Hier im Thread wird sowieso einiges konflationiert, also durcheinandergebracht. Sozialismus heisst nicht unbedingt, dass es keinen Privatbesitz geben darf und niemand reich sein kann und erst recht nicht dass es Planwirtschaft geben muss. Sozialismus bedeutet in allererster Linie erstmal nur, dass die _Produktionsmittel_ kein Privatbesitz sein können, die es dem Eigentümer ermöglichen, das Proletariat auszubeuten.
Also nach dem Motto: "Ich besitze eine Maschine, die jeden Tag für 1000GM Dinge herstellt, aber die Arbeiter die diese Maschine bedienen beteilige ich nur mit 1GM und behalte den Rest für mich selbst."
Insofern wäre schonmal diskutabel, ob Abenteurerausrüstung die wie das +2 Flammenschwert unbedingt in Kollektiveigentum zu überführen wäre. Es ist insofern "Produktionsmittel" in der Abenteurerindustrie, ja, aber sein Gebrauch beutet ja nicht das eigene Kollektiv aus.
Dann wurde das Mittelalter erwähnt: im europäischen Mittelalter finden wir ganz schön viele antikapitalistische Elemente. Verbot von Zinswucher etwa, und ziemlich flache Gehaltsprogressionen. Da hat ein Meister oft nur 10-20% mehr verdient als sein Geselle. (Lehrlinge waren natürlich trotzdem am Arsch.) Wer beschissen hat wurde in den Fluss getunkt usw.
Aber umgekehrt stimmt freilich auch das was Weltengeist sagt: wenn eine soziale Gesellschaft niemanden so leicht durchs Netz fallen lässt, gibt es auch umso weniger Nährboden für Bettelei und Kriminalität.
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That said!
Auch wenn ich es selber bisher nicht so betrachtet habe, trägt eigentlich mein eigenes Heartbreaker-Fantasysetting einige sozialistische Züge. Zur kurzen Erklärung, in erster Linie war da meine Motivation "Wie sähe eine stringent durchdeklinierte Hochkultur in einer magischen D&D-Welt aus? Insbesondere wenn es reale, Gute Gottheiten gibt, die am Wohl der Demi-Menschheit interessiert sind?"
Und da hat sich dann mit der Zeit so einiges rauskristallisiert. Es gibt zB auf dem Lande schon sozialistische Arbeitsteilung, etwa mit einer Art "Kantine" die alle mit Essen versorgt, damit die Bauern was handfestes zu beissen bekommen, wenn sie vom Feld kommen. (Es ist zwar High Magic, aber nicht _so_ High Magic dass jedes Bauernkaff mit Ackergolems ausgestattet wäre oder alle Nahrung magisch erschaffen werden könnte; das hatten wir in eigenen Threads alles schonmal durchgerechnet.) Freie Heilfürsorge durch den Klerus, soziales Netz für die Armen, sodass niemand betteln muss auch wenn er nicht arbeiten kann.
Der Schwerpunkt der Wirtschaft liegt jedoch in der magischen Ökonomie. Ein Großteil der Werktätigen ist mit der Erzeugung von Komponenten für magisches Crafting beschäftigt. Die daraus hergestellten magischen Gegenstände bringen hohe Steuereinnahmen, aus denen dann auch die o.g. Wohltaten finanziert werden.
Abenteurerei wird in gewissem Rahmen staatlich gefördert, schließlich gibt es insbesondere in den Randgebieten der Zivilisation immer noch gefährliche Bedrohungen. Es wird aktiv nach talentiertem Nachwuchs gesucht - insbesondere Magiebegabte - und deren Ausbildung gefördert. Dadurch ist auch die soziale Mobilität relativ hoch.
Es ist halt dennoch kein perfekter Kommunismus und keine klassenlose Gesellschaft. An Klassen gäbe es da zB den Kleriker, den Barden, den Kämpfer... nee Flax, will sagen es gibt durchaus auch noch Erbbesitz und wohlhabendere Familien. Und auch wenn Adelstitel bzw genauer gesagt: Ämter nominell nicht erblich sind, ist es halt dennoch an der Tagesordnung dass ein Grafentitel vom Vater an den Sohn übergeht und nicht unbedingt komplett neu vergeben wird, solang derjenige seinen Job ordentlich macht.
(Vergleiche dazu, dass im Realen Mittelalter Lehen ursprünglich auch nicht erblich gedacht waren, sondern nach dem Tod des Belehnten wieder an den Lehnsgeber zurückfallen sollten, das änderte sich dann iirc so im Laufe des 11./12. Jh, einfach dadurch dass die Vasallen ihre Lehen als Erbbesitz betrachteten und der König ab einem gewissen Punkt nicht mehr die Macht hatte, sie wieder einzukassieren.)