Autor Thema: Funktionierender Sozialismus  (Gelesen 2304 mal)

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Offline JohnLackland

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Funktionierender Sozialismus
« am: 1.04.2026 | 20:03 »
Moin, kam gerade drauf wegen den spannenden Solarpunkdiskussionen, danke dafür! Kennt ihr Systeme die in einem funktionierenden Sozialismus spielen? Könnt ihr Euch vorstellen das dies Spass machen kann? Was bräuchte es Eurer Meinung dafür?
« Letzte Änderung: 1.04.2026 | 20:09 von JohnLackland »

Offline Maarzan

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #1 am: 1.04.2026 | 20:32 »
Ich glaube hier wird etwas beschrieben, was dem am nächsten kommt:
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132564.msg135335291.html#msg135335291
Storytellertraumatisiert und auf der Suche nach einer kuscheligen Selbsthilferunde ...

Offline nobody@home

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #2 am: 1.04.2026 | 20:39 »
Ich denke, das ist weniger eine Systemfrage (es sei denn, wir wollen Geld und Äquivalente ausdrücklich verregeln) als eine des Settings -- prinzipiell könnte ja auch D&D anstelle eines Zwergenkönigreichs beispielsweise eine unterirdische Kommune mit Jahresplänen und allem haben, das macht nur irgendwie viel zu selten jemand. ;)

Ein eventuelles Beispiel, das mir spontan durch den Kopf geht, wäre "Red Planet" für Fate, was sich bewußt an utopischer Ostblock-SF orientiert. Der bewußte rote Planet ist in diesem Fall der Mars, auf dem's tatsächlich so was wie einen kommunistischen Idealstaat gibt und auf dem die SC per Voreinstellung zu Hause sind, und der hauptsächlich mit der Erde im Clinch liegt, die trotz der Handlung im formellen 34. Jahrhundert immer noch zwischen den Vereinigten Staaten auf der einen Seite und der Sowietunion auf der anderen gespalten ist, die beide kein freundliches Verhältnis zu den Marsianern haben.

Dabei wird die marsianische Gesellschaft selbst nicht allzusehr im Detail beschrieben und auch das Beispielabenteuer (zehn Seiten Handlungstext, zehn Seiten für sechs Beispielcharaktere...in einem 60-Seiten-Softcover) spielt im All. Das Setting ist als Idee nicht schlecht, existiert aber hauptsächlich in Umrissen zum Selbstausfüllen, wenn man dort z.B. eine längere Kampagne spielen möchte.

Offline Feuersänger

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #3 am: 1.04.2026 | 20:43 »
Was wäre denn für den typischen SC der Unterschied? Er darf keine eigene Fabrik besitzen, dafür ist Heilung kostenlos.
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella

Offline Megavolt

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #4 am: 1.04.2026 | 21:05 »
Bester Thread  ~;D

Offline Gondalf

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #5 am: 1.04.2026 | 21:12 »
Ich denke, das ist weniger eine Systemfrage (es sei denn, wir wollen Geld und Äquivalente ausdrücklich verregeln) als eine des Settings -- prinzipiell könnte ja auch D&D anstelle eines Zwergenkönigreichs beispielsweise eine unterirdische Kommune mit Jahresplänen und allem haben, das macht nur irgendwie viel zu selten jemand. ;)

Die DSA-Elfen vor allem Waldelfen sind doch quasi Kommunisten nahe der Idealform.
Mit Geld können die vom Konzept schon überhaupt nichts anfangen, Besitzt als Konzept ist auch recht fremd, außer dem eigenen Bogen oder der Flöte.
Wenn der Elf sieht, dass Dir kalt ist, schenkt er Dir einen Pelz, eine Jacke oder sowas, wenn er mehr hat, als er selber zum Leben braucht.
Allerdings wenn irgendwo 50 Äpfel auf einem Tisch liegen, dann nimmt er selbstverständlich einen mit, sind ja genug da!
Ich halte mich freiwillig an Tempo 100 – zumindest in geschlossenen Ortschaften.

Offline JohnLackland

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #6 am: 1.04.2026 | 21:17 »
Was wäre denn für den typischen SC der Unterschied? Er darf keine eigene Fabrik besitzen, dafür ist Heilung kostenlos.

