Autor Thema: Wie offen kommuniziert Ihr potenziell eskalierende Themen am Tisch?  (Gelesen 457 mal)

Robert Paulson, Murphy, klatschi und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Luxferre

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Wie offen kommuniziert Ihr potenziell eskalierende Themen am Tisch?

Es könnte darum gehen, dass ein Spieler seiner Rolle in einem herausforderungsorientierten, recht mechanischen System nicht nachkommt.
Es könnte darum gehen, dass eine spielerin mit ihrer Art eigentlich nicht in die Runde passt.
Es könnte sein, dass jemand un-/bewusst die Gruppe sabotiert.
Es könnte sein, dass jemand das Spiel als Kompensation für sein RL nutzt - auf Kosten der Mitspielenden.
Es gibt Leute, die sozial schwierig sind.
Es gibt Menschen, die einen komplett (!) anderen Spieltsil pflegen, als der Rest der Gruppe.

Das alles (und noch mehr) sind Themen, die einiges an Konfliktpotenzial in sich tragen. Und wer geht schon gern in Konflikte, wo es unter Umständen auch um das wichtigste/einzige Hobby geht? Wo Befindlichkeiten und Eitelkeiten eine Rolle spielen können.
Die meisten Menschen, die ich kenne, gehen Konflikten aus dem weg, vermeiden sie und leiden lieber (ggfs lange), bivor sich etwas zum Besseren ändert. Denn dieser kurze Moment eines Konfiktes scheint, gerade auch unter Freunden, unüberwindbar.

Vielleicht trifft dieses Thema gerade bei jemandem einen Nerv und kann eine verfahrene Situation bessern.

Schreibt also gern Eure Erfahrungen rein. Tipps, Tricks, Abkürzungen.
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Offline Torsten (Donnerhaus)

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Wir tunen seit zwei Jahrzehnten unablässig an unseren Spielgruppen. Wenn irgendwas stört, wird es identifiziert, analysiert und diskutiert. Und wenn möglich, wird es repariert. Bringt da auch nichts, irgendwas zu sehr zu verschleppen. Man sollte nur darauf achten, dass man erst ausreichend Daten sammelt, damit es nicht überstürzt ist.

Offline Metamorphose

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Ich gehe mit der Person meist offen ins Gespräch. Es geht dabei sehr um wem welche Infos schon bekannt sind. Wenn ich als SL finde jemand passt nicht ist das eine andere Situation, als wenn ich das so finde und mich Leute darauf ansprechen... oder wenn die Person, welche es betrifft, dies weiss und es sogar als Hebel benutzt um die Gruppe aktiv zu sabotieren.

Meist gehe ich dann Gespräche so an (sehr vereinfacht dargestellt):

Zitat
Es könnte darum gehen, dass ein Spieler seiner Rolle in einem herausforderungsorientierten, recht mechanischen System nicht nachkommt.
Hey wie findest du unser System den? Gefällt dir was oder was nicht? Sind die Regeln so okay? Ist dir das Spiel eventuell zu stressig? Macht dir das den Spass? Möchtest du vielleicht in der und der Runde mitmachen, da sind die Regeln leichter. Hast du eine Idee, wie wir das lösen könnten? -> und so weiter. Ich möchte herausfinden, ob das Spiel passt, was man tweaken kann und obs eine Zukunft gibt. Falls ich die Person mag und mir vorstellen könnte, dass es in einer anderen Gruppe passt, würde ich das anbieten.

Zitat
Es könnte darum gehen, dass eine spielerin mit ihrer Art eigentlich nicht in die Runde passt.
Wie gefällts dir bei uns und wie findest du das Spiel? Fühlst du dich wohl bei uns? -> Dann greife ich 1-2 Situationen auf die mir schräg vorkamen und bespreche es wohlwollend. Eventuell kann sich die Person anpassen, braucht noch Zeit sich in der Gruppe zu finden usw. 

Zitat
Es könnte sein, dass jemand un-/bewusst die Gruppe sabotiert.
Die Situation hatte ich schon. Ich spreche das direkt an, sage dass es auf den Spass von allen ankommt. Falls das nicht fruchtet, nochmals auf die sabotage/egoshow ansprechen, eventuell charakterwechsel oder anders ausspielen. Wenn das nicht hilft, dann sagte ich, dass es so nicht passt.
Es könnte sein, dass jemand das Spiel als Kompensation für sein RL nutzt - auf Kosten der Mitspielenden.

Zitat
Es gibt Leute, die sozial schwierig sind.
Ich bin sozial auch schwierig, deshalb habe ich da meist verständnis. Wenns nicht klappt, auch wenn ich das Thema Gruppe und gemeinsames Erleben thematisieren, dann versuche ich zu ergründen, ob die Person nicht in die Runde passt oder sie "sabotiert", bzw ähnliche vorgänge wie da.

Es gibt Menschen, die einen komplett (!) anderen Spieltsil pflegen, als der Rest der Gruppe.
Relativ bald stoppen und direkt thematisieren, bevor es alle nervt. Dann wärs nicht mal ein Konflikt ;)
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Online Johann

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Ich hoffe, das ist nicht off-topic, aber die genannten Probleme sind ein Grund, weshalb man m.E. Spielrunden 'einfach so', nämlich mit einem unbestimmten Ende, erst gar nicht gründen sollte, schon gar nicht mit Leuten, die man als Spieler:innen noch nicht oder nicht so gut kennt. Immer erst mal mindestens einen Oneshot oder eben eine klare Begrenzung wie "Abenteuer X, dauert 3-5 Abende". Und dann sieht man weiter.

