Autor Thema: Generisches oder spezielles System?  (Gelesen 1632 mal)

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Offline Kaskantor

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Generisches oder spezielles System?
« am: 12.04.2021 | 10:15 »
Hiho liebes  :t:,
mal wieder Zeit für eine Frage allgemeinerer Natur.

In den letzen Jahren sprießen neue Rollenspielsysteme gefühlt wie Pilze aus dem Boden.

Ich habe das Gefühl, dass neben den Settings gerade auch die Regelsysteme immer bunter, innovativer, freakier whatever auf den Markt kommen, um uns vorzumachen, warum wir diesen oder jenen ultimativen neuen Hot Shit unbedingt kaufen müssen.

Ich bekenne mich als Hopper...es geht mir aber tatsächlich mehr um die Settings und Abenteuer, statt darum immer neue Regeln lernen zu müssen. Ich persönlich komme je nach Systemverwendung öfter
durcheinander oder stelle fest, mir Regeln nicht mehr so lange merken zu können. Trotzdem möchte ich nicht auf das Spielen von mehreren Systemen verzichten.

Da wäre die Antwort sicherlich, nimm halt ein generisches System. Nimm zb. Fate, GURPS, SaWo, Genesys o.ä. Da ist für jeden SL und Geschmack sicher ein System dabei, mit dem man sich das vorstellen könnte.

Aber das wäre zu einfach. Irgendwo hat jeder jenes oder solches Lieblingssystem. So nach dem Motto, warum soll ich jetzt Fate für DnD nehmen, wenn ich mit der 5e ganz zufrieden bin. Und wenn man dann seine Rollenspiele abklappert, hat man vielleicht das ein oder andere System, welches man konvertiert. Shadowrun wird ja da recht oft genannt, weil es meist einen großen Teil der Spielerschaft gibt, der mit dem jeweiligen Regelwerk auf Kriegsfuß steht.

Nun zu den eigentlichen Fragen.

Gibt es unter euch wirklich Spieler die bis auf ein, zwei Ausnahmen wirklich ein System für alles hernehmen?

Oder vielleicht sogar zwei generische Systeme wie zb. Fate und GURPS, dass man dann was für traditionelles und mehr erzählerisches Spielen zu bieten hat?

Oder verweigert ihr generisches komplett, weil ihr zb. der Meinung seid, dass ja zu jedem neuen Spiel auch ein „maßgeschneidertes“ Regelsystem gehört?

Bin mal gespannt wie ihr das so seht.

Hintergrund ist der, dass ich über ein, zwei generische Systeme nachdenke, um mir zukünftiges Regelstudium vor allem als SL zu ersparen. Dabei geht es mir jetzt nicht unbedingt um die Komplexität der Regelwerke an sich.
« Letzte Änderung: 12.04.2021 | 10:37 von Kaskantor »
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Offline KhornedBeef

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #1 am: 12.04.2021 | 10:36 »
Sowohl-als-auch und Kommt-drauf-an ;)

Als Hey-lass-mal-transhumanistische-Giraffen-aber-als-Sword-and-Bubblegum-ok-oder-was-ganz-anderes bespielen will ich ein generisches Universalsystem an der Hand haben, dass entweder trivial einfach viel davon abbildet, sehr einsteigerfreunndliche Umsetzungen bietet (pbtA mit Playbooks z.b.) oder schlicht schon für fast alles ein Settung anbietet, das schnell angepasst ist (deswegen Fate: Kombiniert ziemliche breite Aufstellung als Baukasten mit sehr vielen Fate Worlds, die konkrete Designprobleme für dich lösen)

Aber auf der anderen Seite, wenn ich mich längere Zeit, z.B. eine klassische Kampagne lang, in einem Spiel aufhalte, dann möchte ich alle Designanforderungen gelöst sehen, und habe ggfs. auch Spaß an Sachen, für die Fate oder so nicht gedacht. Ich lese auch ab und zu etwas und denke "Ja, da passen System und Genre einfach genau zusammen" und das macht natürlich Laune auf genau das.
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Offline Maarzan

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #2 am: 12.04.2021 | 10:42 »
Ich glaube, dass die speziellen Systeme die Folge dessen sind, dass die generischen Systeme dann irgendwo doch nicht so ganz richtig passen.