Mir geht es dabei mehr um die Lore und auch mal um eine andere Erzählung. Wenn man das reproduziert, was die meisten Rollenspielrunden bespielen, bleibt es der beliebige Plot: Böses Irrwesen ist da – SCs als Problemlöser. Aber selbst da fängt es an: Für wen oder was machen die das? Geld, Sex, Ruhm oder ein höheres Ziel ... Wie sieht das denn mal in einem System aus, das nicht durch „schneller, höher, weiter” bestimmt wird?

Offline JohnLackland

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #7 am: 1.04.2026 | 21:41 »
Die DSA-Elfen vor allem Waldelfen sind doch quasi Kommunisten nahe der Idealform.
Mit Geld können die vom Konzept schon überhaupt nichts anfangen, Besitzt als Konzept ist auch recht fremd, außer dem eigenen Bogen oder der Flöte.
Wenn der Elf sieht, dass Dir kalt ist, schenkt er Dir einen Pelz, eine Jacke oder sowas, wenn er mehr hat, als er selber zum Leben braucht.
Allerdings wenn irgendwo 50 Äpfel auf einem Tisch liegen, dann nimmt er selbstverständlich einen mit, sind ja genug da!


Das sind Wildbeuter, die in einer Art Stammesgesellschaft leben, alles teilen, um zu überleben, und deshalb davon ausgehen, dass alle anderen auch etwas teilen. Sozialismus ist wie Kapitalismus ein Wirtschaftssystem und eine Ideologie, die Einfluss auf die Gesellschaft und das Handeln von Einzelpersonen nimmt.

Der Sozialismus entstand im 19. Jahrhundert als Gegenbewegung zum Kapitalismus. Er zielt auf eine solidarische Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit und Vergesellschaftung von Produktionsmitteln ab, um Ausbeutung zu überwinden.

Die Produktionsmittel (Fabriken, Boden) sollen dem Gemeineigentum unterliegen, d. h. sie sollen der Allgemeinheit oder dem Staat und nicht Privatpersonen gehören.

Gerechtigkeit und Solidarität: Überwindung von Klassengegensätzen und Armut.

Er wird häufig mit Planwirtschaft, also einer zentralen Planung der Wirtschaft statt Marktmechanismen, verbunden. Dies ist jedoch nur so, weil es in der Sowjetunion und all dem Drumherum so geplant wurde. Es kann auch ein anderes Wirtschaftssystem sein, was sich für die meisten aber nur schwer vorstellen lässt.

Offline Blechpirat

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #8 am: 2.04.2026 | 10:36 »
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
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Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.

Offline nobody@home

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #9 am: 2.04.2026 | 10:59 »
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
  • rette die Welt
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Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.

Na ja, Level-1-Charaktere werden so ziemlich nie "die Welt" retten. Ein paar aus dem Dorf entführte Kinder? Das schon eher (wenn die Gegenseite aus Gobbos oder ähnlichem besteht) -- und an der Frage, wer sich ernsthaft weigern würde, das auch ohne mindestens soundsoviele Goldstücke pro Kind in Cash als Belohnung zu machen, zeigen sich dann eben die Gesinnungsgrenzen. ;)

Offline KhornedBeef

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #10 am: 2.04.2026 | 11:04 »
Mir geht es dabei mehr um die Lore und auch mal um eine andere Erzählung. Wenn man das reproduziert, was die meisten Rollenspielrunden bespielen, bleibt es der beliebige Plot: Böses Irrwesen ist da – SCs als Problemlöser. Aber selbst da fängt es an: Für wen oder was machen die das? Geld, Sex, Ruhm oder ein höheres Ziel ... Wie sieht das denn mal in einem System aus, das nicht durch „schneller, höher, weiter” bestimmt wird?
Ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Die Sowjets waren die ersten im Weltraum. Der reale Sozialismus sollte ja durchaus dem Fortschritt der Menschheit dienlich sein, und selbst wenn das zu abstrakt ist, und selbst wenn es keinen Systemfeind zu übertrumpfen gibt ( und ich würde die eine Kampagnenwelt sehr gerne einen haben), Wetteifern ist ja menschlich. Dann ist man eben statt reich nur Held der Arbeit. Aber als ob es das dann nicht außerhalb des Jahresplans gibt ;)
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Offline Weltengeist

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #11 am: 2.04.2026 | 11:11 »
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
  • rette die Welt
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Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.

