Autor Thema: Uhrwerk ist insolvent  (Gelesen 87864 mal)

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Offline D. Athair

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #725 am: 26.10.2019 | 01:08 »
Die Spiel ist absolut unbedeutend für mich (und scheinbar auch für Ulisses) und der Stellenwert ist fraglich für den Rollenspiel-Bereich.
Kann man so sehen. Andererseits: Ich brauch kein einziges der Rollenspiele aus dem Ulisses-Portfolio (OK, vielleicht mit Ausnahme von WFRP4, wenn es denn mal kommt - in hoffentlich akzeptabler Übersetzung). Andere Verlage haben da Attraktiveres (System Matters, 100Questen Gesellschaft, Truant, Uhrwerk, bald auch Kazé). Soll heißen: Ulisses ist nicht das Maß aller Dinge. Ich und Du aber auch nicht.  ;)

Darum geht es nun wirklich nicht! Es geht eher darum, dass man - trotz der Krise - Uhrwerk Vertrauen entgegen gebracht hat und jetzt dieses Vertrauen nicht belohnt wird. Zusage war, dass die Backer es zuerst bekommen.
Jein. Ich weiß auch, dass da Psychologie dahintersteckt. Es gibt dazu Experimente und Studien, dass viele Menschen lieber weniger Gehalt bekommmen - wenn das der anderen dadurch unter dem eigenen bleibt, als dass alle mehr bekommen. Hat mit Wünschen in der Gesellschaftshierarchie besser dazustehen zu tun. Gefällt mir zwar nicht - ist aber so. Und ist menschlich. Deswegen kann ich mir ne Individualverurteilung auch sparen. Wenn, dann trifft sie uns als Spezies (mich inkludiert) und nur die nicht, die sich davon freimachen konnten.ö

Natürlich ist es als Nicht-Backer (und vermutlich auch Nicht-Käufer - obwohl ich das Spiel ganz cool finde) leicht zu sagen: Man verliert doch nix. Aber: Doch man verliert was. Privilegien, die man erhalten wollte und die einem verkauft wurden. Trotzdem: Ich finde diesen "ideellen Verlust" gerade im Rahmen einer Insolvenz - wo halt auch klar ist, dass der Insolvenzverwalter einfach so Entscheidungen auch umschmeißen kann - ganz gut verschmerzbar. Besser so, als dass das Projekt ganz eingestampft wird - oder nicht?

Randnotiz: Dieser Thread zeigt in Grundzügen, dass FB auch hier angekommen ist. Wenn jemand seine Kritik äußert und nicht mit dem Mainstream schreit, dann wird er gleich runtergemacht - teilweise auf verletzende Weise. Ich hoffe, dass dies nicht so bleibt.
1) Wer nicht mit dem Strom schwimmt hat es immer schwieriger. Wenn es bloß Meinungen und nicht persönliches So-Sein ist, dann ist das aber gut aushaltbar. 2) Mainstream oder Mehrheiten haben genauso wenig wie Minderheiten automatisch Recht oder Unrecht oder reagieren angemessen. Insofern find ich die Reaktion durchaus ein bißchen daneben.


Ich hoff Du kannst mit meiner - nicht netten (aber mMn auch nicht unfairen) Meinung gut umgehen.
Bei Bedarf: Gern PM an mich!
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Offline Sgirra

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #726 am: 26.10.2019 | 07:53 »
Ein anderer Insolvenzverwalter hätte übrigens entscheiden können, dass das Spiel gar nicht hergestellt wird und dass die Backer ihr Geld verlieren. Das wäre ein tatsächlicher Super-GAU gewesen, aber kein unrealistischer. Crowdfundings sind nun einmal eine Risikofinanzierung und das deutsche Insolvenzrecht hat für diese Arten der Gemeinschaftsfinanzierung keine erprobte Handhabe.

Nur um einmal den Ärger über verlorene, marginale Privilegien in eine Relation zu setzen. ;)
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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #727 am: 26.10.2019 | 12:36 »
Ich finde das hier auf vielfältige Weise ganz bemerkenswert. Ich glaube, dass der Konsens für alle ist, dass wir dem Uhrwerk Verlag alles Gute wünschen und hoffen, dass es ihn auch in Zukunft gibt.

Was mich persönlich stört und mein Vertrauen in die Zukunft des Verlags untergräbt, ist das Auftreten von Uhrwerk als Ganzes. Einerseits hat der Insolvenzverwalter die Ansicht, dass man auf der Messe verkaufen muss, d.h. er sieht ein deutliches Defizit. Außerdem scheint ja nicht alles klar, denn vor Dezember kann man keine Details nennen. Andererseits wurden meines Erachtens recht locker neue Reihen angekündigt und bis auf Space 1889 will man alles mit wesentlich weniger Personal weiterführen. Das scheint mir nicht der klassische Weg eines Verlags, dem direkt nachdem er mit Forbidden Lands einen seinen erfolgreichsten Kickstarter hatte, das Geld ausgegangen ist. Vielleicht lag ja alles nur an Feder & Schwert und Uhrwerk selbst wäre es alles die ganze Zeit prima gegangen. Wir wissen es einfach nicht.

Um es nochmal zu sagen, ich wünsche dem Verlag alles Gute und habe auch gerade mit dem HeinzCon Ticket etwas Weiteres in Vorkasse, d.h. im Vertrauen, gekauft. Aber wenn hier so getan wird, als wäre jeder Zweifel und jedes Nachfragen unangebracht, finde ich eben das unangebracht.

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #728 am: 26.10.2019 | 12:39 »
.... und habe auch gerade mit dem HeinzCon Ticket etwas Weiteres in Vorkasse, d.h. im Vertrauen, gekauft.

Dito. Und auch schon ein Hotel gebucht.

Wird es auf dem Heinzcon ein Tanelorntreffen geben?
« Letzte Änderung: 26.10.2019 | 14:13 von Kreggen »
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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #729 am: 26.10.2019 | 13:30 »
Wird es auf dem Heincon ein Tanelorntreffen geben?
Wo ich erstmals dabei sein werde - gerne! ;)
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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #730 am: 26.10.2019 | 13:43 »

Was mich persönlich stört und mein Vertrauen in die Zukunft des Verlags untergräbt, ist das Auftreten von Uhrwerk als Ganzes.
ich kann diesen Punkt nach deiner Kritik nicht nachvollziehen.

Anscheinend  hat Uhrwerk langfristig ausreichend Aussichten, wenn es nur kurzfristig die Krise übersteht, wenn auch absehbar nicht mit der aktuellen Schlagzahl und mMn handelt Uhrwerk/Insolvenzverwalter in Anbetracht der Situation richtig.