Jeder hätte gerne einen allgemeinen Standard - genau da, wo sein persönliches Optimum liegt ... was dann eben 101 "Standards" zur Folge hat, mit denen dann doch keiner so ganz zufrieden ist.
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Offline Irian

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #3 am: 12.04.2021 | 10:44 »
GURPS ist tatsächlich mein Default-Fallback System. Wenn ich irgendein Setting spielen will, was jetzt noch kein eigenes System hat oder wo ich keine Lust habe (oder mangels extrem speziellen Eigenschaften keine Notwendigkeit sehe, das eigene System zu lernen) nehme ich GURPS dafür (da ich nicht jedes Jahr ein neues Setting anfange, kommt das natürlich nicht dauernd vor, ist schon ne Weile her also). Ich kann damit auch sehr schnell Settings "prototypen" um zu sehen, was notwendig wäre, es zum laufen zu kriegen. Wenn ich was neues leiten will, ist GURPS auch einer meiner ersten Gedanken.

Ich hab aber auch kein Problem damit, ein eigenes System zu lernen, z.B. wenn es besser für den Spielstil ist (GURPS bringt halt ein gewisses Feeling mit) oder wenn einfach der Rest der Gruppe das System schon nutzt.
Hinweis: Wenn ich schreibe "X ist toll" oder "Y ist Mist", dann ist das meine persönliche Meinung und beinhaltet keinerlei Aufforderung, X zu kaufen oder Y zu boykottieren. Im Zweifelsfall denkt euch einfach vor jeden Satz "Meiner Meinung nach..." dazu. Und nur weil ihr X für schlecht und Y für toll findet, bedeutet das nicht, dass wir uns nun hassen müssen. Jedem das seine. Ansonsten stehe ich für Duell-Forderungen (oder auch "drüber reden") jederzeit per PM zur Verfügung.

Offline Grey

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #4 am: 12.04.2021 | 10:56 »
Ich habe lange Zeit nach dem generischen System für alle Settings gesucht (und auch selbst eins schreiben wollen), ehe ich zu dem Schluss kam: Es funktioniert nicht.

Jedenfalls für mich nicht. Generische Systeme werden zwangsläufig ab einem bestimmten Punkt entweder zu allgemein gehalten, oder sie schleppen zu viel Ballast mit sich rum, der in 90% aller Settings überflüssig wird. Beispiel Kampfsystem: In der High Fantasy kann es durchaus Sinn ergeben (auch wenn es nicht jedermanns Geschmack ist), detailliert nach verschiedenen Blankwaffen zu unterscheiden. Überträgt man dann die Regelmechanismen dafür auf Space Opera, wird es irgendwann absurd, für den Enterkampf auf Raumschiffen auch Regelschablonen weiter mitzuschleppen, die eigentlich nur für Streitflegel und Hellebarden eingeführt wurden.

Und selbst innerhalb ein und desselben Genres kann es sein, dass ein generisches Regelwerk nicht immer passt. So ist z.B. in der Fantasy der große Freiheitsgrad bei der Regelwerksgestaltung die Magie. Abgesehen von technischen Fragen wie Balancing und Powerlevel: Damit Magie sich für mich auch nach Magie anfühlt, muss sie irgendwie mit dem grundlegenden Mythos des Weltenbaus verflochten sein. Sobald man das aber einführt, wird zwangsläufig auch das Regelwerk eng mit dem Weltenbau verflochten.

