Autor Thema: Darf ich alles Spielen unabhängig davon ob ich es verkörpern kann?  (Gelesen 2016 mal)

gilborn, treslibras, gunware (+ 1 Versteckte) und 6 Gäste betrachten dieses Thema.

Online nobody@home

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Andere Verbote etwas zu spielen mag es aber trozdem geben. "Wir spielen in Mittelerde, du darfst hier leider keinen Jediritter spielen"

Was dann in der Tat eine etwas andere Sache ist, zumal es ja nicht automatisch ein "Nein, du dürftest auch in einer Star-Wars-Kampagne keinen Jedi spielen, du kannst das einfach nicht" impliziert. :)

(Nebenbei: Ob man im konkreten einzelnen Kampagnenfall nicht ausnahmsweise doch mal ein Crossover erlauben möchte, sei dahingestellt. Vielleicht trägt's die Gruppe ja tatsächlich mit und alle haben Spaß...aber dann schadet es auch nicht, sich im Vorfeld schon mal abgesprochen und geeinigt zu haben.)

Online gunware

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Der Titel des Threads enthält imo eine Fehlannahme, nämlich dass ich einen Charakter verkörpern können muss. Das halte ich für falsch; ich muss ihn nur darstellen können.

Nichtmal das.

Weder das eine noch das  andere ist Voraussetzung, um sich einen Charakter zu erstellen und den zum Tisch zu bringen.

Was in die Welt passt und entsprechende Werte als Spielercharakter besitzt, kann gespielt werden.

Für mich als SL stellt sich die Frage gar nicht. (Ausnahme: Es darf auch nicht den Vorgaben für die Runde widersprechen, aber das betrifft alle SPL, nicht nur bestimmte.)
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Offline unicum

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Was dann in der Tat eine etwas andere Sache ist, zumal es ja nicht automatisch ein "Nein, du dürftest auch in einer Star-Wars-Kampagne keinen Jedi spielen, du kannst das einfach nicht" impliziert. :)

(Nebenbei: Ob man im konkreten einzelnen Kampagnenfall nicht ausnahmsweise doch mal ein Crossover erlauben möchte, sei dahingestellt. Vielleicht trägt's die Gruppe ja tatsächlich mit und alle haben Spaß...aber dann schadet es auch nicht, sich im Vorfeld schon mal abgesprochen und geeinigt zu haben.)

Hey ich hab das explizit geschrieben damit sich der Strang wieder in richtung EP bewegt das sich gerade NICHT um so etwa dreht. Im fraglichen Fall ist es völlig egal ob man einen Yedi gut verkörpern kann wenn man festgelegt hat: Mittelerde und im weiteren Schluss: da gibts keine Jedis und Mittelerde ist auch erstmal Mittelerde und nicht Mittelerde/SW Crossover.

Das geht in richtung des Charisma Stranges gegenüber
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,133558.0.html

Es gibt leute die können das gut verkörpern weil sie eben selbst charisma haben und solche die es nicht haben. Kampfexpertise haben die wenigsten auch leute die Kämpfer spielen. Taktische Expertise, etc pp da fehlts eben allenhalben (ich füge an: zum Glück). Charismatische Leute gibt es aber tatsächlich auch im Rollenspiel.

Ich denke deswegen kommt das Problem ja auch auf: Es gibt Leute die können das ein oder andere besser verkörpern und diejenigen die es nicht können denen es zu verbieten nur weil sie es nicht können? Naja wie sollen sie es denn lernen wenn sie es nicht mal versuchen?

Online nobody@home

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Was ein Regelwerk jeweils hergibt, kann sowieso je nach dem genau gemeinten eine potentiell massive Zahl von potentiellen Charakterkonzepten umfassen -- gerade Universalsysteme beschränken sich ja normalerweise nicht auf eine einigermaßen feste Zahl von Volk-und-Klassenkombinationen und sind rein von den Regeln her auch nicht auf nur ein Setting zugeschnitten.

Was sich dann in Sachen "Kann der Spieler das darstellen?" auch noch mal entsprechend auswirken würde, weil man da potentiell jedes einzelne ausgewählte und mehr oder weniger frei mit anderen zusammengestellte Charakterelement abklopfen müßte. ("Kannst Du jemanden mit einer Professur in altmarsianischer Geschichte wirklich überzeugend spielen?")

