Autor Thema: Psyche im RPG  (Gelesen 2158 mal)

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Offline Zanji123

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Re: Psyche im RPG
« Antwort #25 am: 25.09.2025 | 07:51 »
Shadow of the Demonlord hat ein System für den Wahnsinn den die SCs erleiden können, wenn diese schreckliche Dinge sehen. Haben die Charaktere zuviel Wahnsinn angesammelt werden diese richtig Wahnsinnig und erhalten für mehrere Minuten die verschiedensten Auswirkungen (von Halluzinationen, zu Panischem Wegrennen, sich panisch übergeben, hinkauern und weinen bis sofortiger Tod).

Es ist aber jederzeit möglich sich "Ticks" zu geben um wieder Wahnsinn zu senken (Alkohol, Putzwahn ...)
9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt.... die zehnte sitzt in der Ecke und summt die Pokécenter Melodie

Offline Haukrinn

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Re: Psyche im RPG
« Antwort #26 am: 25.09.2025 | 08:27 »
Ich sage Unknown Armies. Ich glaube das Thema hat kein anderes Spiel so dermaßen brauchbar in Regeln gegossen.
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Re: Psyche im RPG
« Antwort #27 am: 25.09.2025 | 08:32 »
Ich sage Unknown Armies. Ich glaube das Thema hat kein anderes Spiel so dermaßen brauchbar in Regeln gegossen.
I second that!
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Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist

Offline Herr Moin

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Re: Psyche im RPG
« Antwort #28 am: 25.09.2025 | 09:27 »
Gab es ein Probensystem, oder wurde der Wahnsinn einfach nur festgestellt / erzählerisch beschrieben?

In KULT 1 wurden Charaktere mit einer mentalen Balance von -25 oder niedriger bzw. von 25 oder hoeher erst einmal ganz normal ausgespielt. Kam es jedoch zu extremen Situation, uebernahmen nach einem missglueckten Wurf zumindest bei "negativen" Charakteren die schlechten Eigenschaften vollstaendig die Figur, was mitunter zu extrem wirrem Verhalten fuehrte.

Man sollte erwaehnen, dass das Regelwerk solch extreme Charaktere nicht empfiehlt. Und ich persoenlich hatte auch nur in einer Kampagne Charaktere mit einer mB von -25 erlaubt, da diese die Grundvoraussetzung fuer die Erstellung von sogenannten Kindern der Nacht ist (Vampire, Werwoelfe und andere uebernatuerliche Wesen) ist.

KULT - Divinity Lost habe ich hier zwar liegen, bin aber mit den PbtA-Regeln gar nicht warm geworden und kann daher nichts zur dortigen Mechanik sagen.

Offline gunware

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Re: Psyche im RPG
« Antwort #29 am: 26.09.2025 | 23:11 »
Magst du welche aufzählen?

Und wie werden sie spielmechanisch abgehandelt?

Also ein paar Beispiele für GURPS: Arachnophobia, Bad Temper, Bloodlust, Curious, Jealousy. (Mehr Beispiele kann man hier sehen: http://www.gurpscalculator.com/Traits Einstellung Disadvantages Filter Mental)

In der Beschreibung bekommt man Anleitung fürs Handeln anhand des Nachteils, die SL vergibt bestimmte Erschwernisse, der Charakter muss Selbstbeherrschungsproben würfeln, die SL soll bestimmte NPC auf bestimmte Weise agieren lassen und Boni oder Mali den NPC geben, wenn sie mit dem Charakter interagieren. 

(Sorry für die späte Meldung, aber ich war unterwegs.)
Ich bin der letzte Schrei der Evolution, als sie mich erschaffen hatte, schrie sie: "Oh Gott, was habe ich denn gemacht?!"

Offline fivebucks

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Re: Psyche im RPG
« Antwort #30 am: 18.03.2026 | 18:12 »
So, ich habe den Vortrag jetzt vor 4 Tagen gehalten. Hier mein Bericht (für  nicht mit dem Genre vertraute).

Zitat
Bericht zum Selbsthilfetag 2026 - Workshop: Pen&Paper&Psychosen

Vorab: Nach dem Selbsthilfetag 2025 wurde mir angetragen: Vielleicht machst du nächstes Jahr einen Workshop? Darauf ich: Zu welchem Thema denn? - Zum Beispiel Jonglieren? Das war mir dann irgendwie doch zu sportlich, also kam mir der Gedanke, etwas zu meiner Freizeitbeschäftigung, Fantasy Rollenspiel. Das schien tragfähig, also habe ich übernommen etwas zum Thema Fantasy Rollenspiel und Wahnisinn zu erarbeiten.

Ab August habe ich mich an die Recherche gemacht, in Foren gefragt, in meiner Erinnerung gekramt, mein Bücherregal gesichtet. Immer wieder kommt, neben vielem anderen, auch das Thema Wahnsinn ins Spiel. Mit unterstützung von ChatGPT habe ich dann das Konzept für meinen Vortrag entwickelt.

Dann kam also der große Tag und ich durfte neben Organisation und praktischen Aufgaben mein Projekt vor insgesamt drei Zuhörern präsentieren.

Einleitung: Was ist Pen&Paper Rollenspiel? Vielen Psychiatrieerfahrenen ist das therapeutische Rollenspiel ein Begriff. Beim Pen&Paper geht es aber weniger darum, eigene Konkrete Erfahrungen aufzuarbeiten, sondern man erlebt eine Geschichte. Hierzu werden Heldenfiguren   ausgearbeitet, oft mit Zahlenwerten, Etwa Mut, Stärke oder Klugheit. Diese Helden werden von den Spielern dargestellt. Eine Eigenheit des Pen&Paper Rollenspiels ist, das es einen Spielleiter gibt, dieser führt keinen eigenen Helden, sondern Präsentiert die Geschichte und die Spielwelt.

