Das ist, so meine Vermutung, bei den sozialen Fähigkeiten genau der Punkt weshalb viele Probleme damit haben, wenn es rein nach den Werten auf dem Charakterblatt geht.
Wenn man eine geile Idee hat, will man die ins Spiel einbringen und nicht dadurch gehindert sein, dass die verkörperte Figur nicht bis 3 zählen kann.
Das Konzept trägt nicht immer, aber eine mMn tolle Möglichkeit ist die explizite Entkoppelung von Spieler- und Charakterideen.
Ich kenne das insbesondere aus Spielen mit starren Hierarchien; da ist der Kommandeur/Schiffscaptain etc. dann ein hoch kompetenter NSC und wenn ein
Spieler eine Idee hat, die für seinen Charakter unpassend oder sozusagen undenkbar ist, dann hat der NSC die. Das beseitigt auch den nächsten Schritt, den Chef von der Idee überzeugen zu müssen

Es kann zumindest nahezu 1:1 sein, wenn man in direkter Rede spricht - diese Auflösung von Realwelt und Spielwelt wird ja gerade auch das Ziel von vielen Spielern.
Die Abstraktionsebene, die von dir angesprochen ist, soll also möglichst klein und vor allem nicht wahrnehmbar werden - was von Zeit zu Zeit durchaus gelingt.
Für mich müssen da allerdings alle Sterne richtig stehen, damit das zündet.
Viel öfter erlebe ich es, dass sich beim Versuch einer möglichst detaillierten Beschreibung* oder eines möglichst lebensnahen Ausspielens irgendwo ein Störgefühl einschleicht, weil die Lebenserfahrungen am Tisch einfach unterschiedlich sind.
Ich halte es für eine der großen Stärken des Rollenspiels, dass innerhalb eines gewissen Rahmens jeder sein eigenes Bild eines Vorgangs im Kopf haben kann. Je kleinteiliger und expliziter ich etwas beschreibe oder ausspiele, um so mehr müssen die Perspektiven und Erwartungen am Tisch deckungsgleich sein, damit das für alle weiterhin funktioniert.
*Auch wenn es ein anderes Medium ist: mein Paradebeispiel ist Lee Child, der Autor der Jack Reacher-Reihe.
Der hat keine Ahnung von Waffen oder Kämpfen, ist aber ein hervorragender Blender. Heißt, er hat sich über lange Jahre Erzähltechniken und Halbwissen angeeignet, um recht verlässlich ganz gute Kampfszenen abzuliefern. Aber wenn es zu lang oder zu detailreich wird, kommt fast unweigerlich ein Fehler auf, der zwar klein ist, aber seiner Art nach ein starker Indikator eben für den Umstand, dass da geblendet wird.
Das reißt mich dann immer komplett raus und ich denke jedes mal: Hätte er sich diesen einen Halbsatz gespart, wäre er damit durchgekommen.