Autor Thema: [MERS/Rolemaster] Legenden von Calanor  (Gelesen 3495 mal)

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Re: [MERS/Rolemaster] Legenden von Calanor
« Antwort #25 am: 31.08.2025 | 12:14 »
Abend 18 Der große Rat Teil 3

Unheimlich stand es da in der Dunkelheit. Das Waisenhaus in dem sie die entführte Astara vermuteten.

Die Gruppe aus Caryen, Nerestro und Andara– näherten sich vorsichtig. Nicht durch die Tür, sondern über einen Balkon im dritten Obergeschoss drangen sie ein. Aus dem Untergeschoss vernahmen sie Kindergesänge, einen düsteren Reim, gesungen zu Ehren ihres „Vaters“. Dies bestärkte die Helden darin, zunächst im Verborgenen zu agieren. Auch wenn sie nicht so recht wussten, wie sie genau vorgehen wollten, so war ihr Ziel klar: zunächst unentdeckt das Haus zu erkunden. Doch schon wenige Minuten später sollte dieses Vorhaben spektakulär scheitern.

Die Räume, die sie durchstreiften, wirkten zwar bewohnt, und doch lag über allem eine unheimliche Präsenz – als würde das Haus selbst auf seine eigene Art leben. Nein, dies war kein gewöhnliches Waisenhaus. Aber wie hing das mit Astaras Entführung zusammen?

In einem Vorflur des Treppenhauses begegneten sie einem verstörten Mädchen namens Ivetta, die ihren Teddybären im Arm hielt. Sie saß da in einer Ecke an einer Mauer und warnte die Gruppe vor dem Vater. Der Weg zu ihm, so sagte sie, würde durchs Dachgeschoss in die Tiefe führen. Dorthin, wo er alles und jeden verschlingen würde. Weiter kamen sie nicht, denn Caryen spürte eine unheilige Präsenz in einer dunklen Ritterrüstung die hier zur Zierde stand. Doch die Augen des wolfsförmigen Helms schienen ihn anzublicken. Er versuchte, die Rüstung zu zerstören, ehe sie Unheil anrichten konnte. Doch genau damit beschwor er das Unheil herauf. Flammen loderten im Inneren auf, und es kam zum Kampf, der im ganzen Haus nicht unbemerkt blieb.

Schlimmer noch: Caryen wurde schwer verletzt, eine Bürde, die ihn während des gesamten Aufenthalts verfolgen sollte. Kurz vor Ende des Kampfes trafen seine Augen die des Mädchens. Sie blickte ihn seltsam eindringlich an, stand auf – und verschwand einfach durch die Mauer. Nur ihr Teddybär blieb hängen und fiel zu Boden. Erst jetzt begriffen sie, dass sie längst tot war. Ein Geist – gefangen in einem Haus, das Kinder verschlang.



Die Bewohner des Hauses schienen sich auf den Weg zu ihnen zu machen. In Eile untersuchten sie die Mauer durch die Ivetta verschwunden war und fanden eine Geheimtür zu einem Treppengang der ins obere Stockwerk führte. Hierin versuchten sie sich zu verstecken, damit Caryen seine Wunden heilen konnte. Doch die Wesen, es konnten keinen Menschen sein, versammelten sich schon vor der Geheimtür. Um Zeit zu gewinnen, beschwor Andara eine Wand aus Feuer. Es gelang: Die Gruppe floh tiefer in das Haus hinein, suchte Schutz – und fand das Grauen.


Im Dachgeschoss entdeckten sie ein Kinderzimmer indem zwei kleine Skelette lagen – die Überreste von Ivetta und ihrem Bruder Sogred. Wieder erschien Ivettas Geist, trauernd um ihren Bruder saß sie auf einem Bett. Sie erfuhren ein wenig aus der Vergangenheit des Hauses. Der Keller, auf dem das Gebäude errichtet war, existierte schon länger und war verwunschen. Er hatte die Aufmerksamkeit ihres Vaters erregt – und die eines Mannes mit silberner Maske. Dieser Fremde hatte den Vater zu unheiligen Taten verführt.

Mehr noch: Die Helden fanden Hinweise, dass der Mann mit dem „Kommen des Vaters“ – Nomed – in Verbindung stand. Ivetta berichtete, dass dieser und seine Getreuen sich in Monster verwandelt hätten. Ihre Eltern hatten sie und ihren Bruder daraufhin in ihrem Zimmer zum Schutz eingesperrt. Doch es war das letzte Mal, dass sie ihre Eltern sahen. Die Tür öffnete sich nie wieder. Die Kinder verhungerten qualvoll in der Hoffnung, dass ihre Eltern zurückkehren würden.

War mit dem Fremden etwa Valkrist gemeint? Dienten ihm die Bewohner des Hauses? Schon bei der Begegnung in Schloss Varantir hatte er die Hilfe von Dämonen genutzt. War er also mehr als nur Yrons Leibwächter? Mehr Geheimnisse schienen im Haus verborgen. Und das würden sie auch bleiben, da keine Zeit war tiefer zu suchen. Zum Schluss erwähnte Ivetta einen Brunnen, eine Quelle. Der Fremde versprach hieraus Macht aus einer anderen Welt. Doch ihr war klar, dass dieser Ursprung allen Übels war das über ihre Familie kam. Er musste zum Versiegen gebracht werden.

Andara untersuchte das Puppenhaus und stellte fest, dass es eine exakte Miniatur des realen Gebäudes war. Und darin entdeckte er eine geheime Wendeltreppe, die aus diesem Stockwerk hinab führte. Sie suchten und fanden sie. Schnell eilten sie diese hinunter, den schon wieder hörten sie die krächzenden und sadistischen Stimmen der Wesen die sie verfolgten.

Der Keller roch nach altem Blut, nach nasser Erde und Wahnsinn. Die Dunkelheit war nicht einfach Dunkelheit – sie war hungrig und verschluckte Licht. Um Caryens Herz schloss sich ein Druck - Tharon schien ihn zu warnen. Auch Andara spürte ein Flattern in der Magengrube. Und er roch etwas. Den gleichen Geruch wie damals, als sie den Schattenstein in einer anderen Existenzebene den Schattenwesen übergaben. Schwächer, aber unverkennbar derselbe.

Sie folgten dem Geist eines Jungen, den sie von einem Familienbild erkannten: Sogred. So fanden sie die Familiengruft der Drunors. In der Mitte die Särge der Eltern, daneben die leeren Särge der Kinder. Ivetta und Sogred standen traurig davor, ehe sie flohen. Caryen sprach stumm ein Gebet. Er wusste, was zu tun war – doch es war keine Zeit.

