Autor Thema: Änderung der Satzung eines Settings  (Gelesen 1681 mal)

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Offline Luxferre

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #25 am: 13.12.2025 | 19:15 »
Ja, schon klar, dennoch lustig.

Ah, okay  :d Stimmt, mit der etwas "geschmeidigen" Moral meines SCs (in HârnMaster ein Skill, mit Werten zwischen 3 und 18) liegt diese mit 9 beim unteren Ende der normalmenschlichen Skala. Habe ich so gedacht/gewählt, weil er als Magiebegabter von der Kirche gejagt und sofort verbrannt würde. Da braucht man etwas mehr Kreativität im Umgang mit Moral, allein schon um zu überleben.
Das nur als kurze Anekdote ;)
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Offline Luxferre

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #26 am: 16.12.2025 | 15:33 »
Ich finde ja, dass die SL, sobald er/sie merkt dass die SC vielleicht von falschen Voraussetzungen ausgehen, einfach einen Wissenskunde-Wurf machen könnte. Dafür haben die SC schließlich auch entsprechende Skills erlernt oder durch Background/whatever erhalten.

Wenn die Spielenden also am Tisch ihre Taktik besprechen, sollte doch spätestens der Groschen fallen.
"Hey Leute, ich glaube, ihr geht hier von einer falschen Prämisse aus. Bei mir sind Demons of the ninth Void gar keine bösen Chaoswesen, sondern der neunte Zirkel der Leere steht für Gärtnerei, Kuchenbacken und Plüschkissensammeln."


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Offline Kappadozius

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #27 am: 16.12.2025 | 15:41 »
Ach so! Dann ist das warme, pulsierende Herz also nur eine ›geheime‹ Zutat im Kuchen? >:D
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Offline Luxferre

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #28 am: 16.12.2025 | 15:53 »
Ich hätt' auch von Glitzervampiren, glattrasierten Indianerwerwölfen und gutdesignten 4e Regeln schreiben können  >;D
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Offline nobody@home

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #29 am: 16.12.2025 | 17:23 »
Glitzervampire sind grundsätzlich bösartige Eindringlinge aus der Mary-Sue-Dimension. Gegen die sind tatsächlich mal alle Mittel erlaubt! >;D

Offline Runenstahl

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #30 am: 16.12.2025 | 17:45 »
Aus meinen Erfahrungen als SL und Spieler (vor allem aber als SL) kann ich sagen das jeder SL SEHR vorsichtig sein sollte was nachträgliche Änderungen angeht. Dabei ist es schnurz ob es sich nun um die Einführung von Hausregeln oder Änderungen am Setting dreht. Grundsätzlich muss das immer mit der Gruppe abgesprochen werden und vorher sollte der SL noch mindestens eine Nacht drüber schlafen ob die Änderungen wirklich so unglaublich wichtig und gut sind das sie unbedingt jetzt noch in die laufende Kampagne eingefügt werden müssen, oder ob es nicht vielleicht Sinnvoller ist die in die Schublade zu legen und bei der nächsten Kampagne einzuführen.
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Offline Zanji123

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #31 am: Gestern um 11:31 »
in dem Beispiel geht's irgendwie weniger um "alle Orks sind böse jetzt wird es geändert" sondern eher um

"eine unbewaffnete Ork Familie (Mutter und Kinder) sind so eingeschüchtert, dass die sich nicht raustrauen und sterben"

also...egal ob die "böse" sind, der SL sah die als "Zivilisten"
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Offline felixs

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #32 am: Gestern um 11:49 »
Denke, in so einer Situation ist es richtig, sich vor oder während des ethischen Vorgehens zu verständigen. Hinterher ist blöd.