Offline Gondalf

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Ich denke nicht, dass das irrational ist. Denn meistens nerven diese Spieler ja vor allem deshalb, weil sie entweder alles ewig aufhalten oder alle aus der Immersion reißen.
Ich hab hier auch eine Spielerin, die meint, Face-Charaktere spielen zu können - dabei aber aufgrund mangelnder Sozialkompetenz ständig die ganze Gruppe entweder gegen sich aufbringt, oder in die Scheiße reitet.
Inzwischen hat man ihr zu verstehen gegeben, dass sie solche Chars besser nicht mehr spielen soll...

Das macht die Geschichte doch erst richtig unterhaltsam..  ~;D
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Offline Dr. Beckenstein

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Leute, letzten Endes heißt es R O L L E N S P I E L.

Jeder spielt jemanden, der er in Wirklichkeit nicht ist oder sein kann - es gibt keine echten Magier, und es gibt in einer Spielrunde auch niemanden, der z.B. überzeugend den ultracoolen, eleganten Agenten ihrer Majestät spielen kann.

Deshalb kannst du spielen, was du willst. Wenn deine Gruppe damit nicht klar kommt, rede mit ihr darüber. Wenn das nichts bringt, such dir eine neue. 

Oder machen wir jetzt in Runde 0 immer Eignungstests, ob man das Face / den Magier / die Kämpferin spiele darf?
„Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.“ - Jacques Yves Cousteau

Online nobody@home

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Leute, letzten Endes heißt es R O L L E N S P I E L.

Jeder spielt jemanden, der er in Wirklichkeit nicht ist oder sein kann - es gibt keine echten Magier, und es gibt in einer Spielrunde auch niemanden, der z.B. überzeugend den ultracoolen, eleganten Agenten ihrer Majestät spielen kann.

Deshalb kannst du spielen, was du willst. Wenn deine Gruppe damit nicht klar kommt, rede mit ihr darüber. Wenn das nichts bringt, such dir eine neue. 

Oder machen wir jetzt in Runde 0 immer Eignungstests, ob man das Face / den Magier / die Kämpferin spiele darf?

Mal ganz abgesehen von der armen Spielleitung, die ja alle möglichen und unmöglichen Arten von NSC spielen soll...wenn wir schon mit den Spielern so streng sein wollten, wie sollte die das alles dann jemals schaffen? ;D

Online manbehind

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Ich denke nicht, dass das irrational ist. Denn meistens nerven diese Spieler ja vor allem deshalb, weil sie entweder alles ewig aufhalten oder alle aus der Immersion reißen.
Ich hab hier auch eine Spielerin, die meint, Face-Charaktere spielen zu können - dabei aber aufgrund mangelnder Sozialkompetenz ständig die ganze Gruppe entweder gegen sich aufbringt, oder in die Scheiße reitet.
Inzwischen hat man ihr zu verstehen gegeben, dass sie solche Chars besser nicht mehr spielen soll...

Vielleicht könnte sie ja einfach einen Charakter spielen, der glaubt, ein guter "Face-Charakter" zu sein (und vielleicht zu erkennen beginnt, dass er das nicht ist)...?

Offline bolverk

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Mal ganz abgesehen von der armen Spielleitung, die ja alle möglichen und unmöglichen Arten von NSC spielen soll...wenn wir schon mit den Spielern so streng sein wollten, wie sollte die das alles dann jemals schaffen? ;D

Oh ja, guter Punkt. Wenn man von seinen Spielern verlangt, gefälligst nur solche Rollen zu spielen, die sie wenigstens leidlich darstellen können, sollte man dann nicht den selben Maßstab auch beim Spielleiter anlegen?
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Offline Zouan81

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Um auf die Frage des TE zu antworten:

Ja, Du darfst alles spielen, was das Setting an Auswahl hergibt.

Ob Du es dann auch authentisch verkörpern kannst, steht auf einem anderen Blatt.

Man darf sich fragen, ob ein Anfänger schon einen Magier spielen sollte, da es ja auch zusätzliche Regelkenntnisse zu den Zaubern erfordert.
Dürfen tut er das aber auf jeden Fall.

Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn


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Offline Tudor the Traveller

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Wenn man im Bereich des Hobbysports schaut, ist man da oft klar und sehr selbstverständlich von den eigenen Fähigkeiten limitiert:
Ich darf beim Fussball nicht von Anfang an auflaufen, wenn ich nicht zu den besten Elf gehöre. Und wenn es nur für die zweite Mannschaft reicht, dann obligt es einem selbst, damit klarzukommen.