Zitat
Aber wenn hier so getan wird, als wäre jeder Zweifel und jedes Nachfragen unangebracht, finde ich eben das unangebracht.
dem würde ich auch nicht widersprechen, aber einiges daran geht mMn nach zuweit.
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Offline Mithras

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #731 am: 26.10.2019 | 14:25 »
Der Uhrwerk Verlag hat mit dem Star Trek eine teure Lizenz erworben für das sie eine deutsche Version veröffentlichen dürfen 2020! Wenn Star Trek nicht genug Absatz und einen ordentlichen finanziellen Schub mit "hohem" Gewinn für den Verlag abwirft weiss ich auch nicht. Und der Insolvenzverwalter hat ja wohl das abgesegnet weil er sich ausrechnen kann das es wirtschaftlich Sinn macht. Genauso wie die Veröffentlichung von allen ausstehenden Crowdfundings von Uhrwerk. Also ich bin positiv Optimistisch und werde weiter Produkte kaufen.
Ich spiele lieber AD&D statt Pathfinder und Cyberpunk 2020 statt Shadowrun.

Offline Greifenklaue

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #732 am: 26.10.2019 | 14:55 »
In mehreren Orkenspaltervideos hat Patric ja gesagt, dass es weitergeht mit neuem Logo und bald wieder ohne Insolvenzverwalter und verkleinerter Mannschaft.

-> https://www.youtube.com/watch?v=6Xv_KEqUlYo

Und im Newsticker: "Insgesamt geht es mit Uhrwerk weiter. Es ist "nicht mehr das alte Uhrwerk". Einige der scheidenden Redakteure waren sehr wichtig für den Verlag. Ende des Jahres sollen nähere Details feststehen, aber etwas verkleinert geht es dann wohl 2020 mit Patric am Steuer weiter."
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Offline NurgleHH

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #733 am: 26.10.2019 | 17:31 »
Ich finde das hier auf vielfältige Weise ganz bemerkenswert. Ich glaube, dass der Konsens für alle ist, dass wir dem Uhrwerk Verlag alles Gute wünschen und hoffen, dass es ihn auch in Zukunft gibt.

Was mich persönlich stört und mein Vertrauen in die Zukunft des Verlags untergräbt, ist das Auftreten von Uhrwerk als Ganzes. Einerseits hat der Insolvenzverwalter die Ansicht, dass man auf der Messe verkaufen muss, d.h. er sieht ein deutliches Defizit. Außerdem scheint ja nicht alles klar, denn vor Dezember kann man keine Details nennen. Andererseits wurden meines Erachtens recht locker neue Reihen angekündigt und bis auf Space 1889 will man alles mit wesentlich weniger Personal weiterführen. Das scheint mir nicht der klassische Weg eines Verlags, dem direkt nachdem er mit Forbidden Lands einen seinen erfolgreichsten Kickstarter hatte, das Geld ausgegangen ist. Vielleicht lag ja alles nur an Feder & Schwert und Uhrwerk selbst wäre es alles die ganze Zeit prima gegangen. Wir wissen es einfach nicht.

Um es nochmal zu sagen, ich wünsche dem Verlag alles Gute und habe auch gerade mit dem HeinzCon Ticket etwas Weiteres in Vorkasse, d.h. im Vertrauen, gekauft. Aber wenn hier so getan wird, als wäre jeder Zweifel und jedes Nachfragen unangebracht, finde ich eben das unangebracht.

Danke, dem kann ich mich nur anschließen. Trotz der Situation habe ich dem Verlag Vertrauen entgegen gebracht und sogar fast extrem viel Sachen gekauft nach der Bekanntgabe der Insolvenz. Die Transparenz wurde schon mehrfach angemahnt und während ich am Anfang nach auf Seiten des Verlages war, kommt bisher nicht viel zur Klärung der Situation. Daher schwindet mein Vertrauen. Und dieses der Iv will es, wenn dann noch das Vertrauen der Backer in die Zusagen enttäuscht wird, hat mich doch eher auf die Seite der Zweifler gebracht. Ebenso wie bei Prometheus werden ich keine CF von Uhrwerk unterstützen, da hier erst wieder Veratrauen aufgebaut werden muss. Und jetzt kann der Shitstorm gegen mich beginnen....

@little indian: Ich war weiß Gott nicht immer Deiner Meinung, aber Deine Argumenten trafen zu. Und Du hast wirklich im Stile eines Juristen argumentiert (was deutlich sachlicher ist als häufig in Foren).
« Letzte Änderung: 26.10.2019 | 17:39 von NurgleHH »

Offline Zorni

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #734 am: 26.10.2019 | 17:37 »
Ich halte dieses "beleidigt sein" für ziemlich albern. Der Verlag entscheidet derzeit nicht über kaufmännische Dinge, das tut der Insolvenzverwalter. Wenn der eine Möglichkeit sieht, Geld zu verdienen, wird diese genutzt - so einfach ist das.
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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #735 am: 26.10.2019 | 18:23 »

. Die Transparenz wurde schon mehrfach angemahnt
und was da teilweise gefordert wurde war IMHO einfach übertrieben, höflich und zurückhaltend formuliert.

Inwiefern Silent Pat/Uhrwerk jetzt für die Entscheidungen des IV verantwortlich gemacht werden dürfen verwundert mich?
“Uh, hey Bob?”
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Online Lord of Badlands

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #736 am: 26.10.2019 | 18:29 »
Ich finde es persönlich sehr befremdlich, wenn man jetzt hier von nicht eingehaltenen Zusagen und dadurch zerstörtem Vertrauen schwadroniert, es aber nur darum geht dass einige Leute jetzt Sachen eher bekommen als die Backer. Ist anscheinend schlimmer, als wenn der IV gesagt hätte: "Nö, ist totes Kapital, das Geld haben wir ja schon!"


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Offline PaterLeon

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #737 am: 26.10.2019 | 18:38 »
Ist anscheinend schlimmer, als wenn der IV gesagt hätte: "Nö, ist totes Kapital, das Geld haben wir ja schon!"

Einmal das. Und zum anderen sehe ich die ganze Diskussion irgendwie deutlich pragmatischer. Letzten Endes investiere ich nicht Geld in den Verlag, weil mir der Verlag so am Herzen liegt oder die Mitarbeiter oder die Rollenspielszene, sondern weil ich die Produkte gut finde und das Preis/Leistungsverhältnis für mich in Ordnung geht. Ich hab Geld in das CF investiert, weil ich das Produkt haben will. Ich bekomme jetzt das Produkt, super.
Dieses ganze "Mein Vertrauen in den Verlag ist beschädigt" kann ich deshalb nicht wirklich nachvollziehen.

Offline Little Indian #5

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #738 am: 26.10.2019 | 19:46 »
Ein anderer Insolvenzverwalter hätte übrigens entscheiden können, dass das Spiel gar nicht hergestellt wird und dass die Backer ihr Geld verlieren.

