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Autor Thema: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag  (Gelesen 11169 mal)

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evil bibu

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #175 am: 12.11.2012 | 13:45 »
Ich habe nochmal darüber nachgedacht: Eigentlich nervt mich dieser "Clash of Egos". Und der trat bei den Realismus- (und gleichartigen) Threads mir in letzter Zeit zu oft auf...
« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 13:47 von evil bibu »

Taschenschieber

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #176 am: 12.11.2012 | 13:51 »
Ich habe nochmal darüber nachgedacht: Eigentlich nervt mich dieser "Clash of Egos". Und der trat bei den Realismus- (und gleichartigen) Threads mir in letzter Zeit zu oft auf...

Ist bei mir genauso.

Unterschiedliche Spielstile finde ich völlig in Ordnung. Nur die permanenten Debatten, in denen jeder seinen Spielstil als den einzig richtigen darstellen muss, gehen mir auf den Keks.

Und ich habe nicht mal allgemein was gegen Debatten über Stil- und Geschmacksfragen.

Offline OldSam

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #177 am: 12.11.2012 | 14:02 »
Und jetzt geht's mir halt so, wenn ich Diskussionen über Realismus mitbekomme, dass ich denke "Ach herrje, glauben die den Blödsinn immer noch, davon bin ich ja vor zehn Jahren abgekommen". Ich betrachte mich also als spiel-evolutionär weiter fortgeschritten, weil ich diese Fehler schon durchlaufen und daraus gelernt habe. Ich würde mir also wünschen, dass andere aus meinen Fehlern lernen.

Was ja auch prinzipiell eine gute Sache ist, man sollte immer dazu lernen... In der Tat trifft diese Erkenntnis auf viele weniger erfahrene Rollenspieler zu, wobei es aber genau so auch hier einige AnfängerInnen gibt, denen Realismus egal ist und die z.B. einfach unrealistisches Hack&Slay wollen - und keiner wird wohl behaupten wollen, dass etwa Diablo-Style per se fortgeschrittenes Rollenspiel sei ;)

IMHO ist es darum wichtig noch einen Schritt weiterzugehen und zu erkennen, dass Fortschritt nicht einfach linear verläuft!
Eulenspiegel hat das grad schön zum Ausdruck gebracht, dass er sich oft wieder nach realistischen Systemen sehnt, so geht das mir auch oft, manchmal möchte ich aber auch z.B. sehr gerne mal weitgehend regelfrei und dramaturgie-zentriert spielen...

Fortschritt ist für mich ein dialektischer Prozess, der quasi spiralförmig nach oben verläuft (vom Modell her etwa wie ein DNA-Strang), d.h. man wendet durchaus auch immer wieder mal die selben Ansätze an wie früher, aber auf höherem Level.

Die nächste Stufe des Fortschritts kann daher sehr gut sein, dass man sich vermehrt wieder dem Streben nach Realismus im Spiel zuwendet, wobei man aber bereits viel Reflektion über Möglichkeiten/Unmöglichkeiten, Spielansprüche, Spielerleben, Spielfluß, Wahrnehmung von Plausibilität etc. mitbringt. Wiederum die nächste Stufe könnte sein, sich von Konzepten wie realistisch oder cinematisch und crunchigen Regeln ganz zu entfernen und beispielsweise das schauspielerische Element in den Vordergrund zu stellen oder es könnte auch sein, dass man für sich den Fokus auf taktisches Erleben und militärische Simulation in den Vordergrund stellen möchte oder vielleicht die rein dramaturgische, übertriebene Darstellung der Gefühlswelten und Konflikte etc. etc.

