Je mehr man sich zum Thema Rollenspiel mit Spielenden unterhält, desto häufiger stößt man auf den Begriff von Willkür - meist im Zusammenhang mit Spielleitungswillkür.
In den allermeisten Fällen erfolgt diese Wortwahl mit einer deutlich negativen Konnotation (und oft sind alle Anwesenden sich dann einig, dass in dem Moment geteilte Empörung angebracht wäre).
Ich würde an dieser Stelle den Begriff gerne einmal neutraler diskutieren wollen und dazu anregen, ihn zukünftig auch neutraler zu verwenden.
Es ist mir natürlich bewusst, das der Begriff "Willkür" negativ besetzt ist, was wohl vor allem aus der juristischen Tradition herrührt, wo er auch (in der Regel und mit Ausnahmen) genau so verwendet wird. Darüber will ich aber gar nicht sprechen, sondern im Kontext unseres Hobbys bleiben und ihn in diesem Zusammenhang diskutieren.
Ich spreche also ganz ausdrücklich nicht von Willkür (durch z.B. die Spielleitung) als eine Entscheidung, die sachlich nicht vertretbar ist. Sondern ich will sprechen über Willkür als "ursprünglich und wertneutral die
Entscheidungsfreiheit im Gegensatz zur Notwendigkeit, in bestimmter Weise zu verfahren" (Wiki).
Warum das?
Willkür liegt im Grunde immer dann vor, wenn keine (durch die Spielvorschriften im jeweiligen Rollenspiel vorliegende) Notwendigkeit besteht. Also immer dann, wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, weil keine eindeutige Vorgabe von System, Abenteuer, Spielwelt usw. vorhanden ist, was als nächstes erfolgen muss.
Also immer, wenn wir aktiv das Spielgeschehen beeinflussen und nicht einfach nur die Regeln (im abstrakteren Sinne) abhandeln.
Am Ende des Tages ist also jede (echte) Entscheidung, die wir am Spieltisch treffen, zwangsläufig immer willkürlich (nach obiger Definition).
Das bedeutet, dass auch die Entscheidung, ob jetzt in diesem Moment am Dungeon nach rechts oder links weitergegangen wird, willkürlich (im eigentlichen Sinne) von der Gruppe getroffen wird.
Für mich persönlich ich es ein entscheidender Aspekt des Rollenspiels, der mir Spaß bereitet, dass ich
willkürlich Dinge entscheiden darf, die meine Spielfiguren betreffen, um damit das geteilte Spielerlebnis und das gemeinsam gestaltete Spielgeschehen aktiv mitzugestalten.
Deshalb mein Appell, mit dem Begriff "Willkür" allgemein etwas entspannter umzugehen und ihn nicht immer nur ausschließlich negativ zu bewerten.
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Ich möchte hier ausdrücklich nicht darüber sprechen, dass Spielleitungen (aber auch andere Spielende) ihre Entscheidungsmacht manchmal missbräuchlich einsetzen und dadurch das Spielerlebnis stören. Mir ist völlig klar, was unter dem Schlagwort "Spielleitungswillkür" verstanden wird. Ich würde das aber als disruptiven Einsatz von Spielleitungsmacht verbuchen - ist allerdings ein sperriger Begriff und "Spielleiterwillkür!" lässt sich einfach gut brüllen