Daher ergibt sich aus meinen Erfahrungswerten das klare Votum für spezielle Systeme.
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Offline KhornedBeef

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #5 am: 12.04.2021 | 11:10 »
Genau das meine ich: Du guckst direkt genauer hin, und dann passt es schnell nicht. Bei mir ist das etwas, was vor allem dann eine Rolle spielt, wenn etwas länger spielt, und wenn man spielerische Herausforderungen sucht, die einen Teil der Spannung tragen.
Und auf der anderen Seite will man ein irgendwie abseitiges Settings einfach mal oberflächlich erkunden: Was gibt es zu entdecken, was beschäftigt typischen (oder gleich archetypische) Charaktere in dem Setting, was sind die Hauptelemente der Welt? Das hat was Gimmick-iges, klar, ist ja auch völlig ok. Und dann stehen ganz viele Elemente im Vordergrund, die wenig Mechanik brauchen, weil sie sich nicht als Ergebnis mechanischer Abläufe ergeben müssen, sondern vorhanden sind (ich sage mal Plot Point Kampagnen Marke SaWo) oder herbeierzählt werden (pbtA), oder irgendwas dazwischen (Fate).
Ich habe gestern den World Builder & Game Master Guide von Savage World angelesen, und das scheint genau deren Designbrille zu sein, also archetypische Charaktere anbeiten, die einem erklären, worum sich die Welt dreht, etc. . Das ist deren Art, Settings zu beschreiben und zu bespielen, und sie sagen explizit, dass Savage Worlds dafür extra designt wurde. Das ist also Setting- aber nicht Spielstil-generisch, genau wie es hier für andere universelle Systeme auch beobachtet wird.
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Online nobody@home

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #6 am: 12.04.2021 | 11:19 »
Ich bin schon vor einer kleinen Ewigkeit auf den Generisches-System-Zug aufgesprungen und sehe im Moment keinen guten Grund, wieder abzuspringen; das ist inzwischen, wenn man so will, einfach meine Rollenspiel-Denkgrundlage. Dabei hat das konkrete System wohlgemerkt schon mehrfach gewechselt (so etwa im Takt frühes GURPS -> Hero 4e -> Fudge -> Fate), ohne daß sich an der Tatsache an sich viel geändert hat.

Daneben habe ich grundsätzlich nichts gegen speziellere Systeme, wenn sie denn aus meiner Sicht auch etwas taugen und mich gleichzeitig das Setting halbwegs anspricht (was die Sache gegenüber der "generischen" Alternative, bei der mich erst mal nur das System selbst überzeugen muß, natürlich ggf. etwas verkompliziert). Sie sind halt "nur" das zweite Standbein, das ist alles.

Offline Kaskantor

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #7 am: 12.04.2021 | 11:20 »
Und wie wäre es mit generischen Spielen, die angepasst werden?
Zb. Cthulhu 7ed und Fate Cthulhu?

Und wenn Settings aber speziell für eigentlich generische Spiele geschrieben werden? Zb. Mindjammer oder Rippers, würden die dann wieder eurer Meinung nach, sich für langes Spiel eignen?
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Offline Anro

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #8 am: 12.04.2021 | 11:22 »
Heißt das:
Welt erleben => generisch
Emotion erleben => speziell (indie)
Lange Kampagne mit charakterentwicklung => spezielles System (eher komplex)
Hackerei und Hopfen => ?

Also, alles hat seinen Platz und wir brauchen nur noch die Landkarte?

Offline Grey

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #9 am: 12.04.2021 | 11:26 »
Und wenn Settings aber speziell für eigentlich generische Spiele geschrieben werden? Zb. Mindjammer oder Rippers, würden die dann wieder eurer Meinung nach, sich für langes Spiel eignen?
Eher nicht. Generische Systeme führen meiner Erfahrung nach auch zu eher unverbindlichen, oberflächlichen Inhalten, die sich problemlos auch aus ihrem Setting lösen und in ein anderes einfügen ließen. Entweder das oder man spielt regeltechnisch mit sehr viel "Handwedeln".

