Ich sehe ein Problem darin, dass man echte Systembeherrschung im Rollenspiel eigentlich nur dann erreicht, wenn man entweder ein supersimples System spielt, das äußerst wenig Extras (Feats oder so) bietet, oder dass man viel Zeit investiert, damit sich die gesamte Gruppe einarbeitet.
Das gilt insbesondere, wenn man neben Rollenspiel auch noch Zeit in andere Dinge (Familie, Job, "Leben", ...) investieren muss und will.
Die Leute, die sich ein Rollenspiel von der Komplexität von Splittermond, Pathfinder oder ähnliches kaufen und dann nach 1-2 Wochen Einarbeitung und 2-3 Abenteuern das gesamte System (inklusive aller Optionen und vielleicht auch noch einiger Zusatzbücher) vollständig inklusive Synergien, die durch mehrere Charaktere entstehen, überblicken, die sind doch eine Ausnahme.
Also kann man sich entweder Zeit nehmen und sich für längere Zeit in ein System investieren oder man stümpert erst einmal ein wenig herum und wird langsam besser.
Wenn man dann aber hin und wieder mal Neues ausprobieren möchte, kann das doch gar nicht vollständig "by-the-book" sein. Entweder man lässt sich auf "Rulings over Rules" ein, oder man recherchiert während der Spielsitzung ständig nach Spielregeln.
Und das ist proportional zur Komplexität des Regelwerkes.
Und hier haben inkrementelle Systeme (wo die Komplexität mit der Verbesserung der Charaktere wächst [D&D5 ist da ein gutes Beispiel]) natürlich Vorteile gegenüber Systemen die von Anfang mit allen Optionen aufwarten (viele Point Buy Systeme wie Shadowrun sind hier ein Beispiel). Der Nachteil der inkrementellen Systeme ist allerdings, dass sie sich Anfangs vielleicht ganz nice spielen lassen, später aber extrem inbalanced oder unnötig kompliziert werden.
Und insofern stützt das natürlich die These, dass die meisten Rollenspieler Nischen-Systeme, die mit einer gewissen Komplexität aufwarten, nur "irgendwie" spielt, weil man sie eigentlich nicht lang genug zockt, da sie zu nischig für echtes Investment sind. (Ob Daggerheart dazu gehört, wird die Zeit zeigen.)
Wer natürlich nur supersimple Systeme anspielt, der kann auch Systembeherrschung "on the fly" schaffen...
Ach, wo sind die Jahre hin, wo man sich auch einfach mal die ganzen Semesterferien damit beschäftigen konnte ein Rollenspiel durchzuarbeiten und mit seinen Kumpels zu zocken und immer noch Zeit genug für "anderes" hatte...

Für meine Runde, die gerade Symbaroum spielt und das auch noch eine Weile ("Kampagne") machen wird, resultiert aus dieser Erkenntnis die Frage, ob wir danach nicht wieder Midgard 5 spielen. Einfach, weil Spielleiter & 2 von 4 Spielern die Regeln kennen, weil wir das System ja ein paar Jahre lang gespielt haben.
Ich hätte eigentlich richtig Lust zu Daggerheart und hypothetisch auch zu Warhammer - Enemy Within. Warhammer hätte den Vorteil, dass wir "nur" die Regeln lernen müssten, ich aber eine lange Kampagne hätte, wo ich mich beim Spielleiten auf Kaufabenteuern "ausruhen" kann. Daggerheart klingt megainteressant, aber da kommt "Kampagne" plus "Regelbeherrschung" zusammen. Bei Midgard kennen wir das System gut UND haben noch einige Kaufabenteuer - und meistens hab ich nach einigen davon auch eine Vorstellung davon, wo die Reise (aka "Kampagne") hingeht.
Das wird natürlich gemeinsam entschieden, aber insofern erst einmal ein "Danke" an den Themenstarter für dieses Thema...!
