Die Qualität der Arbeit können in der Tat nur Fachexperten bewerten, aber soweit ich weiß, wird die Qualität der Arbeit gar nicht in Zweifel gezogen, sondern die Neutralität einer progressiven (d.h. politischen) Übersetzung.
Okay, die Frage oben musst du dann nicht mehr beantworten.
Eine "progressive" Übersetzung ist also politisch, weil nicht "neutral". Wie auch immer eine "neutrale" Übersetzung für einen Text aussieht, der nicht irgendein Unterhaltungsroman ist, sondern ein mündlich tradiertes Epos, das der mythischen Aufladung konkreter, historischer Ereignisse im alten Griechenland diente und sich stark mit politischen Themen wie Legitimation von Herrschaft, einem gesamtgriechischen Nationalbewusstsein (sofern man das schon so nennen konnte), etc. befasst hat.
Entschuldige, aber die ganze Idee, dass es eine "nicht-politische" Übersetzung der Odyssee überhaupt geben könnte, ist doch völlig illusorisch. Nach welchem Maßstab ist die Übersetzung von Wilson denn mehr oder weniger "politisch" als die Übersetzungen der über 40 Männer, die die Odyssee übersetzt haben, davor? Die Antwort ist: Nach einfach gar keinem. So sind frühe Übersetzungen der Odyssee noch stark von der elisabethanischen oder christlichen Linse geprägt, spätere haben auch die Moralvorstellungen und politischen Ansichten ihrer Übersetzer in den Text hineingelegt. Und die Odyssee lässt das zu, einfach von der Form und Offenheit des Textes her. Weil es ein Mythos ist. Aus dem gleichen Grund wie auch bei Bibelübersetzungen die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt werden.
Sagen denn die rechten Arschlöcher, die ganzen gekränkten Alpha-Hampelmännchen, die diesen Talking Point ins Internet scheißen
irgendetwas dazu, welche Übersetzung jetzt ihrer Ansicht nach die "neutralste" ist? Oder ist halt einfach nur jede Übersetzung, die nicht eine feministische Sichtweise auf den Text einnimmt, die neutralste? Weil, nu ja, so genaaaaaaaaau haben wir uns damit jetzt ja nicht befasst. Jedenfalls ist das neu und von einer Frau und passt so gar nicht in unsere testo-geladene Machismo-Version des alten Griechenlands mit den beefigen Helden in ihren goldenen Rüstungen, die gar nichts, aber auch
gar nichts mit dem historischen Griechenland zu tun haben – sondern einfach nur auf memeifizierten Popkulturannahmen aus Filmen und Videospielen beruhen.
Guck doch mal, wer die Absender sind? Der Typ der das Thema großgemacht hat, ist Elon Musk! Ein rechtsradikale Parteien unterstützender, über alles Gute und Anständige Dreck ausgießender, Ultrarassist. (Und Unternehmer. Wie konnte ich nur vergessen, dass er Unternehmer ist. Überhaupt, wir sollten viel mehr darüber reden, dass er Unternehmer ist. Nicht wahr, liebe Wirtschaftswoche.)
Das ist Teil einer großangelegten Masche von politischen Akteuren rechts der Mitte, um vormals in der Gesellschaft den ganz selbstverständlichen Anstand und die Freiheitlichkeit zu untergraben. Der Ruf nach "Neutralität" und "oh, die bösen Linken machen ja alles so politisch" ist vor allem eine Propagandatechnik. Denn was "neutral" ist, das bestimmt natürlich nicht der gesellschaftliche Aushandlungsprozess oder die sachlich geführte Debatte. Das bestimmt allein der rechte Rand. "Deutschland, aber normal", du weißt schon.
Und du lässt dich da vor den Karren spannen. Bei Nolan. Zuvor bei Star Wars.
Prisma, ich halte dich nicht für einen Rechten, aber Gott im Himmel such dir
bitte andere Bezugspunkte für deine Popkultur-News!
Und dieses höhnische "Höhöhö, wie man's macht ist es verkehrt" kannst du dir auch stecken. Ich bin auch jemand, der mit der Debattenführung auf ganz linker Seite und den dortigen Gepflogenheiten des rabiaten Ablehnens anderer Meinungen fremdelt. Wirklich. Weißt du auch. Bin dir oft genug im anderen Tanelorn beigesprungen. Aber das hier ist eine unterkomplexe Argu,entation. Da schreibt eine Redakteurin in der taz, deren sonstige Ansichten zu sonstigen politischen Fragen nicht kennst, einmal einen schnippischen Text über Nolans Frauenbild (und ja, seine Frauencharaktere könnten wirklich besser sein... "Oppenheimer" hat Florence Pugh und Emily Blunt völlig unter Talent verheizt) und du konstruierst sofort daraus, dass die ganze progressive politische Landschaft jetzt Nolan aus ihrer Mitte verstößt und das ganze Werk völlig ablehnt.
Du weißt hoffentlich selbst, was das für ein Blödsinn ist. Der auch recht linke Guardian hat wohlwollend über den Film geschrieben. Viele andere linke Filmkritiker*innen auch. Diese Kolumne betrachtet einen Aspekt des Films. Einen. Der auch unter diesen Gesichtspunkten diskutierbar ist.
Da direkt eine "Ganz oder Gar Nicht"-Erzählung ableiten zu wollen... das passt natürlich zur rechten und rechtsapologetischen Seite der Medienkritik besser. Die müssen nämlich aus jeder popeligen Kleinigkeit einen Kampf auf Leben und Tod vor der Kulisse des Untergangs des Abendlandes inszenieren. Mach doch bitte bei so einer Scheiße nicht auch noch mit.
Es geht mir um klimatische Darstellung - auch 1250 v.Chr. war der mediterrane Raum subtropisch, und nicht Teil der gemäßigten Zonen. Island für das Totenreich war ja noch okay, aber der Rest sah mehr nach Ostsee und angrenzende Landgebiete als nach Mittelmeer aus.
Sehr gute Beobachtung. Haben die rechten Schneeflöckchen bei ihrem Gejammer natürlich nicht drauf geachtet. Die waren viel zu sehr damit beschäftigt, eine junge schwarze Schauspielerin im Internet zu belästigen. Aber passt ja auch in deren Bild. Alles bitte hübsch nordeuropäisch. Ist ja sonst nicht "neutral".