Autor Thema: MIDGARD Smalltalk  (Gelesen 477482 mal)

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Online Wyndor

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2350 am: Heute um 09:38 »
Keine Ahnung was die Andeutungen bedeuten sollen und auf was sie abzielen, ich unterstelle in unserem Hobby immer erstmal beste Absichten. Das glaube ich bei Damatu auch zu erkennen und die Beschäftigung mit der Welt aus den bisherigen Unterlagen hat sich für mich sehr gelohnt, war allerdings anstrengend.

Durch das Fehlen direkter irdischer Bezüge oder klarer Topoi muss man sich erstmal tiefer reindenken, was mir schon bei den ganzen neuen Namensystemen extrem schwer fällt (mein Gehirn hat es nicht so mit Namen, das macht es nicht einfacher). Das ist aktuell der einzige Punkt, den ich gerne verbessert sehen möchte: Ich möchte die Welt schneller und leichter verstehen.

Offline AndreJ

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2351 am: Heute um 09:45 »
Gibt es im bisherigen M6 Material irgendeinen Hinweis auf einen wenn noch noch so kleinen Zusammenhang zwischen der Welt MIDGARD (von M2 bis M5) und DAMATU (M6)?

Ich würde sowas erhoffen wie: Bestimmte Magier aus DAMATU ziehen ihre Energien aus MIDGARD, oder können Kreaturen auf MIDGARD beschwören, oder dass es irgendwo ein Weltentor von und zu MIDGARD nach DAMATU gibt, oder ähnliches. Irgendetwas, was die parallele Existenz von MIDGARD mit DAMATU bestätigt.

Online Leonidas

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2352 am: Heute um 09:51 »
Gibt es im bisherigen M6 Material irgendeinen Hinweis auf einen wenn noch noch so kleinen Zusammenhang zwischen der Welt MIDGARD (von M2 bis M5) und DAMATU (M6)?

Ich würde sowas erhoffen wie: Bestimmte Magier aus DAMATU ziehen ihre Energien aus MIDGARD, oder können Kreaturen auf MIDGARD beschwören, oder dass es irgendwo ein Weltentor von und zu MIDGARD nach DAMATU gibt, oder ähnliches. Irgendetwas, was die parallele Existenz von MIDGARD mit DAMATU bestätigt.

Aus dem Schnellstarter:
„ Damatu ist eine Parallelwelt, deren Geschichte vor fast 5.000 Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hat. Dadurch haben sich andere Kulturen und andere Zauber entwickelt, doch Damatu befindet sich im selben Multiversum, basierend auf denselben kosmologischen Prinzipien.“

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2353 am: Heute um 09:58 »
Aus dem Schnellstarter:
„ Damatu ist eine Parallelwelt, deren Geschichte vor fast 5.000 Jahren einen anderen Weg eingeschlagen hat. Dadurch haben sich andere Kulturen und andere Zauber entwickelt, doch Damatu befindet sich im selben Multiversum, basierend auf denselben kosmologischen Prinzipien.“

Es gibt wohl auch noch ein paar gleiche Ortsnamen (Broceliande, der Kontinent Sirao), die sich gehalten haben - und natürlich ist die Frühgeschichte der beiden Welten identisch (wenn ich mich richtig erinnere, habe ich auch in M6-Material schon von den Hy-Aquiloniern gelesen, und vom EIS), die Halblinge haben in beiden Welten einen magischen Ursprung (wobei es auf Damatu anscheinend mehrere "Halblingswerdungen" gab), es soll auf M6 wohl auch Arracht geben ... ich denke, auch bei einigen Gottheiten wird es Überschneidungen geben (vielleicht nicht Namensgleichheiten, aber ähnlich, wie man es bei Aventurien und Myranor gemacht hat), aber das ist Spekulation meinerseits.

