Autor Thema: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?  (Gelesen 1010 mal)

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Online Zed

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Es soll in diesem Thread um "moderne Regelmechaniken" gehen und welche es gibt, nicht um moderne und old-school Spielphilosophien.

Als Aufschlag zu der Frage im Threadtitel könnte die Perplexity-Zusammenfassung eines Threads auf Enworld mit dem Titel "What Do You Think Of As "Modern TTRPG Mechanics"?" hilfreich sein:

Zitat
Der Thread diskutiert, was Spielende heute als „moderne“ TTRPG-Mechaniken verstehen, ohne eine starre zeitliche Grenze zu ziehen. Stattdessen wird „modern“ überwiegend qualitativ gefasst, meist im Gegensatz zu älteren, stärker simulationistischen Designs.

Ausgangsfrage
Der Threadstarter fragt, welche Mechaniken als „modern“ gelten, ob es dafür einen historischen Schnitt oder eher qualitative Kriterien gibt.

Weitere Leitfragen sind, ob es „ihrer Zeit voraus“ liegende oder „regressive“ Spiele gibt und ob moderne Mechaniken persönlich wichtig sind.

Häufig genannte Merkmale „moderner“ Mechaniken
Mehr Abstraktion statt detaillierter physikalischer Simulation; als Beispiele werden Ressourcenwürfel (The Black Hack) und Advantage/Disadvantage in D&D 5E genannt.

Stärker narrativ ausgerichtete Systeme: Ereignis‑ statt Aufgabenauflösung, fail forward, mehrere Erfolgsstufen, Playbooks, „clocks“, Metacurrencies/Bennies.

Abgrenzung zu „alt“ bzw. simulationistisch
Ältere Systeme werden als versuchende Simulation physikalischer Realität beschrieben, während moderne Systeme eher Story, Spielfluss oder Spaß priorisieren („Not Simulationist“).

„Modern“ wird häufig mit narrativistischen oder gamistischen Tendenzen verknüpft, während „old school“ eher hart-regelbasierte, simulationistische Ansätze meint.

Historische Einordnung und Beispiele
Einige verorten „modern“ grob ab dem 21. Jahrhundert oder in der Post‑Forge‑Ära („system matters“), betonen aber, dass es heute sowohl moderne als auch „alte“ Designs gibt.

Classic Traveller (Skill-System) und Pendragon werden als Beispiele für Mechaniken genannt, die ihrer Zeit voraus gewesen seien.

Persönliche Bewertungen im Thread
Für manche ist „modern“ eher ein neutraler Designstil; sie schätzen sowohl traditionelle Systeme (z.B. PF2) als auch stark narrative Spiele (z.B. Tales from the Loop).

Andere lehnen viele moderne/narrative oder stark gamistische Mechaniken ab und bevorzugen nur ausgewählte Elemente wie abgestufte Erfolge, während sie Metacurrencies und starke Spielerautonomie kritisch sehen.

Offline Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #1 am: 10.01.2026 | 18:49 »
Ich sehe bei dem von mir nicht unbedingt (zumindest nicht ausschließlich) positiv-wertend wahrgenommenen Archetypen eines modernen Spiels folgende Kern-Regelelemente, die es von dem eines traditionellen Spiels trennen:

1. Charaktere werden mithilfe von Punkteverteilungsystemen gebaut; sie werden nicht ausgewürfelt.

2. Es gibt einen einheitlichen Proben/Würfelmechanismus, der alle Subsysteme durchdringt; es gibt nicht verschiedene Probenarten oder gar verschiedene Würfeltypen für unterschiedliche Subsysteme.

3. Spieler können auf der Metaebene in die Spielerzählung eingreifen; sie sind nicht allein auf das Handeln ihrer Figur innerhalb der Spielwelt beschränkt.

4. Regeln z.B. für Fähigkeiten, Kämpfe, Zauber etc. sind für die Anwendung von Spielercharakteren, die eine idealtypische Abenteuererfahrung im Spiel durchleben, gemacht; sie sind ganz klar nicht Ausdruck der Funktionsweise der Spielwelt.

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erlebnissen der Spielfiguren.