Leider ist es nicht ganz selten, dass Spielszenarien oder SL solche Fallen stellen: Ein Szenario verlockt zu falschen Annahmen, man handelt danach, dann wird die Moral rausgeholt. Ein extremes Beispiel dafür war mal ein Brettspiel, bei dem Bahnstrecken und deren Betrieb so geplant werden sollten, dass man einige Millionen Menschen befördern kann. Nach dem Erfolg wurde den Spielern dann gesagt, dass sie gerade den Holocaust organisiert haben. Was für ein Quatsch!

Spiele bilden immer nur Teile der Spielwelt ab und die Interpretationen von dem, was man dort eigentlich passiert, was in der Spielwelt gesetzt ist und was man entsprechend da treibt, sind je nach Mitspieler meist ein wenig unterschiedlich. Die Datenlage ist - im Vergleich zur realen Welt - schlecht und entsprechend unterkomplex. Im obigen Holocaust-Beispiel kann sich in der Realität niemand darauf berufen, den Zweck nicht verstanden zu haben (vielleicht nicht in ganzer Konsequenz, aber grundsätzlich war schon klar, dass man nicht normale Passagiere befördert). Ebenso scheint sich auch im Ork-Beispiel der SL Dinge gedacht zu haben, welche die Spieler schlecht voraussehen konnten.

Also ja: besser kommunizierte Setzungen helfen. Gleichzeitig ist gerade diese Manipulation von Setzungen zwecks Erzeugung moralischer Probleme ein beliebtes Mittel, wird oft auch für lehrreich gehalten. Ich finde es unredlich und würde das nicht mitmachen.

Falls sich jemand am Spieltisch moralisch unwohl fühlt mit dem was passiert, kann und soll man das äußern. Auch (und gerade) als SL.

Natürlich gibt es - durchaus häufiger als ich es gern hätte - öfter auch mal die Situation, dass Mitspieler absichtlich ethische Grenzen (der anderen Mitspieler) verletzen, vielleicht sogar "böse" spielen wollen. Da wäre ich dann raus - kann man aber natürlich machen, wenn alle am Tisch das wollen. Mir gefällt das zwar nicht, ist aber letztlich nicht wesentlich anders als der Konsum von extremerern Horror-Genres oder entsprechenden Computerspielen.
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Offline nobody@home

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #33 am: Gestern um 11:51 »
in dem Beispiel geht's irgendwie weniger um "alle Orks sind böse jetzt wird es geändert" sondern eher um

"eine unbewaffnete Ork Familie (Mutter und Kinder) sind so eingeschüchtert, dass die sich nicht raustrauen und sterben"

also...egal ob die "böse" sind, der SL sah die als "Zivilisten"

Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]

Offline Eleazar

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #34 am: Gestern um 12:27 »
Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]

Das ist der Punkt: Ich vermute mal, dass ihr ja sogar darüber geredet habt, zu welchem Zweck ihr das Feuer gelegt habt, nämlich um sie zur Aufgabe und zum Abzug zu bewegen. Dass das tödlich endete, war die Entscheidung des SL.

Grundsätzlich sehen wir zu, dass das Setting und die Grundannahmen in einer Gruppe konsistent bleiben. Deswegen bespielt praktisch jeder SL seine eigene Welt und die SpielerInnen haben jeweils andere Figuren.

Konsistenz ist erst mal ein Wert an sich.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Verständnis einer Spielwelt nicht auch weiterentwickeln könnte. Dass es Abenteuer gibt, in denen die Spieler zusammen mit ihren Figuren schlauer werden können. Aber ohne moralischen Zeigefinger des SLs.

Wir haben mal eine Kampagne gespielt, in denen die Orks klar die Bösen waren und wir abenteuerweise Orktrupps erledigt haben.

Und dann sollten wir Gefangene aus einem Orkdorf in einer anderen Gegend befreien. Eigentlich Leute aus unserer Gruppe, die ne Sonderaktion gemacht hatten. Beim Anschleichen haben wir zwei Orks getroffen, die durch den Wald patroullierten. Denn einen haben wir im Fernkampf gekillt, den anderen schlafen gelegt, um ihn später zu verhören. Beim Verhör stellte sich raus, dass die beiden gar keine Wachen, sondern ein Liebespaar beim Spaziergang waren.

