Ich finde das beharren bei Star Trek auf militärische Prozedur etwas sehr merkwürdig?
Die Serie hat auf mich nie den Eindruck gemacht das sie auf die Darstellung eines militärisch strikt funktionierenden Schiff mit entsprechender Hirarchie wertlegt. Zumal in Starfleet Academy die Föderation nochmal deutlicher das War College von dem Ausbildungsbereich für Sternenflotten Offizieren getrennt hat.
Star Trek ist an sich doch voll von militärischen Aspekten. Die Sternenflotte ist das Militär der Föderation. Manche Mitgliedswelten haben nebenbei noch zusätzlich eigenes Militär. Es wimmelt in Star Trek generell doch nur so von Militärs, vom Chief bis zum Admiral. "Ja, Sir." "Aye, Captain/Commander etc." "Captain sowieso auf die Brücke!" "Lt. Worf zu Transporterraum zwei"! Es gibt Prozeduren, regelmäßige Fitnesstests, Schieß- und Kampfübungen. Die Sternenflotte hat aber mehr Aufgaben als eine Armee oder eine Flotte in der Realität. Sie führt nicht nur Kampf- und Peace Keeping Missionen durch, Patroullien und Hilfsmissionen, sondern auch Forschungsaufträge und diplomatische Missionen aus. Also, ist da auch mehr diplomatisches und wissenschaftliches Personal dabei. Im Kriegseinsatz, z.B. gegen die Klingonen oder das Dominion nimmt der Kriegsaspekt mehr Raum ein. Das wurde in den verschiedenen Serien und Filmen schon zig mal gezeigt. Selbst STA ist voll von Militärs.
Die Unterscheidung zwischen der Sternenflottenakademie und dem "War College" ist eine Erfindung von STA. In meinen Augen ist das ein Plotdevice, welches keiner "Post-Burn-Situation" (die Burn-Sache ist ohnehin ein eigenes Faß) geschuldet ist, sondern weil man die Akademie in gut und böse aufteilen wollte. Das War College ist wie das böse Haus in Hogwarts. In der Post-Burn-Situation müsste die Kriegsgefahr sogar relativ hoch sein, so dass die Trennung und das weniger Wert legen aufs Militär bei Academy vs War College noch weniger Sinn macht.
Zu Ake:
Ich wende mich gar nicht gegen die schauspielerischen Leistungen der Darstellerin, auch nicht gegen die der anderen Darsteller, sondern gegen das Design ihrer Figuren.
Ein Captain ist die hierarchisch oberste Person auf einem Schiff. Diese Person trifft im Zweifel Entscheidungen, über Leben und Tod. Ein Captain ist eine Autoritätsperson, zu der die anderen aufschauen und ein Captain muss Vertrauen und Kompetenz erwecken und das auch zeigen. Ake tut nichts davon, weil sie ist nichts davon ist.
Sie ist auch nicht exzentrisch, sondern wurde als anti-autoritäre Figur designt. Kann man vielleicht bei den Marquis machen, aber ein Sternenflottenschiff ist kein Piratenschiff. Und ein Akademieschiff erst recht nicht.
Kirk, Picard, Sisko, Janeway und Archer haben alle Tugenden, Fähigkeiten und Verhaltensmuster die einen Sternenflotten Captain ausmachen. Auch Lorka und Pike, als Vertreter des neueren Star Treks, sind absolut ernstzunehmende Führungskräfte. Sie sind Captains. Alle nehmen die Position des Captains ernst. Sie nehmen die ihnen "anvertrauten Leben" ernst und zeigen es auch. Sie setzen sich nicht doof auf den Stuhl, sondern sind konzentriert bei der Sache. Sie gehen auch nicht barfuß herum, weil das die Moral und Disziplin schädigt, die lebenswichtig auf einem Raumschiff innerhalb einer Militärstruktur ist. Die Figur Ake ist als anti-autoritäre Phantasiefigur der Autoren aber dazu verdammt, es anders zu machen.