Nun kann man Sagen: "So einen Sport- / Wettbewerbsgedanken will ich in meinem Rollenspielhobby nicht haben!"
Da kann man wenig dagegen einwenden, aber es gibt auch andere Runden, bei denen ein anderer, regelseitiger Leistungsgedanke sehr präsent ist: Da gibt es im "Combat as Sport" knackige Encounter und von Spielerseite wird durchaus erwartet, dass man mit einem einigermaßen optimierten "Build" daher kommt.
Liefert jemand nicht, so lese ich hier oft heraus, bekommt derjenige das durchaus zu spüren und es kann darin münden, dass der Spieler als nicht Gruppenkompatibel aussortiert wird.

[...]

Wie seht ihr das?

Ich sehe das so, dass ich jede Art von Leistungsgedanken im Rollenspiel ablehne. Da geht es doch um nichts außer Spaß.

Klar, ich suche mir Leute, die mit meinen Vorlieben möglichst kompatibel sind. Das kann bedeuten, dass man gerne taktisch / darstellerisch / dramaturgisch... anspruchsvoll spielen möchte. Aber ich käme nicht auf die Idee, da jemandem etwas zu verbieten. Wenn jemand die Gruppe nervt, gilt Regel 0. Das war es dann aber auch schon.
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This town isn’t big enough for two supervillains!
Oh, you’re a villain all right, just not a super one!
Yeah? What’s the difference?
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Offline Jiba

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Ja.

Uh, okay. Das challenge ich jetzt aber.

Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
- ums Verrecken nicht Taktieren... spielt dann den Taktiker der Gruppe qua Werten, aber seine Pläne gehen immer schief. Nachdem er damit seine Gefährten dadurch öfters an den Rand des TPK gebracht hat, aber darauf besteht, den doch immer wieder zu spielen... wie reagiert ihr da?
- oder sagen wir, der Spieler spielt seine Charaktere eher unvorbereitet, locker-flockig, die hören nicht so genau zu – aber er will nun einmal den Dieb spielen. Und tötet ständig die anderen Charaktere, weil er beim Fallen-Entschärfen nicht so genau aufpasst
- oder er kann sich halt überhaupt nicht dazu durchringen, den eigenen Charakter mutig und bestimmt agieren zu lassen. Der spielt seine Charaktere gerne schreckhaft, will aber derjenige sein, der in der Gruppe vorgeht.

Nein, ich glaube schon, dass es auch im herausforderungsorientieren Rollenspiel Spieler-Charakter-Konstellationen gibt, die einfach nicht in eure Runden passen, weil Betroffene die nicht der Gruppenerwartung angemessen ausspielen.
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Online gunware

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Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
.....
Ich weiß nicht, aber da würde ich eher sagen, dass sich die Gruppe nicht das optimale System ausgesucht hat, als dass der Spieler/Charakter nicht in die Gruppe passt.

Beispiele:
Taktik - nicht wie man sich positionieren soll, sondern Boni im Kampf anderen Charakteren geben, schon funktioniert das taktische Spiel
unaufmerksamer Spieler, Charakter mit guten Werten schafft die Probe und löst die Falle nicht aus
schreckhafter Spieler versus mutiger Charakter? Oder wie soll ich mir das vorstellen? Hohe Ini, dann kann er ruhig die erste Runde auf sich sammeln verwenden und Boni generieren oder was ähnliches. Falls ich es ansatzweise verstanden habe.

Klar, in einer fremden Runde klappt es nicht, aber je besser man sich kennt, desto einfacher ist es, die Spieler mit einem passenden System spielen zu lassen, was und wie sie möchten.
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Offline Galatea

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Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
- ums Verrecken nicht Taktieren... spielt dann den Taktiker der Gruppe qua Werten, aber seine Pläne gehen immer schief. Nachdem er damit seine Gefährten dadurch öfters an den Rand des TPK gebracht hat, aber darauf besteht, den doch immer wieder zu spielen... wie reagiert ihr da?
Also wenn die Werte ihren Sinn nicht in irgendeiner Form von selbst ins Spiel einbringen können, wozu gibt es dann überhaupt diese Werte?

