Autor Thema: Bezahltes Spielleiten?  (Gelesen 38066 mal)

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Online Namo

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #425 am: Heute um 08:36 »
Ich hab generell ein Problem mit neuen Bekanntschaften. Warum ich auch oft viel länger mit Spielern spiele die gar nicht so recht zu meinem Spielstiel passen. Was mich auch davon abgehalten hat Jahrelang eine weitere Tischrunde an den Start zu bringen. Auf einer Con zu leiten wäre auch gar nix für mich. Als Bezahlter Spielleiter hätte ich ja laufend diese Situation.
Und ich leide unter einem verbreiteten Spielleiter Problem. Das Gefühl es nicht gut genug zu machen. Was es echt Hart machen würde einen angemessenen Geldbetrag festzusetzen.

Ich fühle dich  :)

Online Maarzan

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #426 am: Heute um 08:48 »
Bezahlen würde ich theoretisch für eine Tutorialrunde in verschiedenen exotischen (und eher älteren) Spielsystemen. Aber ob es dafür dann das Angebot gäbe und die notwendige Zahl Mitspieler um die Kosten in einen akzeptablen Rahmen zu drücken?
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Offline KhornedBeef

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #427 am: Heute um 09:31 »
Never send a human to do a machine's job. Ich halte jetzt etwas durch, bis sich da die beste LLM-Lösung gefunden hat, die wir dann dann auch günstig.
So ein Event ist sicher spaßig (auch unter dem Gesichtspunkt den Marzahn nennt) aber etwas anderes als meine Runde mit meinen Leuten, und das würde ja 100% meiner Rolloausgaben binden. Wenn ich einfach mit ein paar Leuten mal ein Abenteuer durchspielen will, passt die Maschine besser, vermute ich.

Und nur um das klarzustellen, von wegen anstrengend und Burnout: das ist mit der Preisstruktur deutlich gechillter als viele ähnlich bepreiste Jobs. Nicht ganz "Surflehrer" aber auch nicht höllisch.
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Offline Prisma

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #428 am: Heute um 09:33 »
Zwiespältige sehe ich das eigentlich auch eher nicht. Wie immer gilt: Es ist jedem seine Sache. Zum einen ist der Aufwand den man als Spielleiter für die Hobbyrunde betreibt ja kaum in Geld zu ermessen. Zum anderen würde es mir als SL vermutlich den Spaß am Hobby nehmen, wenn ich es professionell machen würde. Und dann ist es vermutlich auch wie im Spitzensport. Da wird es nur wenige geben, die am Ende dauerhaft davon leben können.

Ich meine wenn ich mir nüchtern deutsch das obige Beispiel durchrechne, klingt das nicht nach viel für mich. 4 Spieler, 3 Stunden für insgesamt 120 Euro. Das ist doch eher ein besseres Trinkgeld. Selbst wenn für Vor- und Nachbearbeitung nur 1 Stunde insgesamt drauf ging, wären das 4 Stunden für 120 Euro. Vielleicht mal pauschal 10 Euro abgezogen für Kosten, sind das 110 Euro. Davon ausgehend, dass ein Klischee EDVler das neben seiner Anstellung in einem Nebenerwerb macht, hat der für die Einkünfte einen Einkommensteuersatz von schnell 40 Prozent. Was bedeutet, der hat dann je Sitzung 66 Euro - oder einen Nettostundelohn von 16,50 Euro. Sobald er etwas mehr Aufwand für Vor- und Nachbearbeitung (z.B. Email/whatsapp etc. mit Spielern, doch mehr Abenteuervorbereitung) hat, geht der Ertrag natürlich deutlich in die Kniee. Das ist für so ein kreatives und zuweilen auch anstrengendes Hobby dann doch nicht wirklich viel.

D.h. wenn man das richtig monetarisieren will, muss man schon wieder zu den Besten gehören, die höhere Sätze verlangen können. Was natürlich den Aufwand wieder hoch treibt und auch die Gefahr eines SL Burnouts. Ich kann mir auf jeden Fall kaum noch vorstellen, dass das dann dauerhaft noch selbst Spaß macht.