Disclaimer: Die erlebten Geschichten können den Beteiligten nahe gehen, und die Spielwelten sind sehr detailliert ausgearbeitet, daher hat es sich eingestellt das vorab über Trigger gesprochen wird; Themen die nicht ausgespielt, sondern höchstens kurz erwähnt werden. Dieser Punkt ist mir persönlich wichtig da ich schon erlebt habe wie Spieler sich in diesen Fantasiewelten verloren haben. Daher habe ich auch darauf hingewiesen und auch erwähnt, das ich auf die Themen Missbrauch und Tod eingehen werde.

Spielpraxis: Am Spieltisch sieht es so aus das hauptsächlich gesprochen wird. Der Spielleiter beschreibt die Szenerie die Heldengruppe erklärt die Reaktion der Spielfiguren, auch Charaktere genannt. Hier der Ursprung des Begriffes "NPC" von Non Player Character im Unterschied zu "PC" Player Character; Leute die ihr Leben in die Hand nehmen und welche die nur Nebenrollen ausfüllen :) Im Laufe der Erzählung kann es dann zu Situationen kommen in denen der Ausgang ungewiss ist. Hier kommen dann die oben genannten Zahlenwerte ins Spiel die mit den Ergebnissen unterschiedlicher Würfel (Polyheder) zum Beispiel mit 20 Seiten verglichen werden, zum Beispiel Mutprobe im Kampf, oder Klugheitsprobe um eine Täuschung zu durchschauen. Einen Satz dieser Würfel habe ich dann auch im Vortragsraum präsentiert.

Zu den Spielsystemen: Ich habe eine Liste von Spielsystemen mitgebracht in denen die Idee Wahnsinn vorkommt.

Das Schwarze Auge – Es gibt schlechte Eigenschaften der SC, zum Beispiel Höhenangst, Raumangst, Angst vor Magie und weitere.

Shadowrun – Der Wert Essenz, der die verbliebende Menschlichkeit abbildet und sinken kann  wenn      der Charakter seine Fähigkeiten mit Cyberware genannten Technischen Implantaten verbessert (etwa die Möglichkeit sein Gehirn direkt mit dem Weltweiten Computernetzwerk, Matrix genannt zu verbinden).

Bluebeards Bride – Die Gruppe besteht nur aus Bräuten die bis auf eine Auserwählte alle sterben.

Everyone is John – Im Unterschied zu anderen Systemen spielen alle nur einen gemeinsamen Charakter und müssen sich absprechen wie dieser nun agiert.

Cthulhu – Ein Horrorrollenspiel in der Welt von H. P. Lovecraft. Bei Kontakt mit dem Übernatürlichen Mythos sinkt der Wert Geistige Stabilität und führt die SC schrittweise in den Wahnsinn, oft in Form von Phobien.

Auf ein System bin ich detaillierter eingegangen. Ein Spiel aus der Reihe World of Darkness / Welt der Dunkelheit – Wraith: The Oblivion.

Die Spielwelt besteht allgemein aus einer Version der 1990er Jahre mit dem Unterschied dass übernatürliche Wesen etwa Vampire oder eben Wraiths existieren. Diese Wraiths sind Verstorbene, die im Leben wichtige Dinge unerledigt zurückgelassen haben und nun in einer Nebenwelt existieren. Die Beschreibungen der Spielwelt, verschiedenen Fraktionen / Machtgruppen, und der Mechaniken zu den Fähigkeiten der verstorbenen nahmen dann auch eine Zeit des Vortrags ein.

Die Entscheidung für den Fokus auf Wraith war deswegen gefallen, weil ich vor einigen Jahren auf einen Beitrag in einem Spielforum gestoßen war in dem eine Spielerin schilderte dass ihr das Spielen beim aufarbeiten von erlebten Psychosen half.

Die Mechanik um die es konkret geht ist das Konzept "Schatten". Das ist die dunkle, selbstzerstörerische Seite der Seele. Diese wird am Tisch von einem Mitspieler übernommen, so das man seine eigene Persönlichkeit darstellt und gleichzeitig einer Mitspieler/in finstere Einflüsterungen gibt. Das kam bei einem Kursteilnehmer mit Rollenspielerfahrung auch sehr gut an.

Nach viel erzählen habe ich dann noch ein bisschen Praxis angefügt. Wir haben zunächst zwei Helden erstellt. Einen Wissenschaftler, der bei einem Laborunfall ums Leben gekommen ist, und einen Bildhauer der sich aus Schuldbewusstsein das Leben genommen hat.

In der Vorbereitung hatte ich auch eine kurze Geschichte um ein Liebespaar die sich in einem Geisterzug treffen ausgearbeitet. Damit konnten wir die beiden Mitspieler dann auch noch in das Medium Rollenspiel einführen. Hier wurde unserem Neuling auch klar wie das ganze Konzept nun wirklich aussieht.

Die vorgesehene Zeit wurde weit überschritten, die Waffeln waren aufgegessen aber ich wurde  finanziell gut abgefunden. Eine Teilnehmerin hat viel mitgeschrieben. Ein paar mehr Teilnehmer, vielleicht mit Vorwissen hätte ich mir noch gewünscht.  Insgesamt ein gelungener Vortrag. Bei Interesse biete ich ihn vielleicht nächstes Jahr noch einmal an.

Nikolaus
18. März 2026
« Letzte Änderung: 18.03.2026 | 18:24 von fivebucks »