*bump*
Ich ziehe mir gerade folgenden Roman als Hörbuch rein:
Daniel Suarez -- Delta-V
Genre: Near Future Hard SF
spielt ca 2033 und geht um Asteroidenbergbau. Also eigentlich "20 minutes into the future".
Erstmal etwas Geningel: die eigentliche Handlung entwickelt sich extreeeeeeeeeeeeeeeeem langsam. Nach einem langen Prolog über den Perspektiv-Charakter geht es erstmal ca 1/3 des Buches um die Ausbildung der Astronauten, in einem Trainingszentrum das irgendwo zwischen Boot Camp und Squid Game anmutet. Bis hierhin werden für mein Empfinden sehr viele Charaktere eingeführt, auch eine Menge die ausgesiebt werden bzw abbrechen - für mich sehr verwirrend wenn ich über 20 Namen auseinanderhalten soll, von denen dann am Ende die Hälfte doch keine Rolle spielt. Am Ende kommen dann 8 Leute mit auf die Expedition. Und diese kommen erst ziemlich genau bei der Hälfte des Umfangs am gesuchten Weltraumklumpen an.
Dann kommen ziemlich viele Prozessbeschreibungen, die ich aber eher hölzern fand, und trotz des Einbaus diverser Pannen bemerkenswert unspannend. Aber dann irgendwann schafft es der Autor, in den Groove zu kommen und dann liest/hört sich das auf einmal flüssiger und interessanter.
SF-Härte:
die Eckwerte scheinen mir großteils sauber recherchiert zu sein. Es geht um einen realen Asteroiden, dessen Bahn bekannt ist, und für den die NASA bereits potentielle Missionsdaten veröffentlicht hat. Zunächst dachte ich, der Autor hätte bei der benötigten delta-V gemogelt, aber die Diskrepanz zwischen der im Roman genannten Zahl und der NASA-Tabelle erklärt sich durch den Start unserer Helden von einem DRO (Entfernter Rückläufiger Orbit). Sowas weiß ich zu schätzen, dafür schonmal nen Daumen hoch.
Etwas ratlos lässt mich nur die Ansage, dass die Crew aus delta-V Gründen 4 Jahre vor Ort bleiben muss bis sich wieder ein Startfenster öffnet, sie aber dennoch im Jahrestakt die bis dahin abgebauten Ressourcen zur Erde zurückschicken soll. Also keine Ahnung ob das legitim ist oder ob er sich hier eine Handwedelei erlaubt hat.
Eine weitere Ungereimtheit ist mit Spoilern verbunden:
Offiziell obliegt der Crew die Entscheidung vor Ort, ob sie die vollen 4 Jahre dableiben oder nach 8 Tagen zurückkehren wollen. Letzteres wäre zwingend notwendig, wenn es nicht gelänge, vom Asteroiden Wasser abzubauen. Jedoch lässt der Geldgeber auf der Erde durchblicken (nicht ggü der Crew), dass das Schiff gar nicht genügend Treibstoff für eine vorzeitige Rückkehr hätte. Die Ungereimtheit sehe ich nun darin, dass keinem der 8 Crewmitglieder jemals diese Treibstoffdiskrepanz auffällt. Also wenn ICH mich auf einen Eisklumpen im Weltall schießen ließe, würde ich das aber vorher GENAU überprüfen und nachrechnen wollen, ob ich auch wieder nach Hause komme.
Ansonsten nur sehr mäßig fortschrittliche Tech. Smartphones heissen jetzt "Crystals" und funktionieren über Augendisplays, ein paar andere eher kosmetische Fortschritte wie zB faltbare Astronautenhelme gibt es auch, aber der Großteil der gezeigten Technologie basiert auf realen Projekten, die der Autor auch auf seiner Website illustriert und beschreibt, oder Kram den wir heute auch bauen könnten wenn wir wollten. ZB "Mule" Unterstützungsraumfahrzeuge, "Valkyrie" fernsteuerbare Roboter, und anderes mehr.
Also mal etwas bissig gesagt, geht es weitgehend weniger um "Science" als um "Engineering". Ist "Engineering Fiction" ein Begriff?
Ich bin jetzt bei so ungefähr 2/3 des Buches. Nachdem ich es zwischenzeitlich schonmal längere Zeit weggelegt hatte, gefällt mir _jetzt_ wie gesagt der gebotene Flow ganz gut. Abschließende Bewertung steht freilich noch aus, aber einstweilen sage ich als Vorab-Einschätzung schonmal "für Hardcore-Enthusiasten".