Welt erleben => generisch
Emotion erleben => speziell (indie)
Lange Kampagne mit charakterentwicklung => spezielles System (eher komplex)
Hackerei und Hopfen => ?

Also, alles hat seinen Platz und wir brauchen nur noch die Landkarte?
Interessanter Denkansatz. :think: :d Wert, weiterverfolgt zu werden.
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Offline Boba Fett

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #10 am: 12.04.2021 | 11:38 »
Irgendwie spiele ich immer spezielle Systeme, wobei ich absolut nichts gegen ein generisches System habe und mir manchmal auch wünsche bei einem Settingswechsel nicht immer alles neu lernen (und lehren) zu müssen.
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Online Crimson King

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #11 am: 12.04.2021 | 11:43 »
Eher nicht. Generische Systeme führen meiner Erfahrung nach auch zu eher unverbindlichen, oberflächlichen Inhalten, die sich problemlos auch aus ihrem Setting lösen und in ein anderes einfügen ließen.

Ich denke, die Mehrzahl an FATE-Spielern wird dir da widersprechen wollen. Da gibt es genügend Settings, die sich gut für lange Kampagnen eignen.

Ich selbst tendiere zu regelleichten, generischen Systemen, die sich einfach an den rundenspezifischen Bedarf anpassen lassen. Mein Leib- und Magensystem PDQ# ist allerdings für lange Kampagnen konstruktionsbedingt nicht geeignet, weil man nach 20 bis 25 Sitzungen powertechnisch ziemlich am Limit ist. Die Limitierung resultiert aber nicht aus der Komplexität der Regeln, sondern aus dem recht hohen Powerniveau von Startercharakteren und den Progressionregeln. Bei FATE ist das Powerniveau zum Start zwar auch vergleichsweise hoch, aber die Progression verläuft im Anschluss langsamer.

Bezüglich der Kampagnenlänge dürfte die Frage, wann mit dem System vorhersehbar das Ende der Progression erreicht ist, dei Frage, ob das System das Thema gut abbilden kann oder doch irgendwann im Weg steht, sowie die Frage, ob das Thema des Settings genug für eine lange Kampagne her gibt, wesentlich relevanter sein, als die Frage danach, wie komplex oder settingspezifisch die Regeln denn nun sind. Das Thema Progression lässt sich in vielen Systemen noch abfangen, indem man mit einem neuen Charakter an den Start geht.
« Letzte Änderung: 12.04.2021 | 11:52 von Crimson King »
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline Irian

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #12 am: 12.04.2021 | 11:55 »
Welt erleben => generisch
Emotion erleben => speziell (indie)
Lange Kampagne mit charakterentwicklung => spezielles System (eher komplex)
Hackerei und Hopfen => ?

Würde ich unterschreiben außer der Charakterentwicklung, da sehe ich nicht, warum ein spezielles System Vorteile hat, sofern die nicht unglaublich speziell ist. Auch generische Systeme können komplexe Charakterentwicklung abbilden.
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Offline HEXer

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #13 am: 12.04.2021 | 12:06 »
Ich finde, spezielle Systeme unterstützen tendenziell ihre jeweiligen Settings besser. Und auch die sog. "generischen" Systeme bringen immer ihre eigene Geschmacksrichtung mit, die nicht unbedingt zum gewählten Setting passen muss. Von da her bin ich eher für spezielle Systeme.

Mit Mehrheiten zu argumentieren finde ich hier schwierig. Dafür gibt es einfach zu viele andere Faktoren neben der Eignung oder Unterstützung eines Settings, die in die Entscheidung für ein System reinspielen können. Der "Facebook-Faktor" (also das spielen eines Systems, weil es halt das Dominierende ist und man dafür eben Spieler findet) nur mal als Beispiel.

