Autor Thema: Funktionierender Sozialismus  (Gelesen 2302 mal)

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Online Maarzan

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #25 am: 2.04.2026 | 16:16 »
Theoretisch geht so etwas auch nach dem Prinzip Räuber-/Piratenbande mit Basisdemokratie und gleichen Beuteteilen. Aber die brauchen als menschliche Raubtiere dann halt auch genügend und besser auch einfache Beute.
Sonst sortiert sich das auch wieder nach Risiko und Beitrag zur Überwindung der Opfer, denn alle hinten stehen  klappt halt nicht so richtig gut, wenn der Gegner doch mal wehrhafter ist.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #26 am: 2.04.2026 | 16:25 »
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #27 am: 2.04.2026 | 16:33 »
Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen

Daran orientieren sich genannte Eclipse Phase-Subsettings.
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Offline Feuersänger

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #28 am: 2.04.2026 | 16:34 »
Hier im Thread wird sowieso einiges konflationiert, also durcheinandergebracht. Sozialismus heisst nicht unbedingt, dass es keinen Privatbesitz geben darf und niemand reich sein kann und erst recht nicht dass es Planwirtschaft geben muss. Sozialismus bedeutet in allererster Linie erstmal nur, dass die _Produktionsmittel_ kein Privatbesitz sein können, die es dem Eigentümer ermöglichen, das Proletariat auszubeuten.
Also nach dem Motto: "Ich besitze eine Maschine, die jeden Tag für 1000GM Dinge herstellt, aber die Arbeiter die diese Maschine bedienen beteilige ich nur mit 1GM und behalte den Rest für mich selbst."

Insofern wäre schonmal diskutabel, ob Abenteurerausrüstung die wie das +2 Flammenschwert unbedingt in Kollektiveigentum zu überführen wäre. Es ist insofern "Produktionsmittel" in der Abenteurerindustrie, ja, aber sein Gebrauch beutet ja nicht das eigene Kollektiv aus.

Dann wurde das Mittelalter erwähnt: im europäischen Mittelalter finden wir ganz schön viele antikapitalistische Elemente. Verbot von Zinswucher etwa, und ziemlich flache Gehaltsprogressionen. Da hat ein Meister oft nur 10-20% mehr verdient als sein Geselle. (Lehrlinge waren natürlich trotzdem am Arsch.) Wer beschissen hat wurde in den Fluss getunkt usw.

Aber umgekehrt stimmt freilich auch das was Weltengeist sagt: wenn eine soziale Gesellschaft niemanden so leicht durchs Netz fallen lässt, gibt es auch umso weniger Nährboden für Bettelei und Kriminalität.

--

That said!
Auch wenn ich es selber bisher nicht so betrachtet habe, trägt eigentlich mein eigenes Heartbreaker-Fantasysetting einige sozialistische Züge. Zur kurzen Erklärung, in erster Linie war da meine Motivation "Wie sähe eine stringent durchdeklinierte Hochkultur in einer magischen D&D-Welt aus? Insbesondere wenn es reale, Gute Gottheiten gibt, die am Wohl der Demi-Menschheit interessiert sind?"
Und da hat sich dann mit der Zeit so einiges rauskristallisiert. Es gibt zB auf dem Lande schon sozialistische Arbeitsteilung, etwa mit einer Art "Kantine" die alle mit Essen versorgt, damit die Bauern was handfestes zu beissen bekommen, wenn sie vom Feld kommen. (Es ist zwar High Magic, aber nicht _so_ High Magic dass jedes Bauernkaff mit Ackergolems ausgestattet wäre oder alle Nahrung magisch erschaffen werden könnte; das hatten wir in eigenen Threads alles schonmal durchgerechnet.) Freie Heilfürsorge durch den Klerus, soziales Netz für die Armen, sodass niemand betteln muss auch wenn er nicht arbeiten kann.

Der Schwerpunkt der Wirtschaft liegt jedoch in der magischen Ökonomie. Ein Großteil der Werktätigen ist mit der Erzeugung von Komponenten für magisches Crafting beschäftigt. Die daraus hergestellten magischen Gegenstände bringen hohe Steuereinnahmen, aus denen dann auch die o.g. Wohltaten finanziert werden.