So ähnliche Gedanken hatte ich gestern auch schon.

Zum einen zum Thema "eigener Besitz". Das kann das reich werden sein, das Blechpirat anspricht: schön, dass ihr die Schatzkammer gefunden und erobert habt; jetzt gebt bitte alles an die Gemeinschaft. Danke. Hier eure Urkunde; hängt sie einfach zu den anderen. Im Grunde betrifft das aber sogar das Thema "bessere Ausrüstung / gefundene Items". Denn das Einzelpersonen mehr brauchen, um künftig produktiver sein zu können, ist ja schon wieder Kapitalistenlogik und im Sozialismus eher pfui. Außer die Gesellschaft spricht einem diese Ausrüstung zu. Aber die Chancen stehen gut, dass es andere Helden gibt, die damit noch viel mehr ausrichten könnten. Gut für die, Pech für euch. Das löst zwar das Problem der Rüstungsspirale aus Spielleitersicht (SC kriegen dann quasi automatisch die Ausrüstung, die ihrer Stufe oder ihrer Reputation entspricht, aber auch nicht mehr), aber ob das alle Spieler so mögen?

Zum zweiten wäre da das Thema "shady characters". Klar kann man die auch gleich bekennend als A***löcher spielen, aber viele Diebe etc. speisen ihre Motivation ja aus den Ungerechtigkeiten der Welt ("Als ich Kind war, hatten wir wirklich nichts, und meine geliebte kleine Schwester ist an der Schwindsucht gestorben, weil wir uns keinen Arzt leisten konnten. Ich habe daraus gelernt und nehme jetzt von den Reichen!"). Das ist in einer Gesellschaft mit gerechter Verteilung aber hinfällig.

Und letztlich stellt sich für mich die Frage nach dem Gruppenkonzept. Wenn man die klassische Ansammlung von Misfits und Castouts spielen will, dann muss man in dieser idealsozialistischen Gesellschaft (wir reden hier ja nicht vom real existierenden Sozialismus, sondern von einer Wunschvorstellung) fast schon zwingend gegen diese Gesellschaft spielen. Denn die wird solche schwerbewaffneten, gefährlichen Herumtreiber natürlich nicht tolerieren, sondern versuchen, ganz und gar unabenteuerhafte Beschäftigungen für sie zu finden. Wie in dem alten Bundeswehrwitz: "Sie spielen Klavier? Prima! Geschickte Finger: Ab zum Kartoffelschälen!" 

Passender erscheint mir da schon eher, dass die Gesellschaft spezialisierte Troubleshooter hat, zu denen eben auch die Helden gehören. Diese werden also von einer Behörde o.ä. beauftragt, Probleme zu lösen. Und alles, was dabei vom Wagen fällt, gehört der Gesellschaft bzw. in der Praxis der Behörde. Solche Gruppenkonzepte gibt es ja auch sonst (Klassiker wie "Vertreter der Kirche", "Agenten der Königlichen Geheim-Agentur" oder "Gesandte der Verborgenen Bibliothek" o.ä. gehen in die Richtung), aber man muss sich halt darüber klar sein, dass man ein Befehlsempfänger ist, die große Freiheit nicht stattfindet und "treffen sich fünf herumziehende Schwerbewaffnete in einer Kneipe" nicht gut in so ein Setting passt.
Aktive Tischrunden (als SpL): Agenten von Nomikos (Eana - Savage Worlds), Eine Erbschaft in Freeport (Freeport - Savage Worlds)
Aktive Onlinerunden (als Spieler): Das Windkammtal (Barsaive - Earthdawn), Die Grauen (Shadow World - Rolemaster), The Price of Arrogance (Théah - 7te See)

Offline Sashael

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #12 am: 2.04.2026 | 11:26 »
Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.

Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.

Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.

Macht man bei HdR & Co ja auch.
"Ja natürlich ist das Realitätsflucht. Was soll daran schlecht sein? Haben Sie sich die Realität in letzter Zeit mal angesehen? Sie ist grauenhaft!"


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I got away with Murder!

Offline General Kong

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #13 am: 2.04.2026 | 11:30 »
Frage an Radio Eriwan: Gibt es ein Rollenspielsetting, das einen funktionierenden Sozialismus abbildet?
Radio Eriwan: Utopische Fantasy ist im real existierenden Sozialismus im Fünf-Jahres-Plan nicht vorgesehen, Genosse.
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Offline blackris

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #14 am: 2.04.2026 | 11:35 »
Es gibt doch Star Trek Adventures!

Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.

Offline nobody@home

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #15 am: 2.04.2026 | 11:37 »
Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist. Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]

Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.

Offline WeepingElf

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #16 am: 2.04.2026 | 11:54 »
Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.

Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber! Schwerter waren teuer, die konnten sich nur Adlige leisten. Pferde waren auch nicht billig; wer ein Pferd hatte, hatte zumindest Geld.

Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.

Zumal die meisten Sachen aus D&D dermaßen unrealistisch sind, dass sie in keinem einigermaßen realistischen Setting funktionieren! Wenn es etwa so viel und so billige Magie gibt, dass es magiekundige Herumtreiber gibt, warum wird die dann nicht in großem Stil eingesetzt, um Wirtschaftsgüter aller Art zu produzieren und den Lebensstandard der Bevölkerung (oder zumindest der herrschenden Klasse) zu heben? Eine Gesellschaft, in der es so viel Magie gibt, sähe ganz anders aus als das mittelalterliche Europa. (Aber die typische D&D-Welt sieht auch nur bei oberflächlicher Betrachtung aus wie das mittelalterliche Europa. Da gab es ja auch keine schwerttragenden oder magiebegabten Herumtreiber. Herumtreiber gab es, aber sie waren bitterarm und verachtet, und niemand rief sie zur Hilfe, wenn es Probleme gab.)

Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.

Macht man bei HdR & Co ja auch.

Ja.

Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist. Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]

Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.

Zweifellos gibt es keine einheitliche Definition von Sozialismus. Deshalb gibt es ja auch divergierende Strömungen, die für sich in Anspruch nehmen, "Sozialisten" zu sein. Aber die klassische Rollenspiel-Abenteurergruppe beißt sich mit den meisten davon, wie Du schon richtig sagst.

Nun zu einem meiner eigenen Projekte, das mir an dieser Stelle relevant zu sein scheint: Ich habe ein Setting in Arbeit, in dem es in der Antike (etwa um 600 v. Chr.) eine Hochkultur auf den Britischen Inseln gab, auf die die keltischen und germanischen Überlieferungen von Elben (woraus Tolkien schöpfte), die griechische Überlieferung von Hyperborea und vielleicht auch Atlantis zurückgehen. Diese "Elben", die natürlich nur ganz normale Menschen waren, hatten eine demokratische Regierungsform und ein Wirtschaftssytem, das man vielleicht als "liberalen Sozialismus" bezeichnen könnte. Die Idee ist, dass die Produktionsmittel den Werktätigen gehören sollen, entweder individuell (kleine Familienbetriebe) oder kollektiv (größere Genossenschaftsbetriebe). Jeder hat das Recht, gemäß seinen Fähigkeiten und Neigungen unternehmerisch tätig zu sein; niemand hat das Recht, andere auszubeuten. Es gibt keine zentrale Planung, sondern eine Marktwirtschaft. Ich weiß jetzt nicht, ob das noch Sozialismus ist, vielleicht sollte ich einfach von "Wirtschaftsdemokratie" sprechen.
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Offline Boba Fett

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #17 am: 2.04.2026 | 12:30 »
Ich würde auch "Star Trek Adventures" nennen wollen.
"Live long and prosper, Genosse!" ;)

Ansonsten bin ich der Meinung, dass Planwirtschaft ein nicht funktionierendes Konzept ist.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Abgesehen davon ist es immer die Tendenz einzelner Individuen, die Schwachpunkte eines Systems (egal welches, und jedes hat Schwachpunkte) zur eigenen Vorteilsnahme / Bereicherung / Machtgewinn auszunutzen. Gier ist eine nicht ausrottbare Schwäche der Menschen und gleichzeitig eine wichtige Antriebsfeder.

Ansonsten müsste man ein Setting erdenken, dass sich genau dieser Probleme annimmt und vielleicht die Abenteuer um die Bewältigung genau dieser Probleme und derer, die aus ausserhalb liegenden einwirkenden Einflüsse resultierern. Und huch, schon sind wir wieder bei Star Trek...
Gibt es Star Trek als Fantasy Setting?
Kopfgeldjäger? Diesen Abschaum brauchen wir hier nicht!