Wenn es eine Fertigkeit Taktik gibt, dann sollte die entweder allen in der Szene einen allgemeinen Bonus geben (bei regelleichten Erzählspielen) oder spezifische mechanische Vorteile liefern (bei tabletoppigen Spielen ala D&D), z.B. indem man leichter die Schwachstellen von Gegnern trifft. Das hat dann zwar nicht unbedingt was mit der Szenarienplanung zu tun, aber mir wäre ohnehin neu, dass ein Spieler im Alleingang die Encounterstrategie der Gruppe plant.


- oder sagen wir, der Spieler spielt seine Charaktere eher unvorbereitet, locker-flockig, die hören nicht so genau zu – aber er will nun einmal den Dieb spielen. Und tötet ständig die anderen Charaktere, weil er beim Fallen-Entschärfen nicht so genau aufpasst
Wie kann man denn bei Fallen-Entschärfen "nicht so genau aufpassen"? Das ist ein Würfelwurf.

Leute, die nicht genau zuhören, das hatte ich schon. Ein Spiely in einer unserer Runden hatte hart ADS oder was in die Richtung (wusste 10 Sekunden nach der Besprechung nicht mehr was der Plan war, obwohl aktiv dabei und gute Ideen beigesteuert) und das war dazu noch eine Gruppe, die primär Heist und Undercoversachen gemacht hat. Dieselbe Runde hatte zudem noch einen Charakter der sich am besten mit "erst zuschlagen, dann Fragen stellen" beschreiben lässt. Nach dem zweiten Mal wussten alle Anderen worauf sie sich einlassen und die Pläne/Aufgaben wurden entsprechend angepasst. Es war turbulent und manchmal echt anstrengend, hat aber irgendwie funktioniert und sehr viel Spaß gemacht.


- oder er kann sich halt überhaupt nicht dazu durchringen, den eigenen Charakter mutig und bestimmt agieren zu lassen. Der spielt seine Charaktere gerne schreckhaft, will aber derjenige sein, der in der Gruppe vorgeht.
Das ist schon eher ein Problem, weil es die Handlungen des Charakters als Gesamtes betrifft und eine regelseitige Hilfestellung/Lösung praktisch unmöglich ist (das einzige, was mir da ansatzweise in den Sinn käme, wären die Waghalse aus dem Ratten-RPG, die einen ziemlich deftigen Bonus bekommen, wenn sie eine besonders waghalsige/riskante/abgefahrene Aktion machen - aber auch das kann die Persönlichkeit des Spielers auch nicht ändern).


Nein, ich glaube schon, dass es auch im herausforderungsorientieren Rollenspiel Spieler-Charakter-Konstellationen gibt, die einfach nicht in eure Runden passen, weil Betroffene die nicht der Gruppenerwartung angemessen ausspielen.
Rollenspiel ist halt immer ein Gemeinschaftsprojekt. Es kann nicht auf Kosten der Gruppe komplett einen Spieler bedienen.
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Online nobody@home

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Ich weiß nicht, aber da würde ich eher sagen, dass sich die Gruppe nicht das optimale System ausgesucht hat, als dass der Spieler/Charakter nicht in die Gruppe passt.

Da mag was dran sein. Ich meine, wenn mir ein bestimmter Spielaspekt wichtig ist, dann hätte ich doch ganz gerne auch Regeln, die den angemessen unterstützen, damit ich nicht einfach bloß handwedelnderweise in mehr oder weniger dichtem Nebel herumimprovisieren und mich auf das ähnlich fragwürdige Urteil von jemand anderem über die Qualität dieser Übung verlassen muß. (Dabei müssen diese Regeln nicht zwingend furchtbar ins Detail gehen oder auch nur ein eigenes vorspezialisiertes Untersystem bilden -- nur halt existieren und für meine Zwecke einigermaßen brauchbar sein, das sollten sie schon.)

Soweit's das Fadenthema betrifft, wäre also die Frage, inwieweit das jeweils verwendete System die Erschaffung eines Charakters mit den gewünschten Eigenschaften auch mechanisch geeignet unterstützt. Kann ich auch als taktisch nicht besonders ausgewiesenes Genie einen gewieften Taktiker wenigstens bauen, oder muß ich mich da schlicht auf meine Fluffbehauptung und mein eigenes be...scheidenes Können zurückziehen? Wie sieht's aus, wenn ich zu Naßforschheit oder gelegentlicher geistiger Abwesenheit neige, mein Charakterkonzept aber Disziplin und die Fähigkeit zur Konzentration erfordert -- was, wenn überhaupt, gibt's da so an Charakterelementen, die ich sinnvollerweise nehmen sollte? Und wenn ich eigentlich ein kleiner Feigling bin, aber doch gerne mal einen wirklich wagemutigen Helden spielen möchte (muß ja nicht gleich Leroy Jenkins sein), wie gut oder schlecht greift mir das System dabei unter die Arme?