Tiefer drangen sie vor. Sie fanden einen geschändeten Altar Tharons. Verkrustetes Blut überall im Raum. Gelbe Stoffbahnen hingen an den Wänden und überall prangte ein unbekanntes Zeichen. Schließlich erreichten sie eine alte Tür, verziert mit demselben Zeichen und Runen. Nur Caryen und Andara konnten diese entziffern. Es war eine Warnung vor dem König in Gelb. Doch sie waren zu weit gekommen, um jetzt umzukehren.



Egal wie geschwächt sie zu diesem Zeitpunkt schon waren und wie sehr ihr Geist schon in Mitleidenschaft gezogen war - sie betraten einen Raum mit einem großen, seltsam leuchtenden Wasserbecken. In der Mitte ein Wasserspeier.

Hier war der Brunnen, der Riss zwischen den Welten. Plötzlich brodelte das Wasser, Portale öffneten sich, Tentakel brachen hervor und griffen an. Andaras Magie vernichtete die ersten, doch es folgten immer neue. Die Helden flohen durch eine Seitentür in einen großen Saal – und dort erschien er. Nomed, der Dämon – er war zum Avatar des Königs in Gelb geworden – ein Albtraum aus Tentakeln, Stimmen und fremder Magie.



Ein verzweifelter Kampf entbrannte. Caryen, von Tharons Licht erfüllt, stellte sich ihm entgegen, brennend wie eine Fackel in der Dunkelheit. Andara fand in Nebenräumlichkeiten Astara und eine Leiter die zu einer Falltür in der Decke führte. Ein Fluchtweg? Nerestro fand inzwischen den Mechanismus, den Hebel, der hoffentlich den Brunnen versiegeln konnte. Caryen konnte nicht mehr länger widerstehen obwohl Andara ihm zu Hilfe eilte. Schmerzen im ganzen Körper und auch Andara spürte die Wankelmütigkeit der Magie im Moment der eigenen Erschöpfung. Wütend betrachtete der König in gelb den Paladin vor sich, ehe Andara seine Blicke auf sich spürte. „Duuuu!?!?!“ hörte er. Eine Frage, Erstaunen oder einfach nur Wut? Er wusste es nicht.

„Klack“ Der Hebel war umgelegt. Das Wasser versiegte. Alle unheilige Magie zog sich aus den Steinen, dem Gemäuer, der Luft, dem ganzen Gebäude wie eine Implosion zum König in Gelb hin. Das Wesen schrie – und eine Explosion von Dunkelheit folge, als er in sich zusammenfiel. Die Gruppe atmete durch. Sie hatten ihn vertrieben.

Doch zum Schrecken der Gruppe war es nicht vorbei. Dort wo der König in Gelb zuvor stand, erhob sich jetzt Nomed Garven, der „Vater“. Nicht mehr in der unheilig gesegneten Gestalt des Königs in Gelb, sondern in seiner wahren Gestalt. Kein Mensch mehr, sondern ein Dämon aus einer anderen Welt. Die Helden kämpften erneut – erschöpft, verletzt, doch entschlossen. Und sie siegten, bezwangen den Dämonen mit Stahl und Feuer.



Gemeinsam mit Astara flohen sie über die Leiter, die sie in ein Kinderzimmer im Erdgeschoss des Waisenhauses führte. Doch nun hörten sie wieder die krächzenden Stimmen der Dämonen die scheinbar wieder ihre Präsenz wahrgenommen hatten. Schnell flüchteten sie durch ein Fenster in die Dunkelheit der Nordgasse.

Dort brachen sie zusammen, als das Haus hinter ihnen außer Sicht war. Nie hatten sie solche Schmerzen und geistige Erschöpfung erfahren. Doch sie hatten überlebt. Und Astara war in Sicherheit.

Hinter dem Spielleiterschirm Die beiden Beiträge befassen sich mit dem "technischen" zum Abenteuer.

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Offline Namo

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Re: [MERS/Rolemaster] Legenden von Calanor
« Antwort #26 am: 29.09.2025 | 14:09 »
Abend 19 Interludium Teil 1

Astara war noch gezeichnet von ihrer Gefangenschaft und sprach den Helden ihren Dank aus. Sie bat darum, sie am folgenden Tag zu besuchen. Doch sowohl sie als auch die Gefährten waren erschöpft. Schlaf war das, was alle am dringendsten brauchten.

Am nächsten Morgen wachten die drei Freunde auf und hingen noch immer den Gedanken an die Geschehnisse der vergangenen Nacht nach.



Zunächst suchten sie Lordkommandant Eldiril auf. Er war erleichtert, als sie ihm von Astaras Rettung berichteten. Eldiril befahl seinen Männern, Derenai Aldarion freizulassen und kein Wort über die Geschehnisse der Nacht zu verlieren. Niemand durfte davon erfahren – nicht jetzt, da das Reich am Abgrund balancierte. Doch die Frage blieb im Raum: Wer war letztlich für die Entführung verantwortlich? Steckte Yron dahinter, wie es alle vermuteten? Oder war Valkrist ein bisher unbeachteter Spieler in dieser Geschichte? Offensichtlich war inzwischen, dass er mehr war als ein einfacher Leibwächter. So wandte sich Eldiril mit offenen Worten an die Gruppe: Er trage den Gedanken, einen geheimen Zirkel gegen Yron zu bilden – einen Schattenrat, verborgen, um vorbereitet zu sein, wenn der offene Bruch käme. Yrons Plänen müsse etwas entgegengesetzt werden. Eldiril war sich sicher, dass überall in Aranost und Calanor Unterstützer dieser Idee zu finden wären. Nerestro sah ihm tief in die Augen: „Ihr wisst, wie gefährlich das ist, was Ihr da vorschlagt? Am Ende kann das nichts anderes als Verrat sein!“

Unerwartet fiel auch der Name Bardo Bardolino. Eldiril erwähnte ihn, ohne zu wissen, dass die Helden ihm bereits begegnet waren. Bardo bewegte sich mit Leichtigkeit in den Kreisen der vornehmen Häuser der Stadt und hatte herausgefunden, dass Yron bereits viele Fürsten hinter sich versammelt hatte. Und offenbar weiß Yron weder was genau in Schloss Varantir geschehen ist, noch wo sich Valkrist befindet. Scheinbar hat Hieron, der alte Jugendfreund von Caryen nichts erzählt. Oder war nicht mehr im Stande dazu etwas zu berichten. Ein möglicher Bürgerkrieg war durch die Rettung Astaras verhindert worden – ein großer Erfolg, und doch fühlte sich die Gruppe erneut gedrängt. Die Zeit schien gegen sie zu laufen, und so machten sie sich auf, im Kirchenbezirk mit Ser Regan und Erzkardinal Wymond zu sprechen.