Da die Abspaltung Damatus anscheinend schon recht tief im Lore des "alten" Midgard verankert ist, denke ich schon, dass die Weltautor*innen nicht einfach alle Bande gekappt haben werden. Aber ich stecke in der Welt auch echt nicht besonders tief drin (habe mal den Weltenband von M5 teilweise gelesen, aber viel hängengeblieben ist nicht).
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Offline Eleazar

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2354 am: Heute um 09:59 »
@Horsinand

Hä?

Der Weltenbau soll nicht anhand von irdischen kulturellen Vorbildern geschehen. Statt dessen schafft man Bereiche, in denen man bestimmte Genres der Fantasy ansiedeln möchte. Das kann man jetzt feiern oder bedauern. Aber jetzt irgendwas "Politisches" dahinter zu vermuten, halte ich für ziemlich schräg.

Ich halte das erst mal für den Versuch, sich inovativ zu geben. Was es konkret wird, muss ich konkret erst noch zeigen. Für mich sind sowohl Erzählräume wie auch Referenzkulturen erst mal nichts mehr als Platzhalter und als solche auch nahezu austauschbar. Wo in der Welt will ich welche Spielmöglichkeiten, welchen Look und welches Feeling anordnen? Da ist es mir erst mal egal, ob ich auf meine Landkarte so was wie wilde Highlandstämme schreibe oder so was wie Barbaren und sword&sorcery.

Interessant wird die konkrete Ausarbeitung, bzw. bei kulturellen Referenzen die Verfremdung und bei Erzählräumen die Konkretisierung.
Misslingt die Verfremdung, dann fehlt die Fantasy und alles wirkt inspirationslos abgeschrieben - lahm, Geschichtsunterricht.2 oder TerraX-Endlosschleife. Gelingt die Konkretisierung nicht, bleibt alles blass, konturlos, generisch, beliebig.

Wir können mit unserer Fantasie einfach das Rad nicht neu erfinden. Deshalb orientieren wir uns an Vorbildern und stellen Verknüpfungen zu Bekanntem her. Es geht gar nicht anders. Man kann damit spielen, noch mal was brechen, aber auch das hat Grenzen.

Schaue ich mir die Illustrationen in der Testversion an, dann erinnert mich der Look jeder einzelnen Figur ziemlich genau an irdische Vorbilder oder genauer an eine ziemlich durchschnittliche, mitteleuropäische Fantasy-Kostümierung. Am Ende fällt alles in der Mitte zusammen, wenn du keine Anker hast, die dich im Besonderen halten. Das kann nun daran liegen, dass sie alle aus dem gleichen Erzählraum kommen und alle einen ähnlichen Modegeschmack haben. Macht dann aber keinen Unterschied, ob du da Erzählraum oder Fäntelalter als Etikett draufklebst.

Wenigstens hat sich hier noch keine bahnbrechende Neuerung gezeigt.

Der Halbling auf dem Grundregelwerk trägt meiner Meinung nach einen runden, spitzen Strohhut, wie man ihn traditionell auf der Erde aus Südostasien kennt. Docken da noch weitere Sachen an? Oder spielt er zusätzlich noch Alphorn und ist gern gefüllten Schafsmagen und spielt auf einer Handtrommel? Jedes Element weckt Asspziationen. Da kann man was draus machen oder sich blind in der Aservatenkammer bedienen. Klischees werden nicht wenige, wenn man ranzoomt und konkret wird. Im Extremfall erfüllt man das Klischee, dass man auf Biegen und Brechen zusammenhanglos kombinieren will. Auch dafür gibt es ne Schublade. Oder es wird eben allgemein und grau, weil man sich nicht festlegt. Alle tragen Hemden, Jacken, Hosen und was an den Füßen. Reicht, um dem Anstand Genüge zu tun, produziert aber keine Bilder im Kopf. Wenigstens keine konkreten.