Mein Punkt ist also, es gibt nicht den einen Fortschritt auf der Skala, sondern es handelt sich immer um eine individuelle Weiterentwicklung! Es lässt sich nicht sagen, dass Ansatz A immer besser ist als B.
Wenn jemand z.B. von Anfang an immer nur das rein dramaturgische Charakterspiel ohne Anspruch auf Realitätsnähe als das einzig Wahre ansieht und alle anderen Ansätze geringschätzt, sehe ich darin keinen Fortschritt an Erfahrung. Unabhängig davon was man grad von dem jeweils gewählten Ansatz hält.
Es kommt für mich v.a. darauf an, dass man über die Zeit viele Perspektive eingenommen hat und aus diesen Erfahrungen dann seine eigenen Präferenzen bilden konnte und durch die reflektierte Spielweise jeweils sehr viel aus den aktuell gewählten Ansätzen herausholen kann.




« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 14:14 von OldSam »

Offline tartex

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #178 am: 12.11.2012 | 14:05 »
Da konnte man mich mit den Standardsprüchen wie "in dem System kann man alles machen, was man in echt auch machen kann" tatsächlich noch ködern. Oder ich bin auf "das und das ist realistisch" angesprungen und hab fleißig mitrealistisiert.

Ich fand, dass Shadowrun (1) das bessere System sei, weil es die meisten Sprachen auf der Skill-Liste hatte.  ;D

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Offline Brakiri

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #179 am: 12.11.2012 | 14:18 »
Ich würde da sogar noch weiter gehen.
Nach meiner Erfahrung ist es grade die Erkenntnis, dass man sich nicht ein Bestandteil aus dem RPG rauspicken kann, und damit komplett glücklich wird, sondern das man irgendwann merkt, das alle Bestandteile eine wichtige Rolle spielen (können), der nächste Schritt.

Plausibilität erhöht die Glaubwürdigkeit des Settings, was die Immersion erhöht. Nachvollziehbare NPCs tragen ihren Teil dazu bei, das die Immersion noch besser wird, man fängt an, sich an guten NPcs zu erfreuen, fällt selber noch stärker in die Rollen, reizt also den schauspielerischen Aspekt noch weiter aus usw.
Ebenso taktische oder eher cinematische Kämpfe. Es gibt die passende Zeit für beides, und auch viele Gelegenheiten, dies zu kombinieren um den Kampf noch besser zu machen. Taktischer Anspruch, UND cinematischer Ablauf/Beschreibung.

Ist so wie mit einem Essen im Restaurant im Vergleich mit einem Buffet.
Das Essen mag lecker sein, aber es ist nur ein Gericht, und in der nächsten Woche, möchte man vielleicht doch lieber was anderes essen. Beim Buffett findet man immer irgendwas was man mag, und so ist die Erfahrung viel spassiger weil für jeden was dabei ist, und man Buffet gerne auch öfters mal besucht.

Erstaunlicherweise habe ich primär SLs kennengelernt, die sich auf wenige Aspekte konzentrieren. Einer meiner Ex-SLs z.B. war ein toller Geschichtenerzähler, war aber nicht sicher im improvisieren, was dazu führte, dass die Eigenaktionen der Spieler, also das "Sandbox-Gespiele" nicht zu sonderlich viel geführt(und es hat dem SL auch nicht gefallen, von vom Pfad abzuweichen), weil es ausserhalb des Vorbereiteten lag. Auch mochte er die taktischen Kämpfe nicht, und wollte lieber NUR die Beschreibungen haben, was ihn unbefriedigt, und die taktischen Spieler eher ratlos zurücklies.

Für eine Kampagne mit vielen Facetten, braucht man einfach auch einen offen und sogar talentierten Spielleiter.
Meine Erfahrung ist: Wenn man ALLES einbaut/berücksichtigt, und jede Facette einfliessen lässt, ist das Ergebnis mehr als die Summe seiner Teile.
« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 14:22 von Brakiri »
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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #180 am: 12.11.2012 | 14:22 »
Feuersänger: Bei mir wars genauso, aber ich glaube auch, dass man bei der Abkehr vom Realismus-Wahn früher Tage nicht unbedingt von "Fortschritt" sprechen kann. Individueller Forschritt auf dem Weg zum persönlich favorisierten Spielstil vielleicht.

