Ebenso wird die Vorstellung der Hintergrundwelt meist umfangreich schon im GRW abgehandelt.
Das ist halt so ein Punkt, der gerade "die Großen" ganz besonders betrifft. Kleine Indie-RPGs haben oft eine Weltbeschreibung von ein paar Seiten oder gehen direkt in die "generisches Fantasy/SF/Dystopia, macht draus was ihr wollt"-Schiene, während D&D5 detailierte Erklärungen über den Lebenszyklus von Elfen inklusive Schöpfungsmythos oder SR die Beschreibung diverser Konzerne samt Standorten und wichtigen Persönlichkeiten mit reinpackt/reinpacken muss.
Da kommt es halt darauf an, wie "generisch" die Welt ist - umso absonderlicher die Welt (und ihre Bewohner), desto länger wird die Beschreibung. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, Opus anima hat eine Weltbeschreibung (das ist die normale Settingsbeschreibung,
ohne den ganzen übernatürlichen Kram) von etwas über 100 Seiten (inklusive Bildern).
Weil das alles zu viel wurde, hat es am Ende nur
ein Staat - imo der Langweiligste - ins Grundregelwerk geschafft. Ich hab nochmal locker dieselbe Anzahl Seiten an Hintergrundmaterial von Konzepten bis praktisch voll ausgeabreiteten Staatenbeschreibungen auf meiner Festplatte rumgammeln (insgesamt hat das Setting 15 Staaten, von denen die Mehrheit deutlich interessanter und ausgefallener ist als Schelfberg).
Ist die Welt abgefahren und Kreativität vorhanden, kann allein schon die Settingsbeschreibung schnell seeeeeeeeeeeeehr lang werden, bis zum Punkt wo sie praktisch ein eigenes Buch für sich sein könnte.
Mal aus Sicht eines Verlagsmitarbeiters, der auch direktes Mail-Feedback kriegt:
"Wieso habt ihr so wenig Waffen?" - "Spiel XY hat noch Sonderfertigkeiten, wo sind die bei euch?" - "Habt ihr keine Archtypen im GRW?" - "Nur 8 Monster im Starterbuch? Das ist ja nix!" - "Warum ist die Weltbeschreibung nur 30 Seiten?" - "Gibt es keine Tabelle zu Reisezeiten? Das ist ja so nicht spielbar." - "Wie ist denn der philosophische Unterbau der Religion?" - "Ihr habt den Kampf zu Pferd nicht gesondert erklärt." - "Jede Profession hat nur zwei Sachen am Anfang zu Auswahl? Das ist ein bisschen wenig Auswahl!" - "Macht mehr Professionen." - "Wieso kann ich keine Vampire in HeXXen spielen? Doof..." - "Wieso habt ihr bei DSK nur eine Auswahl an Katzenrassen? Ich mag aber ..."
Also zumindest den Ruf nach Archetypen/vorgefertigten Charakteren kann ich, gerade bei komplizierten Regelwerken, absolut nachvollziehen.
Ja, wenn man sich einen Charakter in unter 5 Minuten zusammenschrauben kann (Ratten! o.ä.) braucht man das nicht unbedingt, aber mit Regelsystemen wie D&D oder DSA kann man locker mehrere Stunden allein mit der Charaktererschaffung verbringen, v.a. auch weil man dank des Klassen-/Professionensystems weit vorausplanen muss, um später auch die nötigen Voraussetzungen zu haben, das zu bekommen, was man letztlich möchte.
Selbst ein "Schnellstart"-Testspiel ist da ohne vorgefertigte Charaktere kaum möglich.