Autor Thema: Rules for... Übersetzung  (Gelesen 2030 mal)

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Offline Vash the stampede

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Rules for... Übersetzung
« am: 24.05.2021 | 19:59 »
Heya

Im Rahmen eines Fanprojekts übersetze ich mir gerade noch nicht auf deutsch veröffentliche Anteile eines Rollenspiels. Dabei fiel mir etwas auf und möchte gerne eure Gedanken dazu lesen.

Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

Doch zu euch.
Was zeichnen gute Übersetzungen für euch aus?
Welchen Regeln sollten sie folgen?
Und was dürfen oder sollten sie auf keinen Fall tun?
« Letzte Änderung: 24.05.2021 | 20:58 von Vash the stampede »
Machen
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Online schneeland

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #1 am: 24.05.2021 | 20:56 »
Eine gute Übersetzung orientiert sich für mich eher am Sinn des Inhalts und nicht an der Form - es gibt wenig, was mir unmittelbarer sauer aufstößt als ein Text, bei dem ich englischen Satzbau und Worte noch deutlich wahrnehme.
"Bonuspunkt" für große Marken: ein Gemisch von deutsch und englisch.

Ansonsten: ich mag die Schwafeligkeit von (manchen/vielen) Rollenspieltexten auch nicht - da empfinde ich es dann aber schon als schwierig, das in der Übersetzung komplett einzudampfen.
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Offline YY

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #2 am: 24.05.2021 | 21:01 »
Insbesondere in relativ enger Abstimmung mit dem Autor dürfen Rollenspielübersetzungen für mich gerne eine Edition 1.5 sein.
Das betrifft zuallererst natürlich Fehler und Unklarheiten, aber einen "schwafeligen" Text eindampfen und umschreiben darf man dabei mMn auch - wobei der Autor dann ab einem gewissen Punkt außen vor sein dürfte, weil er die Änderungen dank Sprachbarriere nicht mehr so recht überblickt.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
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Offline Moonmoth

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #3 am: 24.05.2021 | 21:03 »
(…) der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.
Nun ja, in manchem ist die deutsche Sprache knapper und braucht weniger (dafür oft zusammengesetzte und daher lange) Worte. Schreib sie um und mach es sinnvoll und klar.
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Offline Timo

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #4 am: 24.05.2021 | 21:36 »
Was mir so spontan einfällt als sehr wichtig:
Die Regelbegriffe sollten durchgängig gleich übersetzt sein und es sollte möglichst nie Flufftext mit Regelbegriffen belegt sein, wenn es nicht anders geht, Regelbegriffe Fett drucken im Fließtext und wenn nciht normal kann funktionieren, kann aber auch immense Probleme erzeugen, wenn im Layout das mal falsch gemacht wird.

zB: D&D5 (rein ausgedachtes Bsp, kein echter Vorfall)
Im Original Regelbegriff Skill wird mit Fertigkeit übersetzt. Aber auf Seite X werden die Fertigkeiten dann Fähigkeiten genannt, dumm nur, dass Classskills mit (Klassen)Fähigkeiten übersetzt wurde...
...
In einem Beispieltext zu Waffen wird die Fähigkeit im Umgang mit diesen erwähnt, was aber keinerlei Regelrelevanz hat, sondern einfach nur der dt. Sprachgebrauch ist...
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Offline ghoul

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #5 am: 24.05.2021 | 21:39 »
Lose am Wortlaut orientieren, aber keine Scheu haben zum Umformulieren!
Was auf American English locker-flockig wirkt, klingt auf deutsch schnell Mal nach unmotiviertem 7.-Klasse-Aufsatz (13Mann-Spinwärtsmarken, ich denke da an dich!!!)
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Offline foolcat

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #6 am: 24.05.2021 | 22:18 »
Was zeichnen gute Übersetzungen für euch aus?
Welchen Regeln sollten sie folgen?
Und was dürfen oder sollten sie auf keinen Fall tun?

