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Stellt euch mal als Beispielsituation eine Abenteurergruppe auf Queste vor. Die Charaktere haben ein gemeinsames Ziel und vertrauen einander. Dann tritt ein Gegner an deinen Char heran und bietet ihm, wenn er von der Queste ablässt, ein eigenes Stück Land komplett mit Untertanen, um darüber zu herrschen.

Wärst du in Versuchung? Und wenn ja, wie fühlt sie sich an?

Wir sind junge (idealistische) Abenteurer, gute Freunde mit einer aufrichtigen Freundschaft und integren Charakteren? Dann wohl eher nicht.
Allerdings gibt es in einer Gruppe immer Mitläufer und Leute, die nur da sind, weil es für sie keine bessere Option gab. (Für Machtmenschen sind diese Leute, die Stellschrauben)
Ich bin Krieger, weil ich der Dritte Sohn bin und bevor ich die Dorfpolizei spiele, bin ich auf Abenteuer aus. Da kommt das Stück Land doch gelegen!

Oder ein alter abgehalfterter Abenteurer, der es nie ganz zum "berühmten Recken" brachte und das auch nicht kommen sieht. Der könnte sich doch schon die Frage stellen, was ist wichtiger? Die jungen Typen, die mich bald eh nicht mehr brauchen, weil zu alt? Oder das Land, Stabilität und Sicherheit?

Es gibt auch extrem viele Freunde (jahrelange) die keine sind, tolle Filme hierzu, Akira oder Young Guns 2.

Was mir noch einfällt zu dem Thema Macht, Robert Greens - Die 48 Gesetze der Macht. Beschäftigt sich viel mit Macht und liest sich deutlich besser, als der Titel hoffen lässt. :-D

Macht ist Energie, Sicherheit, Erfolg, soziales Ansehen, am Ende ist es die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. Bin ich die Person, der Schicksal von mir unerklärlichen Mächten gesteuert ist oder bin ich die Hand, die steuert.
Bin ich es, der entscheidet, der Dinge zum laufen bringt. Kontrolle, Ordnung, Sicherheit, mit Macht lässt sich so viel assoziieren.

 Macht und Machstreben sind auch erstmal weder gut, noch böse, hier gab es ja teils sehr negative Konnotationen.
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[Cyber Master 2077] The Demon Inside / Re: [TDI] - Smalltalk -
« Letzter Beitrag von Outsider am Heute um 19:36 »
Wollen wir vielleicht in der Ini zum nächsten springen und sagen, dass Ghostwire seine Handlung erstmal zurückstellt? Nimmt ganz schön die Dynamik raus  :think:

Machen wir so. Ich schreibe heute Abend noch in den Forenspielen!
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Unsere Partner / Re: rpgDan
« Letzter Beitrag von rpgDAN am Heute um 19:17 »
Endlich wieder ABENTEUER auf MIDGARD!

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Und da können wir imho auf jeden Fall festhalten, dass sich insgesamt in unserem Hobby in den letzten Jahren/beiden Jahrzehnten Vieles getan hat.

Bestimmt. Und wenn du deine Gedanken dazu schreiben möchtest, bin ich interessiert. Das Problem ist, dass wir uns nie einigen können,wann dieses "modern" ist. Zed schrieb von 2010er. Ich hätte so spätestens 2005 angenommen. Andere vielleicht noch früher oder doch später. Was Skaeg oben schrieb, riecht mir nach 1990 als spätestes.

Es tut sich eben immer viel. Nur nie gleichzeitig bei allen. Wir haben nicht eine kleine Szene, sondern Dutzende noch viel winzigere, die in mancherlei Weise untereinander Schnittmengen bilden.

Deswegen sind Fragestellungen, wie "was verstehst du unter" nur so begrenzt gewinnbringen. Kann man natürlich machen, dann weiß man hinterher vielleicht, wo sich Leute missverstehen könnten. Aber dann ist eben der nächste Schritt das Missverständnis zu vermeiden, also z.B. nicht von "modern" zu sprechen.
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Ist bei mir auch so wie bei Vash. Liegt aber auch daran, dass ich gerade 5e mit VTT leite. Das ist nicht cool für die Vorbereitungszeit.