Der nächste Trupp waren kleinere Orks mit gezogenen Messern und Körben im Wald. Der Hinterhalt war schon gelegt, als einem von uns die Idee kam: "Oder die sammeln Pilze!" Der Angriff wurde abgeblasen und die Orkkinder wurden streng befragt, was in ihrem Dorf los war. Und dann erzählten uns die Kinder, dass böse Menschen ins Dorf eingedrungen wären und ohne Grund ein paar Erwachsene getötet hätte und jetzt sollte ihnen der Prozess gemacht werden.

Dann haben wir uns ein Dokument gefälscht und sind offiziell ins Dorf eingeritten und haben den Orkchef gebeten uns die gesuchten Mörder auszuliefern, damit ihnen ordentlich der Prozess gemacht werden könnte. Der Bluff hat funktioniert und wir haben die Gefangenen, gefesselt auf ihren Pferden aus dem Dorf geführt.

Seitdem habe ich noch nie wieder ein Dorf mit derart kultivierten und netten Orks getroffen. Und der Abend hat uns allen gewaltig Spaß gemacht.

Insofern sehe ich es nicht als Problem an, wenn ich in einem Abenteuer von falschen Annahmen ausgehe oder ein Verhalten sehr, sehr überraschend ist. Ich muss nur die Chance haben, das irgendwie zu erkennen, bevor ich komplett reinfalle. Und ich will nicht vom SL moralisch verurteilt werden.

Unserem SL wäre es nämlich auch wurscht gewesen, wenn wir die Gefangenen gewaltsam befreit hätten. Das wär nur riskanter und "rollenspielerisch" nicht so interessant gewesen.

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #35 am: Gestern um 12:47 »
Schuld haben natürlich die Orks.
Die sind anfällig für eine Verwischung klarer Linien, weil sie je nach Text irgendwas von diesen Sachen sind:

De facto-Dämonen; von Natur aus bösartige Humanoide; eine den Menschen ähnliche Spezies, die das Pech hatte, unter eine destruktive Ideologie zu geraten; Fantasy-Klingonen; Stand-Ins für realweltliche Bevölkerungen bis hin zu von Kolonialismus bedrohten Indigenen.

Deshalb muss man die auch besonders festzimmern, wenn man eine eigene Erzählwelt eröffnet.

Meine Herangehensweise ist da meistens, dass ich am Anfang gemeinsam mit den Spielern Setting Truths festlege und aufschreibe, wenn ich SL bin.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich als SL das Recht habe, diese Setting- und Genre-Erwartungen zu verändern, ohne das explizit zum Thema mit den Spielern zu machen.
Spieler gehen heute mit Recht davon aus, dass diesbezüglich Transparenz hergestellt wird und der SL kein geheimes Drehbuch verfolgt.

Zu den Absprachen gehört auch, wie Konflikte in der Kampagnenwelt grundsätzlich gelöst werden und mit welchen Gegnern zB Verhandeln überhaupt eine Option darstellt. 
"Du wirst direkt in diesem Moment von einer Zilliarde grünkarierter Kakerlakeneinhörner in Tweedanzügen umzingelt, die mit Fallschirmen aus gebeiztem Vanillepudding aus der nächstgelegenen Dattelpalme springen und dich zu ihrer Avonberaterin krönen - und die Krone ist aus Dr. Frankensteins bösartig mutiertem Killernougat! Streich dir 78000 Hirnschadenspunkte ab und mach sofort eine Jodelimprovisation!"

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #36 am: Gestern um 12:54 »
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.
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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #37 am: Gestern um 12:59 »
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen.

Wobei das für mich sehr vom jeweiligen Spiel abhängt. In Electric Bastionlands etwa ist das Sympathie für das Monster fest in dessen Erschaffungsprozess angelegt.