„Gute“ deutsche Übersetzungen müssen ganz klar einen Mehrwert gegenüber dem englischsprachigen Original bieten. Tun sie dies nicht, kaufe ich lieber das Original und belasse es dabei—deutsche Verlage können dann von mir aus gerne auf ihrem, für mich persönlich überflüssigen, Kram sitzenbleiben.

Eine deutsche Ausgabe sollte zumindest mal sämtliche bis zum Zeitpunkt der Übersetzung erschienenen Errata des Originals beinhalten. Ferner erwarte ich, dass der Übersetzer nicht im stillen Kämmerlein vor sich hin werkelt, sondern in einen aktiven Dialog mit den Autoren des Originals tritt, um etwaige Unklarheiten oder Mehrdeutigkeiten im Original zu finden und zu beseitigen. Ich will ganz klar RAI, nicht RAW, und das soll sich im übersetzen Text niederschlagen, ansonsten brauche ich ihn nicht.

Weiterer Mehrwert? Die Integration von Kompendien, Erweiterungen, oder Abenteuern zum Original in einem deutschen Band, vor allem wenn diese in der Originalfassung nicht mehr im Druck sind. Prometheus hatte das mit Sundered Skies von Triple Ace Games gemacht, und da war mir die Anschaffung einer deutschen Ausgabe zusätzlich zum vorhandenen englischsprachigen Material mal kein Dorn im Auge.

Interessant ist natürlich auch, wenn nicht nur Regelwerke übersetzt werden, sondern das Setting gleich mit übertragen wird. Pegasus macht das sowohl mit Call of Cthulhu, als auch mit Shadowrun ganz geschickt, indem sie die ursprünglichen, überwiegend U.S.-amerikanischen Settings nach Deutschland verlagern, bzw. Quellenbände dafür anbieten. Diese haben üblicherweise keine englischsprachigen Pendants, was dann (bei vorhandenem Interesse natürlich) den Kauf eines deutschsprachigen Buchs erfordert.

Was Übersetzungen gar nicht dürfen, ist über die üblichen Fallstricke zu stolpern. Der Unterschied every/any sollte bekannt sein, ebenso die gängigen idioms. Eigennamen, gerade von Personen, sollten beibehalten werden (außer bei Warhammer Fantasy Roleplay, natürlich). Wenn es um Klarheit und Präzisierung von Regeln geht, dann sollte sich eine Übersetzung keinesfalls sklavisch an den Englischen Satzbau und -Strukturen halten; zur Not sollten halt Absätze, bis hin zu Kapiteln, komplett umformuliert werden. Eine durchgehende Verwendung von metrischen Einheiten ist selbstverständlich.

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Online General Kong

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #7 am: 24.05.2021 | 22:26 »
Es sollte sihc wie ein aufDeutsch geschriebeneer Text lesen und nicht wie eine Übersetzung. Ist dies der Fall, ist die Übersetzung gelungen.

Das bedeutet auch die Veränderung von Sprichwörtern, den man übersetzt den Sinn und nicht das Wort. Auch Namen der Spieler sollte man in Beispielen anpassen. Es gibt zwar auch inwischen Buffies und Claires und (natürlich) Kevins, aber sie sind doch nicht "typisch" (bis auf Kevin, der könnte bleiben).

Bei Weltenbeschreibung würd eich auch Namen ind Deutsche überttragen, solange die Welt nicht asudrücklich Englisch spricht ("Drachenfall" statt "Dragonfall", "Grünwalden" statt "Greenwood",  "Ochsendorf" statt "Oxham").

Gleiches für NSC-Namen:"Lord Bonebridge" wird "Herr (oder Graf) von Beinbrücken" und jeder "Sir Dingsda" wird "Ritter Dingsda".

War früher üblich (Strider = Streicher), heute ist man da oft faul und einfaltslos. Also hier klarer Widerspruch zum Vorposter.
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #8 am: 24.05.2021 | 22:43 »
Meine Meinung:

Wichtigste Regel: Lass jemand anderem mit deutscher Sprachkompetenz nach deiner Übersetzung nochmal ein Lektorat machen. Unbedingt.

Was die Regelanteile und Termini angeht, bitte unbedingt klare deutsche Formulierungen anwenden, der Stil muss da nicht dem Original entsprechen. Hier sind Verständlichkeit und Klarheit deutlich im Vordergrund.

