern, Basteln oder gar einfach Sammeln wollen.
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Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #40 am: 15.05.2026 | 12:46 »
Mein Ansicht ist ja, dass man gar keine Sourcebooks mehr brauchen wird, sondern genau dann genau das produziert, was in dem Moment verlangt wird (was auch ein Moment in der Session-Vorbereitung sein kann). Man spart sich das Nachschlagen.
Nur wird das dann eine Menge an Logiklöchern produzieren, eben weil dem LLM die Quellen fehlen. Und ich persönlich hasse nichts mehr als Logiklöcher.

@Abenteuer: Ich hab mir die letzten 2 Vaesen Abenteuer von GPT schreiben lassen. Ganz einfach, weil mir ums Verrecken nichts eingefallen ist, ich die schwedischen auch nicht nach Schottland transferieren wollte und ich generell eh nur sehr widerwillig Vaesen geleitet hab. Was soll ich sagen - es gab eine sehr schöne Haunted-House Geschichte mit einem Twist, und eine Werwolf-Story die sich ganz anders auflöste, als ursprünglich angenommen. GPT hat da ziemlich viel Material produziert, aber wie bei den FL-Abenteuern auch, hab ich nichtmal die Hälfte davon wirklich gebraucht.
Man muss ihn eben bei der Hand nehmen, einige Dinge redundant produzieren lassen, und ihn auf Widersprüche hinweisen, dann kommt durchaus brauchbares Zeug raus.
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Offline tartex

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #41 am: 15.05.2026 | 13:05 »
Nur wird das dann eine Menge an Logiklöchern produzieren, eben weil dem LLM die Quellen fehlen. Und ich persönlich hasse nichts mehr als Logiklöcher.hbares Zeug raus.

Welche Quellen fehlen denn? Wenn es welche gibt, lade ich die natürlich auch gleich hoch - also alle PDFs zum Setting.

Sonstige Logiklöcher kann man durch Nachfragen und Weiterbohren ja als berechtigte Ausnahmen danke noch undefinierter Hintergründe erklären lassen. Erst durch sowas wird ein Setting komplex.
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Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #42 am: 15.05.2026 | 13:09 »
Welche Quellen fehlen denn? Wenn es welche gibt, lade ich die natürlich auch gleich hoch - also alle PDFs zum Setting.
Was wiederum Sourcebooks sind - die damit auch nicht obsolet werden. Ohne die halluziniert das LLM sich eben was zusammen.
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Offline tartex

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #43 am: 15.05.2026 | 16:32 »
Was wiederum Sourcebooks sind - die damit auch nicht obsolet werden. Ohne die halluziniert das LLM sich eben was zusammen.

Ich meinte, dass man es nicht nötig hat sich von einer KI eine ganzes Sourcebook erstellen zu lassen, damit man sich mal cool als Autor vorkommt - naja, wahrscheinlich ist das ja genau der ausschlaggebende Punkt.

Ich meinte nie, dass handerstellten Sourcebook nicht mehr gebraucht werden.
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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #44 am: 15.05.2026 | 17:27 »
Welche Quellen fehlen denn? Wenn es welche gibt, lade ich die natürlich auch gleich hoch - also alle PDFs zum Setting.

Dafür dürfte dir in den allermeisten Fällen die Nutzungslizenz fehlen.

Offline tartex

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #45 am: 15.05.2026 | 17:36 »
Dafür dürfte dir in den allermeisten Fällen die Nutzungslizenz fehlen.

Also die KIs meines Vertrauen finden das völlig okay.

Die Diskussion gab es aber schon unlängst im Tanelorn, oder? Finde sie leider nicht.

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Offline unicum

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #46 am: 15.05.2026 | 17:37 »
Dafür dürfte dir in den allermeisten Fällen die Nutzungslizenz fehlen.

Ja, nur weil du ein PDF hast darfst du es noch lange nicht bei einer KI zum Server hochladen, selbst wenn du eine bezahlVersion der KI hast kann die das PDF, je nach Version einfach in ihre Datenbank aufnehmen - herzlichen Glückwunsch du hast gerade etwas der (*hüstel*) "Allgemeinheit" zur verfügung gestellt.

Die alternative: du benutzt eine lokale KI auf deinem Rechner - die kann dann aber nicht so viel.