Der Moment, in dem der Elefant das Wasser lässt, ist sowieso dann, wenn die verschiedenen Erzählräume zusammenwachsen. Wenn ich an den vier Ecken der Karte anfange, sehr unterschiedliche Erzählräume auszubuchstabieren und dazwischen große Lücken habe, dann bin ich erst mal safe. Aber wenn die irgendwann zusammenwachsen, dann muss es auch passen. Irdische Referenzkulturen sortieren sich auch nach der Logik unserer Weltkarte. Nicht sklavisch und gern auch spiegelverkehrt. Aber dennoch sitzen Kulturen nebeneinander, denen man ansieht, dass sie eine lange gemeinsame Nachbarschaft hatten und sich irgendwie inspiriert und beeinflusst haben. Wenn abstrakte Erzählräume zusammenwachsen, dann braucht man am Ende richtig gute Ideen, warum die so unterschiedlich nebeneinander stehen können. Und 100 Kilometer offene See ist so gar kein Grund, denn die See ist keine Grenze sondern ein guter Verkehrsweg.

Aber was Politisches vermute ich nicht. Es ist der Versuch, sich abzugrenzen und innovativ zu klingen oder rollenspieltheoretisch ambitioniert. Wenigstens nicht retro. Aber letztlich ist es nur ein Ansatz, den am Ende niemand mehr interessieren wird, wenn erst mal das Fleisch an die Knochen und Farbe auf die Leinwand gekommen ist. Und dann hätten sicher auch beide Ansätze oder eine Mischung von beiden zum gleichen Ergebnis führen können.

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2355 am: Heute um 10:19 »
Interessant wird die konkrete Ausarbeitung, bzw. bei kulturellen Referenzen die Verfremdung und bei Erzählräumen die Konkretisierung.
Misslingt die Verfremdung, dann fehlt die Fantasy und alles wirkt inspirationslos abgeschrieben - lahm, Geschichtsunterricht.2 oder TerraX-Endlosschleife. Gelingt die Konkretisierung nicht, bleibt alles blass, konturlos, generisch, beliebig.

Wir können mit unserer Fantasie einfach das Rad nicht neu erfinden. Deshalb orientieren wir uns an Vorbildern und stellen Verknüpfungen zu Bekanntem her. Es geht gar nicht anders. Man kann damit spielen, noch mal was brechen, aber auch das hat Grenzen.

Ja, das Dilemma macht es zu einer zugegebenermaßen undankbaren Aufgabe, eine konsistente, plausible und originelle Fantasywelt von Grund auf neu zu erfinden.
Rollenspiele wie D&D mit seinem Meta-Setting oder auch DSA hatten da vielleicht einen Vorteil durch einen ahnungslosen historischen Eklektizismus bzw. eine Ist-ja-auch-egal-Haltung, durch den dann alles irgendwie neben- und durcheinandergefallen ist, und als das Ganze dann Erfolg hatte und Verknüpfungen austrieb, entwickelten sich halt zwangsläufig originelle Elemente aus den Inkonsistenzen.
Bei Damatu scheint mir die Mission zu sein, die Vorbilder erst mal wegzulassen und gleich dieses Zwischengewebe zu erschaffen. Das ist ehrenwert, aber macht es auch echt schwer, zu verstehen, was da nun jeweils Sache sein soll.

Mein Goldstandard in Bezug auf Fantasy-Regionen, bei denen ich bis heute nicht weiß, worauf sie jetzt genau basieren, aber immer ein Bild vor Augen habe, ist ja Maraskan, wie ich es aus der dritten Edition von DSA kenne. Irgendwas mit Südostasien? Vielleicht, aber so richtig sicher bin ich mir da bis heute nicht, und trotzdem habe ich ein rundes Bild Maraskans vor Augen. Wenn Damatu DAS schafft, am besten gleich 10-15mal, dann bin ich beeindruckt.


