Abseits von sehr tödlichem Dungeoncrawling (wie von mir weiter oben beschrieben) kenne ich noch eine zweite Möglichkeit, die ich aber nur schwer in Worte fassen kann:
Eine Spielkultur, die einfach neugierig darauf ist, zu welchen Konsequenzen das Zusammenspiel aus Charakteren, Spielsituation, Entscheidungen, Würfelglück und Spiellogik führt -- und dabei nicht nur keine Kompromisse für das Überleben eines SCs oder ein Happy End macht, sondern
schlichtweg kein Interesse an solchen Kompromissen hat.
Die Formel "Play to find out" scheint mir das ganz gut zu beschreiben, ist aber mit allerlei Erwartungen und AW assoziiert, auf die ich hier gar nicht Bezug nehmen möchte - und mangels Erfahrung mit PbtA auch gar nicht kann. Stellt's euch vor: Dass alle Teilnehmer:innen einfach nur wissen möchten, wo das Spiel uns hinführt, ohne Angst vor Niederlagen oder Verlust der Charaktere oder dem drängenden Wunsch nach einem bestimmten Ende…
Es hilft, dass wir (a) von der Seitenlinie kommentieren und auch Vorschläge machen (also bei Verlust eines Charakters weiter involviert sind), (b) ggf. einen NSC übernehmen oder vorübergehend einen SC zusammen mit dessen Hauptspieler:in führen (!) oder (c) einfach auch mal einen halben oder ganzen Abend zugucken (!), was aber angesichts der Qualität des Spiels nicht als Problem empfunden wird (wenn auch nicht als optimal).
Es hilft, dass wir nur Oneshots oder Minikampagnen von 2-8 Abenden spielen, also im Falle eines Todes nicht zwei Jahre Charakterentwicklung futsch sind o.Ä.
Aber wie kommt man zu so einer Spielkultur? Ich fürchte, ich kann's nicht in Worte fassen, schon gar nicht in kompakter oder gar didaktischer Form.
Am wichtigsten ist vermutlich, die Charaktere - inklusive NSCs - und Situationen ernst zu nehmen. Und wenn das heißt, dass wir - wie Anfang dieses Jahres bei CoC - unsere Nachforschungen abbrechen, weil ein SC einfach nicht bereit ist seine Familie, die im Besitz wichtiger Informationen ist, tiefer in die Sache hineinzuziehen,
dann ist das so und das Abenteuer endet eben (ohne dass der Fall aufgeklärt ist). Auch das ist eine Geschichte. Und diese hat sich gut angefühlt, sehr natürlich und nicht gekünstelt.
Und jetzt klinge ich vermutlich wie jemand von einem anderen Planeten.