Es ist halt die Frage, ob man einen reinen Monsterklopper ohne weitere Fragen spielen will. Das unterliegt dann dem Gruppenkonsens, der in dem allerersten Beispiel gebrochen wurde, ohne dass die SL das gemerkt hat.
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Offline felixs

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #38 am: Gestern um 13:13 »
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.

Sehe ich auch so.

Oder zumindest muss man sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Traditionelles Rollenspiel wie gewohnt ist nämlich nicht mehr möglich, wenn sich aus Gewalt gegen "Monster" Probleme ergeben. Ist ein bisschen wie Veganismus - auf einmal stellt sich die ganze Welt und fast jeder gewohnte Konsum als ethisch problematisch dar und man muss sein Leben ändern, kann alte Gewohnheiten nicht mehr so fortführen. (Natürlich mit dem Unterschied, dass es hier nur um fiktive Zusammenhänge geht und die Leidtragenden nicht real existieren).

Gleichzeitig ist interessant, dass die Problematisierung von "Monstern" schon lange ein Teil von Rollenspielen ist. Wobei das, so meine Erfahrung, von den meisten Gruppen nicht umgesetzt wird. Problematisch wird diese Inkonsistenz eigentlich auch nur dann, wenn sie jemand thematisiert - es gibt ja (schließlich ist es Fiktion) kein verdrängtes Leiden im Hintergrund, außer dieses wird gezielt angespielt.

Grundsätzlich finde ich es aber wichtig, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass im Rollenspiel meist viel Kontext fehlt. Die oben erwähnten orkischen Pilzsucher wären sehr wahrscheinlich auf den ersten Blick von einer Gruppe in kriegerischer Absicht zu unterscheiden. Es ist dann die Schilderung des SL, welche gezielt einen falschen Eindruck hervorruft. Sowas funktioniert als erzählerisches Mittel zwar ganz gut, wenn aber auf Grundlage dieser Informationen Entscheidungen getroffen werden, sind das eben Entscheidungen, die aufgrund einer falschen oder irreführenden Datenlage getroffen wurden. Das ist auch wieder ein Problem und schränkt die Brauchbarkeit als moralisches Lehrstück stark ein.
« Letzte Änderung: Gestern um 13:17 von felixs »
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Offline Maarzan

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #39 am: Gestern um 13:19 »
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.

ich sehe das Problem nicht im verwischen selbst, sondern darin die jeweils gewählte Spielweltsetzung nicht verbindlich festgelegt und bekannt gemacht zu haben.
Ob das Philosophieren am Tisch gewünscht ist oder nicht ist ja Geschmackssache.
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Offline nobody@home

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #40 am: Gestern um 13:19 »
Deshalb muss man die auch besonders festzimmern, wenn man eine eigene Erzählwelt eröffnet.

Ganz so auf speziell "Session Zero" würde ich mich da nicht einmal festlegen wollen. Die Charaktere werden ja generell mehr Allgemeinwissen über ihre Welt haben, als sich die Spieler auch aus noch so vielen Quellenbüchern und langen Absprachelisten anlesen könnten; da kann ich als SL letzteren also zur Not auch noch bei der ersten Begegnung mit etwas für sie Neuem kurz verklickern, was so der Wissensstand ihrer Charaktere zum Thema ist. Eventuelle Punkte, die ihnen als ungewöhnlich auffallen dürften, gleich mit -- wenn die Charaktere beispielsweise Orks nur als herumstreifende weitgehend undisziplinierte Räuber und Plünderer kennen und die Orks, denen sie in einem Abenteuer über den Weg laufen, sich plötzlich sichtbar anders verhalten (egal, ob sie nun an Blumen schnuppern oder als offensichtlich "richtige" Soldaten mit Rüstung und Abzeichen auftreten), dann sind das offensichtlich keine 08/15-Standardorks mehr, und ob das gut oder schlecht ist, muß sich erst noch weisen.

