In Imitation des bewährten Peter-Jackson-Stils beim Herrn der Ringe geben wir den Wild Cards in der Geschichte vorerst paarweise Auftritte, um ihre Persönlichkeiten herauszuarbeiten. Nach dem ersten Duo (Naomh und Balthasar) folgt jetzt das zweite:
Amberlain vom Glân UlbaAmberlains Bestreben repräsentiert jene Sichtweise, die im Songtext auf dem die Kampagne basieren soll nahegelegt wird: Einklang mit der Natur. Eigentlich will der Junge doch nur friedlich auf der Familien-Farm arbeiten! Er muss seine Unbescholtenheit natürlich im Verlauf der Geschehnisse verlieren, aber vielleicht kann er durch seine Taten zumindest anderen ermöglichen, ihrerseits weiterhin unbescholten zu sein. Darauf zielt auch seine gewählte erste Queste ab. Als Miniatur wird er von Marieke aus Zombicide dargestellt.

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Amberlain UlbaPious farmer-boy-turned-warriorBond: Church
Attributes: Agility d8, Smarts d6, Spirit d8, Strength d6, Vigor d6
Skills: Athletics d8, Common Knowledge d4, Fighting d6, Notice d6, Persuasion d6, Riding d4, Shooting d4, Stealth d6, Survival d4, Trade (Farmer) d4
Pace: 6;
Parry: 5;
Toughness: 6 (1)
Hindrances: Loyal (Glân of Ulba, and anybody who seems worthy), Mild Mannered, Vow (Major: Protect his homestead and homeland, and watch it flourish)
Edges: Attractive, Elan, Luck, Reliable
Gear: Two axes, boiled leather armor (Armor 2 in arms, legs, and torso), medium round shield, dagger, waterskin, blanket, 40 Pennies
Quest (Formidable): Protect his homestead and homeland, and watch it flourish.
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Fearghus vom Glân GaeldainFearghus ist unser klassischer, keltischer Rebellenkämpfer. Er repräsentiert die Heiden in ihrem Unwillen, sich den Mächtigen zu unterwerfen und sich fremdbestimmt modernisieren zu lassen. Er ist in den Wäldern von Hy-Brasil aufgewachsen und empfindet eine unveränderliche Liebe zu diesen; er kämpft gegen die neueren Einflüsse der sturen kirchlichen und monarchischen Klotzköpfe, weil er selber so stur ist. Auf dem Spielbrett wird er dargestellt von der Miniatur von Maelling, dem Bogenschützen aus dem CMON-Spiel Trudvang Legends.

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Fearghus GaeldainFae-Blooded Rebel ArcherBond: Uldwyld
Attributes: Agility d8, Smarts d6, Spirit d6, Strength d6, Vigor d8
Skills: Athletics d6, Common Knowledge d6, Fighting d4, Intimidation d4, Notice d6, Occult d4, Persuasion d4, Shooting d10, Stealth d8, Survival d8+2
Pace: 6;
Parry: 4;
Toughness: 8 (2)
Hindrances: Heroic, Loyal (Uldwyld), Prejudiced (Minor: Church and King), Rebellious (Minor: Follows the heathen old ways)
Edges: Alertness, Woodsman
Gear: Bow, quiver with 20 arrows, boiled leather armor (Armor 2 in arms, legs, and torso), dagger, waterskin, blanket, 55 Pennies
Quest (Formidable): Deny the Church and the king from banishing the heathen old ways in Evermore.