Das ist freilich kein hundertprozentiger Schutz (u.a. da viele Probleme erst nach einiger Zeit sichtbar werden) und wenn man den Salat im Freundeskreis oder einer lang angelegten Runde dann doch hat, ist's echt schwierig.

(Zudem hilft das jemandem, der nicht nur einen anderen Geschmack hat, sondern problematische Verhaltensweisen zeigt, die sich ja vielleicht auch abstellen lassen, nicht weiter. Er oder sie wird ja dann für ein weiteres, neues oder 'neues' Projekt schlicht nicht mehr eingeladen--was zudem ggf. auch irgendwie kommuniziert werden muss.)

Daher: Ein gutes Thema für das Tanelorn!
Im Reich der Nibelungen ist eine Spielwelt mit eigenwilligen magischen Gesetzen für Swords & Wizardry Continual Light. Mehr dazu bei Blogger und DriveThruRPG (dank Fans auch auf Französisch & Englisch).
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Offline Luxferre

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Hmm, ist doch kein konfliktträchtiges Thema hier  >;D

Ich wünsche es Euch allen sehr, dass Ihr keine Konflikte am Tisch habt.
Wenn man, wie ich, ü30 Jahre mit den gleichen Pappnasen Freunden am Tisch spielt, dann ist Kritk oder auch Grenzen zu setzen nicht immer so einfach. Da kommen viele Befindlichkeiten und eingeschliffene Perspektiven dazu. Jemand fühlt sich als guter SL und andere Spielende finden das nicht so. Jemand möchte der/die Bestimmer/in sein, kann es aber nicht oder hält das nicht lange/konsistent durch.
Da wird Kritk natürlich schnell sehr persönlich genommen, weil das eigene Weltbild mit dem DadraußenTM kollidiert.


Mal zu mir:

Ich kommuniziere potenziell eskalierende Themen im Berufsleben, hier oder anderswo relativ locker. Muss ich auch, ist Teil meiner Position. Mit Respekt und Anstand lässt sich vieles lösen. Und manches Mal braucht es halt wahre Worte, auch wenn diese nicht schön sind. Andererseits fällt es mir bei Freunden, vor Allem mit sensiblen Vorbelastungen, schwer Kritik zu äußern.
Kennt Ihr das auch?
Beispiel: Wenn der Dauer SL echt lahmarschig und langweilig wird. Es passiert gar nichts. Wir spielen nur 4-6x pro Jahr. Ich sage, dass wir bitte weiterkommen wollen und der SL antwortet, dass wir die Ruhe und Langeweile oder auch den Misserfolg einer Ermittlung als Spieler spüren sollen.
Boah, da geht mir innerlich alles durcheinander und ich ziehe mich zurück, bevor ich die Befindlichkeiten eines Freundes verletze.
Beispiel 2: der SL hält sich für richtig gut und ist motiviert, redet über sein tollen Gedanken und Ideen und dann kommt ... KIKA-Niveau-Standardkost anno 1985. Da war ich 7 ...


Habt Ihr solche Themen nicht bei Euch am Spieltisch? Oder macht Ihr einfach schneller Tabula Rasa als ich?  8]
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Online klatschi

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Ich bitte die Person nach dem Spiel meist noch um ein Gespräch. Wenn es der Person lieber ist, schreibe ich es - geschriebene Kommunikation ist dann manchmal doch leichter

Für mich steht da meistens aber das Wohl der vielen über das Wohl des einzelnen und mein Wohl als GM gewichte ich tatsächlich nochmal etwas höher weil ich am Ende mehr Zeit investiere als der Rest.
Am Ende ist Rollenspiel ein Gruppenspiel. Das bedeutet auch, dass man sich an die Gruppe anpassen muss. Dass Rücksicht aufeinander genommen wird, ist klar, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Ich hatte nen Spieler bei dem es in einer Runde voll eskalierte und der aktiv Entscheidungen getroffen hat, die andere Spieler sabotiert hat bzw. am Ende auch zu einem Character Death geführt hat. Ich hab ihn aus der Gruppe geworfen, er spielt aber auch noch in einer anderen Runde mit. Zwischen den beiden Runden gab es eine Überschneidung und ich meinte: er darf in Runde 2 unter Vorbehalt dabei bleiben wenn das auch für die anderen Spieler okay ist.
Seitdem ist sowas in Runde 2 noch nicht passiert, aber ich achte sehr stark darauf ob es nicht mal Aussetzer gibt?

Und wenn sowas passiert fliegt er auch da. Sehr schade aber so ist es halt.
Hat auch nichts damit zu tun, ob ich ihn mag oder nicht. Vielleicht ist es eine Phase und es geht ihm gerade nicht so gut? Kann sein, aber not my Problem. Er kann ja wieder einsteigen, wenn’s ihm wieder besser geht.

Offline Horsinand

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Ich spiele in meiner privaten Runde nur mit handverlesenen Spielern, bei denen die Chemie stimmt. Da hat bislang immer funktioniert.

Ich habe auch einmal öffentlich zugängliche Runden geleitet. Da waren gelegentlich Leute dabei, die aus unterschiedlichen Gründen nicht gepasst haben. Meistens wurde mit Spontanpädagogik von allen anderen versucht, diese Person einzubinden. Da die Runde sich in dieser Konstellation aber nie wieder treffen würde, hat man die Dinge halt einfach mal bis zum Ende toleriert oder ignoriert.