Natürlich wird's immer auch mal Dinge geben, die die SC (noch) nicht wissen, aber das ist noch mal ein anderes Thema als ein mehr oder weniger bewußtes Generell-im-Dunkeln-Tappen-Lassen-Wollen. Mindestens Augen, Ohren, und die eine oder andere Gehirnzelle haben sie in der Spielwelt ja normalerweise doch.

Offline Zanji123

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #41 am: Gestern um 14:33 »
Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]

ok kommt drauf an wie man es ausspielt... als zivilist hätte ich z.b. auch kein Vertrauen darauf das die Typen die gerade meinen Vater/Bruder/Ehemann ermordet haben und vor der Tür n Feuer anzünden um zu sagen "ihr könnt gehen wir werden euch nicht verfolgen" nicht doch bei den anderen Ausgängen auflauern

:) wie gesagt is nur meine spontane idee. Komisch is halt das man dieses "moralische Problem" jetzt irgendwie random reinpackt wenn vorher nie sowas im Spiel kam.
« Letzte Änderung: Gestern um 15:01 von Zanji123 »
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Offline unicum

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #42 am: Gestern um 14:50 »
Also ich habe grundsätzlich nichts dagegen mit Moralischen Problemen konfrontiert zu werden auch wissend das gerade diese meistens nicht zur allgemeinen zufriedenheit gelöst werden können.

Klar - Orks müssen auch was Essen, Orks haben auch Kinder, Orks haben auch Sex,... (gut die könnten auch ohne Sex und Kinder einfach magisch aus der Retorte von Saruman kommen - aber das ist glaube ich doch eher selten und wir gehen hier erstmal von erstem aus denke ich).

Insofern sehe ich die Satzung des Settings im übrigen auch in der realen Welt hier und da auch mal einer Wandlung unterzogen. Gerade in Kriegen passieren da so einige Dinge über welche man trefflich den moralischen Zeigefinger erheben kann die aber aus der betrachtung der betroffen nicht gar so klar sind.

Die Lösung ist aber wie so oft "miteinander reden" und für den SL dann eben vieleicht auch - nicht mehr solche Moralischen Dilemma ausrollen.

Online Tudor the Traveller

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #43 am: Gestern um 15:08 »
Klar - Orks müssen auch was Essen, Orks haben auch Kinder, Orks haben auch Sex,... (gut die könnten auch ohne Sex und Kinder einfach magisch aus der Retorte von Saruman kommen - aber das ist glaube ich doch eher selten und wir gehen hier erstmal von erstem aus denke ich).

Nein, nichts daran ist "klar", und selten ist es imo nur dann, wenn Autoren die Phantasie fehlt. Selbst die irdische Biologie kennt andere Lebens- ubd Fortpflanzungskonzepte. "Wie Menschen" empfinde ich bei Orks und Co als unglaublich einfallslos.
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Offline Feuersänger

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #44 am: Gestern um 16:11 »
Ich sag mal so, es fängt mit der grundsätzlichen Frage an: sind bestimmte Rassen wie zB Orks (oder jede beliebige andere "Monsterrasse") explizit und ausdrücklich geschaffen worden, um Mord, Angst und Schrecken zu verbreiten (wie zB in Mittelerde)? Oder auch wahlweise eher "zufällig" entstandene Ausgeburten des Chaos, die aber eine zivilisierte Koexistenz unmöglich machen?
Oder sind sie halt einfach eine unter (fantasytypisch) vielen intelligenten und kulturschaffenden Spezies, die mit allen anderen um Lebensraum konkurrieren? Wo es also objektiv betrachtet kein "wir Gut, die Böse" gibt, weil alle Seiten sich halt ausbreiten wollen so weit sie können, und es da halt schonmal zu dem einen oder anderen Genozid kommt?