Die allgemeine Vorbereitung für meine Delta Green Kampagne, die in 12 bis 18 Monaten startet, läuft schon.
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Table Top / Re: [Miniaturen & Tabletop] Was habt ihr neues?
« Letzter Beitrag von 10aufmW30 am Heute um 18:41 »
TGD hat gerade gute Conquest Rabatte, da hab ich zugeschlagen.

11 Modelle ist schaffbar und im Zweifel auch für die Vitrine nett. Und im Club mindestens ein Mitspieler. Bin gespannt auf das System und vorallem auf die ungewöhnliche Größe der Minis.
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Ich empfinde die Vorbereitung ähnlich. Einzig, dass ich grausig ineffizient in der Kurzfristigen bin; soll heissen, ich brauche auch dort viel Zeit. Aber ansonsten unterscheide ich ebenfalls zwischen beiden. Du bist also nicht allein. ;)
Das ist irgendwie beruhigend zu hören  ;)
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Für. mich bedeutet das überhaupt nüscht. Bei beinahe allem was ich so an "innovativen" neuen Mechaniken in den letzten 30 Jahren gesehen habe war gar nicht mal so viel Neues dran. Früher oder später stolpert man immer über ein Spiel, dass das eher schon hatte. Alles andere ist Augenwischerei oder es handelt sich um kreative "dice tricks" - die sind natürlich nice, aber nicht modern. ;D

Dabei gehe ich natürlich jetzt erst einmal von funktionalen Mechaniken aus. Dysfuntionales Zeug, das völlig neu ist, gibt es natürlich zu hauf. Aber das ist auch über.  ~;D

Rückblickend spannender für mich sind da eher so Augenöffner gewesen, die vielleicht gar nicht neu waren, aber mir unbekannt und die mir neue Perspektiven aufs Rollenspiel gegeben haben. Ich würde das aber eher als Erkenntnisse denn als Mechaniken bezeichnen. Und als modern schon gar nicht, denn vieles davon ist uralt, hat sich mir in meiner Jugend aber einfach nicht erschlossen.

- Balancing ist keine notwendige Spielbedingung
- SL-Aufgaben können auch durch Spielende übernommen werden
- Würfelergebnisse durch Spielressourcen manipulieren kann ein Spiel echt aufwerten, wenn's sauber integriert ist
- Spiele brauchen nicht notwendigerweise eine SL
- Weniger ist mehr, und viele Regeln machen ein Spiel noch lange nicht "realistisch" (was immer das auch heißen mag)
- Spielen im Actor Stance ist nur eine Art zu Spielen und vielleicht gar nicht mal so häufig die spannendste und belohnenste
- Entscheidend ist aufm Platz am Tisch

Spiele, die das erreicht haben, gibt es wirklich viele (und die meisten davon würde ich heute trotzdem ums verrecken nicht mehr spielen), einige wenige Beispiele wären da GURPS, Sorcerer, Trollbabe, In a wicked Age, Dogs in the Vineyard, Polaris, Fate, Reign und Apocalypse World.

Und spannend für mich in den letzten Jahren war vor allem die Erkenntnis, dass das, was mir überhaupt den Spaß am Rollenspiel wieder zurück gegeben hat nachdem das Hobby eigentlich für mich tot war, ausgerechnet die Entscheidung war, wieder zu den Ursprüngen (sprich zu White Boxigem OSR und damit noch vor meine zarten Anfänge mit DSA1 und BECMI) zurückzukehren.  :)
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Der Waldläufer vom Glân der Gaeldain macht gutes Tempo. Abseits der Bergstraße bewegt er sich durch die Wildnis, über Stock, Stein, und hohe Baumwurzeln, ohne nennenswert davon verlangsamt zu werden. In einem dieser Waldgebiete ist er geboren, und nirgendwo fühlt er sich so heimisch wie hier. Er ist stundenlang parallel zu mehreren der Fuhrwerke gelaufen, die aus der Stadt Hárthioch hierher gekommen sind, um die Dörfler und Bauern der Gegend zu rekrutieren. Nun rumpeln sie allesamt mit ihrer menschlichen Fracht nordwärts, allmählich tiefer die Berghänge hinab, und aufs Tal von Evermore zu. Der Bogenschütze kann unschwer ihre Positionen bestimmen, aufgrund ihres lauten Rumpelns und Knarrens, dem Gepolter der Stimmen ihrer Befehlshaber, des Gestanks nach Pferdemist und der Angst der Insassen. Die Städter und Bauern sind in Augen des Gaeldain-Bogenschützen nur Tölpel, Trampeltiere.

Auch für ihn holen wir uns vielleicht mal einen Orakelspruch, und bekommen, Charge Warning. Das ergibt wenig Sinn für mich, also interpretiere ich es umgedreht als ‚Warnung vor dem Ansturm‘. Das passt natürlich sehr zur Situation:

Der Bogenschütze erklimmt aus vollem Lauf eine ganz mit Moos überzogene Wurzel eines Baumriesen, am Rand des Wäldchens, das er gerade durchquert hat, und steht dort oben schlagartig gänzlich still. Vom Waldrand und der erhöhten Position sieht er die Gratstraße, die sich hinab windet, mit dreien der Fuhrwerke des Königs darauf. Er hat den Bogen in der Hand und einen Pfeil locker auf der Sehne. Auf dem Wind liegen ferne Schreie … sie dringen zu den Bergflanken hinauf …!
In dem Moment braust ein dunkler Schatten durch die Dämmerung, über die Straßen hinweg, und über die Wipfel. Er ist so schnell, dass selbst der Bogenschütze nicht erkennen kann, was ihn wirft … es scheint ein sehr großes Tier gewesen zu sein, eines mit immenser Flügelspannweite. Dahinter steckt mehr als der übliche Spuk, den man gelegentlich in diesen launischen, alten Wäldern erleben kann! Die Soldaten haben es auch gespürt, und bei einem der Karren gehen die Zugpferde durch, kurz sieht es so aus als würde das Gefährt im Matsch der Straße umkippen.

Da wird ein Furcht-Wurf nötig sein. Dieser von meinen bisherigen vier Wild Cards hat leider noch keinen Brave-Vorteil bekommen für solche Situationen; er mag hartgesotten und ruchlos sein, ist aber gemeinhin nicht sonderlich tapfer! Aber siehe da: Sein Spirit-Wurf wird durch explodierende Würfel zu einer 15! Er erschrickt vielleicht, aber zuckt dennoch mit keinem Muskel deswegen!

Sein Blick fliegt aufwärts, und versucht, das dahingleitende Ungetüm doch noch einmal zu erhaschen. Zu spät jedoch, der große Schatten ist schon eins geworden mit dem Abenddunkel.
„Danu, sie stehe uns bei …!“, flüstert eine rauhe Stimme in seiner Nähe.
Der Waldläufer fährt herum, und hat schon den Bogen erhoben und sein Pfeil zielt zwischen die Augen des hageren Bärtigen, der aus dem Buschwerk aufgetaucht ist, und soeben gesprochen hat.
„Nimm‘ das runter, Herr Gaeldain!“, sagt der andere mit hastig abwinkender Hand, „Du weißt, wer ich bin.“
„Und Du könntest es besser wissen, als zu versuchen, Dich an mich anzuschleichen“, erwidert eine tonlose Stimme, sie klingt berechnend, lässt an einen Wolf auf der Pirsch denken.



Der Waldläufer von Glân Gaeldain wird seinerseits verfolgt, von einem ungleichen Verbündeten


Der Hagere winkt erneut ab, und grinst, „Schlimm genug, dass es mir überhaupt gelungen ist! Du, vom Glân Gaeldain, mit den Augen des Luchses und den Nasenlöchern des brünftigen Hirsches, hättest mich normalerweise gar nicht so nah herankommen lassen. Unter besseren Umständen! Du musst müde sein nach all Deiner Rennerei. Ich sollte vielleicht—“
„Schweig still. Was war das eben?“
„Du bist ein Dummkopf. Mir den Mund zu verbieten, und obendrein, wenn Du nicht weißt, was das war!“
„So sage es mir, Herr Albioch!“, knurrt der Schütze, und dumpf fügt er hinzu, „Ich habe eben Geschrei auf dem Wind gehört …“
„Wahrscheinlich gibt es erste Kämpfe im Tal von Evermore, zwischen jenen Kriegshaufen, die sich dort schon zusammengesammelt haben!“, sagt der Bärtige, und hebt seinen knorrigen Wanderstab höher.
„Also war das die Warnung vor dem unvermeidlichen Sturmangriff.“
„Ich vermute, dass es ein Späher des Feindes war. Sie haben die ersten Glânsritter des Königs überwunden, und kommen nun auf dunklen Schwingen geflogen, zu schauen, wie viele Widersacher noch auf dem Wege sind, um sich ihnen entgegenzustellen.“
„Viele“, sagt der Waldläufer tonlos, „Ich allein zählte über einhundert Mann unter König Thainbars Befehl im Lauf des Tages — und das waren nur die Fuhrwerke, die die Bauern unserer Gegend rekrutiert haben.“
„Von der anderen Seite der Berge kommen noch einmal so viele, allein heute“, nickt der Zottelbart, „Und von Süden die Reiterei aus der Hauptstadt. Wir können nur hoffen, dass all das Blut, das die Geister des Waldbodens in den nächsten Tagen und Nächten trinken werden, ihnen auch bekommt! Und dass es ihnen nicht zu Kopfe steigt!“, und er grinst.
„Genug gezögert! Ich laufe wieder vor. Wir treffen uns am Auldirs-Felsen, wie geplant.“
„Die Waldgeister haben mir seither eine bessere Idee eingegeben, Freund!“, und der Seher muss kichern.
„So?“
„Wir sehen uns wieder, bevor die Schlacht von Evermore geschlagen ist. Aber nicht noch einmal, bevor sie beginnt!“
„Sei‘ vorsichtig!“
„Wenn Du es sagst, Freund Gaeldain mit den Füßen der Dohle und der Tapferkeit des Iltis!“
„Das sage ich, Herr Albioch mit der Schnauze eines Mannes, der eine zu große Schnauze hat.“
Beide lachen sich grimmig zu.
Der Bogenschütze verschwindet leichtfüßig in der Abenddämmerung, ohne sich noch einmal umzusehen, der Seher duckt sich zwischen die Büsche, und heftet den Blick interessiert auf die Straße …

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Und es steht geschrieben:
The Dark Lord rides in force tonight / And time will tell us all / Oh, throw down your plow and hoe / Rest not, lock your homes
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Amberlain Ulba zittert in der Kälte der Nacht, die Feuchtigkeit kriecht aus allen Richtungen heran, seit die Sonne untergegangen ist, und weder die Lagerfeuer noch seine Kleidung, noch die Harnischteile, oder die Decke um seine Schultern hilft viel dagegen. Erneut schaut er über die schwarzen Baumwipfel, in Richtung des Tals …



Das Tal von Evermore breitet sich unter den Neuankömmlingen aus


Eine unglaubliche, geisterhafte Schönheit liegt über den Wäldern am Berghang, zwischen den Zweigen schweben dünne Nebelschleier, die das Mondlicht durchwirkt, und in der Nacht mischen sich Blautöne, dumpf und intensiv. Trotz seiner Beklommenheit glaubt Amberlain, dass dies einer der schönsten Anblicke ist, die sich ihm in seinem ganzen Leben gezeigt haben. Er war noch nie vorher beim Evermore-Tal. Vielleicht kommen ihm derlei Gedanken deswegen, so denkt er sich, weil er dem eigenen Ende plötzlich so nahe sein könnte, und dadurch alles deutlicher sieht … Aber wahrscheinlich denkt er gerade etwas zu sehr wie sein Großvater es im vergangenen Winter getan hatte, unangebracht fatalistisch.

Morgen werden sie jedenfalls den Taleingang endgültig erreichen, so haben die Büttel aus Hárthioch gesagt, und dort werden sie sich mit den anderen Teilen der Truppen vereinigen. Als Regiment werden sie weiterziehen, dem Feind entgegen. Im Verlauf des Abends war immer wieder das Klirren von Schwertern zu hören, von dort unten, es wird also schon gekämpft, dort irgendwo in der Wildnis. Amberlain flüstert unhörbar ein kleines Vater Unser, um sich Mut zu machen.
„Was macht’n der Suppenkasper da so alleine? Ich hab‘ gesagt, den sollt Ihr nicht aus den Augen lassen!“, blafft hinten beim Karren in dem Moment einer der Hellebardenträger.
„Komm‘ sofort hierher, Hasenfuß!“, ruft ein anderer.
Amberlain rollt die Augen, aber fügt sich. Eigentlich hätten die Büttel des Königs nach all der gemeinsamen Fahrtzeit begreifen können, dass er nicht desertieren will, und könnten aufhören, ihn zu schikanieren. Aber Angst haben hier eben alle, und auf den Unerfahrenen herumzuhacken ist für viele Soldaten ein willkommenes Mittel, um sich kurzzeitig von dieser Angst abzulenken.

Um den Karren herum haben sich neben den Soldaten mittlerweile auch einige Einheimische eingefunden. Ein paar haben Essen gebracht oder wollten sich nach Neuigkeiten aus der Stadt erkundigen; andere sind ihrerseits auf den Landstraßen unterwegs, und suchen für die Nacht Schutz in der Masse. Die Wärme der Lagerfeuer tut wohl. Mittlerweile schlafen die meisten Männer, oder versuchen es zumindest. Amberlain wird warten müssen, bis die Büttel, die ihn auf dem Kiecker haben, fertig mit dem Versorgen der Zugpferde sind, bevor sie bereit sind, ihn aus den Augen zu lassen. Hätte er sie bloss vorgestern nicht mit Fürst Mórith behelligt! Was für eine Narrheit. Die Hellebardiere aus der großen Stadt kennen ja einzig und allein das Wort von König Donnacha. Mit düsterem Gesicht setzt er sich zwischen einige der Fässer und Säcke, und legt die Arme um die Knie.
„Die haben es ja ziemlich auf Dich abgesehen! Nun, was hast Du verbockt, Jungchen?“, fragt eine leise, kratzige Stimme neben ihm.
„Ich habe unterwegs den Rat unseres hiesigen Fürsten einholen wollen …“, sagt Amberlain trotzig.
Der Fragesteller sitzt neben ihm, ebenfalls in eine alte Decke gewickelt, mit einer zerfledderten Kapuze auf dem Kopf und einem langen, rötlichen Zottelbart und buschigen Augenbrauen. Neben ihm lehnt ein knorriger Wanderstab. Es ist keiner der Rekruten aus Cullwy, er muss also einer von denen sein, die heute Abend dem Lager zugewandert sind.
„Und welcher Fürst wäre das?“, fragt er vergnügt, und löffelt dünne Suppe aus einem Holznapf.
„Mórith von Moraglenn, Fremder! Der einzige Adelsherrscher hier in der Gegend. Du bist wohl nicht von hier!“
„Und Du, Du bist wohl ein wenig dümmlich, zu versuchen, Rat von Fürst Mórith zu erhalten! Jeder weiß, dass er ständig auf Reisen ist. So auch jetzt, was?“
„Er ist ein Mann des Friedens. Bis vor ein paar Jahren war er einer der Berater von König Donnacha Thainbar. Vielleicht hätte er …“
„Ach, steck‘ Deinen Kopf doch in einen Bienenstock, Jungchen. … Hat noch kein einziges Barthaar am Kinn, und will mit einem Adelsherren reden! Lass‘ Du Dir einen Vollbart stehen, dann bist Du ein Mann, und kannst mitreden! … Falls Du die Schlacht überdauerst, versteht sich.“
Amberlain schaut sich den Wanderer genauer an, zuerst etwas erbost. Ihn runterzumachen ist ja schon schlimm genug, aber seinen Fürsten, das gehört sich wirklich nicht. Dann aber sieht er ein heiteres Funkeln in den Augen des Fremden, hintersinnig schaut er drein, und Amberlain muss lächeln.
„Du hast eine ganz schön lockere Zunge, Gevatter!“, sagt der Junge, „Vielleicht sollte man Dir Manieren beibringen!“
„Und das willst Du übernehmen, Bengel? Da muss ich mir ja das Lachen verbeißen!“
„Ich mag keinen Bart haben, aber wohl bin ich größer als Du, und doppelt so breit! Geschlagen habe ich mich schon oft.“
„Oh ja?“, stichelt der Fremde.
„Aber ja. Und letztes Jahr habe ich alleine einen Banditen vertrieben, mit meiner Axt. Habe ihm eine schöne Schnittwunde beigebracht, als Denkzettel daran, dass er sich vom Land meiner Familie fern zu halten hat! Also unterschätze mich nicht!“
„Dann kann Hy-Brasil ja bereits aufatmen. Wenn junge Krieger wie Du Evermore verteidigen. Sind viele von Deiner Sippe auf dem Karren?“
„Ich bin der einzige. Es gibt noch eine Menge Ulbas, auf der anderen Seite des Berges. Vielleicht treffen wir morgen welche, dort wo die Rekruten sich sammeln werden. Aber mein Vater und meine Großväter sind zu alt, um in eine Schlacht zu ziehen. Das stimmt mich etwas froh, denn dadurch weiß ich, dass sie daheim auf dem Hof in Sicherheit sind.“
