Sei gegrüßt, Todgeweihter!
Ja, die berühmten "ersten 100 Stunden"! ...

Also, mein Kontext: Ich nenne mich gern einen Monogamer, dh wenn ich ein Spiel mag, dann mache ich das und nichts anderes. Das ist zwar hauptsächlich meiner familiären Eingebundenheit geschuldet, ist (m)einer Hunt-Karriere aber förderlich.

Ich bin seit ca 25 Jahren ein FPS-Typ, damals beginnend, mit Unreal Tournament, seit 2008/9 dann L4D(2), was 2022 von Hunt vom Thron gestoßen wurde. (Dabei liebe ich L4D2 noch heute, aber meine freien Spiel-Slots werden nun einmal komplett von Hunt belegt.) Dass ich seit 25 Jahren ausschließlich First Person Shooter gespielt habe, bedeutet aber keineswegs, das ich besonders gut darin wäre. - Das ist eine wichtige Info/Einordnung im Hinblick auf die folgende Hunt-Beschreibung. Ich habe in L4D2 ca 1000 Spielstunden (2009-2022) und in Hunt ziemlich exakt 2000 Spieltunden (2022-26).
Permadeath ist mE einer der unwichtigsten Punkte für Hunt. Weil man nicht viel verliert und weil es ständig passiert, selbst den Hardcore-Schwitzern. Das erst einmal zur Beruhigung. Hunt löst das auch gut im Hinblick auf die Käufe, die man im Spiel machen kann: Du kannst zwar neben dem initialen Kaufpreis viel Geld für Hunt ausgeben, aber nichts von alledem wird Dich in irgendeinerweise besser machen. Es gibt also kein Pay2Win sondern nur "Pay to schmück yourself" (--> weitere Hunter, Waffen-Skins etc). Und was Du einmal gekauft oder anderweitig erworben hast (bspw über Twitch-Drops oder Freischalt-Codes), wirst Du nie wieder verlieren. Falls Du einen anderen Hunter lootest, dann verliert der Spieler des Hunters *nicht* seine wunderschöne Dreieuro-Knifte, aber Du hast ein Exemplar davon ergattert (das Du entweder auf ewig in Deinem Arsenal hütest oder mit ins Spiel nimmst und sicher bald verlieren wirst oder für das Du eines Tages selbst 3 Euro ausgibst und dann jederzeit gefahrlos benutzen kannst).
Es gibt zwei Erfahrungsebenen in Hunt: die des Hunters (der kann bis Level 50 aufsteigen) und die des Spielers ("Blutlinie"), die geht bis 100 und kann via Prestige wieder auf 1 gestellt werden (um den Zyklus bis max 100 Male erneut durchlaufen zu können).
Dem Spieler stehen auf Blutlinienrang 1 nur eine Auswahl an Waffen und Werkzeugen zur Verfügung. Man muss sich weitere Ränge durch spielen freischalten, wobei erfolgreicheres Spielen einen freilich schneller aufsteigen lässt. Auf Rang 100 ist man übrigens auch ohne große Erfolge einigermaßen schnell. Ich selbst habe übrigens noch nie Prestige genommen, weil ich es einfach cooler finde, immer jede Waffe spontan bespielen zu können.
Der Hunter beginnt auf Level 1. Für jedes weitere Level erhält er einen Steigerungspunkt für max 15 Skills, die er nehmen kann. (Man findet im Spiel übrigens weitere Steigerungspunkte und auch direkt Skills.) Um einen Hunter auf Lvl 50 zu bekommen, muss man mit ihm zwischen 3 und 10 Runden lebend aus der Karte entkommen. Ich habe das jetzt, glaube ich, knapp 70 Mal geschafft, einigen ist das aber völlig unwichtig, zB weil sie immer feste druff unterwegs sind. Wichtig ist das Erreichen von Lvl 50 überhaupt nur, wenn man prestigen will, weil dann die natürliche letzte Aussfahr des 50er Hunters dessen Löschung gegen Blutlinienpunkte ist. Davon abgesehen ist es beinahe schnurz, ob man nun viele Skills hat oder nicht. Hunt hat sich ohnehin dem "Mainstream" mehr und mehr geöffnet: Mittlerweile erhält man mit dem nächsten bespielten Hunter 10 Skillpunkte, für die man sich schon 2 bis ca 6 Skills vor der ersten Runde zulegen kann.
Um das also abzuschließen: Permadeath hat in Hunt keinen Schrecken.
Es gibt aber ein Detail, das - wenn man sich zurücklehnt und es nüchtern betrachtet - zwar kein echtes Problem darstellt, das bei manchen Spielern aber emotionalen Schaden verursacht: Ein Spieler geht auf den Boden. Er kann aber grundsätzlich von Mitspielern wieder aufgehoben werden, solange deren Hunter noch leben, bzw kann ein Solo mittels Skill (Nekromant) sich einmal selbst wiederaufstellen. Um das zu unterbinden (zB um Druck aufzubauen), bietet Hunt diverse Möglichkeiten, liegende Hunter anzuzünden und ihnen dadurch schrittweise den Lebensbalken ganz wegzubrutzeln, solange der nicht gelöscht wird.. Interessanterweise löst also der Umstand, den Hunter angezündet zu sehen, bei manchen Spielern ein besonderes Unbehagen aus.

Ich kann mich noch an mein erstens Spiel erinnern: Wir starben zu dritt. Kaum lag ich, brannte ich auch schon (Huch!). Einer meiner Mitspieler hat dann empört das Spiel verlassen und das Spiel deinstalliert.

Bald darauf wieder installiert, es unter Vorbehalten erneut probiert, brannte wieder und deinstallierte erneut.

Er mag ein bisschen mimosig sein, aber tatsächlich ist das Anzünden ein Dauerthema in der Hunt-Community. Zwischen "nie anzünden", "anzünden, wenn die anderen zuerst anzünden", "anzünden, nur wenn es notwendig schein", und "immer anzünden" findet sich da jede felsenfeste Meinung. Ich selbst bin kein großer Anzünder (obwohl es manchmal sehr sinnvoll wäre), bleibe aber völlig entspannt, so ich selbst denn mal wieder brenne. Mein Tipp: Entspannt bleiben, nur sehr wenige Spieler wollen tatsächlich dem betrofffenen Spieler eins auswischen.)
Das Anzünden ist ein Aspekt einer großen Diskussion: Wie spielt man Hunt (gefälligst) "richtig"? Ein Grund, warum ich Hunt so dolle mag, ist der Umstand, dass das Spiel in voller Absicht so konzipiert ist, dass unterschiedliche Spielstile/-auffassungen nebeneinander funktionieren. Ob ich nun mit den auf kurze Distanz übermächtigen Schrotflinten jede Nähe suche, mit der Sniper lieber hundert Meter Abstand halte, ob ich Krach mache oder rumschleiche, ob ich Fallen lege oder "Extraction Camping", ob ich das Bossmonster mache und die Bounty nehme oder erst später dazukomme - das funktioniert alles wunderbar. Aber gerade die Immer-Feste-Druff-Leute sind sehr schnell mit ihren Beschwerden über "Bush Wookies" und "Rats", die sich jedem ehrlichen Kampf entziehen würden und "das Spiel nicht richtig spielen" und "allen den Spaß rauben". Dass die Lauten sich hier offensiver beklagen, liegt in der Natur der Sache, da Schleicher auf andere Art versatil sind. Meine klare Meinung aber ist: Gut, dass das Spiel alles zulässt! Und wer ein zu großes Problem mit den "Spielverderbern" hat, könnte sich mE auch fragen, ob man dann nicht besser offensivere FPS-Spiele probieren sollte. Hunt aber funktioniert, weil es so vielseitig ist.
Zu den "ersten 100 Stunden" (manche reden übrigens von 1000): tatsächlich hat Hunt eine sehr niedrige Lernkurve. Das heißt aber nicht, dass alle Spieler hundert Stunden lang schlecht wären. Manche können das vom ersten Moment an deutlich besser als andere, nämlich richtig gut. Ich selbst bin traditionell im Mittelfeld (3 von 6 Sternen) und kürzlich mal wieder kurzfristig auf zwei Sterne abgerutscht, weil ich zwei Abende lang deutlich mehr gestorben bin als dass ich Leute umgebracht hätte. Nach 2000 Stunden. Da ist dann auch keine Lernkurve mehr. Besagte Kurve bezieht sich mE in erster Linie auf grundlegende Map-Kenntnis, auf die Details der Steuerung, auf das allmähliche Verschwinden der Aufgeregtheit (Puls etc), wenn man jemanden im Fadenkreuz hat, und verbunden damit auf das Erlangen einer gewissen Erfahrung mit mehr oder weniger typischen Kampfsituationen/-Konstellationen.
Der große Knackpunkt bei hunt, der Neuspieler abhält, liegt mE leicht quer zur Lernkurve: Man muss sich auf das Spiel sehr wohl einlassen. Wenn Freund Bruno, der Gelegenheitsspieler, alle zwei Monate mal "fürn Abend" mitmacht, dann beginnt er jedes Mal von vorne. Wenn Bruno Hunt spielen will, dann muss er auch Hunt spielen.

