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Autor Thema: State of the Industry - Die Kolumne  (Gelesen 754 mal)

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Offline Blechpirat

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State of the Industry - Die Kolumne
« am: 10.10.2017 | 14:44 »
Der deutsche Rollenspielmarkt ist im Wandel: Crowdfundings, neue Verlage, Neuausrichtungen bekannter Verlage - es gibt viel zu beobachten, doch es wird nicht viel über die Branche berichtet. Bis dann

Ich könnte dazu ein bisschen was aus dem Nähkästchen plaudern

sagte. Dem konnten wir Tanelornis natürlich nicht widerstehen, die Wortmeldungen waren einhellig! Natürlich wollen wir mehr wissen. Und freuen uns jetzt schon...

Regeln: Da es sich um eine Kolumne handelt, kommen in dieses Thema nur die eigentlichen Beiträge. Wer diskutieren will, schreibe bitte in dieses Thema:

State of the Industry - Feedback & Diskussion
« Letzte Änderung: 10.10.2017 | 14:50 von Boba Fett »

Offline Silent Pat

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State of the Industry - Prolog
« Antwort #1 am: 10.10.2017 | 19:40 »
Guten Tach alle miteinander.

Nachdem im Thread zu den Veränderungen bzgl. der Myranor und Tharun Lizenz die Frage aufgekommen ist, was diese ominösen Umbrüche in der Rollenspiel "industrie" denn genau sind, habe ich mich bereit erklärt dazu aus meiner (Uhrwerks) Sicht ein paar Dinge zu erzählen.

Da dies evtl. mit einem Post nicht hinreichend abgedeckt werden kann, gibt es ab jetzt eine Art Kolume, in der ich hin und wieder ein bisschen was zu Hintergründen, Beweggründen, Gerüchten sagen werde.

Dazu gibt es erstmal ein paar Regeln, die ich mir selber auferlegen möchte und mit denen ihr dann leben müsst ;)

  • Die Post werden eher unregelmäßig sein - ich schreibe was wenn ich a) Zeit dazu habe und b) Lust dazu. Es kann sein, dass es auch mal länger nix Neues gibt

  • Die Post sind ausschliesslich auch meiner Perspektive geschreiben. Das bedeutet das es sich sehr selten evtl. unter umständen NICHT um die ultimative Wahrheit handeln wird, sondern um eher subjektive Meinungen. Oder dass ich mich mal irre. Oder was unglücklich oder missverständlich formuliere. Ich versuche allerdings, nicht absichtlich zu Lügen ;)

  • Ich werde keine schmutzige Wäsche waschen oder Interna bzgl. anderer Verlage ausplaudern, die ich zufällig oder auch nicht zufällig kennen sollte. Zumindest nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem jeweiligen Verlag. Ausnahmen dazu sind evtl. Infos die bereits irgendwo im Netz stehen (die Aussagen von Michael Mingers zu Auflagenzahlen wäre hier ein gutes Beispiel)

  • Es dürfen im dazugehörigen Feedback Tread sehr gerne Fragen gestellt werden oder Themenwünsche geäussert werden.

  • Auch wenn es ein kurzes Zeitfenster geben wird, in dem man unter meine Post antworten kann bevor ein Admin den Post in den Hauptthread geschoben hat - bitte tut das NICHT, sondern nutzt nur den Feedback Tread.

Los gehen wird es die Tage (oder evtl. auch noch heute) wie schon gesagt mit dem Thema "Veränderungen in der Rollenspielbranche in Deutschland". Das ist ein recht umfangreiches Thema, dass ein paar Post lang werden dürfte, besonders wenn es im Feedback die Frage nach mehr Details gibt.

Also - im Prinzip kann es auch jetzt schon mit konkreten Fragen losgehen ;)

Grüße

Patric

Offline Silent Pat

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State of the Industry - Veränderungen am Markt 1
« Antwort #2 am: 10.10.2017 | 21:14 »
Disclaimer: dieser erste Teil ist recht frei von der Leber weg geschreiben und nicht lektoriert. Es kann sein, das ich anfange zu schwafeln, Dinge doppelt schreibe oder sogar Sätze unverständlich sind, weil ich von Vorwissen ausgehe, das nicht da ist oder der Rotwein zu sehr reinhaut. Bitte nicht zu sehr bashen – Danke ;)

***

„Die vergangenen Monate waren für die deutsche Rollenspielbranche im Allgemeinen und für den Uhrwerk Verlag und Ulisses Spiele im Besonderen spannend, ereignisreich und haben viele Veränderungen mit sich gebracht. Beide Verlage haben ihr Portfolio erweitert und Ulisses Spiele hat seinen Großhandelsvertrieb eingestellt, über den bis dahin auch die Produkte des Uhrwerk Verlags vertrieben wurden. All diese Veränderungen haben dazu geführt, dass man sich geschäftlich neu orientiert und schrittweise voneinander gelöst hat.“

Was steht konkret hinter diesen Sätzen?

Fangen wir mal für's erste bei den Veränderungen in der deutschen Rollenspielbranche an, die eher allgemeiner Natur sind.

Der Markt verändert sich massiv.

Nicht unbedingt die Verkaufszahlen an sich, aber die Kanäle über die Rollenspiele verkauft werden verändern sich seit Monaten/Jahren sehr und diese Entwicklung geht wohl auch recht schnell voran.

Für einen Rollenspielverlag gibt es drei-vier große Kanäle, seine Produkte zu verkaufen.

  • An Großhändler (klassische RSP-Großhändler und Barsortimenter des Buchhandels)

  • An Händler (Läden und Onlineshops)

  • An Endkunden (über den eigenen Shop, auf Conventions und Messen und Crowdfundings)

Diese drei Arten von Kunden bezahlen für ein Rollenspielbuch sehr unterschiedliche Preise. Der Endkunde offensichtlich den Verkaufspreis, Händler den Händlerpreis und Großhändler noch einiges weniger, da die ja auch an Händler verkaufen und daran was verdienen wollen.

Der Umsatz und der Gewinn den ein Verlag macht hängt direkt auch davon ab, wie die Anteile dieser Kanläe am Gesamtumsatz ist. Je mehr über Großhändler geht und je weniger an Endkunden, desdo kleiner ist der Umsatz.

Wenn sich an den Anteilen was ändert, dann verändert sich auch der Umsatz, obwohl die Menge der verkauften Bücher durchaus gleich bleiben kann.

Und das ist genau das, was auf dramatische Weise gerade passiert.

Konkret – der Anteil der über Barsortimenter (und das bedeutet wohl zu 90% AMAZON) verkauften Bücher steigt, während der Anteil der Händler abnimmt. Da Barsortimetner neben sehr hohen Rabatten auch eklig lange Zahlungsziele haben, ist das ein Problem.

Tatsächlich verkaufen sich unsere Rollenspielbücher mengenmäßig nicht anders als vor 2-3 Jahren auch (ausser Splittermond – dass steigt eher an ;) ). Aber die Marge wird halt NOCH kleiner...

Bzw. werden würde, wenn Uhrwerk nicht (bis jetzt) anders funktioniert hätte. Wir hatten keinen eigenen Vertrieb an Händler, sondern haben exklusiv mit Ulisses als unserm Vertrieb gearbeitet. Dadurch verschwindet das Problem aber natürlich nicht, sondern wurde nur an unseren Partner verschoben. Und ich gehe mal davon aus, dass dieses Problem auch einen Teil dazu beigetragen hat, dass Ulisses seine Vertriebsabteilung dicht gemacht hat.


Hinzu kommt noch, dass die Firma Asmodee Anfang des Jahres (oder war das schon letztes Jahr?) die Firma Heidelberger übernommen hat. Das hatte zur Folge, das damit nach relativ kurzer Zeit ein Großhändler weggefallen ist, der zumindest ein wenig in der Lage war, ein paar Rollenspielbücher auch an „normale“ Spieleläden zu verkaufen.

Das alles hat kurzfristige Auswirkungen (Umsatz), aber auch langfristige (Neukundengewinnung, Präsenz neuer Produkte)

Wie die Verlage darauf reagieren – ob bewusst oder instinktiv sei dahingestellt – sieht man z.B. an der Menge der Rollenspiel-Crowdfundings, die es seit einiger Zeit gibt. Und bei denen wir selber natürlich AUCH mitmachen. Über Crowdfundings verkauft man direkt an Endkunden, was halt der „interessantest“ Verkaufskanal ist.

Meine persönlichen Meinung nach, darf man aber die Händler nicht links liegen lassen. Da einen Spagat zu schaffen ist eines der nächsten Themen.

Das direkt nächste Thema wird wahrscheinlich konkret sein, wie Uhrwerk sich entwickelt hat und wie wir mit den aktuellen Veränderungen umgehen werden.

Ausser natürlich, es kommt anders Feedback und gute Fragen, die einer langen detailierten Antwort bedürfen.
« Letzte Änderung: 10.10.2017 | 21:20 von Silent Pat »