„Soso, Glân Ulba. Sind das etwa alle solche Milchgesichter wie Du?“
„Du willst mich nur aus der Reserve locken. Wie heißt Du überhaupt?“
„Ceddruich, Herr Ulba!“
„Amberlain.“
„Und der Adel bedeutet Dir wohl viel, Amberlain!“
„Eigentlich nicht …“, sagt er, und ist in Gedanken sofort beim elterlichen Hof, denn der ist es, was ihm viel bedeutet, „… aber das spielt doch keine Rolle. Wir müssen nun einmal der Weisung folgen.“
„Immerhin wirfst Du Dich sogleich den Schatten entgegen, wenn es befohlen wird — ohne zu wissen, worum es sich überhaupt handelt bei diesem Feind!“
„Schatten …? Nun, der Feind, das sind die abtrünnigen Glâns, die die Runde verlassen haben … Raubritter …“
„Wer sagt das?“
„Davon ist auszugehen. Was meinst Du mit Schatten, Ceddruich?“
„Ja, ist denn in Deinem Dorf nicht bekannt, wer im Norden herrscht?“
„Nun …“, antwortet Amberlain vorsichtig, mit einem Schaudern, „… die Glâns der abtrünnigen Caeldir, Drounne, und Wanennaugh!“
„Und warum muss der König dann das ganze Land zu den Waffen rufen — gegen nur drei Glâns? Nein, Amberlain Ulba … der Feind herrscht schon länger jenseits der Berge nördlich von hier … er beobachtet uns, mit scharfäugigen Spionen auf schattenhaften Flügeln. Dieser Tage hält er seine Zeit endlich für gekommen. Er reitet mit großer Truppenstärke heute Nacht, der Dunkle Herrscher.“
„Wer ist das? Du sagst das, als wäre das ein Name, kein Titel …?“
Plötzlich klingt die Stimme des Ceddruich ganz dumpf und fern, wie als würde er etwas beschreiben, das er nur durch einen Nebelschleier sehen könne, „Er hat schon lange keinen Namen mehr, denn der ward vor langer Zeit vergessen. Heute ist er nur noch der Dunkle Herr des Nordens, der Dunkelste-Von-Allen. In einer Zeit, die von Banríon Áine regiert sein sollte, ist er ihr finsteres Gegenstück. Er hat die lichtscheuen Bewohner des Unterreiches auf seine Seite gezogen, wilde Tiere, und die Trolle der schrecklichen Múrgaur-Jagdgründe. … Ich glaube, Du hast ein Quäntchen Uldwyld-Blut in Dir … ich meine, es Dir an Deinem Blick anzusehen …“
„Redest Du in Wahrheit deswegen mit mir?!“, bringt Amberlain flüsternd hervor, „Bist Du also ein Druide?!“
„Ich bin jedenfalls einer, der genau schaut, und sich lang erinnert. Wie so viele von meinem Glân.“
„Welcher Glân ist das?“
„Das geht Dich nichts an. Du hast gewählt: Die Königstreue, die hast Du gewählt. Lässt Dich als Feigling verspotten, und bist trotzdem noch bereit, für die Krone zu marschieren. Amberlain vom Glân Ulba, mit dem Kampfesmut des Hofhundes und der Treuherzigkeit eines Regenwurms.“
„… Was gibt’s da eigentlich die ganze Zeit zu palavern, Ihr dort? Legt Euch endlich schlafen! Morgen ziehen wir in die Schlacht!“, raunzt einer der Wachposten zu ihnen hinüber.
„Was wird jetzt passieren?“, fragt Amberlain im Flüsterton, während er Anstalten macht, sich folgsam zu erheben, „Wenn Ihr ein Druide seid, so wisst Ihr bereits um die Zukunft!“
„Hah! Ich weiß hauptsächlich um die Vergangenheit, Jungchen. Und es braucht ohnehin keinen Seher, um zu sagen, dass die Vergangenheit sich wiederholen wird: Narren werden einen Narrentod sterben, dort unten, auf diesen Feldern. Danke für die Suppe! Ich muss weiter.“
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D&D - Dungeons & Dragons / Re: Order of the Stick
« Letzter Beitrag von afbeer am Heute um 18:36 »

1340 - Down the Chute

Sieben comic strips weiter
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