Bleiben also als Rest soweit ich erkennen kann auf Spielerseite nur noch Leute, die sich berieseln lassen wollen. Das sind nicht mehr all zu viele, aber vielleicht habe ich ja noch jemanden vergessen.
Hast in der Tat eine Fraktion vergessen. Habe mal in einer Runde gespielt, in der der SL überall dort fast vollständig Railroading betrieben hat, wo es um den Fortgang der Story ging. Entscheidungen lagen da so gut wie nie in Spielerhänden. Außerdem gab es keinerlei Regeln. Die Spieler hatten ihre Charaktere im Kopf und haben in Zufallssituationen begleitend zur jeweiligen Aktionsbeschreibung nen W6 geworfen. Punkt.
Diese Runde hat aber aus genau drei Gründen extrem gut funktioniert:
1. Der SL war der kreativste, schlagfertigste und beste Erzähler, bei dem ich jemals spielen durfte, sowie außerdem ein unfassbar guter Schauspieler, der sich in eine derart irrwitzige Bandbreite von Charakteren hineindenken und diese plastisch rüberbringen konnte, dass es schlicht eine Wonne war. Absolut brillant, der Mann. Habe schon viele Meister erlebt (auch diverse, die sich hier seit langem im Forum tummeln und sich eine gewissen Reputation erworben haben), aber der war schlicht der Hammer. Insofern war das Spiel fast wie Kino, wenn es um die Story ging.
2. Es ging aber nicht nur um die Story, sondern auch in hohem Maße um die Charaktere. War die Story geprägt von krassem Railroading, hatten die Spieler bei der Charakterentfaltung völlig freie Hand und haben diesen Freiraum auch gerne und ausgiebig zu Rollenspielen im schauspielerische Sinne genutzt und der SL hat begeistert mitgemacht.
3. Das Setting war ebenfalls der Hammer. Wir haben Earthdawn ohne Regeln gespielt. Der SL war von Beruf Künstler und hat einen extrem geilen Caer auf Leinwand gemalt. Dieser Caer war bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und hat förmlich selbst geatmet. Viele Abende lang wurde in der Runde einfach nur Interaktion mit diversen NSC betrieben.
Niemand wollte sich also in der Runde einfach nur bedienen lassen. Vielmehr liessen die Spieler den SL in der Plotgestaltung in dem Wissen gewähren, dass die Story extrem geil wird. Insofern bedienen lassen. Dieser Mangel an Eigeninitiative wurde dann aber beim storyabgekoppelten Charakterspiel in einem abgegrenzten und wohldefinierten Setting nachgeholt.
Also eine Runde mit massivstem Railroading, die aber dennoch enorm viel Spaß gemacht hat. Wäre ich nicht umgezogen, würde ich da noch heute begeistert mitspielen

Nun dieser ganze Sermon bezogen auf das Thema des Threads: Aventurien ist reich an vielen schönen und gut ausgearbeiteten NSC, Organisationen, Kirchen, ethnischen Gruppierungen, whatever. Das ist wohl eine Stärke von DSA. Obwohl also die Metaplotabenteuer recht stark auf Schienen laufen, sehe ich ein grosses Potential für paralleles Charakterspiel.
P.S.: Und bitte bitte bitte: nachdem die ewigen und grauenhaften D&D-DSA-Vergleiche nun scheinbar endlich hinter uns liegen, macht bitte nicht gleich das nächste Fass auf und streitet Euch über die Deutungshoheit über GNS. Wenn es den Thread weiterbringt: gerne. Sonst bitte bitte bitte per PM!