Ich hab durchaus schon gute Erfahrung mit Zeitlimit pro Zug gemacht. Es kommt halt auf die Persönlichkeit der Spieler an. Manche können Stress nicht ab, manche können Schach nicht ab.
Persönlich spiele ich nicht Pathfinder oder ähnliche sehr taktische Kampfspiele. Kämpfe sind für mich also nicht der Kern, um den sich alles dreht, dürfen also auch nicht-optimiert sein. Wenn die Spieler nicht perfekt taktieren, erscheinen manche Charaktere weniger kompetent als sie evtl sein sollten, ja. Ich empfinde das als gleichwertige Kehrseite dazu, dass perfekte Taktierung manche Charaktere kompetenter erscheinen ließe, als sie eigentlich sein sollten. Alles konsequent modellieren hat für mich einen geringeren Stellenwert, als die gewonnene Fluidität.
Diese kann man verschieden erreichen. Jeder Charakter hat jeweils X Minuten zum einen. Daneben kann man auch unabhängige timer laufen haben, die alle Y Minuten einen unangenehmen Umwelteffekt auslösen oder evtl einen Zusatzzug eines Gegners ermöglichen. Aber auch angenehme Anreize ziehen ganz gut. Oft hilft es schon, wenn der Spieler im Zug vor dem eigenen den Hinweis bekommt, gleich dran zu sein und sich vorbereiten sollte. Persönlich mag ich es aber, wenn eine Spielerin direkt zu Beginn des Zuges sagen kann, was sie jetzt tut, da sie aktiv verfolgt hat, was passiert und mitgedacht hat. Da vergebe ich gerne einen milden Bonus, als Metabelohnung, gerechtfertigt ingame vielleicht noch dadurch, dass der Charakter ebenso sehr bei der Sache ist.
Was ich vermeiden will, ist, dass ein Spieler mit Lineal und Zirkelschablone ständig maximiert, dass eine Gruppe in einem Getümmel von wenigen Sekunden taktische Halbzeit abhält, dass Punkte und Kosten konstant gegengerechnet werden. Das darf alles passieren, am besten während alle anderen dran sind. Wenn jeder 1 Minute hat kommt da in Summe genug Zeit bei raus, dass man selbst auch in einer Minute fertig wird.
Ne Standardaktion wäre für mich Abwehren oder einen einfachen kostenlosen Angriff ausführen. Etwas das ein offensichtlich gerade überwältigter Charakter noch intuitiv macht. Kann man vorab definieren. Und wenn Klärungsbedarf ist, ist ein Timer auch pausierbar, wir sind ja eben kein Videospiel. Mein Eindruck ist einfach, dass ein gewisser flow mit Vorwärtsmomentum mehr bringt als Minmaxing.
Ne neue Initiative jede Runde find ich auch spannend, ich mag nur die Buchhaltung dazu nicht. Da sehe ich jedoch praktisch einen signifikanten Mehrwert, der es für mich Wert sein kann, den flow kurz zu unterbrechen. Ich schwanke da.