Den aktuell herrschenden Diskussionen spreche ich aber ab, dass sie in der Lage sind, realistisches Rollenspiel irgendwie zu befördern. So wird das nichts. Alles, was da wiedergegeben wird, ist zu 95% Meinung und Halbwissen, wenn man ernsthaft an Realismus interessiert wäre, würde man versuchen, bestimmte Dinge mit Quellen zu belegen. Spätestens dann würde man aber feststellen, dass man hier Dinge als absolut klar und unverrückbar feststehend sieht, bei der sich selbst die Experten und die Wissenschaft absolut uneinig sind.
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Offline Xemides

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #181 am: 12.11.2012 | 14:29 »
Deshald spreche ich ja auch davon, das sich für mich ein System realistisch oder plausibel anfühlen muß.

Ich spreche nicht von "sein", aber ich muß das Gefühl haben, das es so funktionieren könnte.
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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #182 am: 12.11.2012 | 14:33 »
Und davon, wie trügerisch dieses Gefühl ist, sprechen all die Threads, die aktuell überall wuchern.
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Offline gunware

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #183 am: 12.11.2012 | 14:36 »
Meine Erfahrung ist: Wenn man ALLES einbaut/berücksichtigt, und jede Facette einfliessen lässt, ist das Ergebnis mehr als die Summe seiner Teile.
Genau meine Meinung. Für One-Shot nicht so wichtig, aber in einer längeren Kampagne sehe ich (so gut wie) alle Facetten als Plus an.
Ich bin der letzte Schrei der Evolution, als sie mich erschaffen hatte, schrie sie: "Oh Gott, was habe ich denn gemacht?!"

Offline Brakiri

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #184 am: 12.11.2012 | 14:37 »
Deshald spreche ich ja auch davon, das sich für mich ein System realistisch oder plausibel anfühlen muß.

Ich spreche nicht von "sein", aber ich muß das Gefühl haben, das es so funktionieren könnte.

Genau so ist es. Diskussionen wenn alle nur Halbwissen mitbringen, bringen garnichts.
Man muss das "Gefühl" haben, dass man entweder sagen kann: "Ja, das könnte ich mir vorstellen", bzw., "Ok, glaube ich mal, habe ich zuwenig Ahnung von".
Wenn man da sitzt mit Fragezeichen, und denkt: "Häh? Wie soll denn das funktionieren?", oder "Wie kann der das wissen, wir haben das erst vor 1h gemacht, und niemand kann das in 20min rausgefunden haben!", dann darf man sich nicht wundern, wenn die Leute lieber diskutieren als sich "verarscht" vorzukommen.
Daher ist Glaubwürdigkeit so wichtig..ohne Sie wird eine Weltensimulation, die ein Setting im Kern ist, unglaubwürdig, und es macht oft keinen Spass sie zu bespielen, weil scheinbar nichts zusammenpasst.

Ich finde es kann sogar spannend sein, wenn jemand richtig Ahnung von einem Thema hat, und ein wenig erzählen kann, WARUM etwas Sinn oder keinen Sinn macht.
Das letzte Hard-Science-Setting hat ein Kumpel von mir geleitet, der Ingenieur ist. Ich habe nicht wenig aus der Kampagne gelernt. Das war teilweise hochinteressant.
Warum Plasmawaffen in der Atmosphäre nicht funktionieren, warum neutrale Partikelkanonen besser funktionieren als ionisierte, und warum es fragwürdig ist, Raketen im Weltall mit Sprengköpfen auszustatten.
« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 14:45 von Brakiri »
Alle meine Beiträge enthalten meine eigene, völlig subjektive Meinung, die weder Anspruch auf Vollständigkeit noch absolute Wahrheit erhebt.

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Eulenspiegel

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #185 am: 12.11.2012 | 14:39 »
@ La Dolge Vita
Welche Threads meinst du?