Wie gesagt, ist das als Archetyp gedacht, was bedeutet: Kein "modernes Spiel" wird eine reine Form all dieser Regelparadigma zu 100% umsetzen. Aber je mehr es davon erfüllt, desto mehr qualifiziert es sich als modernes Spiel.

Es sollte aber klar sein, dass z.B. Runequest oder Classic Traveller nach dieser, meiner persönlichen, Definition keine "modernen" Spiele sind. Nichtsdestoweniger kann es natürlich auch schon vor der eigentlichen Übergangsepoche zu "modernen" Spielen, die ich in den 90ern sehe, Spiele gegeben haben, die einige oder viele dieser Elemente vorweggenommen haben. (GURPS und Mechwarrior wären zwei, die mir einfielen.)

EDIT: Punkt 5 (hoffentlich) weniger mißverständlich formuliert. 
« Letzte Änderung: Gestern um 11:19 von Skaeg »
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Offline Maarzan

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #2 am: 10.01.2026 | 20:04 »
Ich denke modern ist einfach Werbesprech für was auch immer ein Verlag oder Autor macht, wo er dann  seiner Meinung nach von früheren Systemen positiv abweicht.
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Offline 1of3

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #3 am: 10.01.2026 | 20:24 »
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #4 am: 10.01.2026 | 20:44 »
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.

Marketing oder alternativ auch Abkanzelung im Sinne von "neumodischer Unfug", je nach vertretener Position.

Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.

Offline Maarzan

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #5 am: 10.01.2026 | 20:49 »
...
Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.

Der typische Lebenszyklus von nahezu allem:
Innovation - Evolution - Degeneration.
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Online Zed

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #6 am: 10.01.2026 | 21:06 »
@Skaeg
Coole, treffende Liste, danke!

Zu starke DnD-Prägung oder zuwenig Spielpraxis? Ich habe auf der Dreieich immerhin 4 Stunden Nimble2e probiert, Daggerheart intensiver angeschaut, sonst aber keine moderne Systeme gespielt, und ich befürchte, ich mag allzusehr abstrahierende Regeln nicht...

Offline Zouan81

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #7 am: 10.01.2026 | 21:26 »
Was modern ist, ist schwer zu beschreiben.

Modern mag zwar sein, dass man heute auf Fertigkeiten nahezu verzichtet, aber ob das wirklich ein positiver Aspekt einen RPG-Systems ist, wage ich fast schon zu bezweifeln.

Es ist einfacher, das Gegenteil davon zu beschreiben:

NICHT modern ist/sind...

1) Regelmechaniken, die sich ZU sehr in Details verheddern oder wo jeder Mist ausgewüfelt werden muss (hat mich bspw. bei Harnmaster schon abgeschreckt, dass die Trefferzonen extra ausgewürfelt werden mussten).

2) Mechaniken, die zu sehr überladen sind und den Spielfluß verlangsamen (DSA lässt grüßen).

3) Charaktererschaffungen bei denen ausgewürfelt werden MUSS, anstatt es lediglich als eine Generierungsoption von mindestens 2 oder 3 anzubieten.

4) Regeln, die zu stark auf das Kämpfen ausgerichtet sind, anstatt erzählerische Aspekte stärker hervorzuheben.

5) Systeme, die mit großen Zahlen arbeiten.

6) Systeme, die sich eher für Computer-RPGs anstelle von PnP eignen.


Die Reihe lässt sich sicher noch fortsetzen, aber mehr fällt mir im Moment nicht ein.


Modern scheint irgendwo auch so ein Marketingbegriff zu sein.

Eigentlich ist "Modern" ja auch ein Subgenre im RPG, genauso wie "Fantasy" oder "Horror".








Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn

Online Mr. Ohnesorge

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #8 am: 10.01.2026 | 21:29 »

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.


Hast du dafür ein Beispiel?
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Online Zed

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #9 am: 10.01.2026 | 21:34 »
Letztlich wäre das wohl auch die Aufstiegsmethode, die meine Gruppe und ich seit Jahrzehnten aus Überzeugung nutzen: Der bedingungslose Aufstieg alle X Spieltage (bei uns: alle 7 Spieltage).