Was die Flufftexte angeht: Wenn im Original ein gewisser Stil vorhanden ist, sollte versucht werden, das in einer deutschen Entsprechung zu erhalten. Blumiges Englisch sollte blumiges Deutsch werden. Nüchternes Französisch nüchternes Deutsch. Eigennamen bitte so übersetzen, dass Sinn aber auch "oomph" erhalten bleiben. Manche Übersetzungen machen aus einem eindrucksvollen englischen Namen einen lächerlichen deutschen.

Oh, und ganz wichtig: Konnotationen beachten!
« Letzte Änderung: 24.05.2021 | 22:47 von HEXer [away] »
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Offline Timo

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #9 am: 25.05.2021 | 21:37 »
Bei Weltenbeschreibung würd eich auch Namen ind Deutsche überttragen, solange die Welt nicht asudrücklich Englisch spricht ("Drachenfall" statt "Dragonfall", "Grünwalden" statt "Greenwood",  "Ochsendorf" statt "Oxham").

Gleiches für NSC-Namen:"Lord Bonebridge" wird "Herr (oder Graf) von Beinbrücken" und jeder "Sir Dingsda" wird "Ritter Dingsda".

War früher üblich (Strider = Streicher), heute ist man da oft faul und einfaltslos. Also hier klarer Widerspruch zum Vorposter.

Da möchte ich dir widersprechen, bzw. klarstellen/Meinung kundtun.
Dem Gedanken/der Idee stimme ich zu nur den Beispielen oft nicht.
Deine Beispiele lesen sich wie Original: Holy Water Übersetzung:Heiliges Wassser
Um es mal überspitzt zu sagen, Übersetzungen von Eigennamen/Ortsnamen sollten den (Sprach-)Stil des Originals einfangen wenn möglich und dürfen auch abweichen.

Strider wäre direkt übersetzt ja "Läufer", nur dass ein Strider eine besonders schnelle, effektive oder auch imposante Gangart beschreibt im englischen. Die Übersetzerin der alten Herr der Ringe Übersetzung hat es mit Streicher übersetzt als dt. Wortbrücke fürs rumstreichen wie eine Katze oder Kurzform von Landstreicher. Eine andere Bedeutung als im englischen, sogar ein bisschen anderer Kontext, funktioniert aber sehr gut im Setting und im dt. Sprachgebrauch.

Oxham würde ich zB mit Ochsfurt oder sogar Ochsfort übersetzen.
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #10 am: 25.05.2021 | 22:36 »
Naja, bei Tolkiens Hintergrund war wohl eher "Streiter" gemeint. Im Sinne von "strive, make a strong effort":

Zitat
stride (v.)
Old English stridan (past tense strad, past participle striden), "to straddle, mount" (a horse), from Proto-Germanic *stridanan (source also of Middle Low German strede "stride, strive;" Old Saxon stridian, Danish stride, Swedish strida "to fight," Dutch strijden, Old High German stritan, German etreiten "to fight, contend, struggle," Old Norse striðr "strong, hard, stubborn, severe").

Von daher ist Streicher im Sinne von "einen Streich (Schlag, Kampf) Ausführender" ggf. noch am nächsten dran. Streiter wäre auch noch möglich.

(Englisch) übersetzen ist enorm schwierig. Und Tolkien macht es mit seinem linguistischen Hintergrund und seiner Art der Namens- und Begriffsfindung sicher nicht einfacher.

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Offline tartex

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #11 am: 26.05.2021 | 00:36 »
Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

Das klingt für mich nach einer Übersetzung, die es wert ist erworben und gelesen zu werden.

Den Text umschreiben macht wirklich sein! Zumindest stilistisch halten sich die meisten Übersetzungen viel zu nah ans Original und klingen dann schrecklich.
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Offline Rorschachhamster

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #12 am: 26.05.2021 | 01:06 »
Naja, bei Tolkiens Hintergrund war wohl eher "Streiter" gemeint. Im Sinne von "strive, make a strong effort":

Von daher ist Streicher im Sinne von "einen Streich (Schlag, Kampf) Ausführender" ggf. noch am nächsten dran. Streiter wäre auch noch möglich.

