Das Boot (Serie v. 2018 ff. 4 Staffeln)
Ziemlich enttäuschend und ein Etikettenschwindel könnte man meinen.
"Der Dialog", "Die Überläufer" oder "Der Spion" wären deutlich besser und weniger irreführende Titel gewesen. Insgesamt dreht sich die Serie mehr darüber wer alles Überlaufen will und wer welche Geheimnisse mitnimmt oder sie dem Feind verrät. Gefühlt (ich habe jetzt keine Zeit gestoppt) nimmt der Part in dem es um U-Boote geht vielleicht 1/5 der Sendezeit ein, verteilt in homöopathischen Dosen über alle Folgen. Mal hier ein Schnipsel, mal da ein Schnipsel. Im Grunde genommen sind Staffel 1 und 2 ein Handlungsstrang, Staffel 3 steht relativ alleine da, da alle Grundsteine die dort gelegt werden (und Hoffnung machten) in der 4. Staffel faktisch nicht existieren. Die Mannschaft wird wegen Subordination fast vollständig ausgetauscht und das U-Boot in einer kompletten Schwachsinnsaktion relativ schnell versenkt die eigentlich nur dafür da war ein Großteil des Casts loszuwerden, damit man wieder das Intrigenspiel um die SS, Gestapo, Marine und das geplante Attentat weiterspinnen kann.
Während in Staffel 1 und 2 noch die Handlung um die Verfolgung von Juden in Frankreich durch die Gestapo im Mittelpunkt steht, versucht Staffel 3 ein wenig ein Spionagethriller meets Casablanca zu sein. Die vierte Staffel ist dann grob gesagt die Handlung um den Versuch eines "Staufenberg-Attentats" durch die Marine im Jahr 1943.
Wenn es um U-Boote geht, dann meist um desillusionierte, im Zank liegende Mannschaften von denen die einen Nazi-Fanatiker-Hardliner und Denunzianten sind, während die anderen am liebsten sofort Desertieren und überlaufen wollen.
Dass die Serie es auch anders kann zeigt sie an dem britischen Zerstörer in Staffel 3. Was war das für ein Genuss, eine an einem Strang ziehende Mannschaft zu sehen, ohne Intrigen, Verrat, rumgejammere oder ständige Depristimmung. Selbst die Mannschaft hatte Spannungen (ein wenig wie Moby Dick). Der Kapitän hat seinen Sohn bei einer Konvoifahrt verloren und ist jetzt so besessen von seiner Jagd auf deutsche U-Boote, dass er alles andere darüber vergisst, sich, die Sicherheit seiner Konvois, ja selbst die Sicherheit seiner Mannschaft. Dem gegenüber steht ein junger Offizier der es wagt den Kommandanten auf diesen Umstand hinzuweisen und zu protestieren und die beiden finden über die Zeit einen Weg damit umzugehen. Aber der Storyarc ist gut geschrieben und die Charaktere sind mir um Längen sympathischer gewesen als ein Großteil der gezeigten deutschen U-Boot-Besatzungen.
Ein besonderer Minuspunkt gibt es für Wilson Gonzales Ochsenknechts auftritt als „Nudel“ in Staffel 4. Mein Gott wie kann man nur so jemanden diese Rolle geben. Aber gut, passt vielleicht, er ist Teil einer runtegerockten faktisch desertierten U-Boot-Mannschaft und hat vielleicht 5 Minuten Screentime und zwei gesprochene Sätze in denen er seinen Namen erklären darf YAY!!
Ganz ohne U-Boote wäre die Serie wahrscheinlich besser gewesen, so als Spionage- / Intrigen- / Liebesdrama im dritten Reich.
1 von 5 Sternen.