“The character is over 415 years old, so she’s lived an enormous amount of life. That affords her a unique perspective on everything,” Kurtzman said. “And because she was a mother and she lost a child, it gives her a unique perspective on what it means to raise the kids of Starfleet Academy, which also qualifies her to be a great chancellor. So, she’s a captain who is happy to walk around the bridge without shoes on, but the minute the chips are down, and something really goes wrong, she takes that chair with real authority.”
Nein, da gibt es keine "echte Autorität". Kurtzman beweist hier dass er entweder keine Ahnung oder bösen Willen hat oder eine politische Agenda ausdrücken will. (Vielleicht auch eine Mischung aus allem?)
Zu einem solchen "Captain" schaut niemand auf. Niemand vertraut darauf, dass die Figur Ake kompetente Kommandoentscheidungen trifft. Sie verdient sich dieses auch Vertrauen nicht. Der einzige Grund warum überhaupt jemand auf sie hört, ist, weil der Plot, weil Kurtzman, es so will. Die Figur trägt das aber nicht.
Zum Problem gehört auch die Spezies der Figur. Die Lanthaniten scheinen extra so designt um ausfallend zu sein und gleichzeitig den Konsequenzen auszuweichen: Ich kann jeden Quatsch sagen und jeden Unsinn machen den ich will und wenn dann jemand kommt und mich zurechtweist oder ich eine Konsequenz tragen muss, kann ich einfach sagen dass ich 400 Jahre alt und unendlich erfahren bin, das alles gelassen sehe und ich aufgrund alldem natürlich im Recht bin und der Plot will es dann auch so! Ätsch!
Was für ein Figurendesign auf Kindergartenniveau! Und sowohl Pellia aus SNW als auch Ake sind genau so und werden genau so verwendet. Da hilft es auch nicht mehr, der Figur Ake per Plotdevice einen vermeintlichen Fehler aufzudrücken, dass sie ein Kind von seiner Mutter getrennt hat und sie dies in eine Krise stürzte.
Vielleicht ist an dem Ganzen doch mehr dran, weil......STA eine besonders interessante Gesellschaftskritik des aktuellen Amerika sein könnte? Star Trek hat ja immer wieder das Thema Gesellschaftskritik in verschiedenen Serien und Episoden aufgenommen und vielleicht will STA da seinen Beitrag leisten - zur aktuellen Situation in den USA.
Zum einen haben wir die Thematik der Mutter-Kind-Trennung, etwas was auch ICE getan hat. Dann haben wir stark mangelhaftes Führungspersonal, wie Ake oder die Jem'hadar, und jede Menge und Dummheit und das gelegentliche F*** you!
Früher nahm die Sternenflottenakademie nur die Besten auf. Die Tests waren schwer. Selbst Wesley Crusher, der schon sehr erfahren war, hat den psychologischen Teil des Aufnahmetests nicht beim ersten mal geschafft.
Bei STA gibt es jetzt Kadetten die am ersten Tag ihren Kommunikator verschlucken ... und der Holodoc resigniert fragt: "Schon?" Also, ja, es muss häufiger in STA passieren...
Die Fettleibigkeit der Figuren (ich darf das sagen, ich bin selber fett!) könnte auch ein Spiegel auf das übergewichtige Amerika sein. In diesem Fall wäre es auch überflüssig danach zu fragen, wie denn übergewichtige Figuren in z.B. genormte Raumanzüge passen, oder wie lange sie einen Sprint schaffen oder Treppen hochrennen können (ich musste bei der Szene schmunzeln) und dann wären da noch Jeffrysröhren und anderes...
Vielleicht ist da doch nicht mehr dranMein Gefühl sagt mir, welchen Anteil diese Aspekte auch spielen mögen, bei STA geht es um was anderes. Es will eine Art progressive Positivity Message loswerden. Es macht nichts wenn so dumm bist, um deinen Kommunikator zu verschlucken, du kannst trotzdem zur Sternenflotte und in den Weltraum fliegen. Es macht auch nichts wenn du übergewichtig bist, du kannst trotzdem so wie du bist Astronaut werden. Es macht auch nichts, wenn du kommandierst als wärst du Pippi Langstrumpf, du kannst trotzdem ein echter und respektierter Captain sein. Das ist das größte Problem von STA: die Plausibilität.