Der einzige Thread, der mir in letzter Zeit untergekommen ist und in dem versucht wird, realistisches Setting bzw. realistische Regeln zu implementieren, ist der hier:
Generisches Wirtschaftssystem für Fantasy-Settings
Und bei diesem Thread habe ich nicht das Gefühl, dass die Erkenntnisse besonders trügerisch sind. (Auch wenn sie sich für meinen Geschmack auf den letzten Seiten zu sehr auf High Magic à la D&D fokussieren.)

Bei allen anderen Threads der letzten ca. 6 Monate ging es doch eher darum, ob Realismus im RPG gut oder schlecht ist.

Offline Xemides

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #186 am: 12.11.2012 | 14:46 »
Und davon, wie trügerisch dieses Gefühl ist, sprechen all die Threads, die aktuell überall wuchern.

Warum sprechen sie davon ?

Wenn ich sage: System A macht mir Spaß, weil das erfüllt ist, System B aber nicht, weil es meinen SoD bricht, ist das doch eine Sache, die nicht trügerisch ist. Es ist einfach mein Gefühl.

Manchmal diskuttiere ich mit dem Sl darüber, warum etwas geht oder nicht, manchmal auch nicht.

Wenn es um Magie oder Psi geht, akzeptiere ich mehr Regeln, als im mundanen an der Realität angelehnten Bereich.

Wenn ich ein ausgesprochenes Superheldensystem spielen wollte, würde ich da auch weniger über Realität nachdenken.

Aber nochmal, wieso ist mein Gefühl trügerisch ? Solange ich beim Spiel zufrieden ist, ist doch alles bestens. Bei dir natürlich auch.

Die Diskussionen hier kann man auch als Austausch beschreiben, was der eine oder andere zum Wohlfühlen beim Spielen braucht. Wenn dich nicht interessiert wie andere Leute spielen, ließ es nicht.
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Offline Pyromancer

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #187 am: 12.11.2012 | 14:51 »
Sich an der realen Realität zu orientieren hilft auch nicht.

Ich hab mal (ohne das vorher zu erwähnen) für ein Abenteuer den Bodenplan einer real existierenden Burg hergenommen (ich mag es realistisch!), und dann hat sich tatsächlich ein Spieler tierisch aufgeregt und hat behauptet, dass in der Realität kein Mensch so bauen würde, dass das architektonisch totaler Schwachsinn sei und realistischerweise müsste doch hier und da... und dort nicht... und überhaupt wolle ich ja nur die Spieler kleinhalten usw.

Der wurde nicht mal kleinlaut, als ich ihm gesagt habe, wo das Original steht, und das er sich das doch gerne anschauen soll, wenn er mir nicht glaubt. Er wusste es trotzdem besser und hat dann nur grummelnd und widerwillig weitergespielt.

Eulenspiegel

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #188 am: 12.11.2012 | 14:56 »
@ Pyromancer
Ich vermute mal, der Spieler war kein Realismus-Fan sondern ein Powergamer oder Munchkin und hat das Realismus-Argument nur als Vorwand benutzt, um sich Vorteile zuzuschustern

Ich persönlich würde mich jedenfalls riesig darüber freuen, wenn unser SL reale Bodenpläne benutzen würde. - Wahrscheinlich würde ich auch fälschlicherweise einige Sachen als unrealistisch einstufen. Aber spätestens dann, wenn der SL sagt, dass die Bodenpläne real sind, wäre mein Interesse für die Burg geweckt. Und wenn er dann noch ein paar reale Geschehnisse aus der Burg in den Plot einfließen lässt, hätte der SL mich komplett auf seiner Seite.

ErikErikson

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #189 am: 12.11.2012 | 14:57 »
Bei Midgard sind viele Bodenpläne real. Sicher z.B. beim "Schwarzen Herz der Finsterniss."

Im übrigen finde ich Realismus schon wichtig, weil die Spieler das Gefühl haben sollen, das alles logisch und realistisch ist. Wenn man so WTF Momente hat, ist das nicht gut.

Offline Feuersänger

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #190 am: 12.11.2012 | 14:59 »
@ La Dolge Vita
Welche Threads meinst du?