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Mit dem zurückliegenden Auftakt mit Naomh und Balthasar haben wir den gewählten Handlungsrahmen für die Kampagne noch gar nicht einmal begonnen — die Lyrics vom Song ‚Battle of Evermore‘! Das war bisher alles noch Vorgeplänkel, um den Ist-Zustand für das Setting zu umreißen. Das ändern wir jetzt! Wir eilen den beiden Reisenden schon einmal voraus: Wechsel der Szenerie, auf nach Evermore, so wie es in der Überlieferung geschrieben steht! Und zwar vielleicht mal folgendermaßen:
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Und es steht geschrieben:
The Queen of Light took her bow / And then she turned to go
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Amberlain sieht gedankenverloren in den Morgenhimmel über dem Farmland. Der Frühjahrsmorgen scheint frisch, aber seltsam bleich, der Himmel von einer silberweißen Wolkenschicht verhüllt, durch welche die Sonne zwar zu sehen ist, aber fern scheint, beinahe kühl. Dennoch singen die ersten Vögel; dennoch rauscht der Wind in den Sträuchern und in den noch kahlen Wipfeln der Apfelbäume des Guts, und beides freut Amberlains Herz. Er atmet tief die Luft, ein Windhauch trägt eine angenehme Brise von der fernen Küste her.
Ein abgelegener Hof des Glân Ulba im VorberglandSoundtrack: Loreena McKenitt,
Prologuehttps://www.youtube.com/watch?v=6i1AwS-bVnk„Banríon Áine hat sich abgewendet“, sagt eine Stimme neben Amberlain, „Etwas stimmt nicht.“
Er wendet sich um, zu seinem alten Großvater. Er lächelt ihn an, obwohl der blinde, alte Mann dies nicht sehen kann.
„Warum glaubst Du das, Großvater? Lass‘ Dir versichert sein, Áine ist da. Die Sonne scheint!“
„Ja und nein … es sollte bereits wärmer sein um diese Zeit des Jahres. Ist’s sonst immer. Banríon Áine ist spät eingetroffen, und nun ist‘s, als wäre sie wieder unschlüssig geworden, und als wolle sie grad’ wieder zurückgehen. Ein ungewöhnliches Zwielicht dämmert herauf.“
Amberlain legt seinem Großvater liebevoll die Hand auf die Schulter. Der Alte hat im vergangenen Winter so schwermütig davon gesprochen, dass das hohe Alter ihn nun endgültig einholen würde, und er gewiss bald sterben müsse. Aber gestorben ist er nicht, ihm ist beschieden, ein weiteres Frühjahr zu erleben. Amberlain vermutet, dass dies, was der Alte jetzt empfindet, ein Nachklang seiner Schwermut von vergangenem Winter ist.
„Wenn Königin Áine wankelmütig ist, wird der Herrgott ihr sicherlich gut zureden, denkst Du nicht?“, sagt er aufmunternd, „Und bald kommt dann der Frühling endgültig.“
„Ja, der Herrgott! Was sollte man dagegen einwenden?“, murmelt der Großvater. Er ist noch mit dem heidnischen Brauchtum aufgewachsen, als er selbst in Amberlains Alter war, „Der Herrgott, er wird es sicherlich richten …“
Gemeinsam stehen sie nebeneinander, und riechen die kalte Morgenluft, und die feuchte Erde. Vor seinem geistigen Auge sieht der Junge bereits Kornähren im Wind wogen, golden, so golden wie alle Jahre, und Kartoffelpflanzen, Rhabarber, Mohnblumen. Ein paar Felder sollten sie dieses Jahr anders bepflanzen, er weiß auch schon, wie man‘s machen könnte. Es juckt ihm bereits in den Fingern, sich wieder ausgiebig die Hände schmutzig machen zu können in der Ackererde. Er lächelt.
„Amberlain!“, ruft eine aufgeregte Stimme, es ist Lannis, sie kommt aufgeregt angelaufen, und schaut zu den beiden auf.
„Guten Morgen!“
„Ich dachte schon, ich sehe Dich nicht wieder, bevor Du ins Dorf musst!“, bringt seine kleine Schwester hervor.
„Wir brechen gleich erst dorthin auf, Vater und ich. Ich komme ja ohnehin bald wieder!“
„Wie willst Du das wissen?“, keucht Lannis.
