Autor Thema: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?  (Gelesen 3828 mal)

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Offline Horsinand

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Bei mir persönlich war es so, dass ich als Grundschulkind "Der kleine Hobbit" und als sehr junger Teenager "Der Herr der Ringe" gelesen habe. Etwa zwischen dem Hobbit und dem Herrn der Ringe habe ich DSA kennengelernt. Ich fand, dass DSA vom feeling her weit vom HdR entfernt war. Irgendwann habe ich dann mal einen Abenteuervorschlag an die DSA Redaktion geschickt, der vom HdR inspiriert war. - Warum? Der Herr der Ringe war für mich das Vorbild für fantastische Welten schlechthin.

Conan habe ich durch den Film erst später kennengelernt (und bis heute nicht gelesen - ich dachte auch immer, der Film wäre autonom entstanden, also ohne literarisches Vorbild).
Elric habe ich wahrgenommen (insbes. die Cover), aber nie gelesen.
Fafhrd habe ich erst kürzlich durch DCC wahrgenommen, aber nichts gelesen.

Offline ghoul

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Offline Prisma

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Ich bin der Meinung das "Conan der Barbar" sogar noch besser wird, wenn man die kleinen Anspielungen versteht. Da man die Vorlage kennt.
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Offline Mithras

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Also: Sehr interessante Diskussion hier, gerne weitermachen. An der Ursprungsfrage teilweise vorbei, aber egal.

Jedenfalls: als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit und Conan und die anderen. Da ist mehr Abenteuermaterial drin, das ist meine persönliche Meinung.
Ich habe mit Hârnmaster 1 auch Conan, Warhammer und OSR Abenteuer geleitet.

"Le jeu c'est sérieux!"

Tolkien ist stark überbewertet und seine Bücher nach Der kleine Hobbit furchtbar zäh und langatmig. Das beste was er zustande gebracht hat, war die Vorlage für die Drei besten Fantasyfilme zu liefern, die bisher gedreht wurden.

Ich spiele lieber AD&D statt Pathfinder und Cyberpunk 2020 statt Shadowrun.

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Jedenfalls: als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit...
Den Gedanken hatte ich auch schon - der Hobbit taugt viel mehr als klassische Abenteuervorlage als der Herr der Ringe. Auftrag mit klar umrissenem Ziel, vereinbarte Bezahlung, diverse Komplikationen - nur die Anwerbeszene lässt einen spüren, dass der Bauergamer von Bilbo vom Spielleiter mit geradezu hanebüchener Railroaderei in das Abenteuer gezwungen werden muss  ;D


Also die Character Assassination, die im Film an Denethor betrieben wird und hier fortgesetzt wird, ist schon krass.

Amen, gut, daß das mal ausgesprochen wird.

Leider überlagert die Darstellung der Filme inzwischen fast überall die Wahrnehmung des Buchs. Fällt immer wieder auf.
« Letzte Änderung: Heute um 10:37 von KWÜTEG GRÄÜWÖLF »
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Offline korknadel

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Boromir in all seiner Ruhmgier war kein Königsmann, und er hat auch sonst sein Leben gewagt um Kameraden zu schützen und ihren Rückzug zu sichern.
IIRC ähnelt Boromir hier eher Theoden, indem er noch im sterben Aragorn davon in Kenntnis setzt und seinen Tod möglicherweise irrtümlich als gerechte Strafe für seinen Fehler annimmt.

Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn. Das schafft eine "natürliche" Gerechtigkeit und erspart es der Gemeinschaft, mit jemandem leben zu müssen, der auf Abwege geraten ist. Außerdem macht es klar, dass Boromir nun entsühnt ist. Wenn er nur zu Aragorn gelatscht wäre und "Sorry" gesagt hätte, wäre das ja etwas zu wenig gewesen. Das Christentum weiß ja, dass für die Sünde kein Weg am Kreuz vorbeiführt, und von den  Opfervorstellungen älterer/anderer religiösen Weltbilder will ich gar nicht reden.

Aragorn bz´tw ist Erus Königspriester, er hat heilende Hände, er ersetzt Saurons Tyrannei durch seine milde Gerechtigkeit, siehe wie er die Sklaven am Nurnenmeer freilässt und ihnen das Land zu eigen gibt oder den Wasa ihren Wald anerkennt, den Hobbits das Shire.

