Habe gerade "Inventing the Renaissance" von Ada Palmer ausgelesen. Sehr unterhaltsame Darstellung einer italienischen Renaissance (mit Schwerpunkt auf Florenz), die nicht ganz so gülden ist, wie sie aus heutiger Sicht anmutet. Der Mittelteil enthält biographische Porträts bekannterer (u.A. Michelangelo) und weniger bekannter Persönlichkeiten, verwoben mit dem allgemeinen Geschichtsteil. Das Kapitel zu Girolamo Savonarola hat mir besonders gefallen (und eignet sich wunderbar als Erklärkapitel zu Jo Waltons tollem Savonarola-Roman Lent). Zwischendurch habe ich als Nicht-Kenner der Materie ein bisschen den Überblick verloren, da das alles sehr nonlinear erzählt ist, aber im letzten Drittel konnte ich den Faden wieder aufnehmen und fand vieles mitreißend, lustig und sogar anrührend (gerade die letzten Kapitel, in denen die Autorin das gigantische Papstwahl-LARP beschreibt, dass sie jährlich mit ihrem Kurs veranstaltet, was dann überraschend emotional in die Frage nach Gestaltbarkeit von Geschichte und Fortschritt überleitet, haben mich in der Hinsicht begeistert).
Eine besondere Begeisterung hat die Autorin für Machiavelli, von dem sie eine sehr andere Lesart als die mir bislang vertraute hat (sie macht da auch einen interessanten Ausflug in die Ethik).