Und auch wenn die Inhalte bei z. B. Fate nicht pauschal unverbindlich und oberflächlich sind, sind es die Mechanismen halt im Vergleich zu spezifischen Systemen eben schon. Und je nachdem, ob Spielende definieren, dass ein Fakt fest durch einen Settingband und/oder ein Regelwerk etabliert und unterstützt sein muss, um nicht generisch zu sein, ist es bei den eher improvisationslastigen oder common consent spielen eben durchaus sowohl bei Inhalt wie auch bei Regelmechaniken so.

Generische Systeme haben für mich eben immer "Tütensuppengeschmack", egal, ob nun Fate, SaWo, etc...
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Offline Tele

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #14 am: 12.04.2021 | 12:07 »
Ich mag generische Systeme nicht.

Hab zwei-dreimal generische Systeme ausprobiert und es geht für mich total viel von den Ursprungssystemen verloren (furchtbar war Werwolf mit FATE). Ich verstehe die Idee dahinter und auch das Ziel, sich nicht dauernd Neues anlesen zu müssen. Aber da finde ich eine stets angepasste "Engine" wie die Year Zero Engine viel besser. Das war aus meiner Sicht ein großer Wurf von Fra Ligan.

Ansonsten gehört das Korsett der Regeln für mich zum Spielerlebnis.

Offline Kaskantor

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #15 am: 12.04.2021 | 12:35 »
Hm, aber Mindjammer zb. ist ja auch mehr als nur Fate-Core und somit angepasst.

Gibt es vielleicht auch ein Grüppchen von Spielern, die sagen würden, egal ob generisch oder speziell wir spielen lieber immer mit den Originalregeln, da wir hoffen, dass die auch immer am besten mit dem jeweiligen Setting verschmelzen?
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Offline wogipogi

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #16 am: 12.04.2021 | 12:49 »
Für mich ist generisch einfach Klasse. Du kannst das spielen was gerade angesagt ist und worauf du Lust hast ohne ständig neue Regeln zu lernen. Spezielle Settingregeln sorgen dafür das man die generischen Regeln mit der Spielwelt verzahnen kann. Die Charaktererschaffung ist nicht in das einzwängende Korsett das viele nicht generische Systeme vorgeben.

Betrachtet man es ganz genau war D&D ursprünglich ein generisches System. Die verschiedenen Settings wie Dark Sun oder Vergessene Reiche (Oder zahlreiche abgedrehte andere) haben die generischen Fantasy Regeln einfach nur erweitert. Mit Sternengarde gab es auch ein Since Fiction Setting das man mit angepassten D&D Regeln bespielen konnte.

Sowohl GURPS wie auch FATE oder Savage Worlds liefern dir eine Menge Settings die man klasse bespielen kann. Jedes dieser generischen Systeme hat sein eigenen Spielstil. Ich selber bin bei Savage Worlds gelandet.

Offline hassran

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #17 am: 12.04.2021 | 12:56 »

Betrachtet man es ganz genau war D&D ursprünglich ein generisches System. Die verschiedenen Settings wie Dark Sun oder Vergessene Reiche (Oder zahlreiche abgedrehte andere) haben die generischen Fantasy Regeln einfach nur erweitert. Mit Sternengarde gab es auch ein Since Fiction Setting das man mit angepassten D&D Regeln bespielen konnte.

Ursprünglich war D&D eine Interaktionsstruktur, um Abenteuer a la Appendix N (Conan et al.) bespielen zu können. :)

Bezogen auf die Ursprungsfrage, sehe ich das in bester Lake Geneva/ Twin Cities Tradition und kit bashe, wo und wann ich es für sinnvoll halte. So wie Hit Points aus dem Naval Wargaming übernommen wurde, bin ich mir nicht zu schade, die Darstellung geistiger Gesundheit aus Unknown Armies für meine D&D Runden zu übernehmen.