Abenteurerei wird in gewissem Rahmen staatlich gefördert, schließlich gibt es insbesondere in den Randgebieten der Zivilisation immer noch gefährliche Bedrohungen. Es wird aktiv nach talentiertem Nachwuchs gesucht - insbesondere Magiebegabte - und deren Ausbildung gefördert. Dadurch ist auch die soziale Mobilität relativ hoch.

Es ist halt dennoch kein perfekter Kommunismus und keine klassenlose Gesellschaft. An Klassen gäbe es da zB den Kleriker, den Barden, den Kämpfer... nee Flax, will sagen es gibt durchaus auch noch Erbbesitz und wohlhabendere Familien. Und auch wenn Adelstitel bzw genauer gesagt: Ämter nominell nicht erblich sind, ist es halt dennoch an der Tagesordnung dass ein Grafentitel vom Vater an den Sohn übergeht und nicht unbedingt komplett neu vergeben wird, solang derjenige seinen Job ordentlich macht.
(Vergleiche dazu, dass im Realen Mittelalter Lehen ursprünglich auch nicht erblich gedacht waren, sondern nach dem Tod des Belehnten wieder an den Lehnsgeber zurückfallen sollten, das änderte sich dann iirc so im Laufe des 11./12. Jh, einfach dadurch dass die Vasallen ihre Lehen als Erbbesitz betrachteten und der König ab einem gewissen Punkt nicht mehr die Macht hatte, sie wieder einzukassieren.)
« Letzte Änderung: 2.04.2026 | 16:39 von Feuersänger »
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #29 am: 2.04.2026 | 16:38 »
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.

Ja, solche Wirtschaftsformen sind meines Wissens älter als die Marktwirtschaft, aber das würde ich nicht als Sozialismus bezeichnen. Sozialismus ist nicht einfach das Gegenteil von Marktwirtschaft, das darf man nicht mit Planwirtschaft gleichsetzen, auch wenn mir jetzt kein gutes historisches Beispiel für eine sozialistische Marktwirtschaft einfällt (ich habe schon mehrfach gelesen, dass es so was in Jugoslawien gegeben haben soll, aber darüber weiß ich zu wenig) - nicht-sozialistische Planwirtschaften hat es hingegen gegeben. Die meisten sozialistischen Utopien vernachlässigen in der Tat, dass Menschen nicht immer rational handeln und Individuen mit divergierenden Interessen sind, und betreiben eine Gleichmacherei, die der Natur des Menschen widerspricht. Weshalb die russischen Kommunisten sich gezwungen sahen, eine Diktatur zu errichten, und Kommunisten in anderen Ländern machten es ihnen nach. Und was dabei herumkam, wissen wir ja nur zu gut. Der US-amerikanische Entomologe und Soziobiologe Edward O. Wilson hatte eine ganz kurze und knappe Antwort auf die Frage, was wir in Sachen Gesellschaftsaufbau von den staatenbildenden Insekten lernen können. Sie lautete: "Nichts."
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #30 am: 2.04.2026 | 17:02 »
Insekten funktionieren ja auch noch mal wirklich anders und selbst die sogenannte "Königin" ist eigentlich nur die Gebärmutter des Volkes -- zum Fortbestand insofern nötig, als es schon eine Eierquelle braucht, aber als Individuum prinzipiell jederzeit ersetzbar, solange nicht gerade Notstand an Nachfolgekandidatinnen herrscht. Da hat der werte Herr Wilson schon nicht ganz unrecht.

Daß allerdings Sozialismus für Menschen prinzipiell unmöglich sein soll, klingt für mich ein Stück weit schlicht nach Defätismus. Damit will ich nicht gesagt haben, daß ich ihn in der Praxis im großen Stil real erwarte oder ohne geeignete quasi-magische Mittel zur Umsetzung für leicht halte, nur eben, daß entsprechende Settings grundsätzlich schon vorstellbar sind...zumindest, solange die Gesellschaft dort einen praktikablen Weg hat, die am lautesten "Ich, ich, ICH!!!" Denkenden davon abzuhalten, ähnlichen Schaden anzurichten wie gewisse Verdächtige im richtigen Leben, deren Namen hier nicht genannt zu werden brauchen.