Da wäre ich mal auf der Seite "modern".  :)

Offline unicum

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #10 am: 10.01.2026 | 21:42 »
Hi Zed,...

prinzipiell würde ich schon sagen das dein Kasten das schon irgendwie trifft, alleine sehe ich "modern" da eher wie andere auch so als Marketing; oder vieleicht sogar als Kampfbegriff.

Aber, das letze "Neue" regelwerk von einem großen Verlag das ich mir angeschaut habe das hatte eben nichts wirklich spektakulär neues für mich und ja eigentlich verbinde ich "Modern" ohne irgendwelchen Begriff dahinte mit eben etwas "neuem"- Beispielswiese moderne Autos sind eben keine Verbrenner - wobei auch da es so ist das es zur Ahnfangszeit des Automobiles auch durchaus shcon Elektrowägen gegeben hat waren aber halt chancenlos. Deswegen ist die Methaper für mich hier schon passend. Moderne Rollenspiele sind wie Elektroautos - gabs eventuell schonmal.

Bezüglich "Kampfbegriff" finde ich solche Bezeichner eben genau so - als Kampfbegriff, weil mit Modern schwingt, also zumindest bei mir, immer mit dass die anderen unmodern sind, was eine negative bewertung ist. So sehe ich es eben. Zugestanden es kahm dann auch das OldSchool RPG irgendwann das den "Spieß" umdrehte aber eben auch nicht unbedingt wirklich "Alter Krahm" ist.

Sicher, die alten Rollenspiele von vor 40 Jahren haben alle so spieltechnisch und vieleicht auch welttechnisch ihre Krähenfüße drin und sind mal besser oder schlechter gealtert.n Ich hab zwar in reichweite von meinem PC die rote D&D Box stehen mit der für mich alles losging, Spielen würde ich es aber trozdem nicht mehr wollen. Aber sowas wie D&D3.5? warum nicht? Runequest von AH steht bei mir immer noch gut da und auch einige andere Alte Systeme.

Auf der anderen Seite hatte ich mir schon recht früh sowas wie "Amber Diceless RPG" gegönnt das schon einige Mechaniken hatte die ich als extrem Inovativ erachtete. Spielleiterloses Rollenspiel hatte ich zwar noch nicht von einem großen Verlag gesehen aber schon vor 2000 gespielt. Player Empowerment - ist für mich auch etwas das ich aus den Jahren von vor 2000 kenne.

Das letzte mal wo ich mir wirklich bei einem RPG sagte "Wow wie inovativ" (im Sinne von Neu, nicht unbedingt im Sinne von 'Das ist es das will ich haben' war Dread mit dem Jengaturm (viel mehr als den Namen und den JengaTurm kenn ich von dem Spiel garnicht, ich mein die hätten statt Jenga auch den Bausack nehmen können, ich denke auch das es nicht bei jedem die immersion fördert wenn man einen Stein aus dem Turm ziehen muss aber egal es war Neu und inovativ für mich.)

Also wieder zurück zu dem lezten Sytem das ich mir durchgelesen habe: Ich fand nichts neues und inovatives, als "modern" kann man es trozdem wohl bezeichnen.

Ist vieleicht die Frage erlaubt wie man sich wohl das Postmoderne RPG vorstellen kann? Ich denke KI klopft da schon an die Tür und die einen sagen "JA!" und die anderen hohlen das Weihwasser raus: der kreis schliesst sich KI ist zwar (noch?) kein Kampfbegriff aber eine potentieller Keil für eine Spaltung.

Und Spaltungen hab ich derzeit in der realen Welt schon viel zu viel.
« Letzte Änderung: 10.01.2026 | 22:55 von unicum »

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #11 am: 10.01.2026 | 22:31 »
5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.

Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen. ;)

Offline Eleazar

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #12 am: Gestern um 01:49 »
Für mich vor allem, dass man sich nicht einarbeiten und keine Mühe geben muss. Alles muss sich gleich und sofort auf den ersten Blick erschließen.
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Offline Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #13 am: Gestern um 08:07 »
Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen.
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet. Diesen Einschub sinngemäß auch für die anderen Punkte beachten.
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Offline Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #14 am: Gestern um 08:10 »
Hast du dafür ein Beispiel?
Für moderne Mechanismen i.d.S.? XP-Vergabe für Spielerbeteiligung; Milestones; XP nach Fortschritt in der Story bzw. im Abenteuer etc.
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Offline Ainor

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #15 am: Gestern um 09:24 »
Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen. ;)

Modernen Rollenspiele haben immernoch jede Menge Gemeinsamkeiten mit Ur-D&D. Modern sind eingentlich nur Dinge die sich von Ur-D&D stark unterscheiden. Insofern würde ich eher sagen 5. ist nicht modern.

1. Charaktere werden mithilfe von Punkteverteilungsystemen gebaut; sie werden nicht ausgewürfelt.

2. Es gibt einen einheitlichen Proben/Würfelmechanismus, der alle Subsysteme durchdringt; es gibt nicht verschiedene Probenarten oder gar verschiedene Würfeltypen für unterschiedliche Subsysteme.

3. Spieler können auf der Metaebene in die Spielerzählung eingreifen; sie sind nicht allein auf das Handeln ihrer Figur innerhalb der Spielwelt beschränkt.

4. Regeln z.B. für Fähigkeiten, Kämpfe, Zauber etc. sind für die Anwendung von Spielercharakteren, die eine idealtypische Abenteuererfahrung im Spiel durchleben, gemacht; sie sind ganz klar nicht Ausdruck der Funktionsweise der Spielwelt.

Dem würde ich zustimmen, wobei nur 1 ein wirkliches Schwergewicht ist. 3 & 4 fallen glaube ich allgemeiner unter die Tendenz weg von der Simulation. Simulationistische Regelschwergewichte weil "D&D ja nicht realistisch ist" scheinen mir zumindest in den letzten Jahren seltener geworden zu sein.

Denke 2 ist auch eine Folge eines höheren Anspruchs ans RPG Design. Systeme wo die Autoren einfach mal frei Schnauze sagen "und heute würfeln wir einen w12" gibt es halt schon. Da muss man sich ja irgendwie von absetzen indem man bessere/elegantere/augeräumtere Mechaniken präsentiert.
Es wird zu viel darüber geredet wie gewürfelt werden soll, und zu wenig darüber wie oft.
Im Rollenspiel ist auch hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie zu unterscheiden.
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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #16 am: Gestern um 10:47 »
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet. Diesen Einschub sinngemäß auch für die anderen Punkte beachten.

Nun, die "konkreten Erfahrungen" hast Du überhaupt erst ins Spiel gebracht -- den Schuh mußt Du dir also auch selbst anziehen. ;) "Ich habe jetzt mehr Geld, weil ich es nach guter alter Kolonialistenart von seinen früheren Besitzern 'befreit' habe" hat mit Fortschritt im Sinne von "Ich bin jetzt eindeutig fähiger als früher" eben so wirklich gar nichts zu tun, was sich ja auch schon damals schnell zu einem der Kritikpunkte an genau diesem Ansatz entwickelt hat.

Wenn ich selbst zwischen "alten" und "modernen" Systemen in Sachen Charakterentwicklung trennen wollte, dann würde ich als Kriterium eher die Antwort auf die Frage heranziehen, inwieweit die Regeln die Möglichkeiten dazu als konkrete Belohnung betrachten, die man sich durch geeignete Leistung erst einmal "verdienen" soll. Da gehen die ganz altmodischen mMn nämlich tatsächlich recht einheitlich nach Charakterleistungen (gerettete Schätze, besiegte Feinde, aktives Training, durch Fertigkeitseinsatz verdiente Erfahrungshäkchen...), nicht allzuviel später schleichen sich dann auch Spielerleistungen ein ("XP für Gutes Rollenspiel (tm)" und so), und der Gedanke, daß so eine Figur sich im Lauf der Zeit und ihrer Erlebnisse vielleicht auch einfach schon ganz automatisch verändern könnte, ohne dafür ständig nur "schaffen gehen" zu müssen...der tritt dann meiner eigenen Erinnerung nach tatsächlich erst deutlich später auf den Plan.

Offline Skaeg

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #17 am: Gestern um 10:55 »
Nun, die "konkreten Erfahrungen" hast Du überhaupt erst ins Spiel gebracht -- den Schuh mußt Du dir also auch selbst anziehen. ;) "Ich habe jetzt mehr Geld, weil ich es nach guter alter Kolonialistenart von seinen früheren Besitzern 'befreit' habe" hat mit Fortschritt im Sinne von "Ich bin jetzt eindeutig fähiger als früher" eben so wirklich gar nichts zu tun,
Es geht wie gesagt nicht darum, ob das logisch oder realistisch ist, sondern einfach darum, dass sich der Fortschritt nur daran misst, was die konkrete Spielfigur in der Spielwelt erfahren hat. Nicht daran, wie viel Zeit die Spieler am Spieltisch verbringen oder ähnliches.

Zitat
Da gehen die ganz altmodischen mMn nämlich tatsächlich recht einheitlich nach Charakterleistungen
Genau. Nur sind "Leistungen" oder "Taten" als Begriff zu verengend, daher habe ich "Erfahrungen" genommen. Ersetze "Erfahrungen" durch "Erlebnisse" oder "Geschehnisse", wenn das deinem Verständnis weiter hilft.

Traditionell: In der Spielwelt muss deiner Spielfigur etwas bestimmtes passieren, um Charakterfortschritt im mechanischen Sinne herbeizuführen. Das ist der Punkt.
« Letzte Änderung: Gestern um 11:02 von Skaeg »
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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #18 am: Gestern um 11:07 »
Modernen Rollenspiele haben immernoch jede Menge Gemeinsamkeiten mit Ur-D&D. Modern sind eingentlich nur Dinge die sich von Ur-D&D stark unterscheiden. Insofern würde ich eher sagen 5. ist nicht modern.
Wie erwähnt, dieser Punkt wurde wohl einfach mißverstanden.

Zitat
Dem würde ich zustimmen, wobei nur 1 ein wirkliches Schwergewicht ist. 3 & 4 fallen glaube ich allgemeiner unter die Tendenz weg von der Simulation. Simulationistische Regelschwergewichte weil "D&D ja nicht realistisch ist" scheinen mir zumindest in den letzten Jahren seltener geworden zu sein.
"Simulationistisch" ist aber kein konkretes Regelparadigma.

Zitat
Denke 2 ist auch eine Folge eines höheren Anspruchs ans RPG Design.
Wenn man positiv wertet, ist das meistens das, was man mit "modern" in Verbindung bringt... aber auch "Anspruch" ist ja keine Beschreibung von Regelmechaniken.
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Offline unicum

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #19 am: Gestern um 11:43 »
Für mich vor allem, dass man sich nicht einarbeiten und keine Mühe geben muss. Alles muss sich gleich und sofort auf den ersten Blick erschließen.
Möglichst keine Zahlen oder Listen, sondern Worte. Weniger klare Regeln, mehr Handwedeln oder Aushandeln.
Mehr Bilder und weniger Text.

 ~;D

Irgendwie muss ja die moderne Jugend noch in der lage sein mitspielen zu können,... ich meine, wer erwartet heute denn noch das man ohne Taschenrechner (nur gültig als Handyapp weil ein echter rechner wäre ja sowas von "Verwesi") zwei Zahlen addiert und das auch noch fehlerfrei!

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #20 am: Gestern um 11:49 »
~;D

Irgendwie muss ja die moderne Jugend noch in der lage sein mitspielen zu können,... ich meine, wer erwartet heute denn noch das man ohne Taschenrechner (nur gültig als Handyapp weil ein echter rechner wäre ja sowas von "Verwesi") zwei Zahlen addiert und das auch noch fehlerfrei!

Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D

Offline Alexandro

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #21 am: Gestern um 12:10 »
Für moderne Mechanismen i.d.S.? XP-Vergabe für Spielerbeteiligung; Milestones; XP nach Fortschritt in der Story bzw. im Abenteuer etc.

Wenn sich die Spielenden mehr beteiligen, dann machen auch ihre Charaktere mehr.
Und bei Milestones/Storyfortschritt erzielen die SC jeweils merkliche Fortschritte in der Spielwelt ("Wir haben die Handlanger des bösen Nekromanten aufgehalten (Milestone) und die Pläne ihres Meisters zusammengepuzzelt (Milestone), jetzt müssen wir nur noch den Obernekromanten konfrontieren, während der sein Ritual umsetzt (nächster Milestone)").

Das mag nicht logisch oder realistisch sein, aber es sind konkrete Sachen in der Spielwelt, die Charaktere machen um voran zu kommen (unabhängig davon, wie lange die Spielenden am Tisch dafür brauchen).
Ohne Dramaturgie gibt es kein Drama.

Wer beim Rollenspiel eine Excel-Tabelle verwendet, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #22 am: Gestern um 12:21 »
Traditionell: In der Spielwelt muss deiner Spielfigur etwas bestimmtes passieren, um Charakterfortschritt im mechanischen Sinne herbeizuführen. Das ist der Punkt.

Ist jetzt eher eine Petitesse, aber die Milestones entsprechen den von Dir gut definierten traditionellen Vorgaben: Du besiegst/umschleichst/trickst aus die tyrannische Drachin - und lässt als Gruppe diesen Meilenstein hinter Dir. Noch zwei weitere Meilensteine, und dann ist Aufstieg. Das ist ja nur die vereinfachte Version von XP.

Unser „bedingungsloser Grundaufstieg“ alle 7 Spieltage ist von überwundenen Herausforderungen unabhängig und daher kein „traditioneller“ Mechanismus.

Offline Eleazar

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #23 am: Gestern um 13:43 »
Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D
Vor allem ist es mehr Meta-Gespräch im Spiel. Wenn eine Sache geregelt ist und alles es wissen und man nicht mehr drüber reden muss, habe ich mehr Zeit im Spiel fürs Spiel.

Offline Maarzan

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Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
« Antwort #24 am: Gestern um 14:04 »
Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D

Mein Eindruck ist hier dass "Wünsch-dir-as" mit Einfallsreichtum verwechselt wird und mehr Sozialkompetenz sehe ich da auch nicht.

Vor allem ist es mehr Meta-Gespräch im Spiel. Wenn eine Sache geregelt ist und alles es wissen und man nicht mehr drüber reden muss, habe ich mehr Zeit im Spiel fürs Spiel.
Eben und in der Lage zu sein sich vorher auf grundlegende Regeln zu einigen und sich dann auch daran zu halten, gehört auch zur Sozialkompetenz denke ich.

Bezgl. Fortschritte in der Spielwelt:
Ich glaube der Knackpunkt waren individuelle Steigerungen für ebensolche "Leistungen" in  der Spielwelt. Dies hat dann auch oft genau den Wettkampfgedanken in ein Spiel gebracht, welches ja eigentlich mehrheitlich zur Zusammenarbeit auf ein Ziel angelegt ist.

Zum eigentlichen Begriff: Das Problem dürfte daran liegen dass man das "modern" in (mindestens) drei Varianten sehen kann.

Die ich nenne es einmal künstlerisch oder experimentelle Sicht: Neu ist, was ein neues Erlebnis schafft, sei es durch eien Einzellneuerung oder eine so noch nicht gebebene neue Kompination, welche ein deutlich von altem abweichendes Erlebnis schafft. Der Fokus ist hier klar auf dem Neu, eine Qualitätsaussage ist nicht beinhaltet. Traditionellere Musik wird damit nicht künstlerisch gesehen unmodern.

Die technische Sicht: Es ist für die Lösung einer Aufgabe eine neue Variante erstellt worden, welche die alte Lösung für diese Aufgabe in ausreichendem Umfang besser erledigt ohne relevante Nachteile mit sich zu ziehen.
Wichtig ist dabei der Bezug zur Aufgabe.
Im rollenspielerischen Blickfeld heißt dies, dass der Vorteil aus der Sicht des jeweiligen Spielstils gesehen werden muss, nicht nach einem globalen Maßstab.

Die marktwirtschaftliche Sicht. Hier beschreibt "modern" den aktuellen Mehrheitsgeschmack (oder was man dafür gerade hält).
Wobei hier das Problem denke ich sowohl die beschränkte Marktforschung im Rollenspiel ist als auch die marktbeherrschende Stellung von D&D5e, was entsprechende Spielerzahlen meines Erachtens verzerrt, da die Wahrnehmung wie auch die Spielerfindung bezüglich anderer Spielsysteme so eingeschränkt ist.

Und Zoff gibt es wenn 1 oder 3 dann als Allgemeinaussage über Rollenspiel an sich als 2 verkauft werden soll.
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