Schnell wurde klar, dass eine Truppe aus Paladinen und Klerikern zusammengestellt werden würde, um noch einmal in das Waisenhaus zurückzukehren und zu sehen, ob noch Kinder zu retten und Informationen zu bergen waren. Wymond war über Caryens Berichte und die neuerliche Begegnung mit außerweltlichen Wesenheiten und der Beschreibung des in gelb gekleideten Tentakelwesens, sowie dessen Macht, schockiert. Er bat Caryen zudem, sich am Nachmittag erneut bei ihm einzufinden. Auch Nerestro sprach kurz mit ihm über seinen Bruder. Noch immer suchten sie einen Weg, Zugang zu Tokaros Seele zu finden. Es bedurfte irgendeiner Verbindung, eines Ankers, der zu ihm führen würde – eine starke gemeinsame Erinnerung, ein Gegenstand oder etwas Vergleichbares. Diese Aufgabe lag nun bei Nerestro.

Auch der Besuch im Hause Vardamir war aufwühlend. Astara und Kelda dankten für die Rettung der jungen Frau. Selbst der sonst distanziert wirkenden Kelda war die Erleichterung anzusehen. Zur Überraschung der Gruppe war auch Harumor zugegen. Er war dank eines Reisemagiers schnell nach Aranost gelangt – auch wenn er die Nutzung von Magie nicht schätzt. Er wirkte enttäuscht von sich selbst, dass er seine Tochter nicht schützen konnte und dies den drei Freunden gelungen war. Dafür bedankte er sich und beschenkte sie reich. Kurz war er irritiert vom Helm Caryens, der – wie dieser wusste – aus dem Land im Norden stammte, das man Mittelerde nannte. Schnell entwickelte sich eine anstrengende Diskussion zwischen den Männern. Harumor ist dem Land und seinen Menschen offensichtlich treu ergeben – wenn auch auf seine eigene Art. Den Schleier, der das Land umgibt, sieht er nicht als Fluch, denn er weiß, welche Dunkelheit im Norden lauert. Er war dabei, bei der größten Schlacht des Zeitalters um die Weiße Stadt, die von den Brüdern und Schwestern des Nordens erbaut worden war. Fast wie in eigenen Gedanken berichtete er davon und davon, dass er damals Harlaks Leben gerettet hatte. Auch erwähnt er die alten Helden der Legende, die damals Morenore gerettet hatten und im Norden für die freien Menschen gegen das Böse, das dort herrschte gekämpft haben. Im Verlauf des hitzigen Gesprächs offenbarte er außerdem, dass Astara nicht seine leibliche Tochter ist, sondern aus einer kurzen Beziehung zwischen Kelda und Harlak hervorging. Deshalb dürfe es niemals eine Verbindung zwischen ihr und Derenai geben. Harumor wirkte für einen Moment alt und gebrochen, und doch loderte sein Hass weiter: auf Aldarion, auf Harlak, auf jene, die ihm immer wieder nahmen, was er liebte. Kelda legte beruhigend die Hand auf seinen Arm, und man konnte spüren, wie er zwischen Liebe, Verlust und unversöhnlichem Zorn zerrissen war. Er konnte seiner Frau verzeihen und Astara lieben – doch Harlak würde er niemals verzeihen. Der Zwist zwischen den Häusern ging also viel tiefer: Er war nicht von Macht getrieben, sondern von persönlichen Gefühlen. Viele weitere Dinge erzählte Harumor in dieser schwachen Phase. Wie er sich in der Königsfrage positionieren würde, blieb jedoch unklar. Doch der Gruppe war es gelungen, Zugang zu Haus Vardamir zu gewinnen. Vielleicht würde das in Zukunft von Nutzen sein. Nicht nur die Gegner in den Schatten waren dabei, ihr Netz zu spinnen.



Und so machten sie sich noch einmal zum Waisenhaus auf. Es war spürbar von sämtlicher Magie verlassen die in der Nacht noch in ihm gewirkt hatte. Vorsichtig betrat die Gruppe das Haus und durchsuchte Raum um Raum – nur um es völlig zerstört vorzufinden. Kein Kind war mehr hier. In einem Garderobenraum, in dem sie auch Mäntel von Haus Aldarion fanden, entdeckten sie den toten Körper Periks. Spuren von Klauen zeichneten seine Brust. Offenbar hatte er sich hier vor den Dämonen versteckt. In der Bibliothek stießen sie auf einen Geheimraum, in dem sie Briefe und Aufzeichnungen von Erlon Druanos fanden. Valkrist hatte ihn offensichtlich gedrängt, sich mit dem Weltenbrunnen zu befassen. Dies sollte ihn mächtig werden lassen. Zuvor war Erlon mit vielen vermögenden Menschen im Austausch gewesen, die sich Sorgen um Aranost machten. Unter anderem fanden sie einen Brief, in dem der Verfasser die Behauptung aufstellte, dass der angeblich krankheitsbedingte Tod der Frau des Königs und seines neugeborenen Sohnes wohl kein Zufall gewesen sei. Außerdem fanden sie ein Buch mit dem Zeichen des Königs in Gelb. Andara stellte fest, dass es von gewaltiger Magie erfüllt war – nicht nur aus dem Bereich der Essenz. Sein Titel lautete: „Die Gaben des Königs in Gelb“. Rasch verstauten sie es, um es später dem Illuminierten zu übergeben. Sie fürchteten die Magie des Buches und ahnten, dass sie nichts Gutes bedeutete. In der Krypta der Familie Druanor bestatteten sie die Gebeine der beiden Kinder die sie des Nachts vorgefunden hatten. Und so erschienen ihnen die Geister der Familie Druanor, die wieder vereint waren und glücklich in die andere Welt hinüber treten konnten.