Offline Lichtschwerttänzer

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #18 am: 2.04.2026 | 12:51 »
Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber!

Landlose Ritter, Söldner - Landsknechte kamen übrigens eher aus der Mittelschicht
siehe Weiße Kompagnie
“Uh, hey Bob?”
“What Steve?”
“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
“I don’t know, like, all of our stuff? Like the tent, the bedroll, my shovel, your pot, our cups, the food, our water, your dice, my basket, that net, our spare nails and arrowheads, Jim’s pick, my shovel, the tent-pegs…”
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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #19 am: 2.04.2026 | 12:52 »
Es gibt doch Star Trek Adventures!

Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.

Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.
"These things are romanticized, but in the end they're only colorful lies." - This Is Hell, Polygraph Cheaters

https://negativeblack.itch.io/the-sunken-scriptorium-a-dungeoncrawl-for-shadowdark-rpg

Offline Duck

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #20 am: 2.04.2026 | 12:58 »
Für Fate gibt es das Mini-Setting Red Planet, das eine Art kommunistische Utopie auf dem Mars beschreibt und in der Tradition sowjetischer Science Fiction steht.
A dungeon crawl is just a badly planned heist.
Tischrollenspiel ist der Marxismus der Unterhaltung.

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #21 am: 2.04.2026 | 13:03 »
Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.

Na ja, ob und wie sich die spezielle Ressource "Respekt" gerechter verteilen läßt als "Was du dir ehrlich verdient hast, das hast du eben", wäre vielleicht noch mal ein eigenes Thema -- insbesondere, weil die sich nicht so leicht von der Person, die sie genießt, trennen läßt wie Geld und materielle Güter. :) Aber ich glaube, damit haben selbst die meisten Sozialisten zumindest so lange kein Problem, wie niemand das zum Vorwand nimmt, eine neue "Eliteklasse" nach beispielsweise der Methode "Jede Ehrenmedaille der Union erschließt dir neue Privilegien" einzuführen.

Offline Eismann

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #22 am: 2.04.2026 | 15:22 »
Wie ja oben schon geschrieben, ist Sozialismus etwas schwierig zu definieren.
Wenn es eine Wirtschaftsform ist, bei der alle teilhaben und die Produktionsmittel der Gesellschaft gehören, wäre Star Trek durchaus dran. Aber die haben auch eine Überflussgesellschaft.
Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen, auch wenn der von den Stalinisten und dann Franco platt gemacht wurde.
Wenns mehr Richtung kollektive Volksherrschaft geht, sowas in die Richtung hab ich mal in DSK beschrieben, mit einem Käfervolk, das genau mit der Frage gerungen hat.

Offline unicum

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #23 am: 2.04.2026 | 15:36 »
Kennt ihr Systeme die in einem funktionierenden Sozialismus spielen?

Ich stelle mal in frage das es mit Menschen(TM) überhaupt funktioniert, also echter Sozialismus wie er in der politischen Literatur definiert ist. Marx, Lenin und co waren Politische Philosophen die imho eine kleinigkeit übersehen haben: Menschen sind zwar sozial aber eben auch Individuen. Moderne Beobachtungen zeigten ja auch das selbst Ameisen keinen wirklichen Sozialismus untereinander haben (die Königin mal aussen vor gelassen) und es Individuen darunter gibt (wenn auch nur marginal ausgeprägt).

Also meinetwegen kann es Sozialismus bei anderen Spezien geben am ehesten sogar bei so etwas wie Pilzlebewesen die dann einfach sagen können es gibt gar keine Individuen, solche Systeme wie "Hive Mind" oder die Borg bei Star Treck (bevor man die BorgQueen "einführte").

Offline Lichtschwerttänzer

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Re: Funktionierender Sozialismus
« Antwort #24 am: 2.04.2026 | 15:46 »
Die Rigelianer von Lensmen könnten da passen
“Uh, hey Bob?”
“What Steve?”
“Do you feel like we’ve forgotten anything?”
Sigh. “No Steve. I have my sword and my bow, and my arrows and my cloak and this hobbit here. What could I have forgotten?”
“I don’t know, like, all of our stuff? Like the tent, the bedroll, my shovel, your pot, our cups, the food, our water, your dice, my basket, that net, our spare nails and arrowheads, Jim’s pick, my shovel, the tent-pegs…”
“Crap.”