„Die Männer des Königs haben bestimmt nur einen Suchaufttrag für uns. Irgendeine kleine Queste, verstehst Du? Die sind doch von weit her angereist, aus der Stadt Hárthioch, und brauchen wahrscheinlich ein paar Einheimische als Wegführer. Das ist alles!“
„Es heißt, alle jungen Männer aus der Gegend müssen ins Dorf kommen!“, sagt die Schwester, „Und ihre Waffen mitbringen! Das wären dann aber
viele Wegführer, Amberlain!“
Der Großvater seufzt, es klingt sehr tief, und sehr schwer, aber er sagt nichts.
„Du brauchst Dich nicht zu sorgen, Lannis. Ich bin bald zurück hier auf dem Bauernhof. Und zwar noch ehe wir gemeinsam die Frühblüher aussäen!“
„Versprichst Du mir das?“
„Das verspreche ich.“
Eine kalte Windböe pfeift über das Farmland hinweg, und bringt die Zweige der vielen Obstbäume zum Zittern.
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Das Dorf Cullwy liegt eine halbe Wegstunde vom Bauernhof des Glân entfernt. Hier ist der Marktplatz, wo die Ulba normalerweise ihre Ware verkaufen, und wo es die zwei kleinen, gemütlichen Tavernen gibt, den Hufschmied, und den vollgestopften Krämerladen.
Nahe des Ulba-Hofs liegt das Dörflein CullwyHeute ist ungewöhnlich viel los in Cullwy, eine kleine Menschenmenge hat sich versammelt. Auf einem hohen Wagen mit vier mächtigen Rössern davor sind die Geharnischten aus der Stadt eingetroffen. Sie tragen Topfhelme, Kettenhemden, und darüber Tabarde in den Farben des Königshauses der Thainbar, schwarzgrün und gelb.
Am Rande des Dorfplatzes sitzt ein Mann mit graugrünem Kapuzenmantel aus festem Stoff, und betrachtet die Szenerie. Er scheint beinahe völlig unbewegt, seit der Karren aus der Stadt heute bei Morgendämmerung eingetroffen ist. Unter dem Schatten der Kapuze ist sein Gesicht kaum zu sehen, nur das unrasierte Stoppelkinn. Er lächelt nicht. Alles, was er tut, scheint zu sein, in Seelenruhe seinen Jagdbogen zu warten, mit allergrößter Sorgfalt. Immer weitere Jungspunde aus den umliegenden Höfen kommen zum Dorfplatz. Die Büttel des Königs sind es längst leid geworden, dem Bauernvolk immer aufs Neue ihr Ansinnen erklären zu müssen. Mittlerweile verweisen sie nur noch darauf, dass der königliche Herold den Neuankömmlingen alles verkünden wird, bevor es losgeht. So lange prüfen sie die mitgebrachten Waffen und Rüstungsteile der Eingetroffenen. Der Waldläufer beäugt diese ebenfalls, aus der Ferne: Viele Einheimische haben Dolche, Kurzschwerter, und Streitkolben. Fast alle haben einen Kurzbogen und ein paar Pfeile. Kaum ein Mann ist ohne Waffen so weit ab der größeren Städte, wenn schon nicht wegen der Jagd, der Banditen, und der Raubritter-Glâns, dann bereits aus bloßer Tradition. Dies ist in den Städten einer der Gründe, warum die Frommen unter sich sagen, die ländliche Bevölkerung bestünde noch aus keltischen Barbaren. Oder zumindest aus ungehobeltem Pack, das nur einen Schritt von solcherlei Barbarei entfernt ist. Wenn ihre Ware nur nicht so gut wäre …!
Der Bogenschütze spuckt in den Matsch. Grimmig mustert er einen hochgewachsenen Jungen, der gerade erst das Mannesalter erreicht hat, und offensichtlich dem Glân der Ulba angehört. Die Familienähnlichkeit ist unübersehbar: Rotblond, mit einem offenen, gutmütigen, viel zu weichen Gesicht. Offensichtlich einer der Christen. Immerhin trägt er noch die Haare lang, und nicht kurzgeschoren, wie es Brauch geworden ist in den christlichen Städten.