Ganz so einfach ist das nicht.
Wenn das Spiel nicht hergestellt worden wäre, hätten sämtliche Backer als Gläubiger ins Insolvenzverfahren aufgenommen werden müssen. Mehrere hundert zusätzliche Gläubiger also, die ordnungsgemäß angehört und informiert und ggf. anteilig aus der Insolvenzmasse hätten befriedigt werden müssen. Die Vermeidung des damit verbundenen Mehraufwands könnte für den Insolvenzverwalter auch ein - legitimer - Grund dafür gewesen sein, das Spiel herauszubringen.
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Offline Nodens Sohn

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #739 am: 26.10.2019 | 20:07 »
Im Moment würde ich gerne diesen Thread abbestellen! Würde ich auch tun, wenn ich hier nicht über die Neuigkeiten des Verlages unterrichtet werden wollte. Eigentlich finde ich diesen Threat zur Kommunikation mit dem Verlag auch recht sinnvoll.

Doch was jetzt hier gerade zu lesen ist ist so was von MIMIMI-auf hohem Niveau!

Kritik ist was wunderbares und wenn man in der Minderheit ist kommt halt von der Mehrheit auch eine Antwort zurück und dies auch in der entsprechenden Anzahl (denn es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem!) Das muss man dann aber auch aushalten können. Könnte man diese ganze Diskussion nicht wo anders hin auslagern?

Offline Hotzenplot

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #740 am: 26.10.2019 | 20:31 »
Hier kann es nun mit der allgemeinen Insolvenz-Diskussion zu Uhrwerk und mit dem speziellen Thema "Verbotene Lande für Backer" weitergehen.

Ich hoffe, ich habe alle relevanten Posts "erwischt". Falls ihr noch was verschoben haben möchtet, meldet uns das bitte. Danke!
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http://www.tanelorn.net/index.php?topic=91369.msg1896523#msg1896523

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Offline Greifenklaue

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #741 am: 26.10.2019 | 22:19 »
Auch hier nochmal der Hinweis auf das Tanelorn-Usertreff auf dem Heinzcon 2020.

Ich hab hier mal einen eigenen Thread dazu aufgemacht!
"In den letzten zehn Jahren hat sich unser Territorium halbiert, mehr als zwanzig Siedlungen sind der Verderbnis anheim gefallen, doch nun steht eine neue Generation Grenzer vor mir. Diesmal schlagen wir zurück und holen uns wieder, was unseres ist.
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Offline D. Athair

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #742 am: 27.10.2019 | 20:10 »
Ganz so einfach ist das nicht.
Wenn das Spiel nicht hergestellt worden wäre, hätten sämtliche Backer als Gläubiger ins Insolvenzverfahren aufgenommen werden müssen.
Das ist zwar richtig, aber es gibt trotzdem Gläubiger die vorgehen. Finanzamt beispielweise (und ich vermute immer noch, dass damit die Auslösung der Insolvenz verbunden war).
Insofern: Für CF-Backer wäre die Aufnahme unter die Gläubiger ein erheblicher Nachteil gewesen. Für die Finanzen des Verlags gilt da nicht so sehr. Dass es nicht gemacht wurde, liegt wohl an zwei Gründen: a) Der IV rechtet damit, dass Forbidden Lands sich finanziell lohnt und b) weiß, wie wertvoll in der kleinen RSP-Branche Vertrauenskapital ist.

Was mich persönlich stört und mein Vertrauen in die Zukunft des Verlags untergräbt, ist das Auftreten von Uhrwerk als Ganzes. Einerseits hat der Insolvenzverwalter die Ansicht, dass man auf der Messe verkaufen muss, d.h. er sieht ein deutliches Defizit.
Liquidität ist das Zauberwort. Entsprechend kann es natürlich nicht im finanziellen Interesse des Verlags/IV liegen, wenn die Ware im Lager liegt und lukrative Verkaufsmöglichkeiten ausgelassen werden. Entsprechend kann ich die Auflage des IV schon nachvollziehen:
Entweder Uhrwerk verkauft Die Verbotenen Lande auf der SPIEL oder es gibt keine Präsenz von Uhrwerk auf der Spiel.

Patric hat das im Vorfeld so klar kommuniziert. Ich kann den Ärger über "ich hab aber eine vorzeitige Lieferung bezahlt" schon verstehen. Ich find den nur nicht angemessen zum Ausdruck gebracht.   

Außerdem scheint ja nicht alles klar, denn vor Dezember kann man keine Details nennen. Andererseits wurden meines Erachtens recht locker neue Reihen angekündigt und bis auf Space 1889 will man alles mit wesentlich weniger Personal weiterführen.
Vorsicht! Details! Es wurde angekündigt, dass Splittermond in der jetzigen Form so nicht weitergeführt werden kann. Die Schlagzahl der Publikationen wird zurück gehen und es gibt noch manch andere Änderungen.

Was die neuen Reihen angeht: Über die wurde lange spekuliert. Es war bekannt, dass es schon länger Gespräche und Interessensbekundungen zwischen Verlagen gab. Ob die Verträge dazu aus der Zeit vor der Insolvenz stammen oder nicht, ist nicht zu sagen. Dazu kommt, dass es wirtschaftlicher sein kann eine neue Reihe anzufangen als eine alte weiterzuführen.

Und was Verlagsinfos angeht:
Patric kann nicht einfach ausplaudern was er will. Nur, weil es erstmal keine neues Infos geben kann, heißt das nicht, dass mehr unklar wäre, als in einem gesunden Verlag.


Manchmal frag ich mich wirklich woher die fast schon suchtartige Abhängigkeit nach Sicherheit, Klarheit und Befriedigung bei uns Menschen kommt. Das Leben besteht aus vielen Unklarheiten und nicht alle lassen sich auflösen. Man kann lernen Ambiguitäten als solche anzuerkennen (das schafft auf ne gesunde Art Klarheit) und mit ihnen umzugehen. 
Ist nicht einfach, weil wir anderes gelehrt bekommen. Die harte Arbeit lohnt sich, weil man mehr vom Leben hat und weniger Abhängigkeiten bedienen muss.

[...] dem direkt nachdem er mit Forbidden Lands einen seinen erfolgreichsten Kickstarter hatte, das Geld ausgegangen ist. Vielleicht lag ja alles nur an Feder & Schwert und Uhrwerk selbst wäre es alles die ganze Zeit prima gegangen. Wir wissen es einfach nicht.
Game on Tabletop - nicht der unsägliche CF-Marktführer! Und: Dark Conspiracy nicht vergessen!  ;)

Der Meldung nach zu urteilen ging Uhrwerk nicht plötzlich das Geld aus - es scheint eher so gewesen zu sein, dass überraschend Zahlungen bedient werden mussten. Üblicherweise sind das Finanzamt (mit Nachforderungen, die - egal ob sie in der Höhe stimmen oder nicht - erstmal bezahlt werden müssen - zuvielbezahltes wird erst nachträglich erstattet => Problem, wenn man nicht liquide genug ist) oder die Bank (die auch mal außerplanmäßig nen Kredit kündigen kann). 