Der einzige Thread, der mir in letzter Zeit untergekommen ist und in dem versucht wird, realistisches Setting bzw. realistische Regeln zu implementieren, ist der hier:
Generisches Wirtschaftssystem für Fantasy-Settings
Und bei diesem Thread habe ich nicht das Gefühl, dass die Erkenntnisse besonders trügerisch sind. (Auch wenn sie sich für meinen Geschmack auf den letzten Seiten zu sehr auf High Magic à la D&D fokussieren.)

Bei allen anderen Threads der letzten ca. 6 Monate ging es doch eher darum, ob Realismus im RPG gut oder schlecht ist.

In diesem genannten Thread geht es ja auch primär um den "Unterbau"; dadurch soll sichergestellt werden, dass die Welt plausibel funktioniert. Das lässt sich sicher auch bei Bedarf direkt in Abenteuer einbauen ("ein Wagenkonvoi liefert Getreide zur Provinz X" -- nun kann man ausrechnen, wie groß dieser Konvoi sein muss), oder man kann auch die mitgelieferte historische Preisliste hernehmen, wenn einem die Spiel-Preislisten offenkundig blödsinnig erscheinen ("ein Ruderboot soll 6000 Silbertaler kosten?" -- gut, in der historischen Preisliste stehen leider keine Boote).

In erster Linie dient sowas bei mir dazu, einen Bruch des SoD zu vermeiden. "Was, dieses 1000-Seelen-Kaff soll eine 100 Mann starke Stadtwache aus schwer gepanzerten Berufskriegern unterhalten?".

Es schwirrt aber derzeit noch eine ganze Welle von Realismusthreads durchs Forum, vor allem im Rollenspiel- und Weltenbau Bereich, hauptsächlich von Gummibär erstellt. Wo es um so Fragen geht wie "Welches Attribut ist für den Nahkampf realistisch" oder "Welche Waffenart ist gegen welche Rüstungsart realistischerweise effektiv" und so weiter. Da geht es um eine direkte Implementierung in die ständig benötigten Spielregeln, und da prallen ganz schnell die Meinungen aufeinander: "Gewandheit." - "Nein, Stärke." oder "Kettenpanzer sind natürlich leicht von Stichwaffen zu durchdringen." - "Nein, von Wuchtwaffen." - "Ich hab mal auf Galileo gesehen..." - "Ich war mal in einer Mittelaltergruppe..."
Und da ist haben wir halt die Situation, dass die Meinung des einen achtzehn wert ist, die des anderen aber zwanzig weniger zwei.
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat

Offline Captain T

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #191 am: 12.11.2012 | 15:08 »
@ Pyromancer
Ich vermute mal, der Spieler war kein Realismus-Fan sondern ein Powergamer oder Munchkin und hat das Realismus-Argument nur als Vorwand benutzt, um sich Vorteile zuzuschustern

No true scotsman?
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Eulenspiegel

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #192 am: 12.11.2012 | 15:15 »
@ Strindberg der Seefahrer
Ja, die Gummibär-Threads:
Die wurden ursprünglich mit der Intention geschrieben, realistische Regeln zu implementieren. Mittlerweile sind die meisten dieser Threads doch aber zu einem "Ist Realismus ein toller Spielstil?" und "Kann man das ganze nicht auch ohne Realismus lösen?" verkommen.

Man könnte darüber sprechen, welche Eigenschaften bei welcher Waffengattung besonders wichtig und dominant sind. Aber dann wird der Thread von irgendwelchen Realismus-Gegner gekapert die sagen: "Hey, das ist ja total unausbalanciert. Und man kann das ganze doch auch komplett anders lösen. Und legt doch mehr Wert auf die Regeln als auf den Realismus etc."

Zitat
Da geht es um eine direkte Implementierung in die ständig benötigten Spielregeln, und da prallen ganz schnell die Meinungen aufeinander:
Ja, bevor man über eine Implementierung in Spielregeln redet, sollte man erstmal die Fakten sammeln und sondieren.

