Mal queerbet kommentiert:
Und gerade je höher die Leute in der Wissenschaftshierarchie sind, desto weniger sind die Nerds, die Rollenspiele zocken.
Weiß nicht, ob ich das so schreiben würde.
Ich weiß von einigen Leuten, die ne Professur hatten oder haben und in RSP-Kram involviert sind.
Lutz Reimers (100Questen), Mark Galeotti (Tradetalk, TRIPOD/Heroquest), Martin Buinicki (Gaming Honors LLC, Goodman Games),
... und ich weiß von einigen PD & Profs, dass sie TTRPG spielen.
Was es außerdem fast gar nicht gibt, ist ein gescheites Römer RPG. Alles, was ich da kenne, ist entweder total over the top, eingeengt auf Rom oder ultra schlecht recherchiert.
Also Roxane Bicker, die im im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (München) arbeitet ... ist Chefredakteurin für das deutschsprachige Lex Arcana.
Und Eternal Rome (d20, Mythic Vistas) wurde vom Graeme Davis (Archäologie BA) geschrieben. The Glory of Rome (AD&D 2nd) von David Pulver (Geschichte BA). Das einfach als Hinweise, dass Du Dich da wohl an die eigene Zunft wenden müsstest, wenn Du mega unzufrieden bist.

Die vormoderne Welt war aber komplett anders und wäre für uns in etwa so weit von unserem modernen Denken entfernt wie eine Fantasy-Welt.
Voll. Die "moderne Denke", das was viele als "gesunden Menschenverstand" ansehen würden, fußt an vielen Stellen auf den Ideen und Konventionen des 19.Jh.
Das wird besonders in der sozial- und ideengeschichtlichen Analyse (über)deutlich.
Weswegen ... Gaslicht, 20er & Co. ... auch verhältnismäßig gut spielbar sind. (Obwohl auch da fehlende Alltagserfahrungen mit den Zeiten einer Runde das Genick brechen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ne liebe Mitspielerin in Cthulhu [20er] gar nicht damit klar kam, dass Telefone nicht überall verfügbar sind ... und wie sie so unbeabsichtigt die Runde zum Kentern gebracht hat.

)
Der Rekurs auf Konzepte des 19.Jh. ... ist Kontext von Rollenspiel und bzgl. "Authentizität" aber mMn kein großes Problem.
Auch weil viele Autor*innen wissenschaftliche Bezüge haben und die Ambiguitäten kennen. Im gesellschaftlichen und politischen Diskurs sieht das ganz anders aus. (Konservative ... könnten deswegen z.B. den Kirchenvätern [vgl. Gregor v. Nyssa] ohne Schwierigkeiten "postmodern neo-Marxism" vorwerfen.)
Ich vermute (!) dass die Mint Abteilung da wirklich etwas resilenter ist, einfach weil so viel Schwachfug in den Trival-Medien enthalten ist.
Ehrlich gesagt halte ich die Vermutung insbesondere deswegen für richtig, weil Mint-Themen - mehr oder weniger - eher situativ im Spiel sind. Soziale (und historische) Dimensionen ... sind demgegenüber ja ... "total".
Anyway: Am Ende geht es bei Anachronismen im Rollenspiel (das gilt auch für SF) letztlich um epistemologische Fragen und wie man die am Spieltisch gut und sinnig verhandelt, um genug "Plausibilität" für alle rauszubekommen. Wobei Epistemologie mMn ganz generell ein Problem von und in Rollenspielen ist. (Mehr möchte ich dazu jetzt nicht schreiben, weil die Analyse der epistemologischen Dimensionen ... vornehmlich ein Theorie-Thema ist bei dem man auch "historische Korrektheit vs Genrekonventionen" ... und Spielerwartungen mitbehandeln müsste.)