Aber wenn hier so getan wird, als wäre jeder Zweifel und jedes Nachfragen unangebracht, finde ich eben das unangebracht.
Hier wird nicht so getan als wäre der Zweifel oder das Nachfragen unangebracht. Nur: Über die Faktenlage kann man sich informieren. Ebenso kann man sich über Insolvenzgründe, Prozesse von kleinen Verlagen, Geschäften, ... informieren. Man darf auch sauer, wütend und frustiert sein und das äußern. Eine Misstrauens-Hermeneutik, die aus emotionaler Betroffenheit und Halbwahrheiten besteht, verlässt dann jedoch den Rahmen von Fairness. Oder: Ich find die Kompexitäts-Reduktion und Vereinseitigung des Blickwinkels nicht OK.
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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #743 am: 28.10.2019 | 09:42 »
Hier wird nicht so getan als wäre der Zweifel oder das Nachfragen unangebracht. Nur: Über die Faktenlage kann man sich informieren. Ebenso kann man sich über Insolvenzgründe, Prozesse von kleinen Verlagen, Geschäften, ... informieren. Man darf auch sauer, wütend und frustiert sein und das äußern. Eine Misstrauens-Hermeneutik, die aus emotionaler Betroffenheit und Halbwahrheiten besteht, verlässt dann jedoch den Rahmen von Fairness. Oder: Ich find die Kompexitäts-Reduktion und Vereinseitigung des Blickwinkels nicht OK.

Ich beschränke mich gerne auf Fakten. Faktisch falsch an meinem Post war nur, dass ich generisch Kickstarter statt Crowdfunding geschrieben habe. Insofern sehe ich auch nirgends Halbwahrheiten oder unfaire Dinge. Dein Posting ist voll von Spekulationen, warum die Fakten so sind.

Das kann und jede/r für sich entscheiden, wie man die Fakten interpretiert. Schön, dass Dich die Faktenlage zu positiven Erkenntnissen für den Uhrwerk Verlag bringt.

Ich habe, wie ich schrieb, trotz mancher Zweifel noch etwas vorbestellt, weil ich auf eine gute Lösung für den Verlag hoffe.
« Letzte Änderung: 28.10.2019 | 09:45 von SturmOhneNamen »

Offline Sgirra

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #744 am: 28.10.2019 | 10:12 »
Ganz so einfach ist das nicht.
Wenn das Spiel nicht hergestellt worden wäre, hätten sämtliche Backer als Gläubiger ins Insolvenzverfahren aufgenommen werden müssen. Mehrere hundert zusätzliche Gläubiger also, die ordnungsgemäß angehört und informiert und ggf. anteilig aus der Insolvenzmasse hätten befriedigt werden müssen. Die Vermeidung des damit verbundenen Mehraufwands könnte für den Insolvenzverwalter auch ein - legitimer - Grund dafür gewesen sein, das Spiel herauszubringen.
Ja und nein. ;) Bei Letzteren stimme ich dir durchaus zu, das kann ein Faktor beim Abwägen gewesen sein, aber vielleicht kein entscheidender.

Natürlich hätten die Unterstützer als zusätzliche Gläubiger angehört werden müssen. Ob sie am Ende aber befriedigt worden wären, ist eine andere Sache. Es gibt in einem solchen Verfahren durchaus ein Ranking – und wer eine Risikofinanzierung mitträgt (was jedes CF letztlich ist), hat dabei schon in Kauf genommen, dass er sein Geld verlieren kann. Ich bin überzeugt, dass Crowdfundings nicht etwas sind, was zur Gänze bereits im deutschen Insolvenzrecht angekommen ist. :o

Da hat ein Finanzamt zum Beispiel mehr Anspruch. Da werden andere Gläubiger wie Drucker, Zulieferer, Mitarbeiter und Autoren eher bedient. Und selbst die haben eine unterschiedliche Gewichtung. So kann es durchaus sein, dass Menschen, die eine nachweisbare Leistung erbracht haben (Schreiberlinge, Lektoren, Graphiker), am Ende leer ausgehen oder mit Einbußen dastehen können.

Daher ist es toll, dass der IV entschieden hat, dass Verbotene Lande erscheinen darf. Erstmal ist das eine Win-win-win-Situation.
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Offline KhornedBeef

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #745 am: 28.10.2019 | 10:16 »
Ich beschränke mich gerne auf Fakten. Faktisch falsch an meinem Post war nur, dass ich generisch Kickstarter statt Crowdfunding geschrieben habe. Insofern sehe ich auch nirgends Halbwahrheiten oder unfaire Dinge. Dein Posting ist voll von Spekulationen, warum die Fakten so sind.

Das kann und jede/r für sich entscheiden, wie man die Fakten interpretiert. Schön, dass Dich die Faktenlage zu positiven Erkenntnissen für den Uhrwerk Verlag bringt.

Ich habe, wie ich schrieb, trotz mancher Zweifel noch etwas vorbestellt, weil ich auf eine gute Lösung für den Verlag hoffe.
Ich glaube was D.Athair zeigen wollte, ist, dass unsere tatsächliche Faktenlage sehr dünn, und der Raum det verbleibenden Möglichkeiten immer noch sehr klein groß ist. D.h. du kannst eine schlüssige Story präsentieren, aber es gibt einen Haufen völlig andere, ebenso mögliche Storys, weswegen diverse Vorwürfe an den Verlag eher unklug waren.
Dazu kommt noch, dass er neue Fakten bereitgestellt hat, die nicht jeder hatte, über das Verfahren z.b
Edit: blöder Fehler, siehe oben
« Letzte Änderung: 28.10.2019 | 12:26 von KhornedBeef »
"For a man with a hammer, all problems start to look like nails. For a man with a sword, there are no problems, only challenges to be met with steel and faith."
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Offline Little Indian #5

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #746 am: 28.10.2019 | 11:38 »
Manchmal frag ich mich wirklich woher die fast schon suchtartige Abhängigkeit nach Sicherheit, Klarheit und Befriedigung bei uns Menschen kommt. Das Leben besteht aus vielen Unklarheiten und nicht alle lassen sich auflösen. Man kann lernen Ambiguitäten als solche anzuerkennen (das schafft auf ne gesunde Art Klarheit) und mit ihnen umzugehen. [...]
Hier wird nicht so getan als wäre der Zweifel oder das Nachfragen unangebracht. Nur: Über die Faktenlage kann man sich informieren. Ebenso kann man sich über Insolvenzgründe, Prozesse von kleinen Verlagen, Geschäften, ... informieren. Man darf auch sauer, wütend und frustiert sein und das äußern. Eine Misstrauens-Hermeneutik, die aus emotionaler Betroffenheit und Halbwahrheiten besteht, verlässt dann jedoch den Rahmen von Fairness. Oder: Ich find die Kompexitäts-Reduktion und Vereinseitigung des Blickwinkels nicht OK.

Naja, die Heftigkeit und Deutlichkeit, mit der hier von vielen auf kritische Nachfragen reagiert wird, auch wenn diese - wie ich fand - bisher eigentlich von allen Fragenden sachlich formuliert waren, lässt schon den Eindruck aufkommen, dass jegliches Nachfragen als unangebrachte Reaktion angesehen wird und die Meinung vorherrscht, dass man doch darauf warten solle, dass der Verlag von sich aus Informationen liefere.

