So, ich bin nun mit dem Cthulhu Grundregelwerk durch - habe da recht gemischte Gefühle.
Das Spiel wird mir sicher Spaß machen und ich finde es in vielen Bereichen gut designed. Soweit so gut, nur sind mir zwei Dinge aufgefallen, die mich echt verwundern.
A) Ja, Sanity kann schnell bergab gehen, aber ich habe den Eindruck, dass man hier durch vorsichtiges Spiel und entschleunigtes Spiel viel Tödlichkeit rausnehmen kann - ich muss eben nicht zwingend immer alles an einem Tag machen, sondern kann mich auch nochmal zurückziehen und mit frischem Kopf (höhö) nochmal an die Sache rangehen. Ich meine, dass actual plays und Podcasts und Co hier ein sehr einseitiges Bild zeichnen und das mit dem Wahnsinn viel zu stark „zelebrieren“. Täusche ich mich hier?
B1) wie schlecht sind denn bitte die Regeln geschrieben? Ich finde sie viel zu sufgebläht verfasst, das ganze System wirkt viel komplizierter als es ist. Beispiel:
Bonuswürfel und Strafwürfel
(Vor Allem beim Kräftemessen einzusetzen.)
Manchmal können sich allgemeine Umgebungsbe-
dingungen, besondere Umstände der Investigatoren oder
schlicht die zur Verfügung stehende Zeit positiv oder negativ
auf eine Probe auswirken. In solchen Fällen kann der Spiel-
leiter „Bonuswürfel“ oder „Strafwürfel“ zuteilen.
Bonus- und Strafwürfel sind nicht einfach nur ein paar
Prozentpunkte, die zum Ergebnis der Probe hinzugezählt oder
davon abgezogen werden – sie sollten also nicht ohne wirklich
einleuchtenden, plausiblen Grund vergeben werden. Über Fak-
toren, die höchstens ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger
ausmachen, sollte man sich also nicht den Kopf zerbrechen.
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird der Spiel-
leiter eine Probe mit nicht mehr als einem Bonus- oder Straf-
würfel unterstützen bzw. untergraben; sollten sich jedoch
einmal ganz außergewöhnlich vorteilhafte bzw. nachteilige
Umstände ergeben, kann ausnahmsweise auch ein zweiter
Bonus- oder Strafwürfel gewährt werden.
Liegen gute Gründe sowohl für die Gewährung eines
Bonus- als auch eines Strafwürfels vor, so heben die beiden
einander auf, und die Probe wird gewürfelt wie üblich.
Für jeden Bonuswürfel …
… bei einer Probe wird zusätzlich zu den beiden zehnseitigen
Würfeln, mit denen im Regelfall 1W100 dargestellt wird, ein wei-
terer zehnseitiger Würfel als zusätzlicher Zehnerwürfel verwen-
det. Die Probe wird also mit drei Würfeln gemacht, einem für die
Einer und zweien für die Zehner. Hat man einen Bonuswürfel,
kann man von den beiden Zehnerwürfeln denjenigen verwen-
den, mit dem sich das bessere (d.h. niedrigere) Resultat ergibt.
Für jeden Strafwürfel …
… wird zusätzlich zu den beiden zehnseitigen Würfeln des
1W100 ein weiterer zehnseitiger Würfel als zusätzlicher Zeh-
nerwürfel verwendet. Die Probe wird also mit drei Würfeln
gemacht, einem für die Einer und zweien für die Zehner. Hat
man einen Strafwürfel, muss man von den beiden Zehner-
würfeln denjenigen verwenden, mit dem sich das schlechtere
(d.h. höhere) Resultat ergibt. (S. 85-86)
Was für eine Zeilendrescherei. Zuerst einmal stimme ich nicht zu, die paar Prozentpunkte hin und her machen einiges aus (zumal ich beim Steigern einer Fähigkeit dieselbe nur um w10 erhöhen darf), aber die Beschreibung plätschert halt die ganze Zeit so dahin.