Gerade dass Aragorn so ein Guter ist, macht die Sache doch problematisch, denn er ist ja vor allem gut, weil er aus dem alten Königsgeschlecht kommt. Im Silmarillion mag das alles anders dargestellt sein, aber im HdR wird immer wieder klargemacht, dass bestimmte "Rassen" und Geschlechter weniger anfällig für das "Böse" sind als andere -- die Hobbits sind hier eindeutig die Freaks. Und folglich hat Aragorn natürlich heilende Hände (da haben wir ja das von mir schon mal erwähnte Königsheil) und ist milde und gütig. Die edle Gesinnung steckt ihm im adligen Blut. Mich hat als Teenager bei der Lektüre von Wolfram von Eschenbachs Parzival immer schon so amüsiert, dass den Protagonisten immer in sämtlichen Lebenslagen anzusehen ist, ob sie Ritter, Königstöchter oder einfach nur peoples sind. Und deshalb ist ja auch klar, wieso Denethor abkackt, denn obwohl in seinen Adern anscheinend numenorisches Blut fließt, fließt da halt kein königliches Blut (allein schon, dass im HdR so oft erwähnt wird, was für ein Blut in irgendwelchen Leuten fließt, ist lupenrein-demokratisch). Dass Aragorn am Ende "demokratisch" gewählt wird, ist doch nur ein Feigenblatt, damit die Wiederherstellung des Königtums wenigstens nett aussieht. Oder wird er etwa nur auf vier Jahre gewählt? Und wird er von diversen gewählten Räten und einem Verfassungsgericht kontrolliert? Nee, glaube eher nicht. Sonst müsste der letzte Band der Trilogie ja auch statt "Rückkehr des Königs" "Einführung der parlamentarischen Monarchie" heißen. Aber ist ja auch nicht schlimm, denn da endlich wieder ein Kerl mit angeborenem Königsheil aufm Thron sitzt, kann's ja jetzt allen gut gehen. Der musste schließlich nicht erst lange Staatstheorie büffeln, sondern hat das in die Wiege bekommen.
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Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Naja, daß z.B. die Elben oder die Numenorer irgendwie mehr gegen das Böse gefeit wären... Feanor, seine Söhne, Eol, Ar-Pharazon und die Schwarzen Numenorer lassen einen doch itzibitzi spüren, daß Tolkien das anders gesehen hat. Dass die überlebenden Elben am Ende des Dritten Zeitalters aus all den Fehlern von mehreren Jahrtausenden gelernt haben, basiert mehr auf ihrer Lebenslänge und bitteren Erfahrungen.

Hobbits auch nicht unbedingt, siehe Gollum. Eigentlich fällt mir auf Anhieb nur ein Volk ein, dass in seiner Darstellung (inklusive in Nachrichten aus Mittelerde) scheinbar eine Immunität gegen Korrumpierung hat, und das sind die Druedain.
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Denethors Problem ist nicht, dass er nicht gut genug wäre... es ist, dass es für die Situation, in der sich Gondor befindet, kein "gut genug" gibt! Selbst Aragorn hat die Situation nur retten können, weil er auf tausend Jahre Vorarbeit durch Denethor und seine Vorgänger hat aufbauen können, weil er reichlich Hilfe von außen hatte - und weil die Hobbits den Ring zum Schicksalsberg getragen haben. Ohne Frodo und Sam und Gollum wäre Gondor ein paar Wochen oder Monate später von der nächsten Ork-Horde überrannt worden.

Wie Galatea schon ausführt: Denethor hat die schlechtesten Karten ausgeteilt bekommen, die man sich nur vorstellen kann - und zumindest die Buchversion von tut sein Bestes, die Niederlage doch noch irgendwie so lange wie möglich herauszuzögern. Ein weniger großer Herrscher hätte schon lange vorher aufgegeben.

Boromir ist, meiner Einschätzung nach, zwar ein guter Soldat und ein guter Offizier und Feldherr - aber das ist auch so ziemlich alles, und die Sache mit dem Ring ist nun leider eine Situation, die mit Waffengewalt nicht zu lösen ist. Faramir hätte sich als Mitglied der Gemeinschaft des Rings besser geschlagen.
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Offline tartex

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als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit und Conan und die anderen. Da ist mehr Abenteuermaterial drin, das ist meine persönliche Meinung.

Also den archetypischen Ansatz "Ein Elb, ein Zwerg und ein Magier gehen in einen Dungeon" kann ich schon am ehesten Moria zuordnen - und nirgends sonst hat mich das so mitgerissen. Kann man natürlich drüber streiten, aber die diverse Heldengruppe ist schon eher HdR. 13 Zwerge mit 2x Anhang fühlt sich nicht wirklich danach an.