(Englisch) übersetzen ist enorm schwierig. Und Tolkien macht es mit seinem linguistischen Hintergrund und seiner Art der Namens- und Begriffsfindung sicher nicht einfacher.
Ähm, wie wäre es mit strider von to stride, und dementsprechend (herum)Streicher?  ;D Manchmal kann man es auch zu kompliziert machen...

EDIT: Ah, Hupps, wurde ja schon gesagt. Zumal Streicher im Sinne von der den Streich führt gar keinen Sinn macht, bei dem Grund, der für diesen Spitznamen erwähnt wird, von Butterblume, wenn ich mich recht erinnere.... .
« Letzte Änderung: 26.05.2021 | 01:09 von Rorschachhamster »

Offline JS

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #13 am: 26.05.2021 | 01:09 »
Allein dieser kleine Thread zeigt wieder, daß du alle Tips beherzigen kannst und mit einer Übersetzung trotzdem immer irgendwem auf die Füße treten oder gegen den Strich formulieren wirst.
 :think:
Wer gern sagt, was er denkt, sollte vorher etwas gedacht haben.
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Offline Gunthar

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #14 am: 26.05.2021 | 06:42 »
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Im Rahmen eines Fanprojekts übersetze ich mir gerade noch nicht auf deutsch veröffentliche Anteile eines Rollenspiels. Dabei fiel mir etwas auf und möchte gerne eure Gedanken dazu lesen.

Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

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Wichtig ist, dass der eigentliche Sinn nicht verstellt wird. Auch wenn es dann etwas anders tönt oder sogar umgestellt wird.

Wäre bereit, das Korrektur zu lesen, falls Bedarf besteht.

Offline 10aufmW30

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #15 am: 26.05.2021 | 07:11 »
Was man in seinen eigenen vier Wänden oder bestenfalls für seine Gruppe macht, ist egal.

Sobald du natürlich irgendwas Übersetztes veröffentlichst, geht das ja eh nicht ohne Übereinkunft, Lizenz und Vertrag.
In der Regel sollte eine Übersetzung immer werkgetreu sein. Wenn der Autor eine adjektiv-verseuchte, füllwort-überladene Pseudo-Mittelalter-Schwaffelei geschrieben hat, dann sollte die Übersetzung auch so sein. Ein Übersetzer ist neutral gegenüber dem Original.

Sprachdynamik oder Idiome werden natürlich übertragen, nicht stumpf übernommen. Selbst Errata gehen nur in Absprache mit dem Autoren. Ich habe gerade eine Übersetzung für SM durch, da haben wir wirklich alle Fehler - selbst Kleinigkeit wie eine ständig wechselnde Würfelnomenklatur (1 d3 / d3 / 1d3 / D3 / ...) akribisch protokolliert und dem Autoren zur Abgabe geschickt. Wenn da keine Go kommt, dann müssten Macken und Marotten übernommen werden.

Alles andere ist eine Interpretation nach einer Idee des Autoren und würde mir jemand so etwas vorlegen, würde ich es ablehnen.

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Offline Vash the stampede

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #16 am: 26.05.2021 | 07:29 »
@10aufmW30. Gute und interessante Hinweise und Anmerkungen. :d
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #17 am: 26.05.2021 | 08:15 »
Ähm, wie wäre es mit strider von to stride, und dementsprechend (herum)Streicher?  ;D Manchmal kann man es auch zu kompliziert machen...

EDIT: Ah, Hupps, wurde ja schon gesagt. Zumal Streicher im Sinne von der den Streich führt gar keinen Sinn macht, bei dem Grund, der für diesen Spitznamen erwähnt wird, von Butterblume, wenn ich mich recht erinnere.... .

Ich habe nur eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, wie man es übersetzen kann. Und die Argumente dafür dargelegt. Natürlich gibt es Argumente dagegen und natürlich ist es schwierig. Das wollte ich damit ja aussagen.

Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
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Offline tartex

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #18 am: 26.05.2021 | 09:09 »
Also ich denke bei Kleinverlagen kann man da wahrscheinlich einen Vertrag aushandeln, der gewisse Freiräume bei der Übersetzung bietet.

Hängt natürlich auch davon ab, wie man bei den Verhandlungen in den Wald ruft, bzw. welche Gründe man dafür angibt.

Mir muss eine Übersetzung aus dem englischen auf jeden Fall einen originären Mehrwert bieten - eine gewisse Eigenständigkeit wäre das - sonst sehe ich keinen Grund nicht zum Original zu greifen.

Aber ein Großteil der Übersetzungen ins Deutsche ist einfach schlecht gemacht. Letztens habe ich es z.B. mal wieder mit dem deutschen Runequest probiert, und nach einer Seite wieder weggelegt, weil es mir so holprig am Englischen entlangübersetzt wirkte. Und die Übersetzung hat tatsächlich jemand vom Fach gemacht...
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Offline Turgon

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #19 am: 26.05.2021 | 09:11 »
Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
Ja, aber hier ist glaube ich auch offensichtlich, warum man nicht die wortwörtliche Entsprechung genommen hat ;-)

Offline Vash the stampede

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #20 am: 26.05.2021 | 09:27 »
... Letztens habe ich es z.B. mal wieder mit dem deutschen Runequest probiert, und nach einer Seite wieder weggelegt, weil es mir so holprig am Englischen entlangübersetzt wirkte. Und die Übersetzung hat tatsächlich jemand vom Fach gemacht...

Du meinst das neue Runequest, das erst vor kurzem erschien?
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Offline Rorschachhamster

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #21 am: 26.05.2021 | 09:45 »
Ich habe nur eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, wie man es übersetzen kann. Und die Argumente dafür dargelegt. Natürlich gibt es Argumente dagegen und natürlich ist es schwierig. Das wollte ich damit ja aussagen.

Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
Ja, Ok, er nennt Streicher auch nur Waldläufer und wahrscheinlich Ranger im Englischen?  ^-^ Mußte ich gestern dann doch noch nachlesen...  :P

Und, weil mich das gerade nicht losließ, ein alternativer Name für Pestwurz ist wohl "Sonnendächle"  ~;D

Offline tartex

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #22 am: 26.05.2021 | 10:37 »
Du meinst das neue Runequest, das erst vor kurzem erschien?

Ja. Wahrscheinlich sollte ich da eine zweite Chance geben, weil man bei einer Seite noch nicht wirklich im Lesefluss drin ist. Aber die fehlenden Zitat zum Einstieg und die ersten paar Sätze haben mich gleich rausgehaut.

Vielleicht sind auch viele Leute, die deutsche Übersetzungen lesen, diesen halbenglischen Stil bereits so gewöhnt, dass es sie gar nicht (mehr) stört.
« Letzte Änderung: 26.05.2021 | 11:30 von tartex »
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #23 am: 26.05.2021 | 10:46 »
Ja, Ok, er nennt Streicher auch nur Waldläufer und wahrscheinlich Ranger im Englischen?  ^-^ Mußte ich gestern dann doch noch nachlesen...  :P

Und, weil mich das gerade nicht losließ, ein alternativer Name für Pestwurz ist wohl "Sonnendächle"  ~;D

Wusste ich gar nicht. Klingt zwar etwas schwäbisch, aber irgendwie fänd ich persönlich das für die Figur fast noch schöner. Bei mir heißt der ab jetzt so. :) Wenn ich den Herrn der Ringe ncoh mal vorlese, weiß ich jetzt schon den Akzent. Cool!
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Offline ghoul

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #24 am: 28.05.2021 | 14:23 »
Wenn ich mir die alten Roman-Klassiker aus dem Regal nehme, die ich in jungen Jahren verschlungen habe, Verne, Stevenson, dann springen mich dort auch die faulen Übersetzungen an: Goelette-Brigg statt Schoner-Brigg, wörtliche Übersetzung von Seemanns-Slang etc.
Es sind also nicht nur Rollenspiel-Bücher schlecht übersetzt. Reicht das als Trost?  :think:
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