Das sollte halt möglichst schon von Anfang an definiert sein, und nicht auf einmal mitten im Spiel umgestoßen, aber das hatten wir ja schon.
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Zitat von: ErikErikson
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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #45 am: Gestern um 16:34 »
Naja, wenn die Leute sich ausbreiten und Leute umbringen, um deren Land zu nehmen, dann ist das ziemlich klar böse. Wenn das alle machen, dann sind halt alle böse. Und dann ist es halt wir gegen die, nicht gut gegen böse.
Und ich denke, so ganz vollständig kann man ein Setting gar nicht ausdefinieren, aber den groben Rahmen abstecken, das geht halt schon. Und wie ich schon sagte: wenn sich was ändert, dann kann das ja theoretisch auch eine willkommene Änderung sein. Wenn es stört, müsste man halt evtl. mal drüber reden. Wenn sich da keine Regelung findet, muss man dann halt entweder damit leben oder gehen.
Das hier genannte Beispiel ist halt nicht das beste, weil es ja nicht nur um die Änderung geht (was? Orks haben auch Zivilisten?) sondern auch um den eher unglücklichen Umgang der Spielleitung damit und eben das "foppen" der Spieler. Ich weiß nicht, ob das gar so negativ aufgenommen worden wäre, wenn die Familie halt gegangen wäre und es damit erledigt gewesen wäre.
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Offline unicum

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #46 am: Gestern um 16:49 »
Nein, nichts daran ist "klar", und selten ist es imo nur dann, wenn Autoren die Phantasie fehlt. Selbst die irdische Biologie kennt andere Lebens- ubd Fortpflanzungskonzepte. "Wie Menschen" empfinde ich bei Orks und Co als unglaublich einfallslos.

Definition des ursprünglichen Autors: Orks essen (LotR:Two Towers) und über Sex schweigt er sich als Katholik ziemlich aus. Aber da er die Orks als verdorbene Elfen darstellt und Elfen sich "einfallslos" vortpflanzen,...

und btw welche höhere irdische Lebensform vermehrt sich denn ohne Sex? Ich mein ich weis eine männliche Kakalake ist erstmal unntütz aber es gibt trozdem welche. Ich würde schon sagen dieses Konzept ist eines der Erfolgreichen.

--

Also ich Spiel da sehr gerne damit (moral). Ich hab auch schon deutlich früher als das hier aufgeführte Drama meinen Spielern mal einen Ork mit einer Hacke auf einem Acker vorgesetzt. Der wurde auch Prompt gefangen genommen und es wurde gesagt das er die Hacke wohl einem Bauern abgenommen hatte - Hatte er nicht war seine eigene hacke und er hat einen Acker bestellt. "Ob das Sein Acker war?" "Wie kann man einen Acker besitzen? Land besitz man nicht, es ist einfach da."

Das war sicherlich noch weit vor 2000 übrigens. Den Ork haben sie dann noch lange Zeit mit sich rumgeschleift, ich würde mal sagen als "Kriegsgefangenen" oder vieleicht als "Diener (sic)"?

Es gibt ja auch mehr als eine Moral. "Wir" halten halt immer an unserer aufgeklärten Moral fest und alles andere ist minderwertig. Also vom hohen moralischen Ross runter.

Offline Alexandro

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #47 am: Gestern um 17:05 »
Zitat
Naja, wenn die Leute sich ausbreiten und Leute umbringen, um deren Land zu nehmen, dann ist das ziemlich klar böse. Wenn das alle machen, dann sind halt alle böse. Und dann ist es halt wir gegen die, nicht gut gegen böse.