Deinen Vorschlag, sich zu informieren, halte ich für sehr sinnvoll, aber genau diesem Zweck dienen doch die diversen Nachfragen. Ob dieses Forum dafür der optimale Ort ist, darüber mag man geteilter Meinung sein, aber da Repräsentanten des Verlags (und insbesondere Silent Pat selbst) hier immer wieder - und, wie es scheint, auch gerne - Rede und Antwort zu allen möglichen Fragen stehen, die Uhrwerk betreffen, finde ich es legitim, entsprechende Fragen auch hier zu stellen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit "Misstrauens-Hermeneutik" meinst (musste den Begriff Hermeneutik erst einmal nachschlagen), aber ebenso wie es sicher nicht richtig ist, hinter jeder Äußerung (oder dem Fehlen einer solchen) eine böse Absicht zu vermuten, sollte man auch nicht aus positiven Erfahrungen in der Vergangenheit vermuten, dass derzeit alles korrekt läuft.

Für mich stellt es sich eben numal so dar: Ich habe dem Verlag Geld gegeben zur Durchführung eines Projekts. Mit der erfolgreichen Finanzierung des Projektes ist der Verlag auch mir gegenüber eine Verpflichtung eingegangen, das bestellte Produkt so wie angekündigt zu liefern. Und das schließt auch Zusicherungen bzgl. Lieferzeitpunkt, Exklusivität von Inhalten usw. ein. Wenn abzusehen ist, dass diese Zusicherungen nicht eingehalten werden (der Verlag also böse gesagt "vertragsbrüchig" wird), dann kann ich zumindest erwarten, dass man mir gegenüber erklärt, warum die ursprünglichen Zusicherungen eben nicht eingehalten werden, und sich ggf. dafür entschuldigt. Das sehe ich bei Crowdfundings genau so wie bei jedem anderen Vertrag und es ist traurig genug, dass Verzögerungen und andere "Schlechtleistungen" in diesem Bereich mittlerweile so selbstverständlich geworden sind, dass viele nur noch die Augen rollen, wenn sich jemand darüber beschwert. Und dass es um kleine (manchmal sogar Ein-Mann) Unternehmen im Rollenspielbereich geht, ändert meines Erachtens hieran gar nichts. Auch ein Kleinverlag muss sich, bevor ein ein solches Projekt anbietet, überlegen, ob er die versprochenen Leistungen erbringen kann. Natürlich kann in einem kleinen Unternehmen mehr dazwischen kommen, was eine ordnungsgemäße Erfüllung verhindert (so legt die Krankheit einer einzelnen Person vielleicht das ganze Unternehmen lahm), aber das sollte man bei sorgältigem Vorgehen eben auch bei der Vorbereitung eines Crowdfunding-Projektes berücksichtigen. Ansonsten sollte man fairerweise solche Projekte nicht anbieten oder entsprechend modifizieren. Als positives Beispiel möchte ich hier System Matters anführen, die trotz der geringen Größe des Unternehmens bisher all ihre Zusagen einhalten konnten (wenn ich mich nicht irre).

Bei einem Crowdfunding liegen sämliche Vorteile auf Seiten des Verlages: Er muss sein Produkt nicht selbst vorfinanzieren, kann ausloten, ob überhaupt ein ausreichendes Interesse besteht, und erhält eine wertvolle Werbeplattform. Diese Vorteile erkauft er sich allerdings durch erhöhte Pflichten gegenüber den Unterstützern. Und dazu gehören gerade auch Informationspflichten.
Ich finde das nicht unfair.

Und bevor wieder jemand sagt, ich solle mich doch bitte nicht so aufregen, die ganze Insolvenz von Uhrwerk sei doch für mich als Unterstützer der Verlagsprodukte gar nicht so schlimm, denn es laufe doch alles wie geplant, möchte ich noch darstellen, dass das eben nicht so ist. Ich beziehe mich hier nur auf die Crowdfunding-Projekte, die mich selbst betreffen:

Die Verbotenen Lande wird ja voraussichtlich diese Woche an die Unterstützer verschickt werden. Dann wäre ja - wenn ich mich nicht irre - der Liefertermin, der usprünglich zugesichert worden war, noch eingehalten. Ich kann das jetzt gar nicht mehr nachverfolgen, was ursprünglich angekündigt worden war, weil diese Information bei Gamontabletop nicht mehr abrufbar ist. Ich gehe auch davon aus, dass alle Materialien enthalten sein werden und diese auch (wie immer bei Uhrwerk) die angekündigte Qualität haben werden.
Dann ist ja eigentlich alles gut. Bliebe nur das Problem mit dem freien Verkauf der Produkte auf der SPIEL vor der Auslieferung an die Unterstützer. Ich habe jetzt nochmal die Kampagne und die Updates (quer)gelesen und muss feststellen, dass ich nirgendwo die ausdrückliche Zusage gefunden habe, dass der freie Verkaufs jedenfalls nicht vor Auslieferung an die Unterstützer beginnt. Allerdings denke ich, dass man das grundsätzlich eigentlich bei jedem Crowdfunding-Projekt annehmen darf. Und bei Uhrwerk sieht man das wohl auch so. Patric hat ja in dem letzten Update der Gameontabletop-Kampagne ausrücklich gesagt, dass man eine spätere Lieferung an Unterstützer vermeiden will.

Roll Inclusive erwähne ich auch mal, auch wenn das eigentlich ein Projekt von Feder und Schwert war. Aber auch wenn beide Verlage wohl rechtlich unabhängige Unternehmen sind, sind sie ja personell und fananziell offensichtlich so eng verzahnt, dass die Insolvenz des einen auch das andere betrifft.
Hier wird es - wegen der Insolvenz - mehrere Stretch Goals nicht geben, die im Rahmen der Finanzierung erreicht worden waren. Auch wenn dies nicht ausdrücklich so kommuniziert worden ist (eigentlich ist außer "Insolvenz" gar kein Grund hierfür angegeben worden), gehe ich davon aus, dass kein Geld für die Honorare freischaffender Auoren oder notwendige redaktionelle Arbeit mehr da war. Das ist aber natürlich Spekulation meinerseits.