Offline Kardinal

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #18 am: 12.04.2021 | 12:57 »
Generisch - ich nutze seit Ewigkeiten GURPS als mein go-to System, gerade auch, weil ich meist meine eigenen sehr speziellen Settings bespiele. Aus dem gleichen Grund mag ich FATE, Ubiquity, OSR und etwas, an dem ich gerade mitarbeiten darf ;)
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Offline wogipogi

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #19 am: 12.04.2021 | 13:08 »
Ursprünglich war D&D eine Interaktionsstruktur, um Abenteuer a la Appendix N (Conan et al.) bespielen zu können. :)

Bezogen auf die Ursprungsfrage, sehe ich das in bester Lake Geneva/ Twin Cities Tradition und kit bashe, wo und wann ich es für sinnvoll halte. So wie Hit Points aus dem Naval Wargaming übernommen wurde, bin ich mir nicht zu schade, die Darstellung geistiger Gesundheit aus Unknown Armies für meine D&D Runden zu übernehmen.

So machen das ja viele Spielrunden. Sie erweiterten die Regeln an den stellen wo es ihnen gerade Passt. Bei generischen System ist das einfach nur das Grundkonzept. Bediene dich einiger Grundregeln und packe das zusammen was dir für das Setting als Sinnvoll erscheint.

Mir gefällt D&D5e sehr gut. Savage Worlds ist einfach etwas mehr Pulp. Ist so ein "Gefühls Ding".

Offline foolcat

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #20 am: 12.04.2021 | 13:13 »
Ganz klar generische Systeme! GURPS ist die Referenz, an der sich alle anderen messen lassen müssen, SaWo ist der sweet spot wenn‘s schnell gehen soll und wechselnde Detailschärfe keine so große Rolle spielt.

Gute generische Systeme wie GURPS lassen sich an alle Settings anpassen, ein Gütezeichen ihrer Universalität; wenn Sonderlockenmechanismen gefragt sind (z.B. Sanity, Corruption, etc.), dann baut man die halt dazu. Gerade GURPS mit seinen vielen Regelzusatz-, Setting- und Genrebänden bietet da schon etliches out-of-the-box. Sogar für meta-gaming Klamotten wie Brownie-Points existieren offizielle Regeln.

Ich muss meinen Spielern, darunter Casuals, die zuhause niemals die Nase in ein Crunch-Buch stecken würden, nicht immer wieder alles von vorne erklären; sie wissen, wie 90% der Standardtests und Handlungsoptionen aussehen und können sie ohne Nachfragen anwenden, über alle Settings hinweg. Das erspart viel an Zeit und Nerven!

Generische Systeme werden zwangsläufig ab einem bestimmten Punkt entweder zu allgemein gehalten, oder sie schleppen zu viel Ballast mit sich rum, der in 90% aller Settings überflüssig wird.

Gerade das Argument greift bei GURPS nicht, da sich die Detailschärfe fast beliebig wählen lässt, ohne das dass System an sich dabei inkonsistent wird. Egal, ob ich damit Schwertkämpfe oder Feuergefechte (oder Schwertkämpfe gegen Feuerwaffen) abwickeln will.
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Offline KhornedBeef

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #21 am: 12.04.2021 | 13:13 »
Ich mag generische Systeme nicht.

Hab zwei-dreimal generische Systeme ausprobiert und es geht für mich total viel von den Ursprungssystemen verloren (furchtbar war Werwolf mit FATE). Ich verstehe die Idee dahinter und auch das Ziel, sich nicht dauernd Neues anlesen zu müssen. Aber da finde ich eine stets angepasste "Engine" wie die Year Zero Engine viel besser. Das war aus meiner Sicht ein großer Wurf von Fra Ligan.