Anderes Beispiel wäre der Kampf, der mit so Sätzen beschrieben wird wie
„ Um die Kampfregeln zu erläutern, soll das Beispiel eines ein-
fachen, klassischen Faustkampfes Mann gegen Mann heran-
gezogen werden. […] Dieser Kampf könnte eine Kneipenschlägerei sein, oder
jede andere Situation, in der zwei Menschen ohne weitere
Hilfsmittel in aggressiver Absicht aufeinander losgehen. Es
geht nicht um einen Boxkampf oder um Training in einer der
zahlreichen Selbstverteidigungssportarten. Hier geht es mit
harten Bandagen zur Sache, kein Trick ist verboten – eine ge-
meine, rücksichtslose Prügelei, bei der die Fäuste fliegen, wo
mit Füßen getreten und an den Haaren gezogen wird, es wird
gekratzt, gebissen, Schädel werden aneinandergerammt,
Finger gequetscht, auf Weichteile gezielt, ins Auge gelangt,
Zähne werden gespuckt.„
WTF, beim Barte des Dämonensultans, was für ein Geplätscher. Ich hab für sowas keine Zeit im Leben! Ich will zocken, da müssen die Regeln Knallen, Klar und eindeutig sein und schnell nachschaubar!
B2) manche Textpassagen zum Mythos wiederholen sich fast wortgleich:
Die Äußeren Götter stehen bis zu einem gewissen Maß
unter der Kontrolle Nyarlathoteps, der als ihr Bote und ihre
Seele bezeichnet wird. Wenn die Äußeren Götter unzufrieden
sind, sieht Nyarlathotep nach dem Rechten. Azathoth, der Dä-
monensultan und Herrscher des Kosmos, windet sich geistlos
zum Pfeifen von Dämonenflöten im Zentrum des Universums.
Yog-Sothoth, entweder sein Stellvertreter oder Mitherrscher,
steht mit allem Raum und aller Zeit in Verbindung, sitzt aber
irgendwie außerhalb des profanen Universums fest. Yog-So-
thoth kann nur durch mächtige Zaubersprüche auf diese Sei-
te des Universums beschworen werden, während man auf
Azathoth theoretisch auch treffen kann, wenn man nur weit
genug ins All hinaus reist. Eine Gruppe Äußerer Götter und
anderer bizarrer Wesen tanzt langsam um Azathoth herum,
doch von keinem von ihnen kennt man den Namen. (S. 20)
Die Äußeren Götter werden bis zu einem gewissen Grad
von Nyarlathotep, ihrem Sendboten und ihrer Seele, kont-
rolliert oder zumindest repräsentiert. Ist den Äußeren Göt-
ter unbehaglich, ermittelt Nyarlathotep. Azathoth, der Dä-
monensultan und Herrscher des Universums, windet sich
im Zentrum des Universums geistlos zur Musik einer dä-
monischen Flöte. Yog-Sothoth, eine Art Vizeherrscher oder
Mitherrscher, existiert überall und zu jeder Zeit zugleich, ist
aber irgendwo außerhalb des alltäglichen Universums ein-
geschlossen. Er kann deswegen nur mit sehr mächtigen Zau-
bern auf diese Seite gerufen werden, wohingegen man Aza-
thoth theoretisch bereits begegnen könnte, indem man lange
genug durch das Weltall reist. Eine Reihe namenloser Gott-
heiten und ihre Diener tanzen langsam um Azathoth herum.
Zu den Äußeren Göttern zählen Abhoth, Azathoth, Dao-
loth, die Niederen Anderen Götter, Nyarlathotep, Shub-Nig-
gurath, Tulzscha, Ubbo Sathla, Yibb-Tstll und Yog-Sothoth.(S. 284)
Irgendwie dachte ich mir da: denkt ihr ich bin doof, dass ich das jetzt nochmal lesen soll?
Anyway: cooles System und ich bin gespannt auf die Kampagne, tolles Production value des Buches aber wäre es teurer würde ich mich in der Zeilendrescherei echt ärgern.
Ich hoffe dass das Abenteuer vernünftig geschrieben sind sonst wird das fucking viel Arbeit, aus der Erzählonkelei ein gescheites Manuskript für den Tisch zu machen