Ann Leckie: Translation State.
Habe mir lange nichts mehr von ihr gegönnt, nachdem ich "Provenance" und "Raven Tower" eher solala fand. Aber das hier reißt mich auf seine gelassene Art geradezu vom Hocker. Große Ideen-SF, die trotz schräger Settings ganz klar und schnörkellos erzählt, mit kleinen Dingen komplexe Figuren erschafft und es vor allem nicht nötig hat, Schnörkel und Volten zu vollziehen, um auf Teufel komm raus "komplex" zu erscheinen. Ich bekomme als Leser immer zum richtigen Zeitpunkt die nötigen Informationen, um Zusammenhänge zwischen den Handlungssträngen herzustellen, und surprise!, wenn die Figuren die Informationen bekommen, sind sie auch in der Lage, diese Zusammenhänge herzustellen, und es wird kein großes "Ach wie überraschend! Wie unvorhergesehen! Was für eine geniale Idee der Autor*in, die uns geschrieben hat!"-Gewese darum gemacht.
Einfach eine gute, durchaus komplexe Idee so klar und transparent wie möglich erzählt, durch die Augen greifbarer und sympathischer Figuren. Mehr will ich nicht von einem Buch. Einziges Manko ist vielleicht, dass Leckie kaum Raum auf die Beschreibung von Orten verwendet: Figuren sind enorm plastisch, aber die Räume, in denen sie sich bewegen, bleiben vage. Ist eine Qualität, manchmal aber auch etwas schade, weil ich dann als Rollenspieler doch immer mehr über das "Setting" wissen will.