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #31 am: 2.04.2026 | 17:22 »
Insekten funktionieren ja auch noch mal wirklich anders und selbst die sogenannte "Königin" ist eigentlich nur die Gebärmutter des Volkes -- zum Fortbestand insofern nötig, als es schon eine Eierquelle braucht, aber als Individuum prinzipiell jederzeit ersetzbar, solange nicht gerade Notstand an Nachfolgekandidatinnen herrscht. Da hat der werte Herr Wilson schon nicht ganz unrecht.

Ganz genau so ist das! Staatenbildende Insekten sind einfache, instinktgesteuerte Tiere, die gar nicht über die Organisation ihres Staates und ihre Stellung darin nachdenken können - und die Königin ist keine wirkliche Herrscherin, sondern eben eine Eierlegemaschine ;) Ich bezweifle übrigens, dass solche Spezies es je schaffen, sich im Weltall auszubreiten - die gibt es auf der Erde schon seit etwa 100 Millionen Jahren, und haben die Raumschiffe gebaut? Nein. Die sind eben genetisch programmiert, deshalb gibt es dort keinen nennenswerten kulturellen oder technologischen Fortschritt. Für eine technische Zivilisation braucht es wahrscheinlich eine menschenähnliche Individual-Intelligenz, und mit solchen Wesen funktionieren eusoziale Gesellschaften (so nennen Biologen derartige Organisationsformen) eben nicht. Die in vielen Science-Fiction-Geschichten auftauchenden bösen kollektivistischen Insektenwesen, die sich epische Raumschlachten mit der Menschheit liefern, sind einfach schlechte Science Fiction, mehr nicht.

Daß allerdings Sozialismus für Menschen prinzipiell unmöglich sein soll, klingt für mich ein Stück weit schlicht nach Defätismus. Damit will ich nicht gesagt haben, daß ich ihn in der Praxis im großen Stil real erwarte oder ohne geeignete quasi-magische Mittel zur Umsetzung für leicht halte, nur eben, daß entsprechende Settings grundsätzlich schon vorstellbar sind...zumindest, solange die Gesellschaft dort einen praktikablen Weg hat, die am lautesten "Ich, ich, ICH!!!" Denkenden davon abzuhalten, ähnlichen Schaden anzurichten wie gewisse Verdächtige im richtigen Leben, deren Namen hier nicht genannt zu werden brauchen.

Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #32 am: 2.04.2026 | 17:30 »
Verteilungsformen bei genügend militärischer Macht (und idealerweise auch keine ernsthafte Störer von draußen) kann man sich viele vorstellen.
Aber der Knackpunkt ist dann doch wohl wie trotz absehbarem auch bei Bemühungen aller fehlendem Überfluß dann die notwendigen Mittel erzeugt und dann auf die Beteiligten verteilt werden und daß dann ohne direkten Zwang, sonst sind wir halt wieder bei irgendeiner Art Diktatur.
Oder übersehe ich da etwas?
Was wäre sonst die Definition oder Eckpfeiler funktionierenden Sozialismusses?
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #33 am: 2.04.2026 | 17:32 »
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.

Wie ich im anderen Faden, glaube ich, schon mal angesprochen habe: wenn ich perfekte Menschen habe, ist der ganze Rest der Utopie schon nur noch Pipifax, denn mit denen geht alles glatt. ;) Dummerweise können wir von denen halt weder in der Wirklichkeit noch in einigermaßen glaubhafter Fiktion ausgehen...

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #34 am: 2.04.2026 | 17:33 »
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.

Like-Button. ;)
Ja, ein solches System muss mit einkalkulieren und auch einen gewissen Raum dafür lassen, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der Menschheit immer den Ehrgeiz haben wird, mehr zu haben, oder aber mehr rauszuholen, als sie reinstecken. Das lässt sich weder aberziehen noch unterdrücken. Dies anzuerkennen, bedeutet ja nicht dass Haifischbecken-Neoliberalismus die einzige Alternative wäre. Ich habe ja den Eindruck, die meisten (derart gepolten) Menschen wären schon damit zufrieden, wenn sie das _Gefühl_ haben, dem System ein Schnippchen geschlagen zu haben.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #35 am: 2.04.2026 | 17:51 »
einer meiner ehemaligen Dozenten pflegte immer zu sagen. "Von der Natur des Menschen soll nur sprechen, wer ihr schonmal die Hand geschüttelt hat."

