Dead Space von Kali Wallace. Ein SciFi-Thriller auf einem abgelegenen Bergwerksasteroiden.
Was soll ich sagen ...? Der Kriminalfall ist gerade eben interessant genug, um mich trotz der Charaktere und des Schreibstils bei der Stange zu halten. Schon wieder eine kaputte, traumatisierte Ermittlerin (die in diesem Fall nach einem Terrorakt zur Hälfte aus Prothesen besteht, sprich: ein Quasi-Cyborg). Schon wieder ein Haufen schweigsamer, düsterer Nebenfiguren, die für ihren Job offenbar nicht nur ihre Seele, sondern auch jeden Funken Humor oder gute Laune eintauschen mussten. Und alle Naselang löst irgendein Detail in der Umgebung bei der Protagonistin eine Erinnerung aus, die in seitenweise innerem Monolog ausartet, um mir als Leser in tolkieneskem Detailreichtum den Weltenbau ins Gesicht zu reiben. (Keine Übertreibung. Als ihr z.B. ein anderer Ermittler vorgestellt wird, folgen vier(!) Seiten innerer Monolog über dessen sozialen Hintergrund und die gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Mars.)
Ich lese eigentlich nur weiter, weil (a) meine Neugier getriggert ist, was hinter dem Mordfall und den Sabotageakten auf dem Asteroiden steckt, (b) ich die Hoffnung nicht ganz aufgebe, dass die Protagonistin irgendwann doch noch eine andere Emotion als Verbitterung zeigt und (c) der ganze Sums immer noch lesenswerter ist als 95% aller SciFi, die mir dieses Jahrtausend bislang angetan hat. (Die restlichen 5% waren von Andy Weir und Andreas Suchanek.)