Ansonsten gehört das Korsett der Regeln für mich zum Spielerlebnis.
Stimmt ja alles! Regeln gehören zum Erlebnis. Weniger oder generischere Regeln ("universell" kann auch heißen dass jedes I-tüpfelchen soweit abgebildet oder abbildbar ist, dass es alle Settings abdeckt (GURPS mit Erweiterungen) bedeuten zwangslöufig, andere Anteile mehr zu gewichten.
Und Natürlich fällt das auf, wenn man ein "Ursprungssystem" "faten" will....das soll man gar nicht. Erstmal gibt es ja genug Settings extra für Fate. Und wenn man konvertiert, dann nicht die Regeln zum Würfeln, sondern die Regeln der Welt: Welches Genre, welche Stimmung wird unterstützt? Was sind typische Charaktere? Was tun die? Machen die Regeln das interessant?
Teil der Spannung in D&D kommt von den Regeln und ihren innerweltlichen Entsprechungen (MAgier vergessen wirklich dauernd die gesprochenen Zauber!!). Fate kann und will die gar nicht, deswegen muss Fate-D&D eine Teilmenge abbilden, oder umständliche Regelkonstrukte verwenden.
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Offline 1of3

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #22 am: 12.04.2021 | 13:21 »
Ich denke zwischen einem System für alles und alles mit einem Haussystem ist noch ein gewisser Graubereich. Vielfach werden ja Systeme anders als in früheren Zeiten nicht nur für eine Sache benutzt. Also so Sachen wie Cortex+, 2d20, PbtA oder früher schon D20. Das heißt es gibt gewisse Konventionen, die dann auf das gewünschte Spiel abgestellt werden. Aber man kann nicht einfach ein Grundregelwerk hernehmen, weil es sowas im Rohzustand gar nicht gibt.

Das ist eine Variante, die ich sehr angenehm finde.

Offline ArneBab

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #23 am: 12.04.2021 | 13:22 »
Ich mag generische Systeme und leite fast nur generische (aber das ist halt das, was ich schreibe).

Magie ist allerdings etwas, das meiner Meinung nach an die Welt angepasst werden muss (oder umgekehrt).

Am Liebsten hätte ich ein generisches System, aus dem Weltenbastler sich einfach das auswählen was passt, alles andere rausnehmen, und dazupacken, was sie brauchen, bevor sie es an ihre Gruppe geben. Deswegen lizensiere ich copyleft: Damit wird all solches Material wieder weiternutzbar. Und schreibe auch eigene Subsysteme und Anpassungen für Welten.

Meiner Meinung nach bringt jedes generische System ein Spielgefühl mit sich, das nicht in jede Vorstellung von Welten passt. Teils nichtmal dafür angepasst werden kann. Schon die Wahl der Würfel ändert das Spielgefühl. Da braucht es dann ein anderes generisches System oder halt ein Spezifisches.

Als Spieler spiele ich sowohl generisch als auch spezifisch, und beides gerne.
« Letzte Änderung: 12.04.2021 | 13:24 von ArneBab »
1w6 – Ein-Würfel-System — konkret und direkt, einfach saubere Regeln.
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Offline Colgrevance

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Re: Generisches oder spezielles System?
« Antwort #24 am: 12.04.2021 | 13:33 »
Ich bevorzuge spezifische Systeme, da generische Regeln meiner Erfahrugne nach entweder sehr abstrakt gehalten (Fate) oder sehr umfangreiche Baukästen sind (GURPS), um möglichst viel abdecken zu können. Beides (Baukästen noch eher) erfordern relativ viel Vorarbeit und -kenntnis, um zum gewünschten Setting und Spielgefühl zu passen, und erreichen trotzdem nicht immer das Niveau eines speziellen Systems.

Als Spieler, der diese Vorarbeit im Zweifelsfall nicht selbst leisten muss, sehe ich durchaus den Vorteil von generischen Systemen, da die Einarbeitungszeit bei bekanntem Regelkern natürlich viel geringer ausfällt. Da ich aber häufig SL bin und die Anpassungsleistung erstmal erbringen müsste, sehe ich bei generischen Systemen wenig Vorteil - Arbeit (Neulernen oder Adaptierung) habe ich so oder so. Und da ich nicht so gerne an Regeln und Settings rumbastele, passen spezifische Spiele einfach besser zu meinen Vorlieben.