Am Ende des Tages wurde es für Caryen überraschend persönlich. Erzkardinal Wymond hatte am Vormittag um ein Treffen gebeten. Doch zu Caryens Überraschung war es nicht Wymond allein, der ihn sehen wollte. Er wurde zur Geburtskapelle geführt – dem ersten Bauwerk in Aranost, das damals zu Ehren Tharons errichtet worden war. In den schönen Kirchenfenstern waren Szenen aus der Geburt des Glaubens zu sehen, darunter auch ein Abbild des Engels Tharons, der den Glauben zum Illuminierten brachte. Hier erwartete ihn die Trinität der Sonne: die drei Männer des Hochklerus der Kirche – Ser Regan, Wymond und der Illuminierte persönlich. Caryen fand sich plötzlich in einem Zwiegespräch wieder. Die Trinität wollte in seine Seele blicken, in seine Ängste und Zweifel. Wer war er, und wie sah er sich selbst? Ist er mit sich selbst im Reinen? So kam auch die Frage von Caryen auf, ob er immer die richtigen Entscheidungen treffen würde. Unschuldige wären dadurch zu Schaden gekommen. "Trage deine Schuld nicht als Last, sondern als Erinnerung stets das Licht zu wählen und Gnade walten zu lassen wann immer möglich" beruhigt ihn der Illuminierte. Dass er Schuld empfindet, würde zeigen, dass sein Herz noch rein genug ist, die Grenzen zu erkennen die er nicht überschreiten dürfe.



Auch das Thema der Dämonen wurde angesprochen. Tharon hatte dem Illuminierten Gebete gesandt, deren Hintergrund dieser bisher nicht verstand. In ihnen ging es um Macht gegen außerweltliche Wesen. Und nun war Caryen zum dritten Mal einem solchen begegnet. All das konnte kein Zufall sein, sondern musste der Schicksalsweg sein, den Tharon für ihn und seine Freunde bestimmt hatte. So sei es offensichtlich, dass Tharon dem Illuminierten diese Gaben gegeben habe, um sie an Caryen weiterzugeben. Die Kirche müsse sich auf die kommende Dunkelheit vorbereiten. Sie und Tharons Licht wären vermutlich das Einzige, was am Ende der kommenden Finsternis standhalten könnte. Benommen und in Gedanken ob dieser Erfahrung verabschiedete sich Caryen und verließ schweigend die Kapelle. Doch bevor er ging, bat ihn der Illuminierte, sich am nächsten Tag zur Tharonstunde erneut einzufinden.

Auch Nerestro und Andara wurden kurz zu Caryen befragt und nach ihrer Wahrnehmung auf den gemeinsamen Reisen. Da Caryen sie als enge Freunde bezeichnet hatte und sie ihm offensichtlich sehr nahestanden, sprachen beide mit großem Respekt über ihn.

So begaben sich die drei Freunde nach einem langen Tag zurück zur Pegasus. Auf dem Rückweg trafen sie noch den Händler Rashid, bei dem sie sich mit Heilkräutern eindeckten. Er berichtete, dass er Martin kennengelernt habe, und gemeinsam hegten sie die Idee, eine Warenkette zu gründen, die sie „RaMa“ nennen wollten – benannt nach ihren Vornamen.

Als sie sich zur Ruhe betteten, hallten Harumors Worte und Erinnerungen an die Vergangenheit in ihren Körpern und Geistern nach. Sie spürten eine Wärme in sich aufsteigen, die sie an das Gefühl erinnerte, als sie den Kristall Tharons in der Kirche berührt hatten. So fanden sie endlich Schlaf – und träumten. Oder waren sie doch wach? Eine Stimme vom Deck riss sie aus der Ruhe: „Die Weiße Stadt!“ – gefolgt von einer fernen Explosion. Schnell eilten sie an Deck. Nebel umgab sie, der sich als Rauch einer brennenden Stadt offenbarte. Unter ihnen lag Minas Tirith, belagert, in Blut und Flammen getaucht. Sie standen auf einem Luftschiff, der Sternenwind. Vor ihnen ein junger Harlak Aldarion und ein junger Harumor Vardamir, die gemeinsam einen Voraus­trupp in den ersten Ring der Stadt führen sollten, um die von dunklen Mächten besetzte Stadt zu befreien und das Stadttor für die Allianz der freien Völker zu öffnen. Ehrfurcht ergriff die drei, als plötzlich die alten Helden  aus den Schatten traten – Kwork, Thagirion, Lucifer. Ein jeder von Ihnen auf seine Weise von einer Aura des mystischen und erhabenen umgeben. Und nachdem Thagirion einen Zauber über alle Angreifer lag, stürzten sie sich zusammen mit den Soldaten hinab in die Schlacht. Überall Blitze, Schreie, das Donnern der Katapulte. Doch ehe sie die Situation erfassen konnten, griffen zwei hässliche, kreischende Flugwesen mit großen ledrigen Flügeln und schwarzer Haut das Luftschiff an. Harlak wurde von einem der Wesen schwer verletzt, doch Harumor rettete ihn vor dem Tod. Währenddessen versuchte das zweite Wesen, das Steuerrad zu zerstören. Die Gruppe stellte sich ihm entgegen. In hartem Kampf und mit der Hilfe des Schiffsmagiers Karion gelang es den Helden – und Nerestro am Steuerrad –, das trudelnde Schiff vor den Toren Minas Tiriths notzulanden. Der Schiffskristall, der den Luftschiffen die Fähigkeit zum Fliegen verlieh, hatte seine Magie verloren. Karion musste versuchen, sie zu erneuern. Doch wie viel Zeit blieb? Sie befanden sich mitten in einer gewaltigen Schlacht, und eine große Gruppe abscheulicher Wesen machte sich daran, das Schiff anzugreifen. Man nannte sie Orks. Ein verzweifelter Abwehrkampf begann, und es gelang, das Schiff lange genug zu verteidigen, bis Karion den Schiffskristall wieder soweit stärken konnte, dass es erneut abheben konnte. Caryen hatte in der Zwischenzeit auch Harlak heilen können.



Dann öffnete sich ein Mauerstück eines der beiden großen Türme, die das Stadttor flankierten. Ein magischer Tunnel entstand und Thagirion stand darin und rief um Hilfe. Sie wurden benötigt, um den Tormechanismus zu öffnen. „Wenn die Angreifer scheitern das Stadttor zu öffnen, wird die ganze Schlacht verloren gehen“, hallten die Worte in ihren Ohren. Und so begaben sich die drei Helden zum Turm.


Hinter dem Spielleiterschirm - wobei es auch um den nachfolgenden musikalischen Beitrag bzw. eigentlich allen Beiträgen bis gestern geht. Und ausnahmsweise zu den Kämpfen  Vor dem Spielleiterschirm

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Re: [MERS/Rolemaster] Legenden von Calanor
« Antwort #27 am: 30.11.2025 | 18:06 »
Abend 20 - Interludium Teil 2

Ein letzter Blick zurück zu der Sonne die über dem Schlachtgetümmel prangte und doch so anders als die viel tiefer im Himmel hängende Sonne Calanors aussah. Eine Explosion und der König der Ostlinge schien in den Flammen zu sterben, doch erhob sich aus diesen eine schwarzhaarige Gestalt mit langem Schwert, die den drei Freunden sonderbar bekannt vorkam. Aber es blieb keine Zeit für solche Gedanken.

