Ich fand es super, dass ihr offen und schonungslos Lovecraft als Autor dekonstruiert habt. Begriffe wie "Incel" und "Antisemit" finde ich in diesem Zusammenhang absolut passend. Allerdings finde ich auch, dass der Fokus im weiteren Verlauf des Gesprächs etwas verloren geht. Gerade bei der Besprechung der Szenarien werden v.a. Behauptungen rausgehauen ohne wirklich Belege. Und das sage ich jetzt als absoluter Nicht-Cthulhu-Fan. Im Vergleich zur Tekumel-Folge hätte hier entweder ein biografischer Fokus oder ein Fokus auf die Geschichten gut getan.
Was mich aber wirklich stört, ist dass ihr LotfP empfehlt. Ich kann hier nicht anders als Double-Standards zu sehen. James Raggi ist für mich der Inbegriff des Incel-Nerds, der mit misogyner Ästhetik im Gewand anti-bürgerlicher Schockkunst Geld gemacht hat. Mit seinem eigenem Cult-Following wie ich fürchte. Ich fände es gut, wenn ihr da auch mal kritisch draufschaut, so wie ihr es bei anderen Fandoms macht. Die Begründung, dass ihr den Raggi kennt und wisst, wie er es eigentlich meint, ist da nicht hilfreich, weil es ja von den Apologeten HPLs und anderen Konsorten genauso gemacht wird.
Zum Thema Lovecraft vs. Howard: Lovecraft ist für mich v.a. eine Projektionsfläche für moderne Nerds, die sich mit seiner Außenseiterrolle identifzieren. Diese Rolle ist aber IMHO stark stilisiert - sowohl von HPL selbst als auch vom modernen Fandom. Er ist also eine Kunstfigur, der man nicht auf dem Leim gehen sollte. Er war, glaube ich, nicht der schlimmste Autor der Fantasy-Geschichte oder so. Aber er war halt ein Antisemit. Daher wundere ich mich, warum man sich nicht geniert, mit seiner Fresse auf T-Shirts rumzulaufen oder sogar eine Büste von ihm sich hinzustellen (von Trophäen gar nicht zu sprechen). Bei Howard sehe ich das nicht. Gibt es von ihm einen Preis, der sein Konterfei zeigt? Die Settings spielen dabei für mich keine so große Rolle. Dass es bei Howard und bei HPL Rassismus in den Stories gibt, ist ja eine Binse. Dann muss man aufhören, Appendix N zu lesen mMn.