Record of Dragon War ist derzeit mein größtes Sorgenkind - na klar, bei den anderen Projekten ist die Auslieferung ja auch schon angekündigt bzw. erfolgt.
Natürlich ist es schön, dass sich jetzt mit KAZÉ/VIZ Media ein neuer Verlag gefunden hat, der das Projekt fortführen will. Für diejenigen, die hier Geld gezahlt haben, um einen kleinen Verlag wie Uhrwerk zu unterstützen (und da scheint es ja den Kommentaren hier zufolge wohl einige zu geben), ist das zunächst mal ein Schlag ins Kontor, da VIZ Media eine Tochter von WarnerMedia ist. Gut, das bettrifft mich nicht, denn - wie ich ja auch schon erklärt habe - ich unterstütze Crowdfundings, um die entsprechenden Produkte zu bekommen.
Allerdings handelt es sich hier um einen Verlag, der keinerlei Erfahrung im Rollenspielbereich hat und der, wenn ich die Ankündigung richtig verstanden habe, seine Rollenspielsparte mehr oder weniger als "Ein-Mann-Abteilung" betreiben will. Ich kann da aber durchaus etwas falsch verstanden habe und lasse mich hier gerne eines besseren belehren. Immerhin ist der Chef der Abteilung Dirk Remmecke selbst, dessen Baby RoDW ist und der dieses im Rahmen seiner Möglichkeiten sicherlich intern pushen wird. Aber zum einen bin ich mir nicht sicher ob ich jetzt gegen KAZÉ/VIZ Media dieselben Ansprüche habe wie gegen meinen eigentlichen Vertragspartner Uhrwerk (und wie es überhaupt rechtlich möglich ist, dass ein anderes Unternehmen das Projekt übernimmt, so glücklich ich persönlich auch darüber sein mag). Und zum anderen kann ich nicht absehen, ob man sich beim neuen Verlag dazu verpflichtet und/oder in der Lage sieht, die Zusagen, die bei kickstarter gemacht wurden, auch einzuhalten. Zu vermuten, dass hier nicht alles so laufen wird wie geplant, mag man als Pessimismus und übertriebenes Genörgel ansehen. Ich bin jedoch weiterhin der Auffassung, dass aufgrund der (für alle Beteiligten) unglücklichen Insolvenzen bei Uhrwerk hier eine gewisse Skepsis angebracht ist.

Damit keine Spekulationen zu meiner Motivation aufkommen, will ich das ganz ehrlich sagen: Mir geht es hier (vor allem) um Geld. Um mein Geld nämlich. Ich habe Uhrwerk/Feder und Schwert Geld gezahlt und ich erwarte, dass ich dafür auch die versprochene Leistung erhalte.
Das scheint ja der eine oder andere hier verwerflich zu finden, für mich ist das ganz normal. Das erwarte ich von jedem, bei dem ich Waren bestelle. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass die Insolvenz bei Uhrwerk alles ziemlich durcheinander wirft und ich sehe auch, dass man sich dort bemüht, zu retten was zu retten ist. Das finde ich übrigens ganz großartig. Und natürlich tun mir ganz besonders die Angestellten Leid, die jetzt ihre Jobs verloren haben, obwohl sie für die Insolvenz ihres Arbeitgebers nicht verantwortlich sind. Da ich aber ja nicht weiß, was der Hintergrund dieser Insolvenz ist, halte ich mich mit Sympathie für die Verantwortlichen noch zurück. Vielleicht habe ich diesbezüglich tatsächlich keinen Anspruch auf Auskunft, aber solange ich vermuten kann, dass das ganze Geld in Superschurkenstützpunkte geflossen ist oder die Millionen, die man mit Rollenspielprodukten verdienen kann, komplett mit Koks und Nutten durchgebracht wurden (so wie ich es machen würde - aber nicht meiner Frau erzählen), bin ich da noch ambivalent.
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Offline D. Athair

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #747 am: 28.10.2019 | 14:34 »
@ Little Indian: Besten Dank für den Beitrag!  :d
Ich hoffe, dass das Geschnetzel in Ordnung geht. Ich findes es wichtig im Detail kommentieren zu können.

Naja, die Heftigkeit und Deutlichkeit, mit der hier von vielen auf kritische Nachfragen reagiert wird, auch wenn diese - wie ich fand - bisher eigentlich von allen Fragenden sachlich formuliert waren, lässt schon den Eindruck aufkommen, dass jegliches Nachfragen als unangebrachte Reaktion angesehen wird und die Meinung vorherrscht, dass man doch darauf warten solle, dass der Verlag von sich aus Informationen liefere.
Gleiches kann über die Deutlichkeit und Heftigkeit der Nachfragen gesagt werden. Da spielen diverse Arten (nicht zwingend Grade) von Betroffenheit, unterschiedliche Stakes und differente Perspektiven ne große Rolle. 

Ob dieses Forum dafür der optimale Ort ist, darüber mag man geteilter Meinung sein, aber da Repräsentanten des Verlags (und insbesondere Silent Pat selbst) hier immer wieder - und, wie es scheint, auch gerne - Rede und Antwort zu allen möglichen Fragen stehen, die Uhrwerk betreffen, finde ich es legitim, entsprechende Fragen auch hier zu stellen.
Ich finds nicht optimal, aber praktikabel. Die Vielzahl an Kommunikationsmitteln und -wegen machen den Austausch mit der Community schwierig - weil es halt gerade keine zentralen Anlaufstellen gibt. Das  :t: kommt dem vielleicht noch am nähesten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit "Misstrauens-Hermeneutik" meinst (musste den Begriff Hermeneutik erst einmal nachschlagen), aber ebenso wie es sicher nicht richtig ist, hinter jeder Äußerung (oder dem Fehlen einer solchen) eine böse Absicht zu vermuten, sollte man auch nicht aus positiven Erfahrungen in der Vergangenheit vermuten, dass derzeit alles korrekt läuft.
+1. Wobei auch im Blick zu behalten ist, dass auch in der "positiven" und "solventen" Vergangenheit nicht alles perfekt war. Die Güte der Übersetzung des GRW und die Einstellung von L5R z.B. war für mich eine Enttäuschung. Auch das Numenera-Crowdfunding hatte seine Schwierigkeiten (v.a. mit Verzögerungen).

Für mich stellt es sich eben numal so dar: Ich habe dem Verlag Geld gegeben zur Durchführung eines Projekts. Mit der erfolgreichen Finanzierung des Projektes ist der Verlag auch mir gegenüber eine Verpflichtung eingegangen, das bestellte Produkt so wie angekündigt zu liefern. [...]. Als positives Beispiel möchte ich hier System Matters anführen, die trotz der geringen Größe des Unternehmens bisher all ihre Zusagen einhalten konnten (wenn ich mich nicht irre).
Ich glaube, dass in dem ganzen Feld Dinge nicht so sind, wie sie ein sollten. Ich würde da mehr Flexibilität wünschen. Weniger Punkt und Komma bei der Ausführung und weniger Toleranz gegenüber großen Abweichungen (zwei Jahre Verpätung finde ich bei ner Produktrealisierung nicht zumutbar.)
Am Beispiel System Matters: Im Großen und Ganzen läuft da vieles gut. Der Verlag hat sich (bis jetzt) ganz gut Freiräume erhalten können und gewagt Dinge anders zu machen. Dass sie damit bei Goodman Games durchgekommen sind für die DCC Limited Edition ein anderes Cover-Artwork aus dem Fundus der Amis benutzen zu dürfen finde ich toll. Ich wünschte beim Buchformat wäre das auch gelungen. Auch die BtW-Mappe war toll (das Buch empfand ich als Rückschritt). Es gab und gibt aber auch bei dem Verlag Dinge, die Haken. Es fällt nur nicht so auf, weil die noch nicht zu groß sind.