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #47 am: 15.05.2026 | 18:33 »
Dafür dürfte dir in den allermeisten Fällen die Nutzungslizenz fehlen.
Ich finde, LLMs (aka KIs) für den privaten Gebrauch zu nutzen harmlos.

Ich finde, es ist auch eine gute Symbiose, wenn man die Kreativität von menschlichen Autoren, die Quellenbücher schreiben, dann per LLM zu Abenteuern zusammenrühren kann. Das nimmt doch niemandem etwas weg. Und selbst wenn da automatisch keine perfekten Werke entstehen, das sind viele Kaufabenteuer auch nicht, wo es dann ebenso viele Logiklöcher gibt, weil der Autor genau einen Weg im Kopf hatte, der für ihn oder sie total logisch klang.
« Letzte Änderung: 15.05.2026 | 18:39 von sma »

Offline sma

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #48 am: 15.05.2026 | 18:47 »
Die alternative: du benutzt eine lokale KI auf deinem Rechner - die kann dann aber nicht so viel.
Da gilt das Fishermen's Friends Prinzip: Ist die KI zu schwach, ist dein Rechner nicht stark genug :) Ein Cluster aus 4 MacStudio-Rechnern á 10k€ kann schon einiges reißen und ein Flagship-Modell lokal ausführen. Aber mal ernsthaft, dass ist natürlich nicht der einzige Weg: Wenn du einem kommerziellen Anbieter nicht traust den geschlossenen Vertrag einzuhalten, miete Hardware an und lass da das LLM laufen. Kostet dann nur wenige € pro Stunde pro Superchip.

Offline Raven Nash

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Re: Zukunft der Rollenspielentwicklung unter KI
« Antwort #49 am: 17.05.2026 | 11:40 »
Ja, nur weil du ein PDF hast darfst du es noch lange nicht bei einer KI zum Server hochladen, selbst wenn du eine bezahlVersion der KI hast kann die das PDF, je nach Version einfach in ihre Datenbank aufnehmen - herzlichen Glückwunsch du hast gerade etwas der (*hüstel*) "Allgemeinheit" zur verfügung gestellt.
Ich hab das mal ChatGPT gefragt:
Zitat
Nein. Dateien, die du in einem Projekt hochlädst, werden nicht in eine öffentliche Datenbank aufgenommen und nicht “öffentlich gemacht”. Projektdateien dienen als Referenzmaterial für dieses Projekt, damit ChatGPT sie in Antworten innerhalb dieses Kontexts nutzen kann.

Wichtig sind drei Unterscheidungen:

Öffentlichkeit: Deine hochgeladenen Dateien sind nicht automatisch öffentlich und werden nicht anderen Nutzer:innen zugänglich gemacht.
Speicherung: Hochgeladene Dateien können in deiner ChatGPT-File-Library gespeichert werden, damit du sie später wieder verwenden kannst. Chats und Dateien werden getrennt verwaltet; das Löschen eines Chats löscht nicht automatisch die gespeicherte Datei.
Training/Verbesserung: Bei persönlichen ChatGPT-Plänen kann OpenAI Inhalte zur Modellverbesserung verwenden, wenn die entsprechende Datenfreigabe aktiviert ist. Du kannst das unter Settings → Data Controls → “Improve the model for everyone” deaktivieren; danach werden neue Gespräche nicht fürs Training verwendet. Bei Business/Enterprise-ähnlichen Workspaces sind Workspace-Daten standardmäßig vom Training ausgeschlossen.

Kurz gesagt: Nein, deine Projektfiles werden nicht öffentlich. Sie können aber je nach Einstellungen gespeichert und – bei privaten Consumer-Accounts mit aktivierter Datenfreigabe – potenziell zur Verbesserung der Modelle verwendet werden.
D.h. Datenfreigabe deaktivieren, dann fließt das nichtmal ins Training ein.
Und wer dem nicht traut (weil KI=Böse!) sollte auch gleich mal sein Betriebssystem löschen, denn Microsoft, Apple und Google sind da mindestens genauso wenig vertrauenswürdig. Und die sitzen faktisch an der (Daten-)Quelle.
Aktiv: Dragonbane
Vergangene: Runequest, Cthulhu, Ubiquity, FFG StarWars, The One Ring, 5e, SotDL, LevelUp! A5e, Vaesen
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