Will sagen, es gibt im sozialwissenschaftlichen Sinn darüber keine ernsthaften Aussagen und wenn jemand was über die Natur des Menschen behauptet ist es rein spekulativ und meist zusätzlich ideologisch.

hat aber mit der Frage nach den Rollenspielsystemen aber auch nur am Rande zu tun.
Inzwischen bin ich geneigt zu glauben, dass an der DnD Satanic Panic in den 80ern was dran war. Allein, es waren nicht die Inhalte. Es waren die Regeln, die aus der Hölle kommen...

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #36 am: 2.04.2026 | 18:20 »
Wie ich im anderen Faden, glaube ich, schon mal angesprochen habe: wenn ich perfekte Menschen habe, ist der ganze Rest der Utopie schon nur noch Pipifax, denn mit denen geht alles glatt. ;) Dummerweise können wir von denen halt weder in der Wirklichkeit noch in einigermaßen glaubhafter Fiktion ausgehen...

Like. Es gibt zwei Gründe, keine Utopien zu spielen: 1. Sie sind unrealistisch. 2. Sie sind langweilig.

Like-Button. ;)
Ja, ein solches System muss mit einkalkulieren und auch einen gewissen Raum dafür lassen, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der Menschheit immer den Ehrgeiz haben wird, mehr zu haben, oder aber mehr rauszuholen, als sie reinstecken. Das lässt sich weder aberziehen noch unterdrücken. Dies anzuerkennen, bedeutet ja nicht dass Haifischbecken-Neoliberalismus die einzige Alternative wäre. Ich habe ja den Eindruck, die meisten (derart gepolten) Menschen wären schon damit zufrieden, wenn sie das _Gefühl_ haben, dem System ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Auch Like. Die Antwort auf die Schwierigkeit, mit solchen Menschen umzugehen, kann weder darin bestehen, sie alle wegzusperren, noch, sie ungehindert gewähren zu lassen. Ich halte Unternehmertum für eine legitime Art von Selbstverwirklichung (und wir haben ja im Ostblock gesehen, wie schlecht eine Welt ohne Unternehmer funktioniert), und befürworte daher die Gewerbefreiheit, aber es muss für Unternehmer klare Regeln geben, die einem Missbrauch der Gewerbefreiheit Grenzen setzen.

einer meiner ehemaligen Dozenten pflegte immer zu sagen. "Von der Natur des Menschen soll nur sprechen, wer ihr schonmal die Hand geschüttelt hat."

Will sagen, es gibt im sozialwissenschaftlichen Sinn darüber keine ernsthaften Aussagen und wenn jemand was über die Natur des Menschen behauptet ist es rein spekulativ und meist zusätzlich ideologisch.

hat aber mit der Frage nach den Rollenspielsystemen aber auch nur am Rande zu tun.

Den letzten Satz kann ich nur unterstreichen.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #37 am: 2.04.2026 | 18:39 »
Like. Es gibt zwei Gründe, keine Utopien zu spielen: 1. Sie sind unrealistisch. 2. Sie sind langweilig.


Seit wann ist 1 ein Grund, irgendetwas nicht zu spielen?  :o
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #38 am: 2.04.2026 | 18:46 »
Angesichts dessen, daß wir noch keinen funktionierenden Sozialismus erlebt haben, würde ich noch einmal nach den einzuhaltenden Eckelementen fragen. um als solcher zu gelten
Dann kann man ja schauen, ob man ihn mit Fantasymitteln ohne magischem Füllhorn irgendwie basteln kann.
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Offline Eismann

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #39 am: 2.04.2026 | 18:57 »
Hm... Kibbuzim hatten wir glaube ich auch noch nicht. Die sind zwar örtlich begrenzt, aber haben Gemeinschaftseigentum und Basisdemokratie. Theoretisch könnte man mehrere auch zu einer Räterepublik zusammenfügen.

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #40 am: 2.04.2026 | 19:06 »
Hm... Kibbuzim hatten wir glaube ich auch noch nicht. Die sind zwar örtlich begrenzt, aber haben Gemeinschaftseigentum und Basisdemokratie. Theoretisch könnte man mehrere auch zu einer Räterepublik zusammenfügen.