Es gibt genügend Spiele, die auf keine dieser Fragen eine belastbare Antwort bereithalten, gleichzeitig aber ziemlich wenige, die vom Spieler wenigstens praktische HEMA-Kenntnisse oder eine Grundausbildung beim Bund verlangen, bevor sein Charakter halbwegs professionell eine Waffe in die Hand nehmen darf. Denn Kampfregeln, die einem auf zumindest diesem Gebiet eine reine Freistil-Impro-Abwicklung ersparen sollen, bringt ja aus welchem merkwürdigen Grund auch immer so ziemlich jedes System schon mit...

Offline Jiba

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Also wenn die Werte ihren Sinn nicht in irgendeiner Form von selbst ins Spiel einbringen können, wozu gibt es dann überhaupt diese Werte?

Wir reden hier vom oD&D-Spielstil. Da gibt es keine "Fertgkeit Fallen entschärfen" oder "Taktik"... Spielys sind dazu angehalten, mit voller Aufmerksamkeit die Spielwelt nach Fakten abzuklopfen, die dann im Besten Falle verhindern, dass man überhaupt würfeln muss, weil man zuvor schon einen perfekten Plan hatte.

Und da behaupte ich eben: Es gibt Spielys die haben für bestimmte Charaktere in solchen Konstellationen die nötigen "Soft Skills" nicht, sollen sie aber trotzdem uneingeschränkt spielen dürfen, obwohl sie damit den Rest der Spielgruppe in die Scheiße reiten? I don't buy it.
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Wir reden hier vom oD&D-Spielstil. Da gibt es keine "Fertgkeit Fallen entschärfen" oder "Taktik"... Spielys sind dazu angehalten, mit voller Aufmerksamkeit die Spielwelt nach Fakten abzuklopfen, die dann im Besten Falle verhindern, dass man überhaupt würfeln muss, weil man zuvor schon einen perfekten Plan hatte.

Und da behaupte ich eben: Es gibt Spielys die haben für bestimmte Charaktere in solchen Konstellationen die nötigen "Soft Skills" nicht, sollen sie aber trotzdem uneingeschränkt spielen dürfen, obwohl sie damit den Rest der Spielgruppe in die Scheiße reiten? I don't buy it.
Du denkst da glaube ich einen Schritt zu kurz. Solchen Spielern werden dann meistens nahe gelegt, vielleicht ein anderes Hobby oder eine andere Runde zu wählen, weil sie dann dem gewünschten Gruppenerlebnis insgesamt und egal was sie verkörpern wollen abträglich sind.
Ich bin viel lieber suess als ich kein Esel sein will...
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Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist

Offline Jiba

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Okay, und inwiefern unterscheidet sich das davon, dass man in einem anderen Spielstil bitte keinen Sozialcharakter spielen soll, wenn man nicht sozial ist? Wo zieht ihr da die Grenze?

Für mich stellt es sich exakt gleich da. Das uneingeschränkte "Ja" von Ghoul kann jedenfalls nicht gelten. Da ist also auch ein dickes "Aber" dabei.
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Online gilborn

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2) Selbst wenn ich an den Fähigkeiten des Gruppenmitglieds zweifeln würde, so hat es jedes Recht, sich selbst heraus zu fordern. Stichwort: mit den Herausforderungen wachsen und so.
Da steckt ein positives Menschenbild dahinter - das spricht für dich  :d



Aber manches ist ggf doofig wenn du taktisch eine Niete bist, deiner Spielfigur auch keine Fähigkeiten dazu gelernt hat du aber trozdem die Hauptentscheidungen der Gruppe einfordern willst,... ja dann könnte es in richtung gehen "Wir haben ein Problem" das geht in die Richtung "wenn die mehrheit in der Gruppe damit nicht klarkommt wie du deine Figur spielst".
Das finde ich eben sehr interessant.
Generell kommt mir der Tenor vor, dass bei defizitiären Darstellungsfähigkeiten mehr Nachsicht geübt wird, als auf Taktischer / Regelseitiger Ebene.
Eventuell weil letzteres gerne mal zum Tod auch des eigenen Charakters führen kann?  :think:



Mal ganz abgesehen von der armen Spielleitung, die ja alle möglichen und unmöglichen Arten von NSC spielen soll...wenn wir schon mit den Spielern so streng sein wollten, wie sollte die das alles dann jemals schaffen? ;D
Nur weil es da eine Grenze gibt, heißt das ja nicht, dass die nicht Großzügig gezogen sind.
Ich würde schon sagen, dass ein guter SL in der Darstellung seiner NPCs in der Regel ebenfalls gut ist. Ich denke, jemand der das nicht einigermaßen kann, ist auch gar nicht vom Amt des SLs angezogen...



Ich sehe das so, dass ich jede Art von Leistungsgedanken im Rollenspiel ablehne. Da geht es doch um nichts außer Spaß.
Deine Meinung unbenommen, ich finde mich da nur immer so semi wieder. Klar soll es Spaß machen, aber wenn es "nur" Spaß macht, dann ist mir das angesichts der Zeit die ich investiere, fast zu wenig.
Wenn ich etwas gern mache, dann mache ich es auch mit einem Schuss* Ehrgeiz, Akribe und Anspruch, durchaus auch mit Wettbewerbsgedanken und Arbeit- das bringt dann nicht nur Spaß, sondern mehr Spaß und zusätzlich auch Zufriedenheit.
(Wohlemerkt: ich spreche von einem Schuss, nicht von absoluten Fokus darauf; es geht durchaus auch locker zu in unseren Runden)

Offline 6

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Okay, und inwiefern unterscheidet sich das davon, dass man in einem anderen Spielstil bitte keinen Sozialcharakter spielen soll, wenn man nicht sozial ist? Wo zieht ihr da die Grenze?

Für mich stellt es sich exakt gleich da. Das uneingeschränkte "Ja" von Ghoul kann jedenfalls nicht gelten. Da ist also auch ein dickes "Aber" dabei.
Weil es hier im Thread um die Kompetenz geht, einen Charakter zu verkörpern. Dein Beispiel geht aber viel weiter, weil der Spieler dann nach mehreren TPKs keine Hilfestellung bei der Problemlösung annimmt (Mir fallen da typische Rollenspielbegriffe ein, die dabei angewendet werden. Die lasse ich hier aber weg, weil sie den Thread vom Thema wegführen würden).
Ich bin viel lieber suess als ich kein Esel sein will...
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Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern
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Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist

Offline ghoul

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Nach Jibas Logik dürfte der inkompetente OSR-Spieler dann ja eigentlich überhaupt nicht mehr mitspielen. Der wäre ja in allen Klassen schlecht.
Das kann es ja auch nicht sein.

Ich kenne Spielleiter, für die ist das System eigentlich egal. Ob sie CoC nehmen, Fhtagn oder Adrenalin - der Charakterbogen hat die Stats nur, damit die Spieler wissen, wo die Stärken und Schwächen ihrer Personnage liegen. Gewürfelt wird nicht oder nur mit Widerwillen des SL, pro forma.
Da sollen Spieler ihrer Rollen darstellen und Interaktion betreiben.
Aber auch hier frage ich mich: Kommt es denn  häufig vor, dass einem Spieler eine Rolle liegt und eine andere gar nicht? Ich denke, häufig sind die guten Charakterdarsteller in jeder Rolle gut und die "schlechten" in jeder Rolle "schlecht".

Zu OSR / OD&D / AD&D / B/X: Ich rate dazu, die Attribute rein spielmechanisch zu betrachten. Schließlich gibt es ja die Mechaniken dafür (und gerade das viel gescholtene Charisma ist wichtig für die Führung von Mietlingen und Gefolgsleuten - ganz bestimmt kein Dump Stat).
Tactician: 96%
PESA hilft!
PESA diskutiert.
Desweiteren: Alle deine Probleme wurden bereits in AD&D 1e gelöst.

Offline Luxferre

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Der Charisma Faden warf für mich eine Interessante Fragestellung auf:

Habe ich im Rollenspiel Anspruch darauf, alles spielen zu dürfen, was das Regelwerk hergibt?