Bei einem Crowdfunding liegen sämliche Vorteile auf Seiten des Verlages: Er muss sein Produkt nicht selbst vorfinanzieren, kann ausloten, ob überhaupt ein ausreichendes Interesse besteht, und erhält eine wertvolle Werbeplattform. Diese Vorteile erkauft er sich allerdings durch erhöhte Pflichten gegenüber den Unterstützern. Und dazu gehören gerade auch Informationspflichten.
Ich finde das nicht unfair.
Ja. So verwenden und sehen das mittlerweile "die großen Verlage" und viele Fans. Mir gefällt das nicht, weil CF ursprünglich kein Instrument der Risikoauslagerung, der emotionalen Fanbeteiligung und als Vorbestell-Funktion.
Gerade an der Stelle finde ich das Vorgehen von System Matters besser, weil da klar ist: Es ist eine Vorbestellung, die das Produkt ermöglicht. CF war mal was, um die finanziellen Ressourcen für die Erschaffung von Kram zu organisieren. Bei D101Games und bei Arion Games ist das tendenziell immer noch so. Da geht es häufig drum ein RSP gedruckt oder druckbar zu bekommen.



Zu den letzten deutschsprachigen Uhrwerk-CFs


Und bevor wieder jemand sagt, ich solle mich doch bitte nicht so aufregen, die ganze Insolvenz von Uhrwerk sei doch für mich als Unterstützer der Verlagsprodukte gar nicht so schlimm, denn es laufe doch alles wie geplant, möchte ich noch darstellen, dass das eben nicht so ist. Ich beziehe mich hier nur auf die Crowdfunding-Projekte, die mich selbst betreffen:

 :d :d :d

DIE VERBOTENEN LANDE
Die Verbotenen Lande wird ja voraussichtlich diese Woche an die Unterstützer verschickt werden. Dann wäre ja - wenn ich mich nicht irre - der Liefertermin, der usprünglich zugesichert worden war, noch eingehalten. Ich kann das jetzt gar nicht mehr nachverfolgen, was ursprünglich angekündigt worden war, weil diese Information bei Gamontabletop nicht mehr abrufbar ist.
Wenn das genau Datum so wichtig ist, dann nimmt es mich Wunder, dass Du es nicht im Kopf hast. Soll heißen: Ich traue da deiner Erinnerung. Nicht zuletzt deswegen, weil ich glaube, dass Geschriebenes immer nur Abglanz von Realem sein kann. Dinge auf dem Papier sagen nicht viel über das was real verinnerlicht wurde (vgl. Prüfungen nach Bulemie-Lernen).
Ich habe jetzt nochmal die Kampagne und die Updates (quer)gelesen und muss feststellen, dass ich nirgendwo die ausdrückliche Zusage gefunden habe, dass der freie Verkaufs jedenfalls nicht vor Auslieferung an die Unterstützer beginnt. Allerdings denke ich, dass man das grundsätzlich eigentlich bei jedem Crowdfunding-Projekt annehmen darf. Und bei Uhrwerk sieht man das wohl auch so.
Wie die Zulässigkeit von langen Verspätungen sehe ich die Selbstverständlichkeit dieser Entwicklung höchst kritisch. Insbesondere deswegen, weil ich möchte, dass Freund.inn.e.n die von mir unterstützten Sachen auch gleich kaufen können. Ich sehe da keinen Mehrwert. Vielleicht auch, weil ich dieses "Special-Gefühl" nicht so mag. Davon hab ich mehr als gut für mich ist (ohne es zu wollen). Drum: Ich fände es schön, wenn das explizite Vertragsvereinbarungen würden.


ROLL INCLUSIVE
Roll Inclusive erwähne ich auch mal, auch wenn das eigentlich ein Projekt von Feder und Schwert war. Aber auch wenn beide Verlage wohl rechtlich unabhängige Unternehmen sind, sind sie ja personell und fananziell offensichtlich so eng verzahnt, dass die Insolvenz des einen auch das andere betrifft.
Hier wird es - wegen der Insolvenz - mehrere Stretch Goals nicht geben, die im Rahmen der Finanzierung erreicht worden waren. Auch wenn dies nicht ausdrücklich so kommuniziert worden ist (eigentlich ist außer "Insolvenz" gar kein Grund hierfür angegeben worden), gehe ich davon aus, dass kein Geld für die Honorare freischaffender Auoren oder notwendige redaktionelle Arbeit mehr da war. Das ist aber natürlich Spekulation meinerseits.
Da sind veschiedene Dimensionen mit drin. Ich hab glücklicherweise meine Vorbesteller-Aktion doch noch bekommen (weil ich die Firma Kickstarter wo immer es geht nicht unterstützen mag). Im Vorwort des Buchs steht einiges und im Netz auf übliche Stellen verteilt findet man Weiteres. Man darf auf jeden Fall annehmen, dass die Autor.inn.en das Projket in erster Linie als Herzensangelegenheit durchgezogen haben. Ob die Insolvenz Honorar-Einbußen bedeutet hat, ob die spürbar waren, ... all das können wir nicht beantworten. Wir wissen auch nicht welche Absprachen im Hintergrund passiert sind und wer was durchgesetzt oder aus Idealismus freiwillig aufgegeben hat.


RECORD OF DRAGON WAR
Record of Dragon War ist derzeit mein größtes Sorgenkind - na klar, bei den anderen Projekten ist die Auslieferung ja auch schon angekündigt bzw. erfolgt.
Natürlich ist es schön, dass sich jetzt mit KAZÉ/VIZ Media ein neuer Verlag gefunden hat, der das Projekt fortführen will. Für diejenigen, die hier Geld gezahlt haben, um einen kleinen Verlag wie Uhrwerk zu unterstützen (und da scheint es ja den Kommentaren hier zufolge wohl einige zu geben), ist das zunächst mal ein Schlag ins Kontor, da VIZ Media eine Tochter von WarnerMedia ist.
Verstehbar, aber das Geld ist ja trotzdem bei Uhrwerk angekommen. Die Auslieferung läuft über Kazé und von späteren Verkäufen wird ein großes Unternehmen letztlich profitieren. Und dennoch: Wenn der Verlag, der ja viele kleine Indie-Spiele herausbringen will (kein D&D, Pathfinder, DSA) hilft das Hobby zu popularisieren, dann ist das es nicht nur verkehrt, dass Warner mitverdient. Da sind viele Grautöne im Spiel.

Allerdings handelt es sich hier um einen Verlag, der keinerlei Erfahrung im Rollenspielbereich hat und der, wenn ich die Ankündigung richtig verstanden habe, seine Rollenspielsparte mehr oder weniger als "Ein-Mann-Abteilung" betreiben will. Ich kann da aber durchaus etwas falsch verstanden habe und lasse mich hier gerne eines besseren belehren. Immerhin ist der Chef der Abteilung Dirk Remmecke selbst, dessen Baby RoDW ist und der dieses im Rahmen seiner Möglichkeiten sicherlich intern pushen wird. Aber zum einen bin ich mir nicht sicher ob ich jetzt gegen KAZÉ/VIZ Media dieselben Ansprüche habe wie gegen meinen eigentlichen Vertragspartner Uhrwerk (und wie es überhaupt rechtlich möglich ist, dass ein anderes Unternehmen das Projekt übernimmt, so glücklich ich persönlich auch darüber sein mag). Und zum anderen kann ich nicht absehen, ob man sich beim neuen Verlag dazu verpflichtet und/oder in der Lage sieht, die Zusagen, die bei kickstarter gemacht wurden, auch einzuhalten.
Verträge können einfach so übernommen werden. Das sieht man auch an Lizenz-Sachen (wenn z.B. Cubicle7 die 40K-PDFs von BI/FFG anbieten kann). Die Kickstarter-Verpflichtungen sind letztlich auch nix anderes als Verbindlichkeiten, die der neue Verlag zusammen mit den Rechten übernimmt. In dem Fall sind das Vorbesteller-Verbindlichkeiten (soweit ich weiß läuft die Art von CF nach Deutschem Recht unter Vorbestellung).

Zu Dirk Remmecke: Interview @ Deutscher Rollenspielpreis. Ne Auswahl an Sachen, die er gemacht hat. Das alte Blog (Archiv).
Kompetenzmäßig ist da alles da, was es braucht. Zumindest, was Schreibarbeit und Layout angeht. Und da das ganz offiziell Arbeit ist und Verlags-Produkte (und nicht bloß Gimmicks wie das Ástropia-Rollenspiel) werden, kann ich mir vorstellen, dass die Sachen toll werden. Aber ja: Gewisse Anlaufschwierigkeiten sind auf jeden Fall zu erwarten. Hatte Uhrwerk auch. Dem konnte System Matters mMn v.a. dadurch entgehen, weil sie mit dem Magazin Cthulhus Ruf viel Erfahrung hatten und weil sie in kleinen Schritten und viel Reflexion (u.a. bezeugt durch den älteren System Matters Podcast) in die Verlagsarbeit eingestiegen sind. Mich hat das Abtauchen vor Dirk ... und die Verzögerungen bei der Erstellung der Texte - als das CF noch bei Uhrwerk war - schon auch irritiert. Da ist schon auch Skepsis da. Andererseits: Ich möchte "der Arbeitswelt" auch zu gestehen, dass gilt "life happens". Weil mir das viel zu kurz kommt und ich mich immer wieder darüber ärgere, dass "die Arbeitswelt" mit menschlichen Lebensereignissen nicht oder schlecht klar kommt. Wer schon mal auf ner Krankenpflegestation gearbeitet hat und mitbekommen hat, wie Kolleginnen schwanger wurden (life happens) und wie wenig das System damit umgehen kann, weiß was ich meine. Andere können sich das vielleicht vorstellen.


Damit keine Spekulationen zu meiner Motivation aufkommen, will ich das ganz ehrlich sagen: Mir geht es hier (vor allem) um Geld. Um mein Geld nämlich. Ich habe Uhrwerk/Feder und Schwert Geld gezahlt und ich erwarte, dass ich dafür auch die versprochene Leistung erhalte.
Das scheint ja der eine oder andere hier verwerflich zu finden, für mich ist das ganz normal. Das erwarte ich von jedem, bei dem ich Waren bestelle.
Das ist für mich völlig legitim. Jedoch sind Kontexte, Sitten und andere Bezüge auch wichtig. Erwartungen, Sitten und Vertragsinhalte sind differente Sachen und nicht immer gut voneinander abzugrenzen. Das Phänomen kennen wir auch der Rechtssprechung. Dass es so ist, ist mMn gut und schlecht zugleich. 
"Man kann Taten verurteilen, aber KEINE Menschen." - Vegard "Ihsahn" Sverre Tveitan

Offline Little Indian #5

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #748 am: 28.10.2019 | 15:20 »
D. Athair, viele Dank für deinen Beitrag, den ich als wirklich informativ empfunden habe. Ich bin sonst tatsächlich gar kein Fan davon, wenn Beiträge Satz für Satz auseinandergenommen werden. Aber hier war es total okay, weil es dir ersichtlich nur darum ging, dich auf bestimmte Inhalte meines (zugegebenermaßen sehr sehr langen) Beitrags zu beziehen und nicht darum, einzelne Formulierungen zu sezieren.

Verträge können einfach so übernommen werden. Das sieht man auch an Lizenz-Sachen (wenn z.B. Cubicle7 die 40K-PDFs von BI/FFG anbieten kann). Die Kickstarter-Verpflichtungen sind letztlich auch nix anderes als Verbindlichkeiten, die der neue Verlag zusammen mit den Rechten übernimmt. In dem Fall sind das Vorbesteller-Verbindlichkeiten (soweit ich weiß läuft die Art von CF nach Deutschem Recht unter Vorbestellung).

Das ist so allerdings nicht richtig.

Eine Übertrtagung des Vertrages auf Seiten des Schuldners ist (nach deutschem Recht) eigentlich nur bei Mitwirkung des Gläiubigers möglich. Die Übernahme einer Lizenz geht deshalb ohne Zustimmung des Lizenzgebers gerade nicht. Hat es nicht auch bei Cthulhu mal großen Ärger mit Chaosium gegeben, weil der damalige deutsche Lizenznehmer ohne Erlaubnis eine "Unterlizenz" vergeben hat? (Ich sollte das als alter Cthulhu-Fan eigentlich wissen.)
Im Falle eines Crowdfundings ist der einzelne Unterstützer zum Vertragspartner gerade desjenigen Verlags geworden, der das Crowdfunding durchgeführt hat. Vielleicht mag man sogar ein besonderes Interesse daran gehabt haben, gerade diesen Verlag zu unterstützen. Und die entsprechenden Pflichten können normalerweise nicht so ohne Weiteres auf einen Dritten übertragen werden. Wahrscheinlich wird sich niemand beklagen, wenn jetzt KAZÉ statt Uhrwerk das Spiel herausbringt (vor allem, da Uhrwerk als Folge der Insolvenz das wohl gar nicht mehr könnte). Aber so einfach ist das rechtlich nicht. Es mag allerdings im Insolvenzverfahren Sonderregeln geben, die das erlauben.
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Offline Nordwaldwolf

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Re: Uhrwerk ist insolvent
« Antwort #749 am: 28.10.2019 | 18:20 »
Kurz zur Klarstellung, weil es jetzt schon in mind. 2 Beiträgen falsch stand.
[Besserwissermodus]: Dass das Finanzamt bei einer Insolvenz vorgeht stimmt nicht (mehr). War früher mal so.

Und bei bedeutenden Rechtshandlungen des Insolvenzverwalters gibt es eine besondere Gläubigerversammlung, da ist das Finanzamt auch nur ein Teil davon. In meinem Erfahrungsbereich sind auch oft Banken die größten Gläubiger.