Tl;dr: Ich denke, es braucht bei Hintergrundgeschichten zuerst nur einen groben Überblick, dann müssen Spielleitungen oder Spielende Fragen haben, die sie umtreiben, und dann dürfen die Antworten auf diese Fragen gerne detailliert sein.
Aber eine detaillreiche Hintergrundgeschichte als Einstieg oder zum Selbstzweck wird eher langweilen.
Ich denke, es gibt einen Zusammenhang von der Frage im Thread mit der häufig gehörten Beschwerde "Meine Gruppe interessiert sich für die Hintergrundgeschichte nicht." Darum würde ich einmal umformulieren: Wie muss eine Geschichtsschreibung stattfinden, dass sie Spielleitungen und Spielende interessiert?
Ich bin sehr tolkiengeprägt, und kann meine Antwort aus meinem Weg zum Silmarillion ableiten. Das Silmarillion war nämlich zuerst keine positive Erfahrung für mich - und ich kam über 70 Seiten nicht hinaus. Ich war in die Erwartungsfalle getappt, dass das Silmarillion irgendwie wie "Der Herr der Ringe" ist. Und dann waren da plötzlich Gottheiten (die ich zuvor im HdR nie wahr- oder ernstgenommen hatte), die musizierten? Eru schien wichtig, aber wird sein Name im HdR überhaupt genannt?
Doch dann sagte jemand: "Willst Du wissen, was aus den Ents wird, und ob sie ihre Frauen finden? Wohin die Elben und die Ringtruppe segeln? Warum Gandalf stirbt und wieder zurückkommt? Du dachtest, Sauron wäre der Big-Bad, aber was, wenn ich Dir sage, dass er nur der kleine Assistenz des wirklichen Big Bad ist?"
D a s gab mir die Motivation, das Silmarillon erneut lesen. Ohne diese Fragen hätte ich nicht die Motivation gehabt, dem Silmarillion eine zweite Chance zu geben.
Es war, als würde die ganze Geschichte des HdR zurückgezoomt werden. Plötzlich wurden Zusammenhänge klar, die ich vorher nicht kannte, und die mir die geliebte HdR-Geschichte in neues Licht tauchten. Noch immer bekomme ich Gänsehaut, wenn ich lese, wie Frodo und Co gestattet wird, nach Valinor zu reisen, eine Fahrt wegen derer Millionen von Wesen starben und ganze Kontinente untergingen, weil die Gottheiten von Valinor ihnen diesen Besuch bei ihnen n i c h t gestattet hatten.
Also: Wenn man detailliert die Welt erklärt, ohne dass das Publikum diese Dinge wissen w i l l, dann geht das schief.