Schaue ich mir die Illustrationen in der Testversion an, dann erinnert mich der Look jeder einzelnen Figur ziemlich genau an irdische Vorbilder oder genauer an eine ziemlich durchschnittliche, mitteleuropäische Fantasy-Kostümierung. Am Ende fällt alles in der Mitte zusammen, wenn du keine Anker hast, die dich im Besonderen halten. Das kann nun daran liegen, dass sie alle aus dem gleichen Erzählraum kommen und alle einen ähnlichen Modegeschmack haben. Macht dann aber keinen Unterschied, ob du da Erzählraum oder Fäntelalter als Etikett draufklebst.

Ja, das Problem habe ich auch - das bisherige Material vermittelt mir auf Text- und Bildebene schlicht und einfach gar nichts Bestimmtes. Vielleicht hätte es geholfen, ein Element ganz massiv in den Vordergrund zu rücken - z.B. diesen inbulischen Mondkult. So habe ich das Gefühl, dass das wichtigste Settingelement das immer wieder erwähnte "Mondflimmern" ist, aber das ist eben nur ein Ereignis, noch dazu eines, das ALLE auf der Welt betrifft.
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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2356 am: Heute um 10:33 »
"Politische Motivationen" vermuten die Leute meinen Beobachtungen nach normalerweise da, wo sich etwas mit ihren eigenen politischen Ansichten zu beißen scheint (oder es auch tatsächlich tut), die sie natürlich üüüberhaupt nicht haben. ::) Warum eigentlich wettert so gut wie nie jemand darüber, daß Fantasy allein schon als Genre eine "offensichtliche reaktionäre Agenda" hat, indem sie praktisch schon als Industriestandard Monarchien und Adelsherrschaft und ein Leben wie vor der industriellen Revolution als das Selbstverständlichste von der Welt verkauft? ;)

Persönlich ist mir Damatu jedenfalls einstweilen noch zu vage (und als Nicht-wirklich-Midgard-Fan, den trotzdem vielleicht das Setting als solches mal interessieren könnte, zugegebenermaßen auch insgesamt ein bißchen weit weg), als daß ich mir deswegen jetzt schon i-wie ernsthafte Sorgen machen würde. Die Idee mit den "Erzählräumen" klingt erst mal nach einem Experiment, das mir so noch nicht oft, wenn überhaupt, untergekommen ist -- mal schauen oder zumindest hören, wie sich das dann nach Erscheinen tatsächlich in der Spielwelt niederschlägt.

Online Leonidas

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2357 am: Heute um 10:36 »
In diesem Video spricht einer der M6 Weltschaffenden, Mike Krzywik-Groß, über eines seiner M6 Projekte:

https://www.youtube.com/watch?v=E5frJEXpm4s
(Sprungmarke „Erzählräume statt Kulturräume)

Konkret spricht er von einem Erzählraum, in dem es um eine Utopie mit einem beabsichtigt positiven Gesellschaftsentwurf gehen soll, nimmt dabei Bezug auf unsere heutige Gesellschaft, nennt reale Vorbilder aus unserer echten Welt, z.B. den arabischen Frühling und eine feministische Haltung.

M6 ist da mit Ansage politisch. Und warum auch nicht, es ist ja ihr Spiel.

Online koschkosch

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Re: MIDGARD Smalltalk
« Antwort #2358 am: Heute um 11:06 »
Danke für sie Erklärung zu Erzählräumen. Ich mag „das ist wie Deutschland im Mittelalter“ so pauschal auch nicht. Lieber sind mir konkrete Details, wie es denn wirklich ist (zB das Empire in The Old World von
Warhammer).

Die Definition von Erzählräumen ist aber schwammig und verweist auch nur auf Vorbilder (hier: Genres), ohne diese zu konkretisieren. Und dabei beschleicht mich der Verdacht, dass das aus Gründen geschieht, die auch politisch motiviert sind. Das Fass mache ich hier nicht auf. Allerdings ist das für mich ein Grund mehr, von dem Spiel Abstand zu nehmen.

Das verstehe ich nicht. Welche politische Motivation meinst du denn?