Dann wäre ja auch nahezu fast jede frühe Stammessiedlung gültig - eh nahezu alle verwandt und es muss eh jeder nach Kräften mit anpacken, weil sonst das Überleben des Stanmes gefährdet ist.  Aber wenn es größer und anonymer wird und sich nicht mehr jeder kennt und ggf sogar verwandt ist, wenn es dann Berufsspezialisierungen und eigene Hausstände gibt, wird es halt schwierig.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #41 am: 2.04.2026 | 19:40 »
Seit wann ist 1 ein Grund, irgendetwas nicht zu spielen?  :o

Ist es nicht. Und selbst bei 2 bin ich mir nicht sicher -- was genau den Einzelnen langweilt, kann ja schon variieren, und mitunter braucht auch ein noch so "meh" erscheinendes Setting bloß ein paar Funken Fantasie, um doch noch Pep zu kriegen. :)

Zurück zum Fadenthema: ich denke, eine ganze Reihe von Welten in Mindjammer sind effektiv "sozialistisch", auch, wenn das Wort selbst vielleicht nicht fällt; gerade die nominelle Hauptkultur ist technisch so weit, daß allgegenwärtige echte KI viele soziale Routineaufgaben im Hintergrund erledigen kann, ohne daß der Standardbürger sich überhaupt kümmern muß, und "Geld" kennt der potentiell höchstens als etwas, was man auf primitiven Randwelten braucht, wenn sich denn mal ein Grund findet, die zu besuchen. Dummerweise nützt das den Spielercharakteren nicht allzuviel, weil auf der anderen Seite die Regeln verlangen, daß man für jeden mechanischen Bonus, den Ausrüstung und dergleichen einem laut offizieller Liste geben könnte, mit Charakterbauressourcen bezahlen soll, als ob beispielsweise das Blastergewehr vielerorts zweifelhafter Legalität organischer Teil des Charakters selbst wäre (kostet nebenbei zwei Stunts, wenn man's voll ausreizen möchte), und die sind immer recht eng begrenzt. Das ist tatsächlich auch einer meiner Hauptstolpersteine bei diesem speziellen Spiel -- mit lauter netten offiziellen Spielsachen, von denen man sich die wenigsten überhaupt als mehr als bloße Kosmetik ohne mechanischen Effekt leisten kann, kombiniert Mindjammer mMn die schlechteren Aspekte zweier Welten. (Das Setting an sich mag ich trotzdem einigermaßen gerne, nur die Regeln müßte ich zum Bespielen noch mal durchgehen und hier und da etwas mehr in Richtung "Luft zum Atmen" tunen.)

Offline Eismann

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #42 am: 2.04.2026 | 20:03 »
Dann wäre ja auch nahezu fast jede frühe Stammessiedlung gültig - eh nahezu alle verwandt und es muss eh jeder nach Kräften mit anpacken, weil sonst das Überleben des Stanmes gefährdet ist.  Aber wenn es größer und anonymer wird und sich nicht mehr jeder kennt und ggf sogar verwandt ist, wenn es dann Berufsspezialisierungen und eigene Hausstände gibt, wird es halt schwierig.

Da hat man dann immerhin eine Stoßrichtung.
Kleine, basisdemokratisch organisierte Ortschaften mit Gemeinschaftseigentum. Vielleicht bilden sie jeweils auch Räte, die wiederum Vertreter zu einem übergeordneten Rat aussenden. Das ganze ideologisch und/oder religiös eingerahmt.
Wenn man jetzt ganz wild werden will, passt man das noch in ein Solarpunk-Setting mit ein.

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #43 am: 2.04.2026 | 20:14 »
Da hat man dann immerhin eine Stoßrichtung.
Kleine, basisdemokratisch organisierte Ortschaften mit Gemeinschaftseigentum. Vielleicht bilden sie jeweils auch Räte, die wiederum Vertreter zu einem übergeordneten Rat aussenden. Das ganze ideologisch und/oder religiös eingerahmt.
Wenn man jetzt ganz wild werden will, passt man das noch in ein Solarpunk-Setting mit ein.