Ohne zu wissen, was sie erwartet, durchschritten die Helden den von Thagirion geschaffenen Durchgang ins Turminnere. Dahinter befand sich ein Raum, der früher von den Stadtwachen offensichtlich als Aufenthaltsraum genutzt wurde. Aber auch hier bot sich ihnen ein ähnliches Bild wie auf dem Schlachtfeld vor den Toren Minas Tiriths. Tote Soldaten und deutliche Kampfspuren waren überall im Raum wahrzunehmen. Als ihre Blicke im Raum umhergingen, fiel ihnen eine Seitentür auf, die von Menschen in dunkler Rüstung bewacht wurde.

Als diese die Helden erblickten, entfachte ein intensiver Kampf, bei dem niemand der Beteiligten ohne Kampfspuren davonkam. Der von Thagirion erwähnte Öffnungsmechanismus bzgl. des Stadttores war hier aber leider nicht auszumachen. Als die Türwachen von Caryen und Nerestro unter Kontrolle waren, konnte Andara die Zeit nutzen und öffnete die nun unbewachte Tür, in der Hoffnung dahinter den gesuchten Mechanismus zu finden. Und tatsächlich…am anderen Ende des nun einsehbaren nächsten Raumes war sie montiert. Allerdings war auch dieser Raum nicht ohne Bewachung. Weitere Menschenbesatzer in dunklen Rüstungen standen auch hier Wache.

Außerdem erblickte Andara eine weitere dunkle Gestalt. Aber diese sah irgendwie anders als die anderen Menschen aus. Dunkelhäutig und einem Elben sehr sehr ähnlich. Aber solch einen Elb hatte Andara noch nie zuvor gesehen. Mit einer Ausnahme. Malfar, sein Lehrmeister hatte ähnliche äußerliche Züge wie dieser Elb. Nur dieser hier hatte eher das Aussehen eines Kämpfers. Dunkle Rüstung, Kurzschwerter, die mit magischen Runen verziert waren etc. Solch eine Elb war ihnen tatsächlich noch nie begegnet. Ebenso der Kampfstil. Leichtfüßig, behände und gleichzeitig sehr kampferprobt erwies er sich als ein sehr gefährlicher Gegner. Nur mit Mühe…und wohl auch etwas Glück…gelang es den Helden ihn und die restlichen Wachen zu bezwingen.

Nun endlich war der Weg zum Öffnungsmechanismus frei. Andara und Nerestro versuchten sofort die Apparatur in Bewegung zu setzen. Leider war hierfür aber weitaus mehr Kraft vonnöten als gedacht. In der Zwischenzeit betraten durch eine weitere Tür zwei weitere dieser düsteren Elben den Raum, mit dem Versuch, sie an der Öffnung des Stadttores zu hindern. Caryen wollte sich diesen gerade entgegenstellen, als der Vordere hinterrücks von einem Dolch oder Schwert durchbohrt und getötet wurden. Zur Verwunderung der Helden von dem zweiten dunkelhäutigen Elb. Dieser hier schien gegen die Besatzer zu kämpfen. Sichtlich in Eile erinnerte er daran, dass das Stadttor unter allen Umständen geöffnet werden müsse. Ansonsten wäre alles verloren.

Mit diesen eindringlichen Worten eilte er fort, um Thagirion und den Legenden an anderer Stelle beizustehen. Hastig versuchten die Helden mit aller Kraft das Stadttor zu öffnen, währenddessen eine weitere dunkle Gestalt in den Raum trat. Dunkler und böser als alles, was die Helden bisher gesehen hatten. Ein Wesen in dunkelstem Schwarz, einer mit magischen Runen versehenen Plattenrüstung und mit unheilvollen Schwertern bewaffnet.




Auch dieser Mann wurde von einer tiefdunklen Aura umgeben und stellte den Mut der Helden auf eine  neueHerausforderung. Hastig und mit einem starken Gefühl der Furcht versuchten Nerestro und Andara nun noch schneller den Mechanismus in Gang zu setzen. Mit vereinten Kräften gelang es ihnen im letzten Moment auch noch den zweiten Hebel in Bewegung zu setzen und das Stadttor begann sich endlich zu öffnen. Sie hatten das von Thagirion beschriebene geschafft. Sehr zum Unmut der dunklen Gestalt. Wütend und mit großem Zorn ob seines Scheiterns richtete er nun all seine Macht gegen die Helden und hätte Ihnen wohl keine Chance des Entkommens gelassen, wenn diese nicht in genau diesem Moment das Bewusstsein verloren hätten. Ihre letzte Wahrnehmung war das Eintreten von jenen 3 Helden, die sie bereits zu Beginn ihres „Traumes“ (war es wirklich nur ein Traum?) auf der Sternenwind erblickten. Kwork, Thagirion und Lucifer kamen den Helden zu Hilfe und mit geballten Kräften schafften sie es tatsächlich die dunkle Gestalt aufzuhalten. Zumindest war das ihr Eindruck, bevor ihre Wahrnehmung verschwand und sie in Dunkelheit fielen.



Dann hörten sie im Traum zwei Stimmen die scheinbar über sie sprachen. Eine der Stimmen gehörte dem kleinen Wesen Sardonikus, dass sie bei Thagirion, aber auch dem Der fahle Wanderer beobachtet hatten. Scheinbar wollte das Wesen irgendwelche Gegenstände nicht her geben. Doch die andere Stimmt sprach: "Es könnten diejenigen sein die wir suchen. Er will es so. Sie scheinen seine Hoffnung auf dir Rettung zu sein!". Dann wachten alle in ihren Kajüten an Bord der Pegasus auf. Noch überwältigt von der Intensität des erlebten erblickten alle drei etwas, dass vorher nicht da war. In Nerestros Kajüte lagen magische Handschuhe, Caryen erblickte 2 Armbänder und Andara war umgeben von Büchern der Magie. Wo kamen all diese Dinge her? War das erlebte evtl. doch kein Traum? Aber was hatten sie dann erlebt? Eine Zeitreise?

Nach einem gemeinsamen Frühstück bricht Caryen zum vereinbarten Treffen mit dem Illuminierten auf. Kurz nach dessen Aufbruch werden auch Nerestro und Andara durch einen Boten zum Illuminierten gebeten. Als Gäste werden sie eingeladen, der Zeremonie beizuwohnen, bei der Caryen zum 100. Paladin der Kirche Tharons ernannt werden sollte. Mit dieser Ernennung soll ein Zyklus des Paladinordens abgeschlossen und einem der außergewöhnlichsten Paladine aller Zeiten die ihm zustehende Ehrung als Wächter der Kirche Tharons verliehen werden.