Du sagst es! Die paar Kröten die man als GM-for-Hire einnimmt reichen dann für die zwei nächsten Regelwerke und nen Burger bei Macces. Was ich meine ist: diese Dienstleistung ist oft viel zu billig!

Es reicht aber nicht gut zu sein, bzw. das ist in diesem Geschäft nicht der wirkliche Kern. Man muss bekannt/berühmt werden, um dann pro Runde bis zu 2000 Dollar einzunehmen, wie mache D&Dtuber in der 5E-Hochzeit, die auch GM-for-Hire waren. Dann erst lohnt es sich. Da ist es völlig egal ob man gut ist, man darf nur nicht scheisse sein, so dass die Spieler mit dem Gefühl rausgehen dass "es gut war (weil ich bei Person Xy gespielt habe)". Den Rest redet man sich mit der sunk cost fallacy zu recht. 

Noch besser ist: man macht es wie Critical Role und andere kleinere und nutzt den Sweetspot der gelangweilten und faulen Allgemeinheit, die lieber zuguckt als selbst zu spielen/zu lesen/zu leiten. Und skaliert dann mit eigenem Merch-Shop, Patreon usw. Das kann man dann auch mit Freunden machen und muss sich nicht auf fremde Personen einstellen, wenn man das nicht möchte oder kann. Der Nachteil ist, dass man dann die Einnahmen aufteilen muss.   

EDIT: Typo

« Letzte Änderung: Heute um 09:37 von Prisma »
Mit einem 7er-Set, stehen ganze Universen offen.

Online Skaeg

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #429 am: Heute um 10:38 »
Und dennoch spielst du Rollenspiele. Ohne die ganze Monetarisierung hätte es die nie gegeben. Das wäre noch viel schrecklicher.
Das ist kein Vergleich von Äpfeln und Birnen, das ist ein Vergleich von Äpfeln und Bienenstöcken.

Dass das Spielmaterial bzw. die Ausrüstung Geld kosten, bedeutet bei Brettspielen und sportlichen Freizeitaktivitäten ja auch nicht, dass man Spielpartner für Geld anheuert.
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Online Maarzan

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #430 am: Heute um 10:41 »
Du sagst es! Die paar Kröten die man als GM-for-Hire einnimmt reichen dann für die zwei nächsten Regelwerke und nen Burger bei Macces. Was ich meine ist: diese Dienstleistung ist oft viel zu billig!

...

Es steht jedem frei mehr dafür zu nehmen und umgekehrt steht es jedem frei dann auf diesen Dienst zu verzichten. "zu teuer" oder "zu billig" gibt es im privaten Unterhaltungsbereich eigentlich nicht.
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Online Skaeg

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #431 am: Heute um 10:48 »
Ich meine wenn ich mir nüchtern deutsch das obige Beispiel durchrechne, klingt das nicht nach viel für mich. 4 Spieler, 3 Stunden für insgesamt 120 Euro. Das ist doch eher ein besseres Trinkgeld. Selbst wenn für Vor- und Nachbearbeitung nur 1 Stunde insgesamt drauf ging, wären das 4 Stunden für 120 Euro. Vielleicht mal pauschal 10 Euro abgezogen für Kosten, sind das 110 Euro. Davon ausgehend, dass ein Klischee EDVler das neben seiner Anstellung in einem Nebenerwerb macht, hat der für die Einkünfte einen Einkommensteuersatz von schnell 40 Prozent.
Das ist in zweierlei Hinsicht eine Milchmädchenrechnung.
a.) Wenn man gut spielleiten will, investiert man mehr als eine Stunde Vorbereitungszeit für eine Session. Ich bin oft (nach meinem Empfinden) erschreckend unzureichend vorbereitet und muss viel improvisieren, obwohl ich mich länger vorbereite. Eine Stunde reicht ja kaum für die technische Vorbereitung, geschweige denn, um produktiv zu werden.
b.) In die andere Richtung: Der Durchschnittssteuersatz für ein Jahreseinkommen von 100K Euro(!) beträgt ~32%. Den Posting demonstriert entweder ein mangelndes Verständnis des Steuersystems oder der typischen Einkommensverhältnisse (das Thema, dass sich hierzulande gerne die einkommensstärksten 10% für arme Kirchenmäuse halten, hatten wir ja in einem anderen Zusammenhang schon...)
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Online Tele