Der Junge scheint den stechenden Blick bemerkt zu haben, und sieht den Bogenschützen an. Seine Augen sind fragend und neugierig, nur ein wenig ängstlich. Immerhin weiß er nicht, was hier gespielt wird, und was ihn erwartet … und er hat ja keine Ahnung, wie der fremde Kapuzenträger damit zusammenhängt! Der wiederum arbeitet ruhig weiter an seinem Bogen, aber ohne den Blick abzuwenden. Er würde nicht die Augen senken vor einem Ulba, denn die sind zu Kreuze gekrochen. Er selber ist immerhin ein Gaeldain.
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„Bürger der Provinzen! Streiter des König Donnacha! Hört her!“, erhebt schließlich der Herold seine Stimme, „Lange ist es her, dass die Thainbar Eure Dienste einforderten! Gegeben haben sie Euch, aber fast nichts haben sie im Gegenzug genommen!“
Die versammelten Bauern und Hökerer gucken dabei etwas verdrießlich drein, sie finden nicht, dass die Steuern ‚fast nichts‘ waren, letztlich.
„Jetzt aber“, fährt der Sprecher fort, in alarmiertem Ton, „Reckt der gemeinsame Feind sein Haupt! Der Gegner des Königs, und gleichsam Euer Feind! Die Abtrünnigen und die Raubritter haben Euch schon lange bedroht! Sie sind unterwegs hierher, im Anmarsch nach Süden! Diese Schändlichen wollen die Handelsstraßen, und sie wollen schlussendlich Dún Bréanport!“
„Stimmt es, dass Aufständler schon bis zur Hauptstadt vorgedrungen sind?“, fragt aufgeregt der Dorfprediger.
Der Herold ruft, „Das ist ungewiss, Leute! Es gab Aufruhr in Dún Bréanport, ja, aber niemand weiß genau, wer dahinter gesteckt hat, vielleicht gewöhnliche Heiden; vielleicht Rebellen; vielleicht sogar die Raubritter-Glâns. Aber das war nichts, was die starke Faust von Donnacha Thainbar nicht umgehend zermalmt hätte! Nur trug sich dies im Süden der Insel zu! Hier aber, im Zentrum des Landes, sind des Königs Ritter-Glâns
nicht. Und hier droht jetzt eine noch größere Gefahr! Ihr, Leute, Ihr werdet ab heute zu den Streitern gehören, welche die Krone verteidigen!“
„Der König stellt eine Armee auf!“, japst einer der Bauern, als er begreift.
„Sehr richtig! Ihr gehört nun zu einer Streitmacht, größer als jede andere, die Hy-Brasil in den letzten Jahrzehnten gesehen hat! Wir ziehen ins Tal von Evermore, und wir verteidigen es vor dem Zugriff durch die Abtrünnigen! Wir beenden ihren Marsch nach Süden, bevor er überhaupt wirklich beginnen konnte!“
„Aber die abtrünnigen Glâns, das sind doch nur zwei, schlimmstenfalls drei!“, ruft eine furchtsame Stimme, „Und vielleicht noch ein paar Wildnis-Banditen! Warum braucht König Thainbar dann eine so große Armee?“
„Die Krone ruft nun eine Streitmacht zusammen, groß genug, um über alles und jeden zu triumphieren, das Evermore bedrohen könnte!“, schreit der Herold in großartigem Ton, „Zu den Waffen! Rüstet Euch! Dann auf den Karren mit Euch! Wir ziehen in die Schlacht! Für das Land, für Glân Thainbar, für den rechten Glauben!“
Viele jubeln. Es klingt gezwungen, findet der Beobachter mit der Kapuze, geradezu verzweifelt klingt es. Er sieht in der Menge erneut das etwas weibische Gesicht des großen Ulba-Jungen. Alte Topfhelme werden vom Karren ausgegeben, und ihm wird einer in die Hände gedrückt. Der Ulba schaut mit großen Augen; wer weiß, was er gedacht hatte, das ihn erwarten würde, als er von seinem Bauernhof hierher spaziert ist.