Und so erhielt Caryen - in der vollbesetzten Kirche Tharons - in einer erhebenden Zeremonie, die nur ihm gewidmet war, die Segnung des Illuminierten, aber zugleich auch des Sonnengottes durch das Artefakt Tharons. Für einen kurzen Moment erstrahlte er im Lichte Tharons und alle Anwesenden waren geblendet. Ihm wurde sein Paladinname Caryen Morgenwächter verliehen. "Der Wächter jenes Morgens, den uns Tharon einst schenkte und der Wächter jener Morgen, die noch kommen mögen!" Zum Schluss wurde ihm eine gesegnete Rüstung mit Namen "Gnade" angelegt. Der Orden der Paladine hatte seinen 100. Paladin erhalten und war bereit für den Kampf gegen die Dunkelheit die kommen würde.



Während es für Caryen unvorbereitet ein feucht fröhlicher Abend wurde weil seine Paladinfreunde ihn entführten, bereiteten seine beiden Freunde sich auf den kommenden Tag vor. Hochkardinal Wymond war an Nerestro heran getreten und erläuterte ihm, dass am kommenden Tag der Moment käme, an dem sie versuchen würden seinen Bruder zurück zu holen oder zumindest Kontakt zu ihm her zu stellen. Und so suchte Andara die Hilfe von Elion Schattenstern. Vielleicht hätte er noch Gegenstände die ihm helfen könnten. Unterwegs vernahm er eine Unterhaltung mehrerer Menschen, die sich darüber unterhielten, dass Yron angeblich ein Versprechen gegeben habe. Wenn er König würde, so würde er unmittelbar ein Heer zum Schutz der Menschen Aranosts vor den Arakniden ausheben. Die Diskussion schien hitzig, aber nicht wenigen Menschen auf dem Platz schien der Gedanke zu gefallen.

In der Nacht war Andara unruhig und seine Meditation wurde gebrochen. Die letzten Ereignisse verfolgten ihn. Und er verstand vieles nicht. Der Anblick des Kämpfers in seinem Traum, der seinem Meister so sehr ähnelte. Noch immer das zornerfüllte "Du" vom gelben Dämonen unter dem Waisenhaus. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, so dass er sich in den magischen Raum mit dem Reisestein innerhalb der Pegasus begab. Er versuchte hier Ablenkung zu finden und sich auf die Erweiterung des Raumes zu konzentrieren.

Doch was war das? Er hörte plötzlich weit entfernte Stimmen? Er verband seinen Geist weiter mit der Magie des Raumes. Er konnte nun deutlich drei Frauenstimmen hören. Erschrocken stellte er fest, dass es sich scheinbar um Schattenweberinnen handelte. Unter ihnen Ayyyara. Und zwei weitere Namen fielen: Shaeeedra und Naaazarene. Die drei waren sich scheinbar nicht ganz einig und unzufrieden mit Ayyyaras Handlung in Aranost. Mit dem Attentat auf die drei Helden hatte sie nur bewiesen wie ernst die Gefahr der Arakniden war. Und ihre Pläne wären noch nicht weit genug vorangeschritten. Zwar hätten sie ihre Netze überall in Calanor gesponnen und die Menschen würden sich bald darin verfangen - doch wären sie nun gewarnt. Was nicht hätte passieren dürfen. Es wären noch nicht alle Kinder geschlüpft. Doch war es dann Ayyyaras Stimme die beruhigte. Das Auge der Mutter würde ihre Pläne und Kinder im Verborgenen für die Blicke der Menschen halten. Ärgerlich wäre auch, dass sie den Kontakt zum Maskierten verloren haben. Der gerade in Aranost nützlich war, da aus unbekannten Gründen die Macht des Auges in Aranost nicht funktionieren würde. Die Kinder könnten hier nicht unerkannt agieren.

Andara ist erschrocken als die Schattenweberinnen scheinbar seine Präsenz spüren. Schnell versucht er den Kontakt abzubrechen, wird hierbei aber von einem Schlag aus Kälte durchfahren. Dieser verletzt ihn glücklicherweise nicht schwer. Sie hatten also von ihnen Notiz genommen! Doch schienen ihre Taten auch die Pläne der Arakniden durchkreuzt zu haben. Es war also noch Zeit!

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Re: [MERS/Rolemaster] Legenden von Calanor
« Antwort #28 am: Gestern um 12:02 »
Abend 21 – Der Bruder im Schatten Teil 1

Am nächsten Morgen berichtete Andara seinen Freunden ausführlich von seinen Erlebnissen. Anschließend folgten sie der Einladung Wymonds vom Vortag und begaben sich erneut in den Tempelbezirk, wo an diesem Tag das Heilungsritual für Tokaro stattfinden sollte. Zuvor jedoch sucht Andara Elion Schattenstern auf, um den am Vortag in Auftrag gegebenen magischen Gegenstand abzuholen. Zu seiner Überraschung überreicht ihm Elion stattdessen eine Sendung seines Vaters Daeron. Diese enthält neben einem kurzen Brief einen alten, antiken Ring. Ringe hätten in der Geschichte der Welt häufig eine Rolle gespielt. Und so hofft sein Vater, dass die Schilderung Alariels wahr wären und er den Pfad des Lichts beschreiten würde. Der Ring mag ihm vielleicht dabei helfen.

Sichtlich überrascht von der Situation und den an ihn gerichteten Worten seines Vaters hadert Andara erneut mit den Lücken in seinen Erinnerungen. Was war in seiner Vergangenheit geschehen? Warum ist er noch immer nicht in der Lage, sich vollständig an sie zu erinnern? Besteht womöglich ein Zusammenhang mit Valkrys? Und weshalb sieht dieser ihm so ähnlich? Trägt Valkrist vielleicht die fehlenden Erinnerungen Andaras in sich? Vielleicht würde sein Vater einst Antworten auf diese Fragen geben können.

Auf dem Weg zum Tempelbezirk begegnen die Helden einer Gestalt, die sich schnell als Yron Varantir entpuppt. Aufgrund seines überheblichen Auftretens ist eine verbale Auseinandersetzung unausweichlich. Neben zahlreichen provokanten Äußerungen kündigt Yron siegessicher seine baldige Ernennung zum neuen König an. Er versichert, dass er die Menschen des Landes in ihrer Abwesenheit beschützen und gut führen werde. Die Helden lassen dies nicht unbeantwortet und versichern ihm, dass es dazu garantiert nicht kommen werde. Mit diesem gegenseitigen Drohgebaren endet das Zusammentreffen, und sie setzen ihren Weg fort.