Der Aspekt Solo-Held vs. Helden-Gruppe mag auch klar für Tolkien sprechen.
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Den Gedanken hatte ich auch schon - der Hobbit taugt viel mehr als klassische Abenteuervorlage als der Herr der Ringe. Auftrag mit klar umrissenem Ziel, vereinbarte Bezahlung, diverse Komplikationen - nur die Anwerbeszene lässt einen spüren, dass der Bauergamer von Bilbo vom Spielleiter mit geradezu hanebüchener Railroaderei in das Abenteuer gezwungen werden muss  ;D

Da spielt mMn auch ein wenig der Unterschied zwischen "episodischer" und "epischer" Fantasy mit hinein. Bilbo besteht ein einigermaßen ausgedehntes Abenteuer in einer fantastischen Welt, die recht offensichtlich noch Platz für insbesondere eine oder mehrere Fortsetzungen durch ihn bieten würde, wenn Tolkien der Sinn danach gestanden hätte; aber Frodo und Kumpane ziehen auf eine Queste aus, an deren Ende die gleiche Welt sich recht offensichtlich so verändert hat, daß sie einfach nicht mehr dieselbe ist.

Zum Vergleich: Conan ist der definitive "Episodenheld" diverser sich um ihn drehenden Abenteuergeschichten, und auch Elric fällt weitgehend in dieselbe Kategorie. Schön, letzterer zeichnet am Ende sowohl direkt als auch indirekt für die Zerstörung seiner ganzen Welt verantwortlich -- aber da er praktisch zeitgleich auch selbst stirbt, stellt sich die Fortsetzungsfrage in dem Fall ohnehin nicht wirklich.

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Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn.
Diesmal kann er auch einfach Pech gehabt haben und verglichen mit Gollum ist das Argument er hätte die Gemeinschaft belastet nicht überzeugend.
Für Aragorn wäre das genug gewesen
Christus hat das Opfer für unsere Sünden freiwillig erbracht um uns von unseren Sünden zu erlösen.

@nobody@home

und Elric war nur einer der ewigen Champions am Ende sieht das mit dem Herzog von Köln doch anders aus
Zitat
Gerade dass Aragorn so ein Guter ist, macht die Sache doch problematisch, denn er ist ja vor allem gut, weil er aus dem alten Königsgeschlecht kommt.
du meinst wie Castamir der Ursupator, wahrscheinlich der Hexenkönig, die Könismannen und schwarzen Numenorer und Denethor.

Btw ich sagte nie das Denethor inkompetent war, wie im Film sondern das er Machtgierig war.
Es ist kein Feigenblatt, Isildurs Linie war das Erbrecht nach Gondors Gesetz , Mächtigen und Angst vor einem weiteren Bürgerkrieg schon in den Tagen Arnors oder Arthedain s verwehrt worden.
Die Krone des Hochkönigtums war mit Isildurs Tod Praktisch erloschen da Aenarions Erben sie nicht anerkannten.

Aragorn ist an Recht und Gesetz gebunden, will er Gesetze erlassen braucht er die Zustimmung des Rates der Hauptleute und Vasallen.

Was glaubst du hat Elrond ihm in Imladris gelehrt außer Harfe spielen?

@haos

Aragorn hat die Situation nicht gerettet, er hat sich selbst und Gondor als Opfer angeboten um Sauron abzulenken und der Ringträger Chancen zu verbessern.

btw Denethor hat seine Karten sehr gut ausgespielt bis er verzweifelte
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“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
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Offline korknadel

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Diesmal kann er auch einfach Pech gehabt haben ...

Gelücke daz gât wunderlîchen an und abe ... Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?

Und noch mal zu Aragorns Königstum:
Mag sein, dass es in der Lore zig Könige gibt, die böse Wichte waren. Aber ich habe immer wieder betont, dass ich den HdR betrachte. Und da sehe ich keine schwarzen Numenorer und Castamirs und Hexenkönige rumrennen. Die einen oder anderen dieser Halunken werden vielleicht erwähnt, aber spielen sie eine Rolle als Protagonisten? Da ist, zumindest bei den Menschen, nur noch Theoden, und der ist ja auch ein Guter, nachdem er von den Einflüsterungen der Lügenpresse hat geheilt werden können. Wenn es anscheinend auf dieses Herkunft aus einem Königsgeschlecht nicht ankommt, warum ist Aragorn denn dann ein Nachfahre Isildurs? Dann könnte er auch sonstwer sein. Und wieso wird das im HdR immer geradezu zelebriert, wenn das Geheimnis seiner Herkunft ans Licht kommt und die Leute merken, dass dieser düstere Krieger in Wahrheit … und natürlich auch noch mit dem entsprechenden Schwert bewehrt! Ne, das kann kein dahergelaufener Holzfäller sein, das schmachtende Gondor würde sich doch nie von einem Holzfäller erlösen lassen, da muss schon echtes Isildurisches Blut her. Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.

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Gelücke daz gât wunderlîchen an und abe ... Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?

Und noch mal zu Aragorns Königstum:
Mag sein, dass es in der Lore zig Könige gibt, die böse Wichte waren. Aber ich habe immer wieder betont, dass ich den HdR betrachte. Und da sehe ich keine schwarzen Numenorer und Castamirs und Hexenkönige rumrennen. Die einen oder anderen dieser Halunken werden vielleicht erwähnt, aber spielen sie eine Rolle als Protagonisten? Da ist, zumindest bei den Menschen, nur noch Theoden, und der ist ja auch ein Guter, nachdem er von den Einflüsterungen der Lügenpresse hat geheilt werden können. Wenn es anscheinend auf dieses Herkunft aus einem Königsgeschlecht nicht ankommt, warum ist Aragorn denn dann ein Nachfahre Isildurs? Dann könnte er auch sonstwer sein. Und wieso wird das im HdR immer geradezu zelebriert, wenn das Geheimnis seiner Herkunft ans Licht kommt und die Leute merken, dass dieser düstere Krieger in Wahrheit … und natürlich auch noch mit dem entsprechenden Schwert bewehrt! Ne, das kann kein dahergelaufener Holzfäller sein, das schmachtende Gondor würde sich doch nie von einem Holzfäller erlösen lassen, da muss schon echtes Isildurisches Blut her. Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.

Tscha -- davon, "ganz besonders geboren" zu sein, lebt nun mal der ganze Mythos der Erbmonarchie, sonst könnten Könige und sonstiges Adelskroppzeuch ja sonstwoher kommen. ;) Und so ein bißchen Stammbaumbastelei scheint ohnehin eins von Tolkiens Hobbies gewesen zu sein, ob nun als eigenes Thema oder "nur" als Teil des größeren Themas Weltenbau; auch bei den Hobbits hat er ja zumindest die Familienzusammenhänge der Protagonisten einigermaßen im Detail ausgearbeitet.

Tatsächlich ist das auch so ein Aspekt, der sich in der "modernen Standardfantasy" sonst eher nicht so wiederfindet. Vermutlich einfach deshalb, weil er dem heutigen Menschenbild etwas zu sehr widerspricht; bei allen Vorurteilen und Statusklischees dieser oder jener Art sind wir es inzwischen schlicht zu sehr gewöhnt, zumindest letztendlich doch alle irgendwie gleich zu sein, und entsprechend behandeln auch unsere Fantasywelten Adlige zwar als hohe Tiere innerhalb ihres Settings, aber doch nichts grundsätzlich "Besseres" als selbst den niedrigsten Diener. Daß man das historisch auch schon mal ganz anders gesehen hat, schwingt allerdings auch heute noch in so scheinbar "unschuldigem" Material wie der einen oder anderen Märchengeschichte nach...

Offline Grubentroll

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Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.
Ich hatte mal eine Freundin deren Familie eine Bernhardinerin und einen männlichen Yorkshire Terrier besaß.
Irgendwann war die Bernhardinerin dann schwanger.


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Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?
Ich weiß nicht warum Tolkien sich dafür entschied, aber als WWI Veteran und einer der 2 Überlebenden Inklings ....

Oh Aragorn ist besonders und seine Hände sind die Hände des wahren Königs, in ihm und Änarion laufen die Linien von Königen und Helden zusammen.
Trotzdem ist es kein Automatismus, sondern etwas wofür Aragorn fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat was du widerholt komplett ignorierst.

Aber dennoch erklärt er sich nicht zum König aus diesem Recht sondern erfragt die Zustimmung der Bürger Gondors

Wenn du den HdR betrachtest, was starkes Nitpicking ist, solltest du vielleicht nicht die 9 Exemplare böser Könige ignorieren die sich länger als Aragorn durch die Saga bewegen, die Nazgul und den Fürsten der Haradrim auch nicht.
btw Bard gehörte auch zu den Guten.

Arwen liebte Aragorn nicht Pippin
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Offline tartex

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Trotzdem ist es kein Automatismus, sondern etwas wofür Aragorn fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat was du widerholt komplett ignorierst.

Aber dennoch erklärt er sich nicht zum König aus diesem Recht sondern erfragt die Zustimmung der Bürger Gondors

Also natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu, dass er "fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat".

Sowas hat ein wahrer König nach Tolkien halt im Blut.

Und natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu die Zustimmung der Bürger Gondors zu haben.

Ein wahrer König nach Tolkien wird ganz naturgemäß vom Volk geliebt.
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Offline unicum

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Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn.

Ja. Wie in jedem anderen fiktionalen Roman auch. Ich meine(?) selbst Elric stirbt ja am Ende, auch gerichtet durch die Story. Ist jetzt aber auch nicht so die tolle neuerung. Schau in die Sagen und Legenden da beissen auch sogenannte Helden ins Gras. Der Ring der Nibelungen ist auch schon voll davon. Die Griechischen Sagen ebenso. Gut Conan überlebt meines wissens und bei Fafhrd weiß ich es nicht,...

Winnetou, Hercule Piroot und Sherlok Holmes sterben, ist also auch in der neueren Zeit nicht so unverbreitet.

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Also natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu, dass er "fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat".
Was wolltest du jetzt damit sagen
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Online Swanosaurus

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Was wolltest du jetzt damit sagen

Das eher grundsätzliche Problem ist nicht, dass Tolkien einen schlechten König als gut verkaufen wollte, sondern dass er eine Mär vom guten König schreibt.

Dem Einwand entgegenzuhalten, dass Aragorn doch aber wirklich ein guter, vom Volk geliebter König sei, ist eben eigentlich kein Einwand, sondern eine Bestätigung der Kritik.
Ehemals Rumpel/Achamanian

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Lover's Gaze für Cloud Empress: https://www.drivethrurpg.com/de/product/515643/lover-s-gaze-for-cloud-empress
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Offline tartex

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Was wolltest du jetzt damit sagen

Du sagst, dass es nicht wirklich zählt, weil sich Aragorn den Thron verdient erarbeitet hat.

Ich sage, dass aus der Perspektive eines Monarchisten in der Moderne der Thron natürlich verdient erarbeitet ist. So hätte er ja höchstwahrscheinlich den Glauben an den Monarchismus verloren.
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Offline Ludovico

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Also ich kann schon verstehen, dass Tolkien und nicht Howard zum Standard für Fantasy wurde.

Tolkiens Beschreibungen sind manchmal etwas langatmig, aber er geht sehr in die Tiefe und nimmt sich viel Zeit für das Worldbuilding.
Das wurde ja auch schon erwähnt.

Was ich von Howard gelesen habe, war dagegen sehr kurz, Worldbuilding fand nur rudimentär statt und die Geschichten wirkten teilweise abgehackt. Teilweise schien es sich auch zu wiederholen.
Ja, sie haben einen gewissen Unterhaltungswert. Das wollte Howard ja auch.
Aber wenn man sich Rollenspiel ansieht, so ist auch hier das Worldbuilding wichtig und da bietet Tolkien eine wesentlich bessere Vorlage und Inspiration aus meiner Sicht als Howard. Fafhrd und Elric kenne ich nicht.

Offline unicum

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Ist ja auch so das es im Herrn der Ringe durchaus Gegenden gibt in denen man vieleicht leben will. Das Auenland vor oder nach Saruman, Gondor/Rohan nach dem Ringkrieg.

Bei Conan, Fafhrd und Elric? Oh ne,... jedernfalls nicht als "Otto Normal Bürger"

Ist jetzt für mich kein wirklicher Grund aber könnte durchaus als solcher gesehen werden.

Online Lichtschwerttänzer

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Das eher grundsätzliche Problem ist nicht, dass Tolkien einen schlechten König als gut verkaufen wollte, sondern dass er eine Mär vom guten König schreibt.
das Aragorn deshalb ohne Krone mindestens 50 Jahre geblutet und gekämpft hat vor dem HdR bedeutet was im Kontext?

btw das Argument gilt auch für Conan, der auch ein guter König zu sein scheint.
Niedrige Steuern und auf das Angebot Aquilonien zu verkaufen sagt er klar eher stirbt er in Scarlet Citadel, Hour of the Dragon ist ähnlich

PS und gute  Worldbuilding macht Howard auch
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Offline Chaos

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das Aragorn deshalb ohne Krone mindestens 50 Jahre geblutet und gekämpft hat vor dem HdR bedeutet was im Kontext?

Zehntausende von Gondorianern - Millionen über die Jahrtausende - haben ihr leben lang geblutet und gekämpft, und bekommen gar nichts dafür.

Aber dieser Typ, dessen Vorfahr vor 20, 30, 50 Generationen mal König war, der bekommt die Krone auf dem Silbertablett serviert?
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Offline Galatea

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Naja, daß z.B. die Elben oder die Numenorer irgendwie mehr gegen das Böse gefeit wären... Feanor, seine Söhne, Eol, Ar-Pharazon und die Schwarzen Numenorer lassen einen doch itzibitzi spüren, daß Tolkien das anders gesehen hat. Dass die überlebenden Elben am Ende des Dritten Zeitalters aus all den Fehlern von mehreren Jahrtausenden gelernt haben, basiert mehr auf ihrer Lebenslänge und bitteren Erfahrungen.
Mit den Dunedain ist so ziemlich dasselbe wie mit den Elben - die ganze Machtgierigen, Uneinsichtigen und generell alle unfähigen Deppen hatten einfach genug Zeit, um sich selbst und ihre Linie aus der Welt zu entfernen (bei den Elben lief das gründlicher ab, aber die vermehren sich ja auch noch langsamer als die Numenorer).

Boromir ist, meiner Einschätzung nach, zwar ein guter Soldat und ein guter Offizier und Feldherr - aber das ist auch so ziemlich alles, und die Sache mit dem Ring ist nun leider eine Situation, die mit Waffengewalt nicht zu lösen ist. Faramir hätte sich als Mitglied der Gemeinschaft des Rings besser geschlagen.
Boromir hat vor allem auch das Problem, dass die gesamten verbliebenen Hoffnungen seines Vaters für das Überleben Gondors auf ihm lasten. Und was Gondor braucht ist zu dieser Zeit halt jemand, der Schlachten gewinnen und der Allgemeinheit durch seine ruhmreichen Taten Hoffnung geben kann. Letztlich fällt er in dasselbe Loch wie Denethor, dass er schlicht die Hoffnung verliert (und das nicht zu Unrecht, gegen die Lage Gondors ist das Kobayashi-Maru-Szenario ein midsommerlicher Spaziergang). Im Prinzip kämpfen beide schlicht mit dem, was man heute Burnout nennt.


Was Aragorn betrifft wird er im Buch tatsächlich durchaus immer wieder als überlebensgroße Figur dargestellt, das liegt aber auch daran, wie Schicksal in Tolkiens Welt wirkt - z.B. ist der einzige Grund warum die Gemeinschaft überhaupt die Barriere von Lothlorien durchdringen kann, dass der Schicksalsfaden der Ringträgers die magische Barriere übertrumpft (Magie die Galadriel von einer Valar(!!!) gelernt hat).
Besonders prägnant ist das, als Aragorn zum ersten Mal auf die Rohirrim trifft, sein Gewand zurückwirft und das neu geschmiedete Schwert in die Sonne hält, das das Licht wie eine Blendgranate spiegelt und fast schon selbst zu einer kleinen Sonne wird - in diesem Augenblick erkennt Legolas mit seinen scharfen Elbenaugen sogar eine Art nebulöse ätherische Krone um Aragorns Stirn. Die Rohirrim sind völlig überwältigt von diesem Moment - sie erkennen das Schicksal, das hier am Werk ist und verstehen was da gerade passiert.

Tolkiens Welt funktioniert auf eine bestimmte Art, ihre Bewohner WISSEN das, es wird in Diskussionen über diese Welt aber in den seltensten Fällen berücksichtigt.

Sauron wusste das übrigens auch, weshalb das auftauchen von Isildurs Erbe MIT dem neu geschmiedeten Schwert ein ganz besonderer Oh-Shit-Moment für ihn war. Sauron hatte vor Aragorn und dem was er verkörpert viel mehr Angst als vor Gandalf, Galadriel, Elrond und Glorfindel zusammen.

Diese unterliegenden fundamentalen Dynamiken hat man im typischen EDO-Fantasy-Setting halt überhaupt nicht.
« Letzte Änderung: Heute um 15:23 von Galatea »
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