So etwas tendiert ja bei Erfolg zu wachsen und sich aus zu tauschen (Handel, Heiraten ...) bzw. die Umstände dürften unterschiedlich sein bzw. können sich auch später dann ändern. Und dann hast du erfolgreichere und unerfolgreichere in einem Austauschsystem. Dann bekommst du entsprechende Ungleichgewichte, auch wenn es kein Privat- sondern Stammes/Familieneigentum sein sollte.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #44 am: 2.04.2026 | 21:18 »
Also, wenn ich eine sozialistische Gesellschaft als ein Sozialwesen definiere, dass sich vordringlich daran orientiert, dass Wohl aller einzelnen in Einklang mit dem Wohl aller zu bringen und deshalb Werte wie Solidarität, Vielfalt und Selbstentfaltung in den Vordergrund zu stellen (und nicht als die superperfekte Regenbogen-Eierkuchen-Gesellschaft am Ende der Geschichte), dann finde ich das erst einmal nicht zwangsläufig unrealistisch und nicht zwangsläufig langweilig (wobei natürlich sowohl unrealistische als auch langweilige Varianten denkbar sind).

In diesem Sinne sozialistisch ist, soweit ich es verstanden habe, wohl das Setting von Solis - People of the Sun (https://www.drivethrurpg.com/de/product/422968/solis-people-of-the-sun) - ich hab's allerdings nicht selbst gelesen, da ich mit diesen Traveller-Sektorbeschreibungssettings von der Form her leider wenig anfangen kann.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #45 am: 2.04.2026 | 21:21 »
So etwas tendiert ja bei Erfolg zu wachsen und sich aus zu tauschen (Handel, Heiraten ...) bzw. die Umstände dürften unterschiedlich sein bzw. können sich auch später dann ändern. Und dann hast du erfolgreichere und unerfolgreichere in einem Austauschsystem. Dann bekommst du entsprechende Ungleichgewichte, auch wenn es kein Privat- sondern Stammes/Familieneigentum sein sollte.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #46 am: 2.04.2026 | 21:27 »
Also, wenn ich eine sozialistische Gesellschaft als ein Sozialwesen definiere, dass sich vordringlich daran orientiert, dass Wohl aller einzelnen in Einklang mit dem Wohl aller zu bringen und deshalb Werte wie Solidarität, Vielfalt und Selbstentfaltung in den Vordergrund zu stellen (und nicht als die superperfekte Regenbogen-Eierkuchen-Gesellschaft am Ende der Geschichte), dann finde ich das erst einmal nicht zwangsläufig unrealistisch und nicht zwangsläufig langweilig (wobei natürlich sowohl unrealistische als auch langweilige Varianten denkbar sind).
...

Wie soll das dann in der Praxis aussehen?
Wie wird festgelegt wer was arbeitet und wer was davon bekommt und wie wird das dann auch umgesetzt?
Wohlmeinende Bekundungen müssen ja auch irgendwie durch Maßnahmen realisiert werden, damit man das Label funktionierend dran kleben kann.
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Offline Swanosaurus

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #47 am: 2.04.2026 | 21:29 »
Wie soll das dann in der Praxis aussehen?
Wie wird festgelegt wer was arbeitet und wer was davon bekommt und wie wird das dann auch umgesetzt?
Wohlmeinende Bekundungen müssen ja auch irgendwie durch Maßnahmen realisiert werden, damit man das Label funktionierend dran kleben kann.

Ich will keine Politikdiskussion führen, nur den hier als allgemeine Wahrheiten vorgetragenen politischen Positionen ein Gegengewicht gegenüberstellen und es dabei belassen.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #48 am: 2.04.2026 | 21:42 »
Ich will keine Politikdiskussion führen, nur den hier als allgemeine Wahrheiten vorgetragenen politischen Positionen ein Gegengewicht gegenüberstellen und es dabei belassen.

Genau! Dies ist ein Rollenspiel- und kein Politikforum. Ich weiß für mein Teil nicht, ob Sozialismus funktionieren kann, die bisherigen Erfahrungen sprechen eher dagegen, aber vielleicht ist nur einfach noch nicht "die Zeit reif" dafür.
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #49 am: 2.04.2026 | 21:44 »
Dann kann man sich die Diskussion hier auch ganz schenken, wenn man das, was im Spiel dargestellt werden soll, nicht beschreiben will.
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