Na da hast Du ja schnell die Abkürzung zu meiner eigentlichen Idee gefunden :) auch dafür mag ich das Forum!
Auf jeden Fall hat sich auch hierzu eine schöne Diskussion entfacht  :d
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Offline Zanji123

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da zu 90 % niemand weis wie sich Elfen den nun wirklich "anfühlen" und "in echt geben" oder wie ein Zwerg den so zu sein hat... ähm... ja klar.

Ich würde mal behaupten das in den aller wenigsten DSA Runden ein Elfenspieler sich wirklich an das alles hält was in "Aus Licht und Traum" steht den sonst könnte man keinen Elfen spielen.

Oder für Shadowrun:
Würde bedeuten nur ein ITler dürfte einen Decker/Hacker spielen oder zum Teil auch einen Rigger und für den Rest blieben dann ...alles andere außer Magier ...evtl. nur Leute mit einem Master in Physik weil die im Setting studiert haben müssen?


ich (als Spieler) muss nicht "Hacken" können (in der echten Welt)...weil es in Shadowrun hierfür einen Skill gibt.
ich muss nicht "Fallen Entschärfen" können (wer kann das schon in unserer Zeit) wenn es dafür einen Skill gibt
ich kann kein Flugzeug fliegen, dennoch kann das mein Charakter weil... es n skill drauf gibt.
Soziale Talente unterstützen mit einem Würfelwurf das gesagte (also man redet erst was man sagen möchte und würfelt dann so handel ich das immer ab)
usw usw.


die Bringschuld der Spieler ist daher nur
- kenne die Regeln
- lerne deinen Scheiss den du für deinen Charakter brauchst



würde ja im Umkehrschluss bedeuten der SL müsste
- einen IT Abschluss haben wenn er Hacker darstellen soll
- mega krass charismatisch sein damit er Edelleute darstellen darf
- hoch gebildet wenn er Studierte darstellen soll.
« Letzte Änderung: Heute um 08:30 von Zanji123 »
9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt.... die zehnte sitzt in der Ecke und summt die Pokécenter Melodie

Offline Luxferre

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Wenn ich gar nicht in der Lage bin etwas zu ver"körpern" (  ~;D  ), dann sollte man das aus reflektiertem Selbstbewusstsein auch sein lassen.
Und ich meine nicht, dass man als Ottonormalteddybär keine hageren Elflinge darstellen sollte, sondern es geht eher darum, etwas auszuspielen, was man nicht kann oder mag.

Wenn es mir eben nicht liegt, mitreißende Reden zu halten und aus mir heraus zu kommen und Götter grundsätzlich aufs Schärfste ablehne, dann sollte ich den Missionar auf Mission eher nicht spielen.

Und die Spielleitung sollte jemanden auch nicht in eine so unpassende Rolle pressen. Charaktere entwickeln sich ja mitunter auch etwas außerhalb des Einflusses der Spielenden. Da wäre es mehr als unfair jemandem eine Rolle aufzuzwängen, die dieser Person nicht liegt.

Davon ab gibt es wenig zu kritisieren an vermeintlich unpassenden Rollen.
Man kann das als Lernerfahung angehen und seine skills erstmal in kleiner, vertrauter Runde testen. Selbstbewusstsein aufbauen, reden und etwas Sicherheit finden.
Man kann etwas spielen, was gegen die eigene Natur ist, also den rücksichtsvollen und unterstützenden Heiler, anstelle das x-te Mal den natürlichen Anführer zu mimen nur weil man das auch im RL kann.
Oder auch moralische Grenzen antesten und den Schurken spielen, wo man im RL niemals diese Grenze überschreiten würde. Diebstahl, Intrige oder Auftragsmord.
Rollenspiel bietet das Spielfeld dafür.

Und darauf wollte ich eigentlich mit meinem Charisma-Thread und den Folgethemen hinaus: ein Plädoyer für mehr Entfaltung. Leute, geht mehr das spielen, was Euch vermeintlich nicht liegt. Und nutzt das Medium Rollenspiel für die persönliche Entfaltung. Ohne Druck.
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Online gilborn

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Na da hast Du ja schnell die Abkürzung zu meiner eigentlichen Idee gefunden :) auch dafür mag ich das Forum!
Auf jeden Fall hat sich auch hierzu eine schöne Diskussion entfacht  :d

Ah, du beziehst dich auf das?
Ich bin hier noch nicht fertig ;) ist erst Fragestellung 1 …

War auf jeden Fall ein 1A Steilpass   8)