Am besten mehrmals wöchtentlich zu Beginn, denn es muss eine gewisse Routine entstehen. Denn dann macht es später auch nichts aus, mal zwei Wochen nicht zu spielen. So etwas wie Map-Kenntnis jedoch ist ein nie endendes Projekt: in einer ersten Phase lernt man sich überhaupt zu orientieren, Orte wiederzuerkennen etc. Die zweite Phase, also durch welche Ritzen man irgendwo aus Haus X schießen kann, ist ein ewiges Unternehmen. Und gern ändern die Entwickler auch mal Details. Man lernt also nie aus. Und es ist nicht schlimm, Vieles nicht zu wissen.
Geld (Ingame-Währung Hunt-Dollar): Wer prestiged, setzt sich unter Dauerdruck und wird stets knapp bei Kasse sein, weil man beim Übergang von Rang 100 zu 1 alle Hunter, alle Waffen und fast alles Geld verliert. Trotzdem ist mW noch kein Spieler so pleite gegangen, um das Spiel nicht mehr sinnvoll spielen zu können.

Es gibt Gratis-Hunter mit rudimentärer Gratis-Bewaffnung. (Diese Waffen kann man übrigens auch gleich verkaufen.) Und man macht im Spiel auch leicht Geld, und sei es über das Lösen von besonderen Aufgaben ... oder indem man sich durch bloßes Nicht-Zugucken auf Twitch Tausende von hunt-Dollar holt.

Allgemein ist Hunt wie gesagt zugänglicher geworden: Ich hatte in den ersten anderthalb Jahren max 20000 Dollar (was schon komod ist), leicht steigend; mittlerweile bin ich bei 138000 Dollar, obwohl ich das Geld so hemmungslos raushaue wie im echten Leben.
Prestige ... Moment! Man verliert doch alles?! Nein, höchstens temporär. Wenn ich Waffe X erst auf zB Rang 45 bekomme und mir dafür einen schön anzusehenden Skin mit echtem Geld gekauft habe, dann muss ich im nächsten Prestigezyklus erst wieder auf Rang 45 hoch, um die Waffe und damit den Skin nutzen zu können. Und ja, man verliert seine Hunter, schon weil man die ja in Erfahrungspunkte umsetzt, aber wenn ich mir Hunter X mal für echtes Geld gekauft habe, dann kann ich den - wie andere Hunter auch - für läppische 100 Hunt-Doller (also das Spielgeld) wieder zulegen. Also alles kein Problem.
Neue Spielelemente: Das so von einigen gern genannte "Vanilla Hunt" gibt es mittlerweile wohl nur noch für wenige tage zwischen zwei großen Events. Ein Event führt neue Elemente - oder bringt alte Elemente wieder ins Spiel - und bietet jede Menge Aufgaben, über deren Erledigung man sich jede Menge Waffeskins, Erfahrungspunkte, Hunter und Hunt-Dollar freischalten kann.
Spielerbasis, Matchmaking etc: Crytek tut mE viel, um sich die Spielerschaft zu erhalten. Das Spiel ist ziemlich vital. Nichtsdestotrotz gab es mW 2022 noch mehr Spieler als heute. Und da dem Spiel Neuspieler eben nicht so zufliegen - drei von vier Brunos bemerken eben, dass sie nicht das initiale Zeitinvestment leisten wollen - steigt das durchschnittliche Erfahrungslevel der existierenden Spieler. Man hat ja einen gewissen Einblick in die Spielerdetailstatistiken, und ich meine schon, dass viele 3-Sterne-Spieler heute klar "erfahrener" sind (als ich und) als in 2022. Aber ich behaupte dennoch klar, dass sich das Spiel noch immer lohnt.
Zum Matchmaking: Das gibt es in Hunt. Es ist nicht perfekt und es ist je besser, desto mehr Spieler aktuell im Spiel sind. Mir geht es ganz gut damit.