Meine Annahme ist, dass du der Verantwortliche für Myranor5e bist (Chefredakteur hieß das mal). Meine Frage lautet: Hast du im Vorfeld dazu bereits irgendeine Rollenspielpublikation veröffentlicht, die man quasi im Regal haben könnte?
Beantworte ich gerne. Und das heißt immer noch Chefredakteur

Was Verlagspublikationen angeht bin ich tatsächlich noch recht frisch (Einstieg bei Uhrwerk 2023).
Ich habe in den vergangenen Jahren einiges an Fanwerk gemacht, vor allem Konvertierungen (das resultierte stark aus meiner Rollenspiel-Selbstfindungsphase heraus, wo ich viel mit verschiedenen Systemen experimentiert habe).
Myranor mit Barbarians of Lemuria, Earthdawn mit Fate, Shadowrun mit Savage Worlds und Broken Compass und als mein Fanwerk-Opus magnum (und einzigem kommerziellen Produkt) eben ab 2018 Aventurien 5e im Scriptorium (Charakterbuch, Monsterhandbuch, NSC-Handbuch, ein Schnellstarter mit eigenem Abenteuer, mehrere Abenteuer-Adaptionen, ein Myranor-Spin-Off). Das stieß mit > 500 Verkäufen über die Jahre offenbar auf einiges Interesse (inzwischen habe ich die Bücher aber großteils offline genommen um Verwirrung mit der neuen Uhrwerk-Edition zu vermeiden). Es gab auch ein Interview dazu bei Orkenspalter TV. Infolge hat mich Nico von den Orkenspaltern dann mit Pat vom Uhrwerk-Verlag vernetzt.
Mein erster "Job" war dann die Regeladaption Aventurien => Dragonbane für Die grüne Ebene. Als Ulisses dann die ELF-Lizenz verkündet hat und Uhrwerk wieder Interesse hatte, Myranor weiterzumachen, entschieden sie, dass sie es nicht mit DSA5 machen wollten.
Es ging dann am Uhrwerk-Discord eine angeregt-produktive Community-Diskussion los (tatsächlich ganz ohne Grabenkämpfe), welche Systeme geeignet wären, da habe ich mich natürlich auch beteiligt. Pat hat mich dann gefragt, da ich ja schon Vorerfahrung mit DSA->5e-Convertierungen hatte, ob ich das übernehmen will. Die Gelegenheit habe ich ergriffen und gleich das CF geleitet. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass ich großteils alleine meine Fanwerk etwas überarbeiten werde (Oh Boy, habe ich mich da geirrt

). Das "Rückkehr nach Myranor"-CF kam dann sehr schnell und war das erfolgreichste CF für Uhrwerk bisher. Wir gehen da jetzt in die Abschlussphase und Auslieferung der Druckprodukte (womit es mein Erstprojekt Grüne Ebene überholt hat) und da war es naheliegend, auch Aventurien zu machen. Wir haben letztes Jahr noch testweise einen Aprilscherz zu Aventurien 5e rausgegeben, bei dem das Feedback selbst für uns überraschend überwältigend war: "klingt super, macht es!".

Als Autor war ich im Verlag bisher eben neben den Regeln in Die grüne Ebene (die jetzt soweit ich Einblick habe auch endlich flott in Richtung Veröffentlichung geht) vor allem maßgeblich am Myranor-Regelwerk, Myranor-Schnellstarter und der Myranor-Starterbox beteiligt (für die man schon einiges an Rezensionen in Text- und Videoform findet) und habe die Profilwerte im Myranor Monsterhandbuch gemacht. Ansonsten war ich die letzten Monate (nebenberuflich wie wir alle) vor allem Chefredakteur, Art-Director, CF-Manager und stark in der Community-Kommunikation aktiv.
Was meine Qualifikationen als Chefredakteur angeht habe ich einiges an Skills in Kommunikation, Organisation und dem Umgang mit Menschen aus meiner 18-jährigen Vereinstätigkeit mitgenommen und bin seit > 25 Jahren Fan von Aventurien und Myranor und sehr tief in der Lore drin (nur eben kein Fan des DSA-Regelsystems mehr). In die Verlagsarbeit wachse ich wie gesagt gerade erst rein, bei Uhrwerk ist man aber offenbar mit meiner Leistung bei Myranor zufrieden. Ich bin aber ein Teamplayer und habe in meinen Teams (unter anderem) auch einige Leute mit langer Verlagserfahrung wie Peter Horstmann, Jochen Willmann und Isabelle Jenneßen (und Eingangs auch noch Thomas Römer) bei Myranor und jetzt eben Jasmin Neitzel bei Aventurien 5e, die ja sogar Teil der DSA-Redaktion war (+Simon Würth und Bernd Ochs, die auch schon Erfahrung bei Ulisses gesammelt haben).
Und vielleicht zur Erklärung "wie die Welt funktioniert", weil das glaube ich ich aus manchen Kommentaren erkennbar immer noch nicht allen verständlich ist (hier und anderswo, allgemeine Information, unterstelle ich dir @Megavolt nicht automatisch): Europäische Verlage sind üblicherweise keine Konzerne. Autor:innen und Redaktionen sind großteils einfach Fans, die bereit sind, mehr zu machen (meist nebenberuflich), um ihr Hobby zu bereichern und dafür eine im Vergleich mit anderen Jobs sehr überschaubare Entlohnung erhalten. Die Ausnahmen im deutschen Raum kann man wahrscheinlich an ein bis zwei Händen abzählen.
Bei einem neuen Projekt sind die Fragen also immer a) findet sich jemand, der es machen kann und will? und b) ist es wahrscheinlich einigermaßen wirtschaftlich? DSA5 oder BRP wäre bei Uhrwerk z.B. keine Option, weil sich aktuell im Verlagsumfeld einfach keine Leute finden, die das Interesse haben, wirklich etwas damit zu machen.
Das ist etwas, was die "Warum macht ihr nicht stattdessen XY?"-Rufenden oft vergessen (die dann üblicherweise ja nicht direkt anbieten, es zu machen).
Also zusammengefasst: Ich hatte Fanwerk-Vorerfahrung als Autor und Erfahrung aus dem Vereinswesen für Team- und Projektführung, ich kannte das Regelsystem und die Welt sehr gut, ich habe mich gut mit Leuten im Verlag und in dessen Umfeld verstanden und vor allem: Ich war schlicht und einfach bereit, es zu machen.