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #432 am: Heute um 10:49 »
Ich bin da voll bei Namo. Wie viele Leute mich schon gefragt haben, ob ich für sie nicht mal eine Kampagne leite. "Wir würden gern mal MYZ ausprobieren. Bei uns hat aber noch nie einer gleitet. Du machst das doch seit 20 Jahre jede Woche"

Ich war mal eine Zeitlang so dumm und habe 4(!) Runden wöchentlich geleitet. Alles unterschiedliche Spiele. Das hatte mit Spaß nichts mehr zu tun.

Ich hatte mir die Regeln draufgepackt, mir die Abenteuer ausgedacht oder gelesen und musste immer hellwach am Tisch sein. Und dann noch als Mediator die unterschiedlichen Spielerpersönlichkeiten einfangen.

Der Höhepunkt war der Anruf von einem Bekannten: "ein paar Freunde und ich wollen Shadowrun zocken. Ich habe denen gesagt, du bist der beste SL überhaupt. Wir spielen dienstags. Leite doch nochmal Renraku wie vor 10 Jahre für unsere alte Runde. Fänden die Jungs auch cool." Ich kannte die "Jungs" nicht mal.

Den habe ich nach Geld gefragt (jeder 15€/Std.). Da war der auch noch angepisst...

Offline tarinyon

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #433 am: Heute um 10:55 »
Es steht jedem frei mehr dafür zu nehmen und umgekehrt steht es jedem frei dann auf diesen Dienst zu verzichten. "zu teuer" oder "zu billig" gibt es im privaten Unterhaltungsbereich eigentlich nicht.

Da ist das Finanzamt anderer Ansicht. Ich spiele hier gerne nochmal die Spaßbremse und verweise darauf, dass jeder, der regelmäßig seine Dienstleistung als SL im Internet anbietet, gewerblich tätig ist und daher 1) ein Gewerbe anmelden muss und 2) seinen Gewinn versteuern muss. Wenn man immer nur ein paar Öcken einnimt, dann wird das Finanzamt irgendwann unterstellen, dass du da keine Gewinnabsicht hast. Da muss man dann aufpassen, dass man nicht zu viel Ausgaben anführt. Das Finanzamt kann das übrigens auch rückwirkend machen.

Und wer jetzt sagt: stimmt alles nicht, muss man nicht versteuern bzw. das sind Honorare. Könnt ihr ja gerne so machen, aber das ist dann halt Steuerhinterziehung. Viel Spaß beim Nicht-Erwischt-Werden.

Mein Verdacht: viele der Quasi-Vollzeit-SLs im Internet machen das schwarz, so wie die ganzen Wiederverkäufer auf Kleinanzeigen. Ob aus Unwissenheit oder mit voller Absicht ist übrigens egal. Sobald ich Kohle für etwas verlange, sollte ich mich vorher informieren und professionell agieren. Da kann man nachher nicht mit Hobby usw. argumentieren. Am besten holt man sich auch noch ne Rechtsschutz-Versicherung.

P.S. Bei der Steuer beziehe ich mich übrigens ausschließlich auf die Einkommensteuer. Ob man Gewerbesteuer zahlen muss und Umsatzsteuer, steht nochmal auf einem anderen Blatt und betrifft die meisten Kauf-SLs nicht.
« Letzte Änderung: Heute um 10:58 von tarinyon »

Online Eismann

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #434 am: Heute um 10:57 »
Ich meine wenn ich mir nüchtern deutsch das obige Beispiel durchrechne, klingt das nicht nach viel für mich. 4 Spieler, 3 Stunden für insgesamt 120 Euro. Das ist doch eher ein besseres Trinkgeld. Selbst wenn für Vor- und Nachbearbeitung nur 1 Stunde insgesamt drauf ging, wären das 4 Stunden für 120 Euro. Vielleicht mal pauschal 10 Euro abgezogen für Kosten, sind das 110 Euro. Davon ausgehend, dass ein Klischee EDVler das neben seiner Anstellung in einem Nebenerwerb macht, hat der für die Einkünfte einen Einkommensteuersatz von schnell 40 Prozent. Was bedeutet, der hat dann je Sitzung 66 Euro - oder einen Nettostundelohn von 16,50 Euro. Sobald er etwas mehr Aufwand für Vor- und Nachbearbeitung (z.B. Email/whatsapp etc. mit Spielern, doch mehr Abenteuervorbereitung) hat, geht der Ertrag natürlich deutlich in die Kniee. Das ist für so ein kreatives und zuweilen auch anstrengendes Hobby dann doch nicht wirklich viel.

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Offline KhornedBeef

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #435 am: Heute um 10:58 »
Ehrliche Frage: wenn das Finanzamt sagt, mag habe keine Gewinnabsicht, dann ist das doch Liebhaberei und abgabenfrei, oder?
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Online Namo

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #436 am: Heute um 10:59 »
Das ist in zweierlei Hinsicht eine Milchmädchenrechnung.
a.) Wenn man gut spielleiten will, investiert man mehr als eine Stunde Vorbereitungszeit für eine Session. Ich bin oft (nach meinem Empfinden) erschreckend unzureichend vorbereitet und muss viel improvisieren, obwohl ich mich länger vorbereite. Eine Stunde reicht ja kaum für die technische Vorbereitung, geschweige denn, um produktiv zu werden.
b.) In die andere Richtung: Der Durchschnittssteuersatz für ein Jahreseinkommen von 100K Euro(!) beträgt ~32%. Den Posting demonstriert entweder ein mangelndes Verständnis des Steuersystems oder der typischen Einkommensverhältnisse (das Thema, dass sich hierzulande gerne die einkommensstärksten 10% für arme Kirchenmäuse halten, hatten wir ja in einem anderen Zusammenhang schon...)
a.) Ich habe mir überlegt wie der maximal geringste Aufwand für einen "Profi" aussehen könnte. Hier sind ja einige die nach dem Lazy DM leiten und umgekehrt denke ich, dass du das ein und selbst Abenteuer und dessen Vorbereitung mehrmals auf den Tisch bringen wirst. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass du grundsätzlich mehr Zeitaufwand haben wirst. Ich habe nur mal das best case Szenario bei der Gebühr gerechnet.
b.) Da muss ich doch lachen und sehe wieder, dass wir eben im Internet sind, wo man etwas in den Raum als Fakt stellen kann und jemanden Expertise abspricht ohne vorher gefragt zu haben. Da ich 2008 die nicht so ganz leichte Prüfung zum Steuerberater abgeschlossen habe, maße ich mir mal an "etwas" mehr Ahnung vom deutschen Steuersystem und auch recht viel Ahnung von Unternehmenskennzahlen zu haben. Und gerade mit dem Durchschnittssteuersatz zu rechnen ist eben genau der falsche Ansatz und unternehmerisch fatal. Es geht immer um den Grenzsteuersatz. Also den Steuersatz, den du gedanklich mit dem letzten verdienten Euro zu zahlen hast. Und da bist du eben recht schnell. Ein Lediger mit etwa 70K Brutto im Jahr liegt schon im Spitzensteuersatz von 42%. D.h. ab etwa dem Bruttogehalt wird jeder Euro den du verdienst mit 42% Steuer zuzüglich gegebenenfalls Kirchensteuer und dann auch beginnend, mit Solidaritätszuschlag versteuert. Da hilft dir deine Durchschnittssteuersatzüberlegung nicht mehr viel.

Offline tarinyon

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #437 am: Heute um 11:05 »
Ehrliche Frage: wenn das Finanzamt sagt, mag habe keine Gewinnabsicht, dann ist das doch Liebhaberei und abgabenfrei, oder?

Das Problem ist, wenn du vorher bei der EÜR Dinge als Betriebsausgaben angegeben hast. Dann musst du ggf. Steuern nachzahlen, aber manchmal sogar trotzdem deine Gewinne versteuern. Und das kann mehrere Jahre zurückgehen. Außerdem hast du dann reale Kosten, die du nicht von der Steuer absetzen konntest, wo du aber davon ausgegangen bist, dass dir diese Kosten nicht "in echt" entstehen. Dadurch schmälert sich der Gewinn ja nochmal mehr.

Klar, wer gar nicht plant, Ausgaben anzusetzen, für den ist es Wurst. Ich bezweifle aber, dass es sich dann überhaupt lohnt. Außerdem ist man nicht auf der sicheren Seite. Das Finanzamt kann ja (soweit ich weiß) bis zu 10 Jahre im Nachhinein auf Steuerhinterziehung prüfen. Also würde ich das immer anmelden, weil man selber gar nicht entscheiden kann, ob es Liebhaberei ist. Man sollte sich also gut überlegen, was man macht. Ich wiederhole: sobald man für eine Dienstleistung Geld nimmt, ist es nicht mehr Jucks und Tollerei. Und das Problem ist ja schon entstanden, wenn du einmal schon Kohle angenommen hast, aber z.B. noch kein Gewerbe angemeldet hast.

P.S. Trinkgeld muss man übrigens als Selbstständiger ebenfalls versteuern, nur falls die Spieler den SLs "tippen" sollten.
« Letzte Änderung: Heute um 11:07 von tarinyon »

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #438 am: Heute um 11:16 »
Also den Steuersatz, den du gedanklich mit dem letzten verdienten Euro zu zahlen hast.
Dieser Gedanke ist aber halt Unsinn, weil der Spitzensteuersatz nicht auf Einkommen aus bestimmten Quellen, sondern eben auf die Einkommensteile über der Grenze entfällt, ohne dass die einer Tätigkeit zugeordnet werden. Du kannst mit der gleichen Logik behaupten, dass du auf deine SL-Honorare gar keine Einkommenssteuer bezahlst.

Aber auch das betrifft wie gesagt unter 10% der Erwerbstätigen: ~46 Mio Erwerbstätige gegenüber ~4 Mio, die auf einen - auch nur auf einen geringen - Teil ihres Einkommens die 42% zahlen. Oberschicht, die sich für untere Mittelschicht oder gleich für Hungerleider hält, hatten wir wie gesagt hier schon mal. Und ja, wir sind hier im Internet, wo dieses Oberschichtennarrativ gerne kritiklos nachgeplappert wird.
« Letzte Änderung: Heute um 11:19 von Skaeg »
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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #439 am: Heute um 11:41 »
Da ist das Finanzamt anderer Ansicht. ...
Die Bürokratie hatte ich in der Detailtiefe tatsächlich nicht auf dem Plan.  :d
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Online bobibob bobsen

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #440 am: Heute um 12:11 »
Zitat
Aber auch das betrifft wie gesagt unter 10% der Erwerbstätigen: ~46 Mio Erwerbstätige gegenüber ~4 Mio, die auf einen - auch nur auf einen geringen - Teil ihres Einkommens die 42% zahlen. Oberschicht, die sich für untere Mittelschicht oder gleich für Hungerleider hält, hatten wir wie gesagt hier schon mal. Und ja, wir sind hier im Internet, wo dieses Oberschichtennarrativ gerne kritiklos nachgeplappert wird.

Ich bin vom Fach und sage dir das du das entweder unglücklich ausgedrückt hast oder es schlicht Falsch ist. Am Ende des Jahres werden alle Einkünfte zusammengerechnet und du zahlst dann den Steuersatz der auf diese Gesamtsumme fällig wird. Bei Kapitaleinkünften gibt es ein Wahlsystem . Solltes du Zahlung erhalten haben die dem Progessionsvorbehalt unterliegen wid dein Einkommen sogar zu einem höheren Steuersatz besteuert.

Ob es sich um ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit handelt müsste man abklären. Hängt davon ab wieviel Eigenes man erstellt. Als Freiberufler reicht eine Meldung ans Finanzamt, man benötigt keine Gewerbeanmeldung.

Offline Blechpirat

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #441 am: Heute um 12:28 »
Bitte keine allgemeinpolitischen Posts.

Online Skaeg

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #442 am: Heute um 12:38 »
Ob es sich um ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit handelt müsste man abklären. Hängt davon ab wieviel Eigenes man erstellt. Als Freiberufler reicht eine Meldung ans Finanzamt, man benötigt keine Gewerbeanmeldung.
Naja. Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit freiberuflichen Nebentätigkeiten (bei ansonsten unselbstständiger Tätigkeit) wäre allein der bürokratische Aufwand schon abschreckend genug, um Erwägungen wie "Naja, ein paar hundert Euro fürs Spielleiten kann man ja mitnehmen" zu meiden.

Wenn, dann müßte es sich schon wirklich lohnen. Aber Milchmädchenrechnungen hin oder her: Im Grunde ist das bezahlte Spielleiten eine Honorartätigkeit, für die man keine formalen Qualifikationen benötigt. Dafür sind 30 Euro Brutto in der Stunde, wie es hier postuliert wurde, nicht wenig.

P.S.: Allgemeines siehe PM.
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Online Namo

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #443 am: Heute um 12:50 »
Dieser Gedanke ist aber halt Unsinn, weil der Spitzensteuersatz nicht auf Einkommen aus bestimmten Quellen, sondern eben auf die Einkommensteile über der Grenze entfällt, ohne dass die einer Tätigkeit zugeordnet werden. Du kannst mit der gleichen Logik behaupten, dass du auf deine SL-Honorare gar keine Einkommenssteuer bezahlst.

Das ist kein Unsinn, da du selbst einen kleine Denk- oder Lesefehler machst. Es ist tatsächlich egal welches Einkommen zusätzlich entsteht bzw. woher es stammt. Weil es natürlich in einen Topf geworfen wird. Auf dieses wird aber der für dich aktuell gültige Grenzsteuersatz angewendet.  Bekommst du zum Beispiel 100 Euro im Monat Gehaltserhöhung wird das eben nicht mit deinem Durchschnittssteuersatz versteuert, sondern mit deinem Grenzsteuersatz. Auf irgendwelche politischen Statistiken brauchen wir hier nicht einzugehen. Es geht alleine um den Unterschied Durchschnittssteuersatz (einfacher Dreisatz zwischen deinem zu versteuernden Einkommen zu Gesamtsteuer) zu Grenzsteuersatz (wie wird der letzte Euro versteuert den du verdient hast?) Der deutsche Steuersatz steigt in zig kleinen Stufen immer weiter an.

Um es griffiger zu machen, von einem ledigen, SV-Pflichtigen Arbeitnehmer mit 50.000 Euro Bruttogehalt ohne Besonderheiten (also keine nennenswerten Kosten die er für die Anstellung geltend machen kann) ausgehend, so hat dieser eine Jahressteuerbelastung von rund 7.000 Euro. Das sind im Durchschnitt za. 18% in der Spitze aber etwas mehr als 31%. Erhält er nun 100 Euro mehr Gehalt je Monat, wird die Steuer hierauf sich auf 31 Euro belaufen - und nicht auf 18 Euro.

Somit muss genau das immer die Überlegung für eine Rentabilität zusätzlicher Einnahmen sein. Wie hier eines bezahlten SL Jobs.