Aber da ist halt das Problem einiger besonders Ungeduldiger: Sobald man eine bestimmte Sachen vorbringt, versuchen andere, es gleich in eine Regel zu implementieren.

Oder im aktuellen Thread Welches Attribut für Angriff im Nahkampf? hatte ein User die Idee, ein Regelsystem zu schreiben, in dem die Waffen keinen speziellen Waffenschaden machen. Anstatt jetzt aber einfach das System zu schreiben, taucht er in allen Threads auf und versucht die anderen davon zu überzeugen, dass sein Regelwerk realistisch sei.

Für Realismus-Debatten ist es aber der komplett falsche Ansatz: Man schreibt nicht erst ein Regelwerk und diskutiert dann darüber, ob es realistisch sei. Man diskutiert erst darüber, was realistisch ist und schreibt dann darauf aufbauend ein Regelwerk.

@ La Dolge Vita
Nicht jeder, der einen gefälschten Schottenausweis besitzt, ist auch ein wahrer Schotte. Um ein echter Schotte zu sein, muss man entweder in Schottland geboren sein oder beide Eltern müssen in Schottland geboren sein oder man muss mind. 10 Jahre in Schottland leben, sonst ist man kein wahrer Schotte.

Und um ein Realismus-Fan zu sein, muss man sich für Realismus interessieren und diesen toll finden, sonst ist man kein Realismus-Fan. Oder wie definierst du "Realismus-Fan"?

Offline Teylen

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #193 am: 12.11.2012 | 15:23 »
Wieso läßt man die Realismus Fans nicht einfach machen, diskutieren, streiten, ihre Meinung und Ergebnisse haben wie sie wollen?
Die stehlen damit doch keinem die Butter vom Rollenspielbrot und ob sie nun glücklich sind oder nicht kann man doch auch denen überlassen?

Aber dann wird der Thread [von Gummibär] von irgendwelchen Realismus-Gegner gekapert die sagen: "Hey, das ist ja total unausbalanciert. [..]
Das liegt daran weil Gummibär nicht nur ein realistisches System haben will, sondern auch eins das ausbalanciert ist.
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Offline ArneBab

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #194 am: 12.11.2012 | 15:57 »
Das liegt daran weil Gummibär nicht nur ein realistisches System haben will, sondern auch eins das ausbalanciert ist.
Aber das ist doch nicht realistisch!

(sorry, ich konnte nicht widerstehen :) )

Ich denke, das allgemeine Problem an Realismus-Threads ist, dass wir alle der Meinung sind, zu wissen was realistisch ist. Schließlich leben wir ja in der Realität, und die verstehen wir doch, oder?

Also wir verstehen sie doch mindestens so gut wie die Wirtschaftswissenschaftler, die bei der Euro-Einführung versäumt haben, den Staaten ein Werkzeug in die Hand zu geben, das ausgleicht, dass sie ihre Währung nicht mehr abwerten können. Oder etwa nicht?

Und wenn ich mir jetzt vorstelle, diese Wirtschaftswissenschaftler hätten unser Regelwerk zur Simulation der Weltwirtschaft geschrieben…

Warte mal, das haben sie ja…

Zum Glück verwende ich das nicht im Rollenspiel, sonst hätten längst irgendwelche Powergamer gezielt eine Bankenkrise verursacht, um an das Geld der kleinen Leute zu kommen…

Hätte das einen Streit mit den Erzähl-Fans verursacht, die gesagt hätten, dass so die meisten Spieler weniger reißen können und für die meisten der Spaß am Spiel verloren ginge…

Ähm, zurück zum Thema: Nein, wir wissen nicht, was realistisch ist, weil wir immer nur unsere individuellen Erfahrungen haben und dadurch die wirkliche Spannbreite der Möglichkeiten höchstens mit wissenschaftlichen Untersuchungen feststellen können - und selbst damit nur in Grenzen. Und die Ergebnisse davon wären dann für viele nicht plausibel, weil sie ihrer persönlichen Erfahrung widersprechen würden.
« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 16:01 von ArneBab »
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Offline OldSam

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #195 am: 12.11.2012 | 16:32 »
Der wurde nicht mal kleinlaut, als ich ihm gesagt habe, wo das Original steht, und das er sich das doch gerne anschauen soll, wenn er mir nicht glaubt. Er wusste es trotzdem besser und hat dann nur grummelnd und widerwillig weitergespielt.

Tja, leider die verbreitete menschliche Schwäche eigene Fehler ständig nicht eingestehen zu können und zu versuchen dies durch Pseudo-Stärke/lautes Auftreten/"Selbstsicherheit" etc. zu kaschieren...
IMHO ist das Verhalten v.a. dann aufschlußreich, wenn man sich fragt, worum es dem Spieler eigentlich tatsächlich ging...
Ich bin ziemlich sicher, dass es in einem Fall wie diesem eben nicht ein ehrliches Streben nach Realismus war.

Wenn es ehrliches Interesse an realitätsnahem Spiel wäre, müsste man annehmen, dass derjenige das Original klaglos akzeptiert, mit dem Eingeständnis des eigenen Irrtums. Und das wäre noch nicht mal ein Zeugnis geringerer Kompetenz, da ja jede Burg letztlich auch ein Unikat darstellt und manche Bauentscheidungen real tatsächlich relativ fragwürdig waren, trotzdem aber einfach faktisch vorkamen... *

Viel wahrscheinlicher wären wohl seinerseits Motivationen wie etwa die Suche nach dem spielerischen taktischen Vorteil, wenn ihm da was nicht gepasst hat oder generell das Bedürfnis "klug zu reden", z.B. weil er grad das emotionale Bedürfnis hatte als kompetent anerkannt zu werden. Es könnte auch sein, dass es eine Projektion eigenen Frusts war, oder oder... Jedenfalls nicht das worum es augenscheinlich ging, das war sehr wahrscheinlich nur ein rationalisierendes Instrument.


---
*: In der Tat ist es ja leider nicht mal so, dass unsere heutigen Architekten viel gelernt hätten aus zig Jahrhunderten der Erfahrungen mit dem Gebäudebau - aktuell ist es bei vielen allein das Design was zählt, etwa energetisch sinnvolle Maßnahmen braucht man ja nicht, wenn man stattdessen einfach hofft, dass die Klimaanlagen den ganzen Blödsinn schon irgendwie rausreißen werden...   ::)
« Letzte Änderung: 12.11.2012 | 16:34 von OldSam »

Offline Bad Horse

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #196 am: 12.11.2012 | 18:37 »
"Realistisch" wird einfach viel zu oft als Totschlagargument verwendet, um die eigene Meinung durchzusetzen.
Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity.

Korrekter Imperativ bei starken Verben: Lies! Nimm! Gib! Tritt! Stirb!

Ein Pao ist eine nachbarschaftsgroße Arztdose, die explodiert, wenn man darauf tanzt. Und: Hast du einen Kraftsnack rückwärts geraucht?

ErikErikson

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #197 am: 12.11.2012 | 18:39 »
"Realistisch" wird einfach viel zu oft als Totschlagargument verwendet, um die eigene Meinung durchzusetzen.

Total unrealistisch ,was du da schreibst.

Offline Bad Horse

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #198 am: 12.11.2012 | 18:42 »
Total unrealistisch ,was du da schreibst.

Ich weiß.  ^-^


Das hier ist ja auch der Anti-Realismus-Thread.
Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity.

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Offline YY

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Re: [Rant] Warum ich keinen Realismus mag
« Antwort #199 am: 12.11.2012 | 18:42 »
"Realistisch" wird einfach viel zu oft als Totschlagargument verwendet, um die eigene Meinung durchzusetzen.

Was übrigens über einige Threads breiter Konsens unter den "Realisten" war... ;)
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer