Autor Thema: Währungen in SF-Settings  (Gelesen 9029 mal)

Robert Paulson und 3 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Feuersänger

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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #50 am: 14.11.2015 | 17:09 »
OT:

Jetzt muss ich mir diese Homeworld Trilogie mal ansehen... ;)

Tu das, ich fand sie richtig gut. Hab ich übrigens auf Tip vom Pyromancer gelesen. ;) Das Thema mit den ausgebeuteten Kolonien wird im zweiten Teil (Wheelworld) durchexerziert: Agrarplanet produziert quasi nichts außer Getreide, und in regelmäßigen Abständen kommen Schiffe, die das Getreide gegen Versorgungsgüter eintauschen. Das läuft schon so lange so, dass die Kolonisten schon gar nicht mehr wissen, was Geld ist, oder dass es womöglich noch ein anderes Leben geben könnte. Gold kennen sie allerdings -- damit überziehen sie ihre Traktoren, damit sie nicht rosten. xD
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #51 am: 14.11.2015 | 17:15 »
Moin,

Ich spiele regelmäßig Nova-Universum von Daniel Scolaris. Eine der dortigen Währungen nennt sich Sternentex. Unsere Spielleitung führte zur einfachen Umrechnung einfacherhalber "Credits" ein  8).
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #52 am: 14.11.2015 | 18:11 »
Nun lässt sich dieses Szenario nicht 1:1 in die SF übertragen.
Zum einen: Indien ist längst zu groß und mächtig, um sich abermals dem BE einverleiben zu lassen. Dennoch könnte das BE hier haufenweise Arbeitskräfte / Kolonisten aus den ärmeren Bevölkerungsschichten rekrutieren. Aber der große Bottleneck sind Transportkapazitäten: da das Setting nicht _so_ wahnsinnig weit in der Zukunft spielen soll (maximal ca 250 Jahre), und extrasolare Kolonien erst maximal 100 Jahre lang bestehen, werden die Kolonien viel kleinere Bevölkerungszahlen haben als die Mutterländer. Fragt sich also, welche Dividende aus deren Ausbeutung überhaupt zu erwarten ist.

Gibt es eigentlich auf der Erde noch Länder, die wichtige Rohstoffe haben, aber selbst nicht über die nötigen Mittel verfügen, beim Kolonisieren mitzumischen?

Die könnten von einer Kolonialmacht ausgebeutet werde nach dem Schema "Dritte-Welt-Land liefert billig/kostenlos Rohstoffe, und bekommt dafür Land auf einer Kolonie und ein Transportkontingent von X Personen pro Jahr".


Darüber hinaus hat das Kolonialszenario, das du beschreibst, den Vorteil, dass es einen guten Abenteuer-Aufhänger bietet: Schmuggel! Je nachdem, wie eng das Mutterland die Daumenschrauben anzieht, kann es allemal billiger sein, bei einem Schmuggler Rohstoffe gegen Fertigwaren zu tauschen, als ganz offiziell über das Mutterland - ganz davon abgesehen, dass man so auch an Waren kommt, von denen das Mutterland gar nicht will, dass man sie hat, also etwa Maschinen, mit denen sich Fertigwaren selbst herstellen lassen.
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #53 am: 14.11.2015 | 19:22 »
Gibt es eigentlich auf der Erde noch Länder, die wichtige Rohstoffe haben, aber selbst nicht über die nötigen Mittel verfügen, beim Kolonisieren mitzumischen?

Die könnten von einer Kolonialmacht ausgebeutet werde nach dem Schema "Dritte-Welt-Land liefert billig/kostenlos Rohstoffe, und bekommt dafür Land auf einer Kolonie und ein Transportkontingent von X Personen pro Jahr".

Ja, so in der Art. Auf der Erde selber werden zwar nur noch relativ wenige Rohstoffe abgebaut. Meine ursprüngliche Idee war auch, dass dank billiger Energie überall auf der Erde ein anständiger Lebensstandard möglich sein soll. Da bin ich gerade ein bißchen am schwanken ob ich das nicht wieder etwas verschärfen soll.
So oder so kann man sich leicht ein "Brot für die Welt, die Wurst bleibt hier" Szenario ausmalen, in dem die 3. Welt zwar von den reichen Ländern versorgt wird, aber trotzdem so kurz gehalten, dass die einen nach wie vor nach der Pfeife der anderen tanzen müssen.

Und ja, das Schmuggel-Szenario hab ich auch auf dem Schirm. ;)

Edit:
Dazu mal einen alten Thread reaktiviert:
http://www.tanelorn.net/index.php/topic,69267.msg134320383.html#msg134320383
« Letzte Änderung: 15.11.2015 | 02:43 von Feuersänger »
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Re: Währungen in SF-Settings
« Antwort #54 am: Heute um 02:11 »
*bump*

Nachdem der Thread jetzt ein paar Tage brach lag -- huch waren ja 10 Jahre -- ist mir was eingefallen, was hier diskutabel wäre.

Im bisherigen Verlauf hatten wir ja gesagt: es gibt nicht eine einzelne Weltwährung; die verschiedenen Blöcke und Regionen haben immer noch ihre eigenen Währungen, auch wenn die anders heißen als unsere heute.
Nun bin ich aber bei meinen Recherchen auf das "Triffin Dilemma" gestoßen, welches da besagt: eine Währung kann nicht dauerhaft gleichzeitig eine stabile Landeswährung und internationale Reservewährung / globale Leitwährung sein. Denn für das eine muss ständig viel von diesem Geld ins Ausland fließen, was aber im inneren für Schwierigkeiten sorgt. (Sorry, so komplett steige ich da auch nicht durch, bin halt kein Ökonom.)

IRL haben wir da ja den USD als Anschauungsbeispiel. Ist globale Leitwährung, nicht zuletzt bedingt dadurch dass die USA einen Importüberschuss haben, also ständig USD ins Ausland fließen. Im Rest der Welt häufen sich also massenweise USD an, und weil Zentralbanken damit nicht viel anfangen können, kaufen sie dafür US Treasuries. Diese werfen moderat Zinsen ab, aber halt auch wieder in USD, womit man immer noch nicht mehr anfangen kann, also kauft man davon noch mehr Treasuries, ad nauseam.

[Sidebar: aktuell liest man immer wieder von Drohungen, die US-Treasuries zu "dumpen", um damit die USA wirtschaftlich zu ruinieren, aber so richtig verfängt die Drohkulisse nicht. Die Fed ist mit der Macht ausgestattet, nahezu unbegrenzt Treasuries zurückzukaufen, und dann sitzt halt der Dumper auf einem Riesenhaufen US-Cash, und was macht er dann damit. Dadurch mag der USD-Wechselkurs stark fallen, aber das ist ja auch wieder nicht im Sinne der anderen Länder, weil ihr Cash dann halt einfach weniger wert ist, während gleichzeitig ihre Exporte teurer werden und somit der Absatz in die USA sinken dürfte.]

Aber umgekehrt stellt sich dann halt auch für die anderen Länder die Frage, warum sie überhaupt noch USD annehmen sollten, wenn sie dann doch nichts damit anfangen können außer sie wieder der US-Regierung zu leihen.

Und an _dieser_ Stelle habe ich mir eben gedacht: wie wäre es denn, wenn man dieses Dilemma auflöst, indem man tatsächlich eine internationale Verrechnungswährung erschafft, die das Triffin-Dilemma auflöst, weil sie nicht gleichzeitig als Landeswährung fungiert? Nennen wir diese fiktive Welthandelswährung einfach mal "Terran Credits".
--> Dies wiederum führt mich zu der Frage, wie dies vonstatten gehen könnte. Und insbesondere, wie es da mit der Konvertierbarkeit aussieht. Denn solange es Länder gibt, die keine ausgeglichene Handelsbilanz haben, werden sich dort größere Credit-Reserven anhäufen, während importlastige Länder irgendwie Nachschub an Credits besorgen müssen. Wie bei so ziemlich Allem gilt ja auch hier: ich kann etwas nur kaufen, wenn es mir jemand anders verkauft.

Mal am Beispiel Handel USA - EU illustriert: Aktuell (2024 heisst das) beträgt die Handelsbilanz 290 zu 200 Mrd Euro pro Jahr; es häufen sich also jährlich USD im Wert von 90Mrd€ in Europa an, aktueller Gesamtbestand ca 2000 Mrd USD.
Und wie wäre das, wenn es von einer unabhängigen Weltbank kontrollierte Credits gäbe?
Dann müssten die Amerikaner Credits für USD kaufen, um die Europäer zu bezahlen, und die Europäer hätten dann diese Credits, die sie gerne in Euro eintauschen würden. Aber wo sollen diese Euros herkommen? Die Weltbank hat ja vor allem USD vorrätig, und besitzt schlicht nicht genug EUR um diese irgendwem für Credits zu verkaufen. Und wie gesagt, bitte bedenken dass dies ein verkürztes Beispiel ist; natürlich könnte man das mit Hinzunahme von China usw noch beliebig komplexer machen. Aber unterm Strich läuft es halt darauf hinaus, dass eine deutsche Firma ihre deutschen Arbeitnehmer in € auszahlen muss, weil diese beim Bäcker ihre Brötchen nicht mit USD oder RMB oder sonstwas bezahlen können.

An dieser Stelle stecke ich gerade fest. Kennt sich von euch jemand damit aus? Wie bekommt man das aufgelöst?
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