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Pen & Paper - Allgemein / Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
« Letzter Beitrag von nobody@home am Heute um 12:56 »Man versucht in D&D 5e Abenteuern die pflichtmässigen Kämpfe pro Tag reinzumachen damit alles "gebalanced" ist usw
D&D belohnt halt gewonnene Kämpfe standardmäßig durch mehr als nur den reinen Sieg in der Spielwelt -- vor allem durch Erfahrungspunkte und damit schnelleren Aufstieg, als wenn man sie vermeiden würde. Da liegt der "Wieviele Kämpfe müssen mindestens sein, damit das System nicht allzusehr hakt?"-Hund direkt in dieser einen Designentscheidung begraben...und dann wird das Ganze noch durch einschlägige Computerspiele verstärkt, die das genauso machen, weil diese Methode einem Stück zwar nicht eigenständig denk-, dafür aber schnell rechenfähigem Stück Programmcode quasi auf den Leib geschneidert ist, und die nebenbei auch zu einem großen Teil direkt aus den USA kommen.
Solche Elemente gibt's nun zwar in DSA und Midgard (zumindest den frühen Fassungen, die mir so untergekommen sind) auch, aber da sind sie etwas abgemildert. Schon die DSA1-Basisbox hat recht ausdrücklich betont, daß "Monsterschnetzeln" alleine eine eher lang- und mühsame Methode wäre, um genügend Abenteuerpunkte für die nächste Stufe zusammenzukratzen, und der Meister allemal auch vergleichsweise reichlich Punkte für bestandene Abenteuer insgesamt rüberwachsen lassen möchte, und in Midgard 2 waren reine "Kampferfahrungspunkte" halt nur für bestimmte Verbesserungen zu gebrauchen und für andere Dinge nutzlos.
Und natürlich gibt's schon lange Systeme -- auch amerikanische --, die diese Falle überhaupt vermeiden und Sieg oder Niederlage im Kampf einfach für sich schon genug sein lassen, ohne zusätzliche Extrabelohnungen oder -strafen für den Ausgang zu verteilen. BRP-Kämpfe etwa sind schon immer recht gefährlich und "belohnen" einen nur mit Häkchen für die eingesetzten kämpferischen Fertigkeiten, die sich dann bei der Abrechnung je nach Würfelglück auszahlen können oder auch nicht und nicht mal der einzige Weg sind, diese Fertigkeiten zu steigern. Traveller hat ohnehin kein schnelles Wachstum (wo überhaupt), und mit Kämpfen, denen man genausogut auch hätte aus dem Weg gehen können, riskiert man wirklich nur unnötig die eigene Gesundheit...und die Liste läßt sich fortsetzen.
Nachtrag: Ein Stück weit kann man den Unterschied in den Antworten auf die Frage "Kämpfen oder nicht?" sicher auch an allgemeinen Mentalitätsunterschieden zwischen US-Amerikanern und Europäeren (inkl. Deutschen) festmachen -- wann man zuletzt einen Krieg auf eigenem Grund und Boden hatte und gegen wen, macht beispielsweise praktisch mit Sicherheit etwas aus --, aber das analysieren zu wollen, geht vermutlich schnell über den Rollenspielbezug hinaus.

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