Oder es sind halt recht unterschiedliche Mentalitäten unter den Spezies.
Siehe die Harnmaster-Orks, die eher wie eine Ameisenkolonie funktionieren. Mit denen kann man in der Regel nicht rational verhandeln, sie nehmen sich einfach Sachen (inkl. Menschen) für ihren "Bau", und töten jeden der sich dagegen wehrt. Weil sie halt nicht anders agieren können (SC-Gargun, die sich außerhalb dieser Gesellschaft bewegen, evtll ausgenommen).
Trotzdem sind sie nicht grundsätzlich böse, sie machen ihre Raubzüge in der Regel nicht um anderen zu schaden, sie haben nur kein Konzept von "richtig" und "falsch", sondern kennen nur die Erhaltung ihrer Kolonie als höchstes Gut. Und es ist auch nicht unbedingt angeraten, möglichst offensiv gegen Gargun vorzugehen, den Bau abzubrennen und die Königin zu töten - denn eine Kolonie mag nicht ideal sein, ist aber zumindest einigermaßen stabil (einige Gargun praktizieren sogar Viehzucht). Ganz anders sieht es aus, wenn hunderte Gargun chaotisch durch die Lande marodieren, weil sie keinen Bau und keine Königin (mehr) haben und einfach nur alles Plündern und Töten, was in ihrem Weg steht.

ok kommt drauf an wie man es ausspielt... als zivilist hätte ich z.b. auch kein Vertrauen darauf das die Typen die gerade meinen Vater/Bruder/Ehemann ermordet haben und vor der Tür n Feuer anzünden um zu sagen "ihr könnt gehen wir werden euch nicht verfolgen" nicht doch bei den anderen Ausgängen auflauern

Oder sie konnten nicht schnell genug die Barrikaden wieder abbauen, bevor der Rauch reinzog.
Wie gesagt: ohne eine Aussage der SL, wie die Aktion gedacht war, lässt sich da viel reininterpretieren.
Ohne Dramaturgie gibt es kein Drama.

Wer beim Rollenspiel eine Excel-Tabelle verwendet, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Offline Boba Fett

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #48 am: Gestern um 17:12 »
Wie geht Ihr mit Änderungen (plötzliche insbesondere) bei Satzungen Eurer Settings um?

Aus der Spielleiter-Perspektive: Ich liefere verlässliches Rollenspiel. Punkt!

Natürlich juckt es einem als kreativer Spielleiter auch mal in den Fingern durch einen Twist moralische Attitüden zu hinterfragen.
Aber das macht man nicht bei altetablierten Setting-Fakten.
Wenn ich so eine Idee hab, dann mach daraus eine neue Kampagne und mache in Session Zero klar, dass der bisherige Status Quo nicht gegeben sein muss, sondern auf Fehlinformationen resultieren kann. Und dann kann ich loslegen.
Und wenn jemand überrascht wird, und sich noch so verhält, wie jümmers, dann reagiere ich nicht vorwurfsvoll oder eingeschnappt. Was soll denn sowas?

Als Spieler fände ich es blöd - da kann ich konservatives Denken verstehen. Ich will Handlungssicherheit und wenn die Spielleitung meint, mir einen David Lynch Setting vorzusetzen, wo alle 10 Minuten irgendwelche skurilen Omas, die mit kurzgesägten Holz-Stämmen kuscheln, rückwärts sprechend die universellen Tatsachen des Settings verdrehen, dann soll er mir das vorher sagen.
Und vor allem nicht hinterher damit kommen, dass ich abartig wäre, nur weil ich Laura Palmer mit der Schrotflinte erschossen hab - die ist schliesslich die Leiche und who did it war die Prämisse. Wieso taucht die jetzt wieder auf? Und hey, es waren nur 16 Schrotpatronen. Zombies behandelt man so.
Lasst uns fahren, sonst ist kein Cherry Pie mehr da.
« Letzte Änderung: Gestern um 17:18 von Boba Fett »
Kopfgeldjäger? Diesen Abschaum brauchen wir hier nicht!

Offline nobody@home

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Re: Änderung der Satzung eines Settings
« Antwort #49 am: Gestern um 18:03 »
und btw welche höhere irdische Lebensform vermehrt sich denn ohne Sex?

Parthenogenese (d.h., die kommen zumindest ohne Männchen aus, manche haben sie wohl auch einfach gleich gar nicht) gibt's bei einigen Echsen- und Schlangenarten definitiv. Hoch genug? ;)