Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
- rette die Welt
- werde reich
- (level up)
Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.
So ähnliche Gedanken hatte ich gestern auch schon.
Zum einen zum Thema "eigener Besitz". Das kann das reich werden sein, das Blechpirat anspricht: schön, dass ihr die Schatzkammer gefunden und erobert habt; jetzt gebt bitte alles an die Gemeinschaft. Danke. Hier eure Urkunde; hängt sie einfach zu den anderen. Im Grunde betrifft das aber sogar das Thema "bessere Ausrüstung / gefundene Items". Denn das Einzelpersonen mehr brauchen, um künftig produktiver sein zu können, ist ja schon wieder Kapitalistenlogik und im Sozialismus eher pfui. Außer die Gesellschaft spricht einem diese Ausrüstung zu. Aber die Chancen stehen gut, dass es andere Helden gibt, die damit noch viel mehr ausrichten könnten. Gut für die, Pech für euch. Das löst zwar das Problem der Rüstungsspirale aus Spielleitersicht (SC kriegen dann quasi automatisch die Ausrüstung, die ihrer Stufe oder ihrer Reputation entspricht, aber auch nicht mehr), aber ob das alle Spieler so mögen?
Zum zweiten wäre da das Thema "shady characters". Klar kann man die auch gleich bekennend als A***löcher spielen, aber viele Diebe etc. speisen ihre Motivation ja aus den Ungerechtigkeiten der Welt ("Als ich Kind war, hatten wir wirklich nichts, und meine geliebte kleine Schwester ist an der Schwindsucht gestorben, weil wir uns keinen Arzt leisten konnten. Ich habe daraus gelernt und nehme jetzt von den Reichen!"). Das ist in einer Gesellschaft mit gerechter Verteilung aber hinfällig.
Und letztlich stellt sich für mich die Frage nach dem Gruppenkonzept. Wenn man die klassische Ansammlung von Misfits und Castouts spielen will, dann muss man in dieser idealsozialistischen Gesellschaft (wir reden hier ja nicht vom real existierenden Sozialismus, sondern von einer Wunschvorstellung) fast schon zwingend
gegen diese Gesellschaft spielen. Denn die wird solche schwerbewaffneten, gefährlichen Herumtreiber natürlich nicht tolerieren, sondern versuchen, ganz und gar unabenteuerhafte Beschäftigungen für sie zu finden. Wie in dem alten Bundeswehrwitz: "Sie spielen Klavier? Prima! Geschickte Finger: Ab zum Kartoffelschälen!"
Passender erscheint mir da schon eher, dass die Gesellschaft spezialisierte Troubleshooter hat, zu denen eben auch die Helden gehören. Diese werden also von einer Behörde o.ä. beauftragt, Probleme zu lösen. Und alles, was dabei vom Wagen fällt, gehört der Gesellschaft bzw. in der Praxis der Behörde. Solche Gruppenkonzepte gibt es ja auch sonst (Klassiker wie "Vertreter der Kirche", "Agenten der Königlichen Geheim-Agentur" oder "Gesandte der Verborgenen Bibliothek" o.ä. gehen in die Richtung), aber man muss sich halt darüber klar sein, dass man ein Befehlsempfänger ist, die große Freiheit nicht stattfindet und "treffen sich fünf herumziehende Schwerbewaffnete in einer Kneipe" nicht gut in so ein Setting passt.