Eine letzte Bemerkung Yrons jedoch lässt die Helden aufhorchen. Mit hämischem Tonfall wünscht er ihnen viel Glück für das, was ihnen nun bevorstünde. Woher wusste er von ihren Plänen? Waren ihre Befürchtungen begründet? Hatte Yron womöglich Gefolgsleute in wichtigen Positionen innerhalb der Kirche? Fragen, die dringend geklärt werden mussten.

Im Tempelbezirk angekommen, werden alle unverzüglich zum Ritualraum geleitet. Zu ihrer Überraschung ist auch Lucan Morveil, der Nekromant der Magierakademie, anwesend. Zu Beginn richtet Nerestro eine bewegende Rede an seinen Bruder, um dessen geschundener Seele ein Leuchtfeuer des Lebens zu sein und ihm den Weg zurück zu ebnen. Er erinnert an ihre gemeinsame Kindheit und spricht Gedanken aus tiefster Seele zu ihm. Daraufhin entfacht das Ritualfeuer in lodernden, plötzlich grünlichen, Flammen, in deren Innerem sich eine dunkle, humanoide Gestalt formt.

Als sich diese Gestalt aus dem Feuer herauszuschälen beginnt, wird den Anwesenden schnell klar, dass es sich um eine Art Portal handelt. Das erscheinende Wesen weist zwar humanoide Züge auf, wirkt jedoch zugleich dämonisch und untot – knochig, grauhäutig und fremdartig. Zudem sind deutliche Spuren der Foltermethoden des Hauses Varantir zu erkennen. Flügelknochen ragen aus dem Rücken, die wirken wie verlängerte und mehrfach gebrochene Rippen des Rückens. Die Gruppe weicht erschrocken zurück. Doch erkennt Nerestro in diesem Moment in den menschlichen Augen des Wesens die Wahrheit: Die geschundene Gestalt kann nur Tokaro sein. Doch kaum hat er dies realisiert, beginnt das Portal zu fluktuieren, und die Erscheinung wird wie von einem unsichtbaren Sog erfasst, zurückgerissen und verschwindet in der Ferne.



Ohne zu zögern beschließt Nerestro, seinem Bruder zu folgen. Auch seine Gefährten schließen sich sofort an. Zuvor bittet Lucan Morveil jedoch um ein kurzes Gespräch und überreicht jedem von ihnen hastig ein Amulett. Dieses soll seinen Träger für Untote als einen der ihren erscheinen lassen und ihn so vor den hungrigen Blicken der Feinde des Lebens schützen. Mutig schreiten die Helden durch das sich langsam schließende Portal – hinein in die Ungewissheit. Was würde sie auf der anderen Seite erwarten? Wohin würde sie ihr Schicksal diesmal führen?

Benommen von der Reise durch das Portal fehlt ihnen in den ersten Augenblicken die Orientierung. Sie verspüren lediglich eine nasse Kälte, können nicht atmen und sich nur schwer bewegen. Schnell wird ihnen klar, dass sie sich unter Wasser befinden. In diesem Moment packt eine kräftige Hand jeden von ihnen und zieht sie aus dem Nass. Noch verwirrt vom Geschehen werden sie von einer Kreatur zurechtgewiesen, die sie in Calanor als Ghoul bezeichnen würden. Begleitet wird sie von mehreren kräftigen, muskulösen Wesen, die ihr offenbar unterstellt sind.

Sichtlich erbost über das Eindringen der Fremden verweist man sie des Ortes und warnt sie eindringlich davor, je zurückzukehren. Merkwürdigerweise scheint jedoch keine der Kreaturen ihre wahre Natur zu erkennen – dank Lucans Amuletten werden die Helden offenbar tatsächlich als Untote wahrgenommen. Beim Umsehen erkennen sie, dass sie sich in einem großen, rechteckigen Komplex befinden, in dem zahlreiche wassergefüllte Becken mit menschlichen Körpern liegen. Der Himmel ist von grauen Wolken verhangen, in denen grünliche Blitze zucken die, während weißgraue Partikel durch die Luft treiben. Alles erinnert an eine Welt nach einem Vulkanausbruch. Die Luft schmeckt modrig und fremdartig. Die Geräusche der Welt sind dumpf und belasten die Sinne. Und die Farben scheinen aus dieser Welt gewichen zu sein. Nur schwach sind sie wahrnehmbar. Sie waren erneut in der Welt, die sie auf der Suche nach Meneldur betreten hatten.

Plötzlich erhebt sich eine der leblos erscheinenden Gestalten aus einem der Becken und versucht panisch zu fliehen, immer wieder rufend: „Lasst mich in Ruhe, ich habe eine Seele!“ Während sich die Aufmerksamkeit der Untoten auf diesen Seelenträger richtet, nutzen die Helden die Gelegenheit zur Flucht. Sie verlassen den Komplex durch ein großes Tor und finden sich auf den Straßen einer Stadt wieder, die von Untoten und Geistern bevölkert ist. Glücklicherweise scheint niemand ihre Anwesenheit als Lebende zu bemerken.

Als sich das Tor hinter ihnen schließt, vernehmen sie ein unangenehmes Geräusch, das fast wie ein Nebelhorn klingt. Und als sie sich umblicken, erspähen sie in der Ferne eine seltsame Kreatur mit grün leuchtenden Augen, die sie offenbar beobachtet. Ein Schauer überläuft sie. Gleichzeitig hallt ein lauter Gongschlag durch die Straßen. Um den Blicken des Wesens zu entkommen, verstecken sich die Helden in einem leerstehenden Gebäude. Ein weiterer Versuch Nerestros, Kontakt zu Tokaro aufzunehmen, bleibt erfolglos – lediglich eine grobe Richtung kann er ausmachen. Trotz dieser Unsicherheit folgen sie seinem Gefühl und bewegen sich unauffällig durch die Stadt.

Unterwegs entdecken sie in einer Hausecke eine kauernde, kindhafte Gestalt. Als sie näherkommen, erkennen sie zu ihrem Entsetzen Perik, das getötete Kind aus dem Waisenhaus von Aranost. Froh, ein bekanntes Gesicht zu sehen, sprechen sie ihn an – doch auch er ist nun ein Untoter, weit entfernt von dem lebensfrohen Jungen, den sie kannten. Nur bruchstückhaft erinnert er sich an sein früheres Leben und weiß auch über diesen Ort nur wenig zu berichten. Er nennt die Stadt Nostaroth, die Hauptstadt der Dämmerebene. Der bleiche Gott ist der Herr der Ebene. Nostaroth! Den Namen hatte Nerestro in seinen Träumen Tokaro rufen hören. Ein Schauer überfuhr sie. War diese die Stadt, vor deren Toren sie Meneldur fanden und deren Herr sie damals in den Blick nahm?



Andaras Gesicht scheint ihm seltsam vertraut zu sein und lässt ihn kurz in Erinnerungen schwelgen. Als die Helden versuchen, ihm etwas Wurst zu geben, unterschätzen sie den unstillbaren Hunger der Untoten. Das kleine Stück Nahrung zieht sofort die Aufmerksamkeit umherstreifender Ghule auf sich, die die Helden angreifen. Nur durch schnelles Handeln und die Flucht in ein Gebäude können sie einen Kampf vermeiden. Perik ist kaum noch ansprechbar; der Verfall hat auch ihn fest im Griff. Mit einem letzten Hinweis zieht er sich zurück und verfällt erneut in seine Lethargie. Caryen wird in dieser Welt immer unwohler. Alles hier ist unheilig und darf nicht existieren. Er gehört nicht hier her. Mehr schweigend wie üblich folgt er seinen Freunden mit diesen Gedanken.

Den Helden bleibt nichts anderes übrig, als Periks Hinweis zu folgen und sich zum „Markt des Flüsterns“ zu begeben. Dort erwartet sie ein bizarrer Anblick: Auf einem großen Marktplatz bieten untote Händler ihre Waren an – doch statt alltäglicher Güter werden Leichenteile, seelenlose Menschen und andere Abscheulichkeiten feilgeboten. Ghule bevölkern den Markt, aber auch Geister und Seelen schweben zwischen den Ständen umher, ohne aber mit den stofflichen Untoten zu interagieren. Die Musik eines Barden legt sich traurig über den Markt. In ihrer Mitte steht die Statue eines skelettalen Wesens, das scheinbar alles überblickt. Der bleiche Gott? Erneut ertönt der Gong, diesmal zweimal. Die Ghule halten beim Klang des Gongs kurz ein. Welche Bedeutung mochte dies haben?

Ein besonderer Stand erregt hier ihre Aufmerksamkeit. Dort werden kleine Objekte angeboten, die wie Spiegelsplitter aussehen. Angeblich enthalten sie Seelenfragmente einst Lebender, die kurze Geschichten erzählen würden. Neugierig erwerben die Helden eines dieser Fragmente – und entdecken darin eine Erinnerung, die sie zunächst nicht begreifen. Ein Großer, ein Auserwählter des Lichts sei er gewesen, der sich zur Befreiung Lucifers geopfert hätte, in der Hoffnung, dass dieser dadurch frei sein würde. Diesen seltenen Namen kannten sie. Eine Legende Calanors, einer der großen Helden. Was war mit ihm geschehen? War er gefallen? Wie kannten die Bewohner dieser Welt die Legenden der Vorzeit? Und wie war dieses Erinnerungsfragment hierhergelangt?

Nachdem sie sich weitere Stände angesehen haben und den Markt unverrichteter Dinge verlassen wollen, hören sie eine zarte Stimme. Sie stammt von einer kleinen, geflügelten Kreatur, die in einem Käfig gefangen gehalten wird – ein feenähnliches Wesen, dessen Existenz sie in dieser Welt nicht erwartet hätten. Offenbar erkennt es die Helden als Lebende und bittet sie gezielt um Hilfe. Als Gegenleistung verspricht es Informationen über diesen Ort. In der Hoffnung auf Antworten beschließt die Gruppe, die Kreatur zu kaufen.



Doch selbst dies gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ein weiterer Interessent erhebt Anspruch auf das Wesen – eine Kreatur mit grün glühenden Augen, die jener ähnelt, die sie zuvor beobachtet hatte. Kälte umgibt sie. Während die Fee panisch schreit “Ein Seelensucher, helft mir!” macht der Blick der Kreatur unmissverständlich klar, dass sie keinen Widerspruch duldet. Selbst der Ghulhändler weicht ergeben vor der Kreatur zurück. Doch zu wichtig ist dieser Funke des Lebens für die Helden. Ohne Vorwarnung greifen sie an. Der Gegner erweist sich als zäh und erhält nach einem für Menschenohren schmerzenden Schrei Verstärkung von vier Monstren mit langen Klauen und narbiger Haut. Die Gruppe war einem Seelensucher und seinen Schattenjäger in die Fänge gegangen. Ein anstrengender Kampf begann.



Andara stellt während des Kampfes fest, dass jegliche Magie des Lichtes in dieser Welt nur abgeschwächt wirkt. Glücklicherweise gleicht Caryens magisches, untotenvernichtendes Schwert diesen Nachteil teilweise aus. Doch dieses wiederum zieht die Aufmerksamkeit der Untoten des Marktes auf sich. Während die Ghule ängstlich mit den Worten “Der Totenbann, er trägt den Totenbann! Er ist der Schattenrichter!”  zurückweichen, scheint es die Geisterseelen eher anzuziehen. Als die Ghule panisch zur Seite weichen, kommt es an einem Stand zu Explosionen und mehrere Stände gehen in Flammen auf. Trotz Nerestros schwerer Verwundung hält die Gruppe stand. Getrieben vom Willen, seinen Bruder zu retten, schließt Nerestro schließlich einen Pakt mit den anwesenden Geistern, deren Wispern und Bitten nach Erlösung von ihren Qualen er wahrgenommen hat: Als Gegenleistung für ihre Hilfe im Kampf verspricht er die Erlösung ihrer geschundenen Existenz durch Caryens Schwert.

Diese Vereinbarung bringt den entscheidenden Wendepunkt. Währenddessen ist jedoch ein dritter Gongschlag zu hören. Plötzlich geraten die Ghule in regelrechte Raserei. “Das Gasthaus kommt! Fleisch! Die Grauen kommen!”. Auf dem Markt bricht Chaos aus während Ghule von überall her in eine Richtung laufen. Währenddessen gelingt es den dreien den Seelensucher und seine Helfer zu töten. Da es Nerestro in der Hektik nicht gelungen ist die Fee zu befreien, nehmen sie sie im Käfig mit. Sie spricht ebenfalls von einem Gasthaus, in dem sie sicher sind. Und da von nahe dem Markt erneut das Geräusch eines Nebelhorns zu vernehmen ist, welches das Kommen eines weiteren Seelensuchers ankündigt, machen sie sich auf der Ghulmasse zu folgen.   

Hinter dem Spielleiterschirm
